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	<title>Julia Birner, Autor bei presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Akzeptierte Respektlosigkeiten. Über Mansplaining, Missbilligung und Monika Gruber.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 09:00:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie jeder Ort, der eine Gruppe von sozial aktiven Menschen beheimatet, hat auch diese Stadt eine gewisse Dynamik, die daraus zu bestehen scheint, unverhältnismäßig oft und unverhältnismäßig ausführlich über die Lebensgestaltung anderer Menschen zu diskutieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/11/akzeptierte-respektlosigkeiten-ueber-mansplaining-missbilligung-und-monika-gruber/">Akzeptierte Respektlosigkeiten. Über Mansplaining, Missbilligung und Monika Gruber.</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-15870" width="250" height="187" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-1024x768.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-300x225.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-768x576.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485.jpg 1302w" sizes="(max-width: 250px) 100vw, 250px" /><figcaption>© Julia Birner</figcaption></figure></div>



<p>Nachdem ich vor einigen Wochen wutentbrannt von einem Heimaturlaub zurückkehrte, tippte ich ein paar lose Zeilen in mein Smartphone, wie ich es immer tue, um meiner Laune Luft zu machen. Nun, aus ein paar losen Zeilen wurden Absätze und schnell verlor ich mich in Gedanken. Immer wieder gelange ich an diesen Punkt. Immer wieder ärgere ich mich über dieselben wiederkehrenden Dinge, die mich mittlerweile heimzusuchen scheinen. Zusammenfassen würde ich diese Dinge unter der Kategorie „akzeptierte Respektlosigkeiten des Alltags“. Drei davon möchte ich folgend besprechen.</p>



<p><strong>Erste akzeptierte Respektlosigkeit: Missbilligung</strong></p>



<p>Ich wohnte also einst in einer kleinen Stadt. Wie jede Stadt, oder besser gesagt, wie absolut jeder Ort, der eine Gruppe von sozial aktiven Menschen beheimatet, hat auch diese Stadt eine gewisse Dynamik, die daraus zu bestehen scheint, unverhältnismäßig oft und unverhältnismäßig ausführlich über die Lebensgestaltung anderer Menschen zu diskutieren. Inhalte dieser Diskussionen sind zumeist Gewicht, Kleidung, Frisur, Partner:innen und vor allem: beruflicher Werdegang und Grad der Andersartigkeit zu dem Kreis, mit dem man sich gerade unterhält. In Gruppen von mindestens zwei Personen wird besprochen, was an der Lebensgestaltung von x (beliebige Person, über die zumeist nur oberflächliche Informationen bekannt sind) sinnvoller, schneller, langsamer, besser, anders gemacht werden könnte. Kritisiert wird allerdings nicht etwa ein Fehlverhalten, welches Leid und Schaden nach sich zieht. Nein, kritisiert wird – naja, einfach des Kritisierens wegen. Nun, ganz so banal wird der Grund wohl nicht sein. Sicher gibt es verschiedene alltagspsychologische Erklärungen für dieses Phänomen. Angewohnheit, Druck, Neid, Unsicherheit, Sozialisation, Unzufriedenheit. Bei mir war es eine Mischung aus allem. War? Es &nbsp;i s t &nbsp;eine Mischung aus allem. Es mag pessimistisch erscheinen, aber ich bezweifle, dass jemand in der Lage ist, diese Dysfunktion langfristig loszuwerden. Definitiv aber kann man sie hinterfragen, bearbeiten, stumm stellen und abschwächen. So gelingt es mir weitestgehend, diesen Dämon im Griff zu haben, mich die meiste Zeit von diesem Verhalten zu distanzieren &#8211; nach radikaler und unangenehmer Arbeit an mir selbst. Was aber vor Allem eins bedeutet: Es fällt mir auf, wenn andere diesen Dämon nicht im Griff haben. Selbstverständlich haben wir alle unsere Schwächen. Einen großen Unterschied macht es jedoch, wie wir mit diesen Schwächen umgehen.</p>



<p>Hierin besteht der Kern meines Ärgers: Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Ideale, Urteile, Gedanken, Taten und Worte immer wieder zu hinterfragen und ehrlich mit uns selbst zu sein. Wieso stehe ich ein, wofür ich einstehe? Ist es tatsächlich der Grund, den ich angebe, oder stört mich in Wirklichkeit etwas Anderes? Reagiere ich mit meiner Antwort auf die aktuelle Situation, oder laufen in meinem Kopf Dinge ab, die hier und jetzt gar nicht stattfinden? Wer diese Arbeit an sich selbst immer und immer wieder verwehrt, schadet nicht nur einem respektvollen Miteinander, sondern auch Einzelpersonen und schließlich sich selbst, denn wer mit anderen so hart ins Gericht geht, wird bei sich keine Ausnahme machen. Und umgekehrt. Wer in dieser Weise über andere Menschen spricht, gibt vielmehr Einblicke in sich selbst.</p>



<p>Natürlich ist diese Reflexionsarbeit keine leichte Angelegenheit und fällt unterschiedlichen Personengruppen mit unterschiedlichen Vorgeschichten und Lebenssituationen unterschiedlich schwer. Daher plädiere ich nicht auf Perfektion, sondern lediglich auf Respektanz. Die Bereitschaft zu respektieren. Wie könnte man Menschen, ihre Eigenheiten und Entscheidungen akzeptieren und respektieren, wenn man sie laufend herabstuft?</p>



<p><strong>Zweite akzeptierte Respektlosigkeit: Kompetenzabsprache</strong></p>



<p>Ich stehe vor zwei Problemen.</p>



<p>1. Ich schlug nicht den allgemein anerkannten Werdegang &#8220;Studium mit determinierter beruflicher Laufbahn, bestenfalls in der Wirtschaft&#8221; ein, trage keine Schaufenster-Kleidung mehr und begann auf tierische Produkte in meiner Ernährung zu verzichten.</p>



