Ob am See, im Café oder irgendwo zwischen Urlaub und Uni-Stress: Der Sommer ist die perfekte Zeit, endlich wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. Deshalb hat die Redaktion ihre aktuellen Favoriten gesammelt. Geschichten über Liebe, Freundschaft, Chaos, Selbstfindung und all die Menschen, die man nicht so schnell vergisst. Von emotionalen Familiengeschichten über nostalgischen 70er-Jahre-Rock’n’Roll bis hin zu den perfekten Feel-Good-Sommerromanen ist alles dabei. Hier kommen unsere Buchtipps für den Sommer.
Giovanni’s Room von James Baldwin
Sommer in Paris in den 1950er-Jahren: In Giovanni’s Room entführt James Baldwin seine Leser:innen in eine pulsierende, zugleich bedrückende Welt. Der amerikanische Protagonist David stürzt sich in das Pariser Leben, während seine Freundin Hella sich in Spanien aufhält. Doch seine Begegnung mit dem italienischen Barkeeper Giovanni wird für ihn zum Wendepunkt.
Baldwin zieht uns hinein in die beklemmende Intimität von Giovannis kleinem, stickigem Zimmer–ein Ort, der zugleich Zuflucht und Gefängnis ist. Dabei verhandelt der Roman eindringlich Themen wie Scham, sexuelle Repression und fragile Männlichkeitsbilder.
Giovanni’s Room ist ein Must-read für alle, die sich nicht nur vom Flair eines Pariser Sommers verzaubern lassen wollen, sondern auch bereit sind, sich auf eine tragische und zutiefst emotionale Geschichte einzulassen.
Blue Sisters von Coco Mellors
Eine Mischung aus Feel-Good und Herzschmerz, großen Gefühlen, aber auch ernüchternder Realität. Mit dem Roman Blue Sisters hat Coco Mellors ein gewaltiges Werk geschaffen, welches Themen wie Liebe, Beziehung, Trauer und (Sucht-)Erkrankungen auf eine Art kombiniert, die fast schon unkonventionell und vielleicht gerade deshalb so glaubwürdig erscheint.
Erzählt wird in dem 2024 erschienenen Page-Turner eine komplexe Schwestern-Dynamik aus drei Perspektiven. Besonders spannend zu sehen sind die verschiedenen Beziehungen der Schwestern untereinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch eins ist ihnen gemein: Der Tod der geliebten Schwester Nicky, der alles verändert hat. Der Roman begleitet die Schwestern auf ihrem Weg nach dem Schicksalsschlag – aufeinander zu und teilweise auch wieder zu sich selbst.
Traurig, lustig, berührend. Beim Lesen dieses Buches kullert mit Sicherheit die eine oder andere Träne und genau dieser Mix aus verschiedenen Gefühlen und Emotionen ist es, der das Buch so empfehlenswert macht.
Wer Lust hat, in die Welt der Schwestern Avery, Bonnie und Lucky einzutauchen und sich auch von Coco Mellors’ berührendem Schreibstil mitreißen lassen will, sollte Blue Sisters definitiv auf die Leseliste für diesen Sommer nehmen.
Daisy Jones & The Six
von Taylor Jenkins Reid
Die Geschichte einer Band, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Daisy Jones & The Six sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: ausverkaufte Stadien, kreischende Fans, ihre Songs überall im Radio. Und im Zentrum der Band: Billy Dunne und Daisy Jones die ihre Augen nicht voneinander lassen können inmitten der Rock’n’Roll- und Drogenszene der 1970er Jahren. Doch dann trennt sich die Band plötzlich und niemand weiß so richtig, warum.
Klingt bekannt? Die Autorin Taylor Jenkins Reid, die unter anderem Bestseller wie The Seven Husbands of Evelyn Hugo oder zuletzt Atmosphere veröffentlichte, ließ sich stark von Fleetwood Mac inspirieren. Vor allem von Leadsängerin Stevie Nicks und Gitarrist Lindsey Buckingham und ihrer komplizierten Beziehung innerhalb der Band. Wer einmal das Live-Video von Silver Springs gesehen hat, in dem Stevie Nicks Lindsey Buckingham mit “I’ll follow you down ’til the sound of my voice will haunt you” direkt ansieht, weiß sofort, welche Stimmung gemeint ist.
Das Buch ist dabei komplett im Interviewstil geschrieben, wodurch es sich schnell wie eine echte Banddokumentation anfühlt. Nach und nach wird klar, was hinter den Kulissen passiert ist und welche Dynamiken eine Rolle gespielt haben.
Der perfekte Sommerroman, um in die bunte Welt der 70er-Jahre einzutauchen und einem schnell das Gefühl gibt selbst dabei zu sein. Und für alle die danach noch nicht genug haben: Das Buch wurde als Serie für Amazon Prime verfilmt, inklusive eines Soundtracks, der einen wieder verwundert zurücklasst, dass es sich nicht um eine echte Band handelt. Unter anderem auch weil die Hauptprotagonistin Daisy Jones von niemand Geringerem als Riley Keough, der Enkelin von Elvis Presley, und Billy Dunne von Tribute von Panem-Star Sam Claflin gespielt werden. Also hört rein, schaut es euch an, aber am besten: lest selbst!
