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	<title>Laura Schwetz, Autor bei presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Theter &#8211; Ein junges, freies Theaterkollektiv auf dem Modular</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Schwetz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2019 07:55:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 20. bis zum 22. Juni fand das Modular in Augsburg am Gaswerk statt. Hierbei handelt es sich um ein Festival mit oftmals internationaler Besetzung, verschiedensten Künstlern und diversen Showacts, die vom Theater, über Techno, bis hin zur klassischen Band...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/06/theter-ein-junges-freies-theaterkollektiv-auf-dem-modular/">Theter &#8211; Ein junges, freies Theaterkollektiv auf dem Modular</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="935" height="600" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/1.jpg" alt="" class="wp-image-11412" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/1.jpg 935w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/1-400x257.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/1-768x493.jpg 768w" sizes="(max-width: 935px) 100vw, 935px" /><figcaption>© Alisa Eva-Marie Honold Illustration: Julia Brandl
</figcaption></figure>



<p>Vom 20. bis zum 22. Juni fand das Modular in Augsburg am
Gaswerk statt. Hierbei handelt es sich um ein Festival mit oftmals internationaler
Besetzung, verschiedensten Künstlern und diversen Showacts, die vom Theater,
über Techno, bis hin zur klassischen Band reichen. Für jeden ist was dabei und
niemand ist außen vor.</p>



<p>Das war die Beschreibung, die ich bekam, als wir in einer
Runde Kommilitonen über das Modular sprachen. Zur Erklärung: ich lebe seit noch
keinem vollen Jahr in Augsburg und probiere, so wie viele andere, die erst im
letzten Wintersemester ihr Studium aufgenommen haben, zum ersten Mal einiges
aus, was Augsburg zu bieten hat – so auch das Modular.</p>



<p>Ich fragte mich also, was das Modular von anderen Festivals
unterscheidet, ob es überhaupt so interessant ist, wie es immer heißt. Doch wo
anknüpfen?</p>



<p>Die Erleuchtung kam schnell in Form des freien Theaterkollektivs
„Theter“, welches am Modular performt hat. Es handelt sich hierbei um ein Ensemble
junger Leute, die immer wieder Offene Bühnen, Theaterstücke, oder auch
Improperformances darbieten.</p>



<p>Wie erlebt so ein junges Ensemble ein turbulentes Festival
wie das Modular? Wie erleben sie das Zusammentreffen verschiedener
Stilrichtungen, von Musik und Theater, Tanz, feierwütigen Leuten und
internationalem Flair?</p>



<p>Franziska Rosenbaum ist &nbsp;selbst passionierte und begeisterte Schauspielern
beim Theter und im normalen Leben Studentin, die bald eine Lehre zur Modistin
beginnt. Ich habe mit ihr gesprochen.</p>



<p>Auf die Einstiegsfrage, was das „Theter“ denn sei, woher
dieser ungewöhnliche Name denn überhaupt komme und was die Motivation des
Kollektivs war, am Festival mitzuwirken, antwortet sie sehr ausführlich: das
Theter setzt sich aus allen möglichen Leuten zusammen und vertreten sind viele,
vom Schreiner bis zum Techniker. Gemeinsam haben sie ihr junges Alter und ihr künstlerisches
Interesse, sowie die Liebe zum Theater.</p>



<p>Woher der Name selbst kommt, weiß sie nicht genau, sagt sie
mir, doch sie hat dazu eine Theorie: es handelt sich um „Theater“ ohne „h“. Eine
Wortneuschöpfung quasi, ähnlich dem Wort „Täter“, was eine Anspielung auf „Tuende“
sein könnte. Also durchaus keine negative Konnotation, wie es das Wort „Täter“
oft inne hat, sondern eher das Handeln, das Aktiv-Sein sind hier gemeint.</p>



<p>Das Modular ist eine Sache, an der das Theter schon recht
lange mitwirkt. Die Projekte gestalten sich im Kollektiv immer recht
unterschiedlich, je nachdem, wer Zeit hat, welche Ideen (auch oft recht spontan
– wie das halt so ist, im Theater) hinzugegeben werden und welche Dinge gerade
verfüg- und verwendbar sind. Obwohl das Modular ein recht übersichtliches
Festival ist und damit keinen Höhepunkt im Jahreskalender des Theaters darstellt,
sind sie jedes Jahr aufs Neue dabei. Die Gründe sind verschieden: vom Zeigen
der Präsenz hin zu Verbindungen quer in der Augsburger Veranstaltungsszene. Man
kennt sich eben.</p>