<p>2. Mein biologisches Geschlecht ist weiblich.</p>



<p>Diese Kombination erhöht meinen Grad der Andersartigkeit zu zahlreichen erdenklichen Gruppenkonstellation aus Personen, die höheres Ansehen genießen, maßgeblich. Und macht es mir damit tatsächlich schwer, mir Respekt zu verschaffen, mir Gehör zu verschaffen und überhaupt ernst genommen zu werden. Besonders in der aktuellen Zeit, in der Debatten auf Internetplattformen stattfinden, Meinungen weiter und weiter auseinander gehen und Diskussionen hitzig sind, ist eine Begegnung auf Augenhöhe besonders wichtig. Umso dramatischer, wenn einer Gruppe von Menschen systematisch ihr Wissen aberkannt, ihre Kompetenz abgesprochen wird und somit keinerlei Kontakt auf Augenhöhe stattfinden kann.</p>



<p>Der Punkt Kompetenzabsprache wird nicht nur, aber häufig von Männern (die erfolgreich als solche sozialisiert wurden) und nicht nur, aber häufig von Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation und -weise flächendeckend gesellschaftlich anerkannt sind, vollbracht. Sicher ist der seit 2003 von Rebecca Solnit geprägte Begriff &#8220;Mansplaining&#8221; schon bekannt. <em>„Es handelt sich dabei um ein Phänomen, bei dem ein Mann einer Frau etwas erklärt – und dabei überhört, dass sie sich bestens auskennt“ (Bähr 2015).</em> Kurz gesagt: Egal, wie gut ich als Frau informiert bin, ein am Gespräch beteiligter Mann (der als solcher erfolgreich sozialisiert wurde) denkt, es besser zu wissen und klärt mich auf. (Hier höre ich schon die ersten Gegenstimmen, die genau das bestätigen, was ich im Folgenden schreiben möchte). Die Betonung liegt hier auf dem d e n k t , es besser zu wissen. Grund dafür: persönliche Selbstüberschätzung und Kompetenzabsprache des Gegenübers.</p>



<p>Oftmals gibt es Menschen, die wissen es besser, ja. Oftmals gibt es Menschen, die sind besser informiert und oftmals gibt es einfach verschiedene Meinungen, die nicht einem Mangel an Information geschuldet sind, sondern unterschiedlichen Herangehensweisen, Perspektiven oder anderen Idealen. Sofern diese Herangehensweisen, Perspektiven und Ideale niemandem schaden, sind sie, wie sie auch aussehen mögen, vollkommen akzeptabel. Wovon ich aber spreche sind Situationen, in welchen das Gegenüber herabgestuft wird, bevor es überhaupt zu einer Auseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene kommen kann. Diese Herabstufungen führen dazu, dass bestimmte Personen von vornherein nicht als gleichwertige Gesprächspartner:innen angesehen werden. Meist passiert das unterbewusst und unbeabsichtigt, was es umso schwerer macht, dieses Problem zu beheben. Unterbewusst und unbeabsichtigt heißt jedoch keinesfalls unbemerkt. Bleiben wir beim Thema Geschlecht, da es dasjenige ist, was ich selbst erlebe – und mit mir ungefähr 50% der Gesellschaft!</p>



<p>Die Redeweise von Männern und von Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Männer schon von klein auf, sowohl von der Gesellschaft, als auch vom Elternhause beigebracht bekommen, wie man redet, wie man sich darstellt und wie man sich in Szene setzt, um zu überzeugen, wird Frauen vermittelt, dass sie brav, ruhig und verständnisvoll sein sollen. Ein Mann (dessen männliche Sozialisierung erfolgreich war) kann denselben Inhalt vermitteln wie eine Frau &#8211; er wird mehr Zustimmung, mehr Beifall, mehr Respekt erhalten. Diese Unterschiede in der Gesprächsstrategie sind allerdings nicht der einzige Grund, weshalb der Mann hier mehr Zustimmung erhält. Auch die gesellschaftliche Erwartungshaltung und die damit verbundene „self fulfilling prophecy“ an ihn ist eine andere: Wissen, Können, Kompetenz. Eine Frau hingegen kann noch immer vor allem eines sein: Schön.</p>



<p class="has-light-green-cyan-background-color has-background"><strong>Exkurs:</strong><br>Besonders in öffentlichen Kontexten, wo die Rede statusaufbauend wirken kann, ist zu beobachten, dass Männer mehr Redezeit beanspruchen, als Frauen, deren Redezeit eher in privaten, kooperativen Kontexten zunimmt. Geschlechtsspezifischer Redestil ist besonders an soziale Erwartungshaltungen gekoppelt. Leet-Pellegrini führte 1980 eine Studie durch (Kotthoff 2018: 283), aus welcher die eben schon angesprochenen Probleme ersichtlich wurden: Mehrere Zweiergruppen sollten über das Thema „Gefahren des Fernsehens für Kinder“ diskutieren, wobei jeweils eine der beiden Personen, im Unwissen der zweiten, im Vorfeld Infomaterial bekam, welches sie im Gespräch zum Experten/ zur Expertin machte. Das Wissensverhältnis wurde somit schnell auffallend different, die uninformierte Seite stellte mehr Rückfragen, gab Hörersignale und beanspruchte weniger Redezeit. Dieses Muster zeigte sich in allen Fällen, außer wenn die Frau die Expertin, also die in dieser Situation überlegene Person war. Der Mann bestätigte sie nicht in ihrer Rolle, stellte keine Fragen, beanspruchte ein gleiches Maß an Redezeit und sie trat ihm wiederum nicht deutlich genug entgegen (ebd.: 284). Zahlreiche weitere Studien, die in den 80er und 90er Jahren stattfanden, konnte diese männliche Neigung zur Kompetenzdarbietung und Autoritätsinszenierung bestätigen (ebd.).<br>Aussagen von weiblichen Sprecherinnen finden zum einen weniger Gehör, zum anderen wird in unsachlicher Weise, etwa durch Anspielungen oder Anzüglichkeiten, Bezug genommen (Kotthoff 2018: 273 – 284, Burkhardt 1990: 61). Der Faktor Status mag in dieser Angelegenheit von großer Gewichtung sein, doch weist er gewissermaßen auf einen Teufelskreis. <em>„Bis auf den heutigen Tag sind Männer in allen Gesellschaften innerhalb [der] Hierarchie höher platziert“</em> (Kotthoff 2018: 283). Sie werden von Geburt an auf diese Umstände vorbereitet und entsprechend mit einem Stil der Selbstdarstellung und Kompetition sozialisiert (ebd.: 284). Frauen hingegen werden in die andere Richtung sozialisiert (ebd.273ff.), was sich im Hinblick auf das Ziel der Gleichstellung gegenseitig nicht bedingt. Durch Sozialisation werden folglich entsprechende Stereotype weitergegeben. Männer erlangen somit weiterhin leichter einen höheren Status und machen dies durch bestimmte Gesprächsstile kenntlich, was ihnen wiederum weitere Chancen ermöglicht und. Im Gegenzug wird Frauen durch diese unbewusst stattfindenden Unterdrückungsmechanismen der Weg erschwert.</p>