Everything I Know About Love von Dolly Alderton
Wilde Partynächte, unangenehme Dating-Erfahrungen, enge Freundschaften und die Unsicherheiten des Erwachsenwerdens – in ihrem Memoir erzählt Dolly Alderton mit viel Humor und Ehrlichkeit von ihren chaotischen Zwanzigern. Neben gescheiterten Beziehungen und schlechten Entscheidungen geht es vor allem um die Menschen, die einen durch unterschiedliche Lebensphasen begleiten, prägen und manchmal sogar besser kennen als man selbst.
Besonders schön beschreibt Alderton das warme, vertraute Gefühl von Freundschaften und die Sicherheit, sich auch in schwierigen Momenten aufeinander verlassen zu können.
Ergänzt werden die autobiografischen Geschichten durch Chatverläufe, Rezepte, Listen und Lektionen am Ende der Kapitel, die das Buch noch persönlicher wirken lassen. Gerade diese Mischung aus lustigen, chaotischen und emotionalen Momenten machen Everything I Know About Love zu einer lockeren, unterhaltsamen und gleichzeitig nachdenklichen Sommerlektüre.
The Bee Sting von Paul Murray
Vielleicht nicht unbedingt ein typischer Beach-Read, aber definitiv ein Highlight für den Sommer:
Eine Familie, viele Probleme, noch mehr Geheimnisse. Paul Murray schreibt in seinem preisgekrönten Roman abwechselnd aus den Perspektiven von vier Familienmitgliedern, die unter der Finanzkrise leiden.
Dickie Barnes versucht, auszublenden, dass sein Geschäft den Bach runter geht, seine Frau versucht, die Familie zu retten, ihre Kinder flüchten sich aus der Realität. Doch die Schwierigkeiten fingen eigentlich schon viel früher an. Murray webt über Jahrzehnte hinweg eine fesselnde Geschichte von Geheimnissen, Liebe und Schicksal.
Was war der Auslöser? Und lässt sich verändern, was vorbestimmt scheint?
Wenn ihr Bücher mögt, die nachdenklich machen und die man am liebsten gleich nochmal liest um alle Verknüpfungen zu erkennen, ist The Bee Sting für euch das Richtige.
People we meet on vacation von Emily Henry
Manche Bücher fühlen sich an wie ein Sommerurlaub, für den man weder Koffer packen noch sein Konto plündern muss. People We Meet on Vacation von Emily Henry ist genau so ein Buch: leicht, warm, witzig und perfekt für alle, die zwischen Hausarbeiten, Nebenjob und dem dritten Kaffee am Tag kurz so tun möchten, als lägen sie irgendwo am Strand statt in der Bibliothek.
Im Mittelpunkt stehen Poppy und Alex, zwei beste Freunde, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Poppy ist spontan, laut, bunt und immer bereit für das nächste Abenteuer. Alex dagegen ist ruhiger, nachdenklicher und eher der Mensch, der wahrscheinlich sogar seine Urlaubssnacks vorher plant. Trotzdem — oder gerade deshalb — passen die beiden wunderbar zusammen. Seit dem College reisen sie jedes Jahr gemeinsam in den Urlaub, bis ein Streit alles verändert und zwischen ihnen plötzlich Funkstille herrscht.
Die Geschichte springt zwischen früheren Reisen und der Gegenwart hin und her. So erfährt man Stück für Stück, warum Poppy und Alex ein so besonderes Duo sind und was damals zwischen ihnen passiert ist. Besonders schön ist dabei, dass Emily Henry nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt, sondern auch über Freundschaft, Unsicherheit und die Frage schreibt, wo man sich eigentlich zu Hause fühlt. Das klingt vielleicht tiefgründig, liest sich aber angenehm leicht und nie so, als müsste man nebenbei ein Seminarprotokoll schreiben.
Der Roman lebt vor allem von den Dialogen zwischen Poppy und Alex. Sie necken sich, verstehen sich ohne viele Worte und reden manchmal trotzdem komplett aneinander vorbei — also ziemlich realistisch. Genau das macht die beiden so sympathisch. Man fiebert mit, lacht mit und möchte ihnen gelegentlich zurufen: „Bitte redet doch einfach miteinander!“. Aber gut, dann wäre das Buch vermutlich nur 40 Seiten lang.
People We Meet on Vacation ist eine klare Empfehlung für alle, die eine charmante, humorvolle und herzerwärmende Lektüre suchen. Perfekt für die Semesterferien, den Weg zur Uni oder für Abende, an denen man eigentlich lernen sollte, aber ganz dringend emotionalen Urlaub braucht.