<p>Franziska ist selbst noch nicht sehr lange beim Kollektiv und
war dieses Jahr das erste Mal auf dem Modular dabei. Sie sieht Potential auch in
den kommenden Jahren.</p>



<p>Das freie Ensemble war dieses Mal mit acht Leuten auf der
Bühne vertreten, insgesamt circa mit zwölf und das bei einer „dramatisch
inszenierten Tanzperformance“, bei der mit Interaktivität, Schwarzlicht und
Improvisation experimentiert wurde.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="768" height="1024" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0010-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-11454" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0010-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0010-300x400.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0010.jpg 1200w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption>Theaterkollektiv Theter in Kostümen auf dem Modular <br> <br>©&nbsp;  Franziska Rosenbaum</figcaption></figure>



<p>Aufführungsort war eine eigene, kleine Bühne abseits der
Main-Stage, welche vom zuständigen Team des Festivals selbst in einen wirklich
authentischen Tempel umgebaut wurde. Gegenstand der diesjährigen Performance
war eine Zeremonie, beziehungsweise eine Beschwörung. Das ganze sehr expressiv aufgeführt
und dargestellt. Gearbeitet wurde hierbei mit vielfältigen Elementen, so zum
Beispiel Theater-Übungen, die man als Schauspieler zur Steigerung der
Konzentration anwendet, im Jargon auch „Weiche Wahrnehmung“ genannt.</p>



<p>Das Spektakel auf der Bühne war unterhaltsam, aber gleichzeitig
auch sehr meditativ, erzählt Franziska und klingt dabei sehr angetan. Der
Ausgangspunkt der Vorstellung war eigentlich immer die Mitte der Bühne, da vom
Tänzer dort die entsprechenden Impulse ausgingen, die anschließend die anderen
Schauspieler miteinbezogen.</p>



<p>Das Konzept gleicht also einem Call-and-Response-Prinzip, in
dessen Verlauf die Beteiligten sehr auf sich gegenseitig achten müssen, da es
immer eine gegenseitige Interaktion gibt, bei der man auf die Impulse des
anderen reagieren muss, was für eine intensive Verbindung und somit auch eine
Interaktion auf Bewusstseinsebene sorgt.</p>



<p>Dieser rituell-anmutende Tanz sollte auch das Publikum vor der
Bühne mit einbeziehen, wobei einige der Tänzer auch in der Menge standen und
dann im Publikum anfingen zu tanzen, was sogar so weit ging, dass ein Mal
Bekannte mit einbezogen wurden, um die Zuschauer zum Mittanzen anzuregen, da es
nicht allen klar war, dass sie mitmachen durften.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="768" height="1024" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0003-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-11455" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0003-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0003-300x400.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/06/IMG-20190623-WA0003.jpg 1200w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption>Schauspieler des Theter im Showoutfit im Profil<br> <br>©&nbsp; Franziska Rosenbaum</figcaption></figure>



<p>Die Reaktionen auf diese expressive und oftmals spontane
Darbietungsform fielen unheimlich gut aus: von Kindern, die mit offenem Mund
vor der Bühne stehen blieben, über positives Feedback, bis hin zum Erkanntwerden
auf der After-Show-Party.</p>



<p>Wenn ich Franziska frage, wie denn ihr eigenes Resümee vom diesjährigen
Modular mit seinem Flair ausfällt, dann sagt sie, dass sie sich wünsche früher
schon auf dem Festival gewesen zu sein. Obwohl man oft hören soll, dass die Location
dieses Jahr natürlich etwas unkonventionell war, da das Modular erstmalig am
Gaskessel stattfand und nicht an angestammtem Platz und es dadurch allgemein an
grüner Umgebung fehle, war dieses Jahr ein Erfolg. Sie fügt noch an, dass es
besonders interessant war, den Kontrast zu sehen, den das Modular bietet: von
verschiedenen Künstlern hin zu schönen Menschen, die sich extra für das
Festival herausgeputzt haben, die dann am Ende wie Pinguine unter Plastikponchos
zusammengedrängt stehen, da jeder durch aufgezogenes Unwetter nass wird.</p>