<p>Verstehen ist auch eine Frage des Wollens. Wenn man einen Menschen schon vor seiner Rede gedanklich in eine Ecke drängt, ist ein Verstehen nahezu unmöglich. Das lähmt nicht nur jede Diskussion, es zensiert systematisch bestimmte, eigentlich qualifizierte Personengruppen und nimmt ihnen ihre Stimme.</p>



<p><strong>Dritte akzeptierte Respektlosigkeit: Tarnumhang Humor</strong></p>



<p>Besonders deutlich wird Respektlosigkeit als komplett anerkannte Umgangsform in Sachen Humor/Comedy. Ob es nun der oben schon angesprochene andere Werdegang (&#8220;anders&#8221; meine ich in allen Beispielen im Sinne von &#8220;das Andere zu uns, die wir gerade darüber sprechen&#8221;), die andere Ausführung eines ähnlichen Werdegangs, die andere Ernährung, die andere Kleidung, das andere Gewicht, das andere Geschlecht, die andere Kultur, die andere Hautfarbe, die anderen Sitten, die andere Lebensform oder die andere Beziehungsform ist (man könnte die Liste unendlich weiterführen): es gibt immer etwas, was man auf die möglichst ulkigste Art und Weise darstellen kann, um als Witz getarnt seinen Unmut darüber kund zu tun. Natürlich, Humor bedeutet auch Gelassenheit, Freude, Leichtigkeit. Ohne Humor wäre die Welt ein ganzes Stück langweiliger und wahrscheinlich unerträglich. Es liegt aber auf der Hand, dass es verschiedene Kategorien des Humors gibt und manche davon einfach über ihr Ziel hinaus schießen. Wie bei so vielen Dingen ist der Übergang fließend, Grenzen sind nicht klar erkennbar. Vielleicht kann ich es so formulieren: Ein kleiner Scherz über Andere sollte die Ausnahme sein, nicht die Grundlage eines gesamten Humorverständnisses.</p>



<p>Die Feststellung, dass so mancher Witz fragwürdig sein kann, ist im Übrigen kein Phänomen der heutigen Zeit. Spätestens mit dem Beginn des rührenden Lustspiels in der Epoche der Empfindsamkeit wurden unsere Vorfahren mit der Erkenntnis beglückt, dass ein Theaterstück, in welchem ausschließlich über tollpatschige Bürger:innen gelacht wird, doch irgendwie sehr eintönig und unangenehm ist. Wie der Name der Epoche schon erahnen lässt: die Empfindsamkeit wurde entdeckt. Es scheint mir jedoch, als sei nach dieser Erkenntnis im 18. Jahrhundert nicht mehr viel gefolgt. Karbarettist:innen wie Dieter Nuhr oder Monika Gruber sind die wohl besten mir bekannten Beispiele für solch ein, im Schafspelz „Humor“ verkleidetes, respektloses Miteinander. Ihr Programm besteht im Wesentlichen daraus, dass früher alles besser war und aus allem, was sich im Ansatz zu ihrer eigenen Lebensweise unterscheidet, eine halbstündige Bühnenshow zu machen, die (entgegen dem, was sie selbst wahrscheinlich behaupten würden) weder zu einer gesunden Multimeinungs-Diskussionskultur beiträgt, geschweige denn zu einem friedlichen, respektvollen Miteinander. Ich denke da an eines der vielen Beispiele „menstruierende Personen&#8221; statt &#8220;Frauen<em>“</em>: Wenn es um das Thema Periode geht, möchte man künftig nicht mehr nur Frauen nennen, sondern alle menstruierenden Personen, da zum einen nicht nur Frauen, sondern auch Transgender- oder nicht-binäre Personen Monatsblutungen haben können, zum anderen auch nicht alle Frauen menstruieren. Somit ist es faktisch falsch, in Sachen Periode einfach allgemein von Frauen zu sprechen. Monika Gruber, wie auch Dieter Nuhr und weiß Gott wer noch alles thematisieren dieses Anliegen in mehreren ihrer Auftritte – natürlich ganz nach dem Motto: Ich hab ja nichts gegen schwule oder Transmenschen, aber das ist doch lächerlich.</p>



<p>Themen wie solche scheinen für einen Teil der Gesellschaft unrelevant. Klar, sie sind auch nicht direkt betroffen. Für einen anderen Teil haben sie jedoch einen extrem hohen Stellenwert. Interessen von Personengruppen, die weniger hohes Ansehen genießen, sind ohnehin schwer durchzusetzen, so ist es nicht nur nicht förderlich, daraus eine Comedyshow zu machen, sondern auch schlichtweg verwerflich. Mit anderen Worten: Frau Gruber und co. schütten Öl in ein Feuer aus Sturheit, Empathielosigkeit und Unwissen. Einen kurzen Witz in privaten Kreisen zu machen ist eine Sache. Die Grenzen anderer Menschen stecken zu wollen, eine andere.  Diskussionen, die für einen Teil der Gesellschaft wichtig sind, des inhaltlichen Unverständnisses wegen, auf einer Bühne für verzichtbar und lächerlich zu erklären, ist keine kreative Leistung, sondern unverschämt. Respektvolles Miteinander, respektvoller Austausch kann nicht funktionieren, wenn ein großer Teil unseres Lebens daraus besteht, andere Menschen, ihre Bedürfnisse und Grenzen zu verspotten. Was in Grundschulen als Mobbing bestraft wird, kann nicht im Erwachsenenalter mit fehlender Humorbereitschaft und übersteigerter Empfindlichkeit gerechtfertigt werden.</p>