<p>Das Wetter macht eben vor nichts und niemandem Halt, auch
nicht vor dem Modular, doch dann kann man erst recht im Regen tanzen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/06/theter-ein-junges-freies-theaterkollektiv-auf-dem-modular/">Theter &#8211; Ein junges, freies Theaterkollektiv auf dem Modular</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Sehnsucht. Musik. Ankunft? &#8211; Ein Karussell der Kulturen</title>
		<link>https://presstige.org/2019/02/sehnsucht-musik-ankunft-ein-karussell-der-kulturen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Schwetz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Feb 2019 09:50:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[integration]]></category>
		<category><![CDATA[international]]></category>
		<category><![CDATA[klassisch]]></category>
		<category><![CDATA[konzert]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein typischer Abend unter der Woche: man kommt nach Hause, packt vielleicht gerade das Essen aus, das man sich auf dem Heimweg noch eben vom Chinesen geholt hat und macht es sich vor dem Fernseher bequem. Was sind die ersten...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/sehnsucht-musik-ankunft-ein-karussell-der-kulturen/">Sehnsucht. Musik. Ankunft? &#8211; Ein Karussell der Kulturen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein typischer Abend unter der Woche: man kommt nach Hause, packt vielleicht gerade das Essen aus, das man sich auf dem Heimweg noch eben vom Chinesen geholt hat und macht es sich vor dem Fernseher bequem. Was sind die ersten Bilder, die über den Bildschirm flimmern? Ein Tatsachenbericht in einer aufklärerischen, öffentlich-rechtlichen Enthüllungssendung, oder einfach schlicht die Tagesthemen? Die Chancen stehen gut, dass der Beitrag sich mit einem Thema beschäftigt, welches die Aufmerksamkeit der Gesellschaft dieser Tage wie kaum ein anderes auf sich zieht, sei es bei Wahlen, kriminellen Zwischenfällen oder simpel bei sozialem Engagement: Migration, Einwanderung und der damit verbundenen Integration. Ein polarisierendes Thema, umso mehr polarisierende Meinungen darum herum. Hier spaltet sich alles in zwei Lager, nämlich die Menschen, welche dafür und jene, die dagegen sind und den damit einhergehenden Pauschalisierungen und Anfeindungen des jeweils gegnerischen Lagers. Lässt man Politik, Mentalität und Religion einmal außer Acht, ist alles, was unter dem Strich bleibt, ein Haufen Menschen, die vor diversen Ursachen fliehen und hoffen, bei uns ein Asyl zu finden, aus welchen Gründen dies in den einzelnen Fällen auch immer motiviert sein mag. Menschen, die ebenfalls gerne kochen, einen Spaziergang im Stadtpark unternehmen oder kreativ tätig sind. Summa summarum also wie du und ich.</p>
<p>Bleiben wir bei der Kunst: genau diese Spate der Kommunikation, welche ohne Worte verständlich ist, haben sich die Initiatoren zweier Musikabende zu Nutzen gemacht, in denen die Völkerverständigung, das Ankommen, der Abbau von Vorurteilen und die Kunst der Flüchtlinge im Fokus standen.</p>


<p>Unter dem Titel „Sehnsucht. Musik.
Ankunft. Ein Konzert der Kulturen“ fand an den Abenden des 07.02.
und des 08.02.2019 im Schloss Nymphenburg, München, eine
musikalische Soiree statt, die partiell von künstlerischen, sowie
kulinarischen Elementen begleitet wurde.</p>



<p>Das musikalische Programm glich einer
internationalen Palette: Lieder aus Frankreich, Deutschland,
Afghanistan, Griechenland, Ägypten und weiteren Ländern wurden zum
Besten gegeben, wobei ein entscheidender Teil der gesanglichen
Darbietung auf die Sängerin und Kulturaktivistin Cornelia Lanz,
sowie dem Harmoniumspieler und politischen Liedermacher Pouya Raufyan
entfällt. Kleinere Musikstücke wurden von den beiden syrischen
Schwestern Wissam Kanaieh und Walaa Kanaieh interpretiert.</p>



<p>Die Begleitung war ebenfalls
internationalen Ursprungs: das Instrumentalensemble, welches von
einem europäischen Orchester gebildet wurde und in einer musischen
Einheit zu spielen verstand, dass den meisten Zuschauern die
Beseeltheit im Gesicht anzusehen war, bestand aus bekannten hiesigen
Instrumenten, wie Kontrabass (Thomas Hille), Violine (Albert
Ginthör/Ludwig Hahn), Violoncello (Hans Peter Besig) oder Viola
(Marianne Venzago).</p>



<p>Den exotischen Touch, der in der Tat
einmal etwas Neues darstellte, was man nicht häufig auf deutschen
Bühnen sieht, vor allem im Hinblick auf ein Konzert, in welchem auch
Klassische Stücke von Verdì oder Schubert gespielt wurden, 
verliehen verschiedene Ouds (Abathar Kmash), eine Art arabischer
Laute, die Tabla, eine Beckentrommel, (Said Hashemi) und das
Harmonium (Pouya Raufyan).</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="531" height="800" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/komf9o9f9rP-TOpizUk8-e1550620005856.jpg" alt="" class="wp-image-10784" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/komf9o9f9rP-TOpizUk8-e1550620005856.jpg 531w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/komf9o9f9rP-TOpizUk8-e1550620005856-266x400.jpg 266w" sizes="(max-width: 531px) 100vw, 531px" /><figcaption>Die Oud, virtuos gespielt von Abathar Kmash    (c) Julia Dreisbach</figcaption></figure>



<p>In Kooperation mit dem Dam Badida Chor
der LMU München unter musikalischer Leitung von Andreas Kowalewitz
war das gemeinsame Projekt vom Deutschen Forum für Kunst- und
Theaterkultur e.V., dem Department Kunstwissenschaften der LMU und
des Vereins Zukunft Kultur e.V. ein mit viel Herz vorbereitetes
Konzert, das sich mühte, mit Emotion und Talent Verständnis und
Verständigung für die Geflüchteten zu schaffen, was mit Erfolg
gekrönt war, allerdings auf Kosten der Atmosphäre der Kunst an
jenem Abend ging.</p>



<p>Am Rande der Veranstaltung, sowie zu
Beginn und in der Pause wurde Kunst ausgestellt, darunter Acryl,
Ölbilder und Drucke, die die Erfahrungen und Gefühle der Künstler
mit brutalen Regimen oder der Flucht darstellten (Mohammad Eldae /
Salomon Musanak Niclaus / Madina Muslieva), nebenbei wurden arabische
Leckereien, wie Böreck und Baklava verkauft, die von den Eltern
einer Teilnehmerin gebacken.</p>



<p>Wer mit der Erwartung anreiste, ein
Klassisches Konzert mit internationaler Besetzung zu sehen, war hier
in der Tat etwas falsch.</p>



<p>Mit der neu arrangierten Adaption
mancher europäischer Klassiker, die stellenweise in Arabisch
übersetzt wurden, trauten sich die Organisatoren etwas Neuartiges
zu, was wahrscheinlich bisher recht selten auf deutschen Bühnen zu
sehen war. Sie brachten etwas an den Mann, was durchaus zu genießen
und interessant anzusehen war, doch gleichzeitig ein gesondertes
Publikum benötigt.</p>



<p>Eine willkommene Abwechslung stellten die arabischen Instrumente und Gesang dar, welche für westliche Ohren exotisch und auch schön klangen, nur fehlte hierbei die Balance.</p>



<p>Eine gelungene Mischung aus
europäischer und Arabischer Musikkultur sollte präsentiert werden,
war in gewisser Weise auch meistens vorhanden, doch lag der Fokus
sehr auf dem arabischlastigen Teil der Darbietung.</p>



<p>In manchen Momenten wirkte der Fokus
auf die Geflüchteten, ihren Hintergrund, ihre Geschichten &#8211;  welche
natürlich präsentiert und vorgestellt werden sollten &#8211; fast schon
inszeniert, da dieser manchmal höchst (beinahe schon zu) emotional
und überschwänglich, irgendwann vor jedem Musikstück durch eine
neue Anmoderation bedacht wurde, um diesen Sänger oder jene
Geschichte noch schnell in der Vorstellung unterzubringen, was sich
ziemlich negativ auf den flüssigen Ablauf der Soiree auswirkte.</p>