<p></p>



<p><strong>Quellen:</strong></p>



<p>Kotthoff, Helga 2018: Genderlinguistik. Tübingen. 3 – 293.</p>



<p>Bähr, Julia 2015: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wortschoepfung-mansplaining-allwissende-erzaehler-13413483.html (letzter Zugriff: 06.11.2020).</p>



<p>Burkhardt, A. 1990: „Das ist eine Frage des Intellekts, Frau Kollegin“ Zur Behandlung weiblicher Redner in deutschen Parlamenten. Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht 65. 61-83.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/11/akzeptierte-respektlosigkeiten-ueber-mansplaining-missbilligung-und-monika-gruber/">Akzeptierte Respektlosigkeiten. Über Mansplaining, Missbilligung und Monika Gruber.</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>WWW im Duell um den OB-Posten: Im Gespräch mit Martina Wild (Grüne)</title>
		<link>https://presstige.org/2020/03/www-im-duell-um-den-ob-posten-im-gespraech-mit-martina-wild-gruene/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2020 09:14:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Freitag, 9 Uhr 15. Wir, Balthasar und Julia, treffen uns an der Tram-Haltestelle der Uni. Ein paar Minuten früher, um die Interviewfragen nochmal durchzugehen und uns ein wenig auszutauschen - eventuelle Neuigkeiten, die sich noch einbauen lassen, oder Fragen, die im Gespräch vielleicht aufkommen werden. Was den richtigen Ort für das Interview betrifft, einigen wir uns auf die alte Cafete. Erfahrungsgemäß ist 9 Uhr 30 noch keine Hochphase für Studenten, erst recht nicht in den Ferien, es sollte also noch ruhig sein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/03/www-im-duell-um-den-ob-posten-im-gespraech-mit-martina-wild-gruene/">WWW im Duell um den OB-Posten: Im Gespräch mit Martina Wild (Grüne)</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<p></p>



<p>„Next Stop, University“.&nbsp;Die Haltestelle ist menschenleer an diesem Freitagmorgen, als Martina Wild, die OB-Kandidatin der Grünen, aus der Tram steigt. Ihr Blick schweift suchend an uns vorbei. Wir kommen auf sie zu. „Nehmt ihr schon auf?“ fragt sie mit einem Augenzwinkern – sie habe schon viel erlebt in diesem Wahlkampf. „So gut sind wir nicht ausgestattet“, erklären wir lachend und laufen den Innenhof entlang zur alten Cafeteria. Erst dort beginnen unsere Handys zu lauschen – und wir mit den Fragen. </p>



<p><strong>Presstige (PR): Das Thema Wohnen ist natürlich auch für uns Student*innen interessant. Deswegen die konkrete Frage: Bezahlbarer Wohnraum, was sind da ihre Vorhaben?&nbsp;</strong></p>



<p>Martina Wild (MW): Das Wohnen ist natürlich eines der wichtigen Themen, das nicht nur die ganz normalen Bürgerinnen und Bürger sowie die Studierenden betrifft, sondern auch soziale Einrichtungen in dieser Stadt immer mehr betrifft.&nbsp;&nbsp;Mittlerweile zieht die Preisspirale bei den Mietwohnungen, aber auch beim Eigentum dermaßen an, dass sich das Thema zu einer sozialen Frage entwickelt hat, welche nicht mehr nur die sozial schwächeren Schichten betrifft, sondern nun auch den Mittelstand. Deswegen haben die Grünen eine grüne Wohnoffensive entwickelt. Mit dieser soll geförderter Wohnraum geschaffen, die Mietpreisbindung auf 40 Jahre verlängert werden und eine adäquate Förderung von Genossenschaften und Baugemeinschaften in dieser Stadt stattfinden. Dies soll natürlich auch der Erhaltung von Milieus dienen sowie der Zweckentfremdung entgegenwirken.&nbsp;</p>



<p>Auch beim Thema städtische Böden macht sich eine Preisspirale bemerkbar und daher sollte hier im Sinne des Gemeinwohls agiert werden. Hier wollen die Grünen zukünftig eine Bodenbevorratungspolitik betreiben und Grundstücke in Erbpacht geben. Für ein grünes, klimagerechtes und nachhaltiges Bauen in Zeiten des Klimawandels, sollen Energiestandards eingeführt und Fassaden und Dächer begrünt werden.&nbsp;</p>



<p>Allerdings wenn man in Haunstetten sieht, wo im Gewerbegebiet mit riesigen Parkflächen, potenzielle Baufläche versiegelt wird, müsste auch hier umgedacht und integrativer gebaut werden. Wenn in Zukunft dann auch höher gebaut wird, muss hier natürlich auch mit Sinn und Sachverstand vorgegangen werden. Aber es müssen dabei auch Grünstrukturen in Form von Parks etc. geschaffen werden, sonst werden damit natürlich die sozialen Brennpunkte von morgen geschaffen.&nbsp;</p>



<p><strong>PR: Das nächste Thema wäre die Mobilität. Da steht ja gerade eine mögliche Ausweitung des Geltungsbereichs des Semestertickets zur Diskussion. Wäre da auch eine Ausweitung bis München, Kempten, Ulm oder Ingolstadt möglich?&nbsp;</strong></p>



<p>MW: Der Standpunkt der Grünen zum Nahverkehr beläuft sich auf die Vorfahrt für den ÖPNV und, dass dieser in Zukunft auch über die Stadtgrenzen hinausgeht, vor allem die Straßenbahnen. Die Linie 3 nach Königsbrunn wird nach 40 Jahren endlich realisiert und auch die Linie 5 nach Neusäß soll ausgebaut werden. Auch nach Gersthofen und Friedberg sollen die Straßenbahnen verlängert werden.&nbsp;</p>



<p>Der Nahverkehr soll mit attraktiven Preisen locken. Wir wollen das 365-Euro-Ticket einführen, welches dann bestenfalls auch auf Landesebene gilt, und einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr für Jugendliche bis 28. Da wären wir dann wahrscheinlich auch aus der Diskussion um das Semesterticket raus. Das sind komplizierte Strukturen auch von Landesebene her, aber da müssen wir einfach anpacken. Wir wollen ja in Zeiten des Klimawandels nachhaltige Mobilität gestalten und da ist natürlich ein großer Ankerpunkt der ÖPNV.&nbsp;</p>



<p><strong>PR: Das Ziel „Fahrradstadt 2020“ wurde ja doch verfehlt, woran lag das und wie soll sich das in Zukunft verbessern?&nbsp;</strong></p>



<p>MW: Die Ambition, Vorfahrt für den Radverkehr zu schaffen war richtig. So wurden schon in Haunstetten und bald auch in Pfersee Fahrradschnellwege geschaffen. Wir Grüne, aber auch die Bürgerinnen und Bürger – was sich ja in mehreren Bürgerinitiativen zeigt – wollen ein flächendeckendes Netz aus Fahrradwegen in unserer Stadt.</p>



<p>Aber wir wollen natürlich auch sichere Fahrradwege gestalten. Also vor allem an den Unfallschwerpunkten in Augsburg. Da wollen wir zum Beispiel Aufstellflächen an den großen Kreuzungen vor den Autos für die Radfahrenden schaffen. So schaffen wir besseres und sicheres Fahrradfahren in unserer Stadt, das ist unserer Perspektive. Da sollte man dann endlich auch mal die Autoparkplätze hintenanstellen.&nbsp;</p>



<p><strong>PR: Da wären wir auch schon beim Thema Autos raus aus der Stadt, ja oder nein?&nbsp;</strong></p>



<p>MW: In unserem Kommunalwahlprogramm steht, dass wir eine autofreie Innenstadt – also innerhalb der Stadtmauern – haben wollen. Das ist natürlich ein kompliziertes Vorhaben, aber wir können erste Schritte schnell einleiten, zumal auch der Wunsch aus der Bürgerschaft da ist. Es gab schon zwei Anträge aus der Bürgerversammlung für eine autofreie Maxstraße. Außerdem wollen die Bürgerinnen und Bürger doch in Ruhe Café trinken in der Altstadt und dabei nicht vom Autolärm gestört werden. So wird auch mehr Aufenthalts- und Lebensqualität geschaffen. Der Lieferverkehr lässt sich dann auch organisieren, aber jetzt müssen wir erst einmal in den gemeinsamen Dialog treten.&nbsp;</p>



<p><strong>PR: Sie haben auch an der Uni Augsburg studiert, Frau Wild. Uns interessiert wie ihr persönlicher Bezug zur Uni ist?</strong></p>



<p>MW: Auch nach meinem Studium habe ich noch Kontakt zur und die Zusammenarbeit mit der Universität gepflegt. In Zusammenarbeit mit dem Geographie Lehrstuhl haben „die Grünen“ ein regionales Klimaschutzprogramm zur Hitzeplanung mit dem Namen „Augsburg bleibt cool“ erarbeitet, welches der Stadt als konkrete Handlungsgrundlage dienen soll. Ein Austausch wie dieser ist nötig, kann aber an einigen Stellen noch ausgebaut werden. Was an der Uni an Wissen und Kompetenz vorhanden ist, muss man vermehrt in die Stadtverwaltung mit einfließen lassen.</p>



<p><strong>PR: Eine Zusammenarbeit wie jene mit dem Lehrstuhl für Geographie fördert Studierende in der Stadt Augsburg. Da ist es auch interessant zu wissen, ob in Zukunft mehr Unterstützung für Studentische Gründungen, Start-Ups, oder ähnliches zu erwarten sei, aber auch Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Stadt als Studienort auf dem Plan stehen.</strong></p>



<p>MW: Augsburg für Studierende zur Heimat zu machen, muss Wunsch der Stadt sein. Pendlerbewegungen sind weder für ein Ankommen in der Stadt förderlich, noch stellen sie ein ideales Mobilitätsverhalten dar. Hier muss mit bezahlbarem Wohnraum entgegengewirkt werden.<br>Doch nicht nur Studierende sollen im Fokus stehen, auch Absolvent*innen brauchen Perspektiven, um sie mit ihren Kompetenzen in der Stadt halten zu können. Konkret heißt das, Facharbeitsplätze müssen vorhanden sein, um die Türen für Studierende von Beginn an offen zu halten.<br>Im Gründungsbereich ist vor allem finanzielle Unterstützung notwendig, beispielsweise in Form von Mikrokrediten in der Startphase. Doch damit ist es noch nicht getan, auch danach wird eventuell Hilfe benötigt. Wenn mehr Bedarf da ist, muss man nochmal in den Austausch gehen und nachjustieren, es kann nicht alles an Impulsen von denjenigen kommen, die gründen wollen. Im Gespräch ist auch ein kreativwirtschaftliches Gründerzentrum mit dem Standort am Gaswerk.</p>



<p><strong>PR: Nicht nur die Student*innen der Stadt Augsburg haben Bedarf an Förderung. Was hat es mit dem Stichwort „grüne Bildungspolitik“ auf sich?</strong></p>