<p>Hier und da hätte es dem Programm gut
getan die reine Kunst für sich sprechen zu lassen, anstatt alles in
mehrfacher Ausführung zu schildern, weswegen das Publikum eigentlich
auch dort war.</p>



<p>Das Hauptmotiv des Abends war die
Kunst, speziell aber die Musik, als ein Medium, das (fremde) Kulturen
miteinander verbindet, wobei es gerade hier weniger oder gar keiner
Worte bedarf, um sich über Sprachbarrieren hinweg zu verständigen.
Es hätte gut daran getan, gerade diesem Leitmotiv mehr
Aufmerksamkeit zu schenken oder es gar mehr in den Fokus zu rücken,
weil sich ja gerade hierin eine Hauptaussage befindet, die die
Zuschauer mit nach Hause nehmen sollten.</p>



<p>Im Resümee lasse ich sehr relativ schönen Abend mit einem emotionalen und horizonterweiternden Konzert revue passieren, der allerdings hier und da einige (inhaltliche) Schwächen aufweist, gerade im Bezug auf das Programm und dessen Ablauf.</p>



<p>Dieser hätte um einiges fließender sein können, gerade die Anmoderationen. Das Publikum wurde nicht Zeuge einer kameradschaftlichen, verbindenden Anstimmung zu den Musikstücken, sondern einer inszeniert wirkenden Präsentation, die manchmal nicht ganz wusste, wo es besser gewesen wäre, einige Details fallen zu lassen, die so ganz sicher interessant und schockierend sind, allerdings dem Konzert als solches rein gar nichts gaben. Weniger wäre hier mehr gewesen.</p>



<p>Dies gilt auch für die Anmoderation
selbst, die oftmals sehr gekünstelt war und man nicht ganz wusste,
ob man in einem Konzertsaal oder Theater sitzt. Emotion ist gut und
trägt Geschichten, ganz klar, doch wurde dem Kitsch hier einige male
zu viel Raum gegeben, was eher kontraproduktiv war.</p>



<p>Ich kam in erster Linie, um Kunst zu
bestaunen, schöne Musik live zu hören und Impulse, sowie
Inspiration mitzunehmen, was ich bekam, war im großen und ganzen
das, allerdings nicht so, wie man es vorher erwartet hätte.</p>



<p>Die musikalischen Künstler waren gut,
jeder für sich, sowohl an den Instrumenten, als auch im Hinblick auf
den Gesang. Besonders hervorzuheben ist hier allerdings das
Instrumentalensemble, das einfach nicht nur wunderbare Musik gemacht
hat, sondern auch mit einem harmonischen Ensemble schön anzusehen
und ein wahrer Augenschmaus war. 
</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="531" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/hUo8oUCXDSw_iwaakQ0u.jpg" alt="" class="wp-image-10785" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/hUo8oUCXDSw_iwaakQ0u.jpg 800w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/hUo8oUCXDSw_iwaakQ0u-400x266.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/hUo8oUCXDSw_iwaakQ0u-768x510.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>Das internationale Orchester ins Spiel vertieft   (c) Julia Dreisbach</figcaption></figure>



<p>Eine besonders ästhetische Spielweise besaß hier Thomas Hille, der den Kontrabass anscheinend nicht wie ein Instrument, sondern eher als einen alten Freund versteht, den er schon ein gesamtes Leben hindurch kennt und ebenso liebkost.</p>



<p>Die Kunst im Foyer war ein interessanter Anhaltspunkt und nett anzusehen, passte jedoch nicht zu einem hochtrabenden Klassischen Konzert, sondern eher zu einem Kleinkunstabend, dennoch war es schön, ausländische Künstler in Verbindung mit ihren zu Leinwand gebrachten Geschichten zu erfahren, die außerhalb des standardisierten Fokus liegen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/sehnsucht-musik-ankunft-ein-karussell-der-kulturen/">Sehnsucht. Musik. Ankunft? &#8211; Ein Karussell der Kulturen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<item>
		<title>Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</title>
		<link>https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Schwetz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Dec 2018 11:20:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[schnee]]></category>
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		<category><![CDATA[weihnachtsspecial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Zehen froren innerhalb der wollenen Socken, welche ich in meinen Lederschuhen trug. Es war kalt geworden die letzten Tage – extrem kalt. Von Osten her zog die gesamte letzte Zeit ein eisiger Schauer über das Land, doch die Kaltfront,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/">Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="560" height="315" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial.png" alt="" class="wp-image-10235" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial.png 560w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial-400x225.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial-300x170.png 300w" sizes="(max-width: 560px) 100vw, 560px" /><figcaption>Text: Laura Schwetz &#8211; Bild: (c) Pixabay &#8211; Illustration: Julia Brandl</figcaption></figure>