<p>MW: Im Allgemeinen liegt der Fokus auf den Schulen. Fit für die Zukunft, mit Ganztags- und Betreuungsplätzen, Digitalisierung, Heterogenität und einem Sanierungspaket in Höhe von 1 Mrd. Euro. Die Sozialförderung soll Bildungs- und Sozialindexgesteuert sein. Unterschiedliche Stadtteile sind in ihrer sozialen Zusammensetzung unterschiedlich aufgestellt und benötigen somit auch unterschiedlich viel Förderung und Unterstützung. Denjenigen, die mehr benötigen, sollen auch mehr Mittel an die Hand gegeben werden. Es muss heute egal sein, ob die Mutter Ärztin oder Arbeiterin ist, die Kinder sollten im Mittelpunkt stehen, um Chancengleichheit herstellen zu können.<br>Krippen, Kindergärten und Schulen müssen außerdem mehr Plätze zur Verfügung stellen, so muss an der ein oder anderen Stelle neu gebaut, aber auch erweitert werden.<br>Wünschenswert wäre hier zudem ein strukturierteres Vorgehen, durch beispielsweise Online Anmeldeportale, jährliches Monitoring und eine jährliche Bedarfsplanung.</p>



<p><strong>PR: Ein Thema war in nahezu all unseren Fragen unumgänglich – die Umwelt. „Die Grünen“ haben es sich zum Ziel gesetzt, Augsburg zur klimaneutralsten Großstadt Deutschlands zu machen. Zusammenfassend wollen wir nochmal wissen, wie das umgesetzt werden soll.</strong></p>



<p>MW: Das Pariser Abkommen muss auf allen politischen Ebenen gemeinsam umgesetzt werden – so schnell wie möglich. Es ist wichtig und sinnvoller, jetzt zu agieren und Gelder in die Hand zu nehmen, als dann nach zu justieren, wenn in 10 bis 15 Jahren der Kipppunkt erreicht ist. Konkret ist da ein Augsburger Klimapfad zu erwähnen, der Maßnahmen beinhaltet, die die Klimaneutralität zum Ziel haben. Dabei ist es wichtig, in allen Sektoren Einsparziele zu definieren.&nbsp;</p>



<p>Dies benötigt eine Verkehrswende, Energiewende, aber auch eine Ernährungswende und die Wirtschaft muss mitziehen.Sowohl öffentliche Flächen, Fassaden und Dächer ohne Solar- oder Thermieanlage, als auch Kleingärten und private Gärten müssen begrünt werden. „Urban Gardening“ ist hier eine effektive Vorgehensweise, bei der die Bürger*innen dieser Stadt bereits sehr aktiv sind. Hier braucht es ebenfalls Unterstützung, die in Form eines Fördertopfes und einer Satzung zu diesem Themengebiet bereits erarbeitet wurde. Der Solardeckel von der Bundesebene ist problematisch, deswegen wollen „die Grünen“ diesem mit der Solaroffensive vor Ort entgegensteuern.</p>



<p><strong>PR: Vielen Dank für das Interview und ihre Zeit.&nbsp;</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/03/www-im-duell-um-den-ob-posten-im-gespraech-mit-martina-wild-gruene/">WWW im Duell um den OB-Posten: Im Gespräch mit Martina Wild (Grüne)</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Endlosschleifen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2020 08:33:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Trübe Augen bei Nebel sind blind und nutzlos sind müde Beine.</p>
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<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-12862" width="352" height="469" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-300x400.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-1152x1536.jpg 1152w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /><figcaption>  ©  Julia Birner</figcaption></figure></div>



<p>Im Teich der Distanz erfroren,<br>im Reich der Ablehnung verloren.<br>Erdrosselt an einer Leine,<br>ihre dieselbe wie seine.<br><br>Trübe Augen bei Nebel sind blind<br>und nutzlos sind müde Beine.<br>Immer schon waren es Disteln,<br>selten nur die Steine.<br><br>Träume bleiben Träume,<br>wahr werden sie nur bei Nacht,<br>drum schließ stets die Augen<br>und verschlaf&#8217; deine Schlacht!<br><br>Wie sucht man etwas,<br>das man nicht kennt?<br>Wenn die Sonne nicht nur scheint,<br>sondern auch verbrennt?<br></p>
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		<title>Gedanken über politisch korrekte Sprache</title>
		<link>https://presstige.org/2019/11/gedanken-ueber-politisch-korrekte-sprache/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Nov 2019 09:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Political Correctness]]></category>
		<category><![CDATA[politisch korrekte sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Political Correctness“ als Synonym für verbale Haarspalterei? Floskeln wie „Das mein ich doch nicht so, ihr kennt mich doch.“ und „Man wird ja wohl noch Witze machen dürfen.“ als Totschlagargument, oder ignorante, inhaltsleere Ausreden im Zuge unserer eigenen Sprech-Bequemlichkeit?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Was dieser Artikel erreichen will:</em><br><em>Ein Grundverständnis über die Macht der Sprache vermitteln und einen besseren Zugang zu politisch korrekter Sprache fördern.<br>Was dieser Artikel nicht ist:</em><br><em>Umfangreiche Aufklärung über die Thematik. Im Anschluss an den Text angegebene, populärwissenschaftliche, wie wissenschaftliche Buchquellen können Abhilfe schaffen. Ein einzelner Artikel ist für eine komplette Beschreibung einer komplexen Problematik nicht ausreichend geeignet.</em></p>



<p>Sprache wurde wohl selten so stark unter die Lupe genommen, wie es aktuell der Fall ist. Bisher sollte man lediglich gewisse sprachliche Höflichkeitsformen beachten, wie etwa „Bitte“ und „Danke“ sagen, Schimpfwörter durfte man nicht verwenden und unterbrechen sollte man  niemanden. Diese Regeln sind wohl für die Allgemeinheit sinnvoll und werden daher schon den kleinsten Kindern beigebracht. Über die Jahre kamen ein paar weitere Regeln hinzu, die jedoch von vielen nicht einfach so angenommen werden, wie die bereits bestehenden – der &#8220;Verfall der deutschen Sprache&#8221; wird hoffnungslos erwartet. Floskeln wie „Das mein ich doch nicht so, ihr kennt mich doch.“ und „Man wird ja wohl noch Witze machen dürfen.“ als Totschlagargument, oder ignorante, inhaltsleere Ausreden im Zuge unserer eigenen Sprech-Bequemlichkeit?</p>