<p>Meine Zehen froren innerhalb
der wollenen Socken, welche ich in meinen Lederschuhen trug. Es war
kalt geworden die letzten Tage – extrem kalt.</p>



<p>Von Osten her zog die
gesamte letzte Zeit ein eisiger Schauer über das Land, doch die
Kaltfront, mit der wir es dieses Mal zu tun hatten, war besonders
hartnäckig.</p>



<p>Die Bäume wiegten sich in
einem Wind aus schneidender Kälte und kühlem Trotz und die dunklen
Wolken, die über unsere Häupter hinweg zogen, tilgten längst jeden
Sonnenschein.</p>



<p>Die Wasser froren langsam zu
und ein Winter zeichnete sich ab, der nicht so war, wie die vor ihm.</p>



<p>Wir schrieben das Jahr 1918
und ich war allein. <em>Wir alle waren allein.</em></p>



<p>Die letzte Zeit brachte
viele Veränderungen mit sich; wann immer mein altes Mütterchen in
der Küche stand und ihren schwarzen Lappen durch die Luft schwang,
murmelte sie:</p>



<p>&gt;&gt;Niemand hätte mit
einem solchen Ausgang gerechnet. Vieles, aber nicht das. Und jetzt?
Jetzt sind wir alle allein, sie haben uns alle zurück gelassen! Der
Kaiser weg, die Anarchie da. Was soll denn jetzt nur werden?&lt;&lt;</p>



<p>Es war der Übergang in ein
neues Jahr, von dem keiner wusste, was es mit sich bringen würde.</p>



<p>In der Tat war der Kaiser
seit Oktober nicht mehr an der Macht und wir standen in den Trümmern
unseres eigenen Ruins. Ach ja, und heute war Heiligabend.</p>



<p>Ein Weihnachten, das auf
einen verlorenen Weltkrieg folgte, ein Weihnachten, in dem viele
einsam unter dem Weihnachtsbaum saßen und ein Weihnachten, von dem
keiner von uns wusste, was darauf folgte. Das erste Weihnachten einer
blutjungen Republik.</p>



<p>Es waren in der Tat Tage, in
denen viele Dinge an Bedeutung verloren und in denen viele Menschen
auf der Suche nach ein wenig Halt in einer sehr unruhigen und
unsicheren Zeit waren, mich selbst eingeschlossen.</p>



<p>Ich war junge achtzehn Jahre
alt, meine Beine waren viel zu lang für mein Alter, meine
Handflächen und Kleider viel zu aufgerissen und zerschlissen von der
Arbeit, die vor keinem Halt machte, besonders, wenn die Männer
selbst nicht da waren, die sie sonst verrichteten.</p>



<p>Mein Glück war es, dass ich
damals, als der große Krieg begann, noch zu jung war, um eingezogen
zu werden und bis jetzt dem Schicksal – wie durch eine glückliche
Fügung – von der Schippe springen konnte.</p>



<p>Auf meine Familie traf das
nicht zu: viele waren aus dem Dorf gerissen worden, um auf
kaiserliches Geheiß gen Westen oder wohin auch immer zu ziehen&#8230;</p>



<p>Das betraf ebenfalls meinen
Vater und meine beiden größeren Brüder, Tristan und Jakob, wobei
von Papa und Tristan seit Monaten jede Spur fehlte&#8230; Kein Brief.
Kein Lebenszeichen. Gott allein wusste, wo sie waren.</p>



<p>Vor circa zwei Jahren dann
erreichte unseren Haushalt eine Eildepesche, worin stand, dass Jakob
an der Front in Verdun gefallen war. Meine Mutter war außer sich und
hatte tagelang nur vor dem Fenster gestanden, hinaus gesehen und
still geweint.</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, mein kleiner
Hannes&lt;&lt;, hatte sie dann immer gesagt. &gt;&gt;Wenn wir
wüssten, was da draußen alles passiert, dann kämen wir drüber
rein. Du bist da, wenigstens du bist da.&lt;&lt;</p>