<p><em>&nbsp;„Kalkulierte provozierende Verstöße gegen Höflichkeitsregeln und Taktempfinden, die sich die Verstoßenden als Trophäen ihres vorgeblichen Kampfes gegen Denkschablonen und Sprechverbote einer allgegenwärtigen political correctness ans Revers heften.“ (Heinrich Detering in „Was heißt hier „wir“?“)</em></p>



<p>Ich will nicht falsch verstanden werden, alles Neue mit blindem Vertrauen einfach anzunehmen ist natürlich kein Ideal, das man anstreben sollte, allerdings erscheint mir der „Verfall der deutschen Sprache“ zum Einen ein wenig dramatisch formuliert, zum Anderen umgeht dieses Argument den eigentlichen Inhalt der Forderung nach sprachlichen Änderungen. Es ist ohnehin ein Irrglaube, Sprache würde oder hätte irgendwann in feststehender, starrer Form existiert. Sie war und ist ein lebendiges Gebilde und somit stetig im Wandel. Was sich früher beispielsweise durch verschiedene Lautwandelprozesse, wie einer &nbsp;sogenannten „neuhochdeutschen Diphtongierung“ (&#8220;hus&#8221; zu &#8220;Haus&#8221;) äußerte, zeigt sich heute häufiger durch das Hinzukommen von Neologismen, also Neuwörtern, etwa in Folge von technischen Neuerungen. Einflüsse aus anderen Regionen der Welt spielten immer schon eine Rolle.</p>



<p>Gehen wir nun genauer auf die neuen Regeln ein, die im Fokus des Konflikts stehen. Was sind das für Regeln? Die Verwendung gewisser Wörter, wie beispielsweise das N-Wort für schwarze Personen oder people of colour (welches ich aus Respekt vor den Betroffenen nicht ausschreibe) oder „Mohren“ als Bezeichnung für die Süßigkeit „Mohrenkopf“, sollen unterlassen werden. „Flüchtling“ sollte durch „Geflüchteter“ ersetzt werden. &#8220;Schwarzer Humor&#8221; ist nicht mehr &#8220;zeitgemäß&#8221;. Sprachliche Unsichtbarkeit des weiblichen Geschlechts soll beendet werden. Im Allgemeinen: Man möchte den sprachlichen Umgang mit Minderheiten verbessern, da sich dieser sprachliche Umgang auch auf den außersprachlichen Umgang überträgt. Die Forderungen und Annahmen sind keineswegs aus der Luft gegriffene Ideale, sondern Ergebnisse aus langjährigen Forschungen, empirischen Studien und sprachwissenschaftlichen Untersuchungen. Diese finden allerdings leider wenig Gehör. Während Einzelpersonen teilweise stattdessen dazu neigen, diese neuen Regeln mit einem einfachen &#8220;Ich finde, dass&#8230;&#8221;-Argument aus ihrem Toleranzbereich werfen, unterliegen diese Regeln komplexen Zusammenhängen, die so einfach nicht zu beurteilen sind.</p>



<p>Bleiben wir hier beim Beispiel &#8220;Flüchtling&#8221;. Warum ist es netter, „Geflüchteter“ zu sagen? Das Suffix „-ling“ steht am Ende von Substantiven, „die durch eine bestimmte Eigenschaft charakterisiert sind. Solche Bildungen haben häufig stark abwertenden Charakter“ (Duden). Häftling, Neuling, Feigling, Flüchtling. Zudem wäre in der Wortbedeutung des „Geflüchteten“ die Flucht bereits in der Vergangenheit liegend, er wäre also bereits angekommen, akzeptiert.<br>Hier kommt unser Totschlagargument &#8220;Ich mein das doch nicht so.&#8221; ins Spiel. Die sprechende Person mag diesen Ausdruck nicht unbedingt mit böser Intention äußern und der überwiegende Teil der Menschen wird wohl kein Wort in seine Einzelteile zerstückeln, um es zu analysieren. Jedoch geht die Bedeutung des &#8211; eventuell wirklich nicht böswillig, durchaus aber unbedachten &#8211; Gesagten um einiges tiefer als das, was man in den ersten paar Sekunden aufnimmt. Das, was in uns verarbeitet und gespeichert wird, hat eine weitaus weitreichendere Wirkung. Dieser Zusammenhang zwischen Sprache und Denken wird seit Jahren diskutiert.  Wie stark dieser Einfluss von Sprache auf unser Denken tatsächlich ist, das bleibt ungeklärt. Einigkeit herrscht jedoch darüber, <em>dass </em>Sprache Einfluss nimmt. </p>



<p>Wir betrachten Sprache immer als etwas mit geringerem Wert als der einer Handlung. „Spreche nicht, handle.“ heißt es oft. Doch, ist Sprechen nicht der Teil einer Handlung, für den genauso Verantwortung übernommen werden muss? Worte können, genau wie Taten, Schaden anrichten. Mir erscheint es fast, als waren wir uns der Verantwortung und dem Wirkungsspektrum, das Kommunikation durch Sprache mit sich bringt, nie bewusst. Sie ist nicht unmissverständlich und klar, sie ist voller Emotionen, Interpretationsmöglichkeiten und Konnotationen. Wir haben sprechen gelernt, ja, zahlreiche Wörter, Fachbegriffe, schöne blumige Ausdrücke. Nie haben wir jedoch gelernt, wirklich mit Sprache umzugehen – den Kommunikationsfaktor in den Vordergrund zu stellen. Was kommuniziere ich mit dem Gesagten, mit dem Begriff, mit dem Witz? Wenn Worte ausgesprochen wurden, entwickeln sie eine Eigenwirklichkeit &#8211; egal ob sie so gemeint waren, oder nicht. Sie führen zu Ausgrenzung, fördern Gewalt, reproduzieren Rassismus und Diskriminierung &#8211; egal ob sie so gemeint waren, oder nicht.</p>



<p>Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass hier der Kern des Problems nicht <em>allein </em>in den sprachlichen Ausdrücken liegt, sondern auch in dem, was dahinter steckt – der Einstellung. Ebenso wenig lösen sich dieselben Probleme in Luft auf, wenn man im Stechschritt reihenweise Wörter aussortiert, einfach bestimmte Begriffe aus dem Wortschatz streicht. Das ist sicherlich auch niemandes Ziel in dieser Debatte. Ziel ist vielmehr, Rücksicht und Reflexion auf sprachlicher Ebene in den Vordergrund zu stellen. Mehr Bewusstsein für unsere Kommunikation zu schaffen. Aufmerksam zu machen, auf ein Thema, dem bisher nicht viel Bedeutung beigemessen wurde. Einen Schritt in eine förderliche Richtung zu gehen.<br>Wir reden viel und wir reden schnell. Wir werden mehr und mehr Menschen und alle sind unterschiedlich, ein Austausch kann immer problemloser stattfinden, Meinungen gehen auseinander &#8211; und Schlagfertigkeit gilt als besonders beneidenswertes Können. Doch, ist es nicht viel erstrebenswerter, ein ausführliches Gespräch zu starten, in dem Zuhören und Verstehen an erster Stelle steht?<br>Es heißt, wir reden oft, bevor wir denken. Doch, ist das überhaupt möglich, zu sprechen, ohne davor zumindest kurz darüber nachgedacht zu haben? Gibt es diese „leeren Worte“ überhaupt? Ich würde sagen, wir denken sehr wohl nach, bevor wir sprechen, jedoch einfach nicht lang genug. Die Reflexion und Veränderung unseres Umgangstons ist das absolute Minimum, das Leichteste, was wir aktiv tun können, um Menschen zu helfen, die unter unseren Privilegien leiden. Also raus aus unserer Sprech-Bequemlichkeit!</p>



<p><strong><em>Literaturauszug:</em></strong><br><em>Andris Breitling: Weltgestaltung durch Sprache. Phänomenologie der sprachlichen Kreativität und der interkulturellen Kommunikation.</em><br><em>Heinrich Detering: Was heißt hier &#8220;wir&#8221;? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten.</em><br><em>Karin Kusterle: Die Macht von Sprachformen.</em><br><em>Magrit Epstein: Sprache macht Geschlecht.</em><br><em>Paul Watzlawick: Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beitrage zum Konstruktivismus.</em><br><em><br><em>Elisabeth Wehling: Politisches Framing.</em><br>Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen: Das Alphabet des Denkens.</em></p>
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		<title>In der Liebe schüchtern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 May 2019 15:36:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
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		<category><![CDATA[schüchtern]]></category>
		<category><![CDATA[träumen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Lächeln deine Lippen zierte, welches meiner Fähigkeit blockierte -</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ein Lächeln deine Lippen zierte,</p>



<p>welches meiner Fähigkeit blockierte &#8211;</p>



<p>kein Wort mehr konnte ihnen entfliehn‘,</p>



<p>ein Sog aus Benommenheit hat mein Denken entliehn‘.</p>



<p>Unsicher schwieg ich, meine Sinne gehemmt.</p>



<p>Kläglicher Sieg meiner Scheu, ich selbst mir fremd.</p>



<p>Spürte die Blässe der Röte weichen,</p>



<p>meine Wangen der Farbe deiner Lippen gleichen.</p>



<p>Als reserviert oder kühl wurd‘ ich wohl befunden,</p>



<p>der Wahrheit entsprichts, doch werd ichs nicht begründen.</p>



<p>Der Mut der späteren Stund‘ brachte Reue,</p>



<p>dies Attribut ist mir jedoch selten nur treue.</p>



<p>Allein kann ich reichlich Pläne hegen,</p>



<p>für die ich letzten Endes bin doch zu verlegen.</p>
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		<title>Die Zigarette danach</title>
		<link>https://presstige.org/2019/03/die-zigarette-danach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2019 11:59:36 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[träumen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fortan würde ich träumen, von gestern Abend, vom Mond und von dir, vom roten Licht am Horizont und dem letzten Schluck Bier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/03/die-zigarette-danach/">Die Zigarette danach</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:15px">Fortan würde ich träumen, von gestern Abend, vom Mond und von dir,<br>vom roten Licht am Horizont und dem letzten Schluck Bier,<br>vom ersten Schluck Kaffee und vom Abschied an der Tür,<br>„Mal sehen“ wäre nicht meine Antwort auf deine Frage, wohin das führt,<br>„Bald“ würde ich sagen „sehen wir uns wieder“ und du wärst peinlich berührt,<br>lächeln würde ich sanft und hätte diesen Tag zu meinem Schönsten gekürt.<br>Doch so wars nicht, du warst‘s nicht, du hast mich nur einmal verführt.<br>Oder? Sag mir, haben wir etwas, oder doch gar nichts gespürt?<br>Halt, keine Fragen, das Paradigma der Zweisamkeit ist eng geschnürt:<br>Besser schweigen, als sich in Grund und Boden geniert.<br>Leben in Rätseln, die potentielle Gefahr einer emotionalen Entblößung ausradiert.<br>Doch sag mir, wie kams zu dem Abend, waren wir voneinander gar so fasziniert?<br>Nein, du von dir selbst und ich nur von mir &#8211; getrieben von Räuschen.<br>Hättest du gesagt, du willst bleiben, würde ich dich irgendwann enttäuschen.<br>Die einen würden sagen, verloren haben wir, weil wir noch nicht fanden wonach wir suchen,<br>doch ist es nur die Suche selbst, die es gilt zu verfluchen.<br>An deine Blicke dachte ich, überraschenderweise durchaus zart,<br>an deine Stimme dachte ich, oh ich mochte den Abend und deine Art.<br>Nein, dachte ich, verloren hatten wir nicht. Gewonnen,<br>der Einsamkeit konnten wir für eine Nacht entkommen.<br></p>
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