<p>Sie hatte recht, ich war da
– im Gegensatz zu so vielen anderen, also versuchte wenigstens ich
einen Hauch von Normalität in unser kleines Leben zu bringen, sodass
sie und ich den Weltschmerz wenigstens für ein paar Augenblicke aus
dem Kopf bekamen.</p>



<p>Ich sah auf und betrachtete
den Himmel, der langsam immer dunkler wurde, weil allmählich die
Dämmerung hereinbrach.</p>



<p>Heute hatte es ohnehin nicht
viel Licht gegeben, doch auch das versank langsam in der Dunkelheit,
was für mich bedeutete, dass ich langsam zum Haus zurück laufen
sollte, also setzte ich gemächlich einen Fuß vor den anderen,
verlor mich im Knirschen meiner eigenen Schuhe im knöchelhohen
Schnee und schlenderte nach einer kurzen Runde über den Marktplatz
an der Kirche vorbei, die kleine Straße hinauf, die zu unserem etwas
abseits gelegenen Haus führte.</p>



<p>Sanfter, weißer Rauch stieg
aus dem Kamin empor und in der Ferne sah man das Licht in den
Fenstern brennen und ein kurzes Gefühl der Wärme stieg in mir auf.
Meine Mutter war zu Hause und damit der einzige Mensch, mit dem ich
auch schon die letzten Jahre mein Weihnachtsfest verbracht hatte&#8230;</p>



<p>Ich meine, es war nicht
viel, aber genug. Wir waren uns selbst genug, denn wir wussten,
irgendwo ging es immer weiter.</p>



<p>Als ich auf der Schwelle
angekommen war, zog ich den rostigen Schlüssel aus meiner Tasche,
drehte ihn im Schloss herum und zog die Schuhe im Flur aus. Meine
dicken Socken trennten meine kalten Füße von der Kälte des Bodens
und so betrat ich die warme Küche, in welcher es schon nach Essen
duftete.</p>



<p>Ich schritt hinüber zum
Tisch, nahm die kleine Kerze in die Hand, die auf einem Ständer auf
einem großen Tannenzweig ruhte, entzündete ein Streichholz und
stellte sie mit zuckender Flamme wieder zurück.</p>



<p>In diesen Tagen war ein
Tannenbaum die letzte Sorge der Menschen: das Geld war knapp und
damit irgendeine Form von Weihnachtsgeist noch knapper.</p>



<p>Ich wollte das so nicht
stehen lassen und hatte beschlossen, wenigstens einen kleinen Hauch
von Weihnacht in unser Haus zu holen, also hatte ich mich vor einigen
Tagen auf den Weg in den Wald gemacht, einige Tannenzweige
geschnitten, sie im Hause aufgehängt und ein oder zwei Kerzen dazu
gestellt.</p>



<p>Viel mochte es nicht helfen,
doch meiner Mutter schien es zu gefallen; sie hatte einen
hoffnungsvollen Schimmer in den Augen, als sie mich darauf ansprach
und meinte nur wieder mal:</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, mein kleiner
Hannes. Du bist wie dein Vater, er wäre auch auf solche Ideen
gekommen&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Dann war ihr Blick wieder in
die Ferne geschweift, zu einem Ort, den nur sie kannte. Sie hatte
sich abgewendet und war gegangen, aber ich wusste, dass ich ihr
wenigstens für einen kurzen Augenblick ein Stückchen Hoffnung
zurück gebracht hatte und das war dies alles wert.</p>



<p>Ich saß am Tisch und ich
weiß wirklich nicht, wie lange ich nur dort verharrte und die
Maserung des Holzes auswendig lernte, aber irgendwann waren meine
Augen der Musterung so lange gefolgt, bis ich meinte, eine Art System
in ihr wiederzuerkennen.</p>



<p>Eine Art Monotonie überkam
mich und meine Finger fingen an, in einem seltsamen Takt zu wippen,
der irgendwann zu einem Rhythmus verkam, den ich sicher einige
Minuten gedankenlos vor mich hin klopfte, als ich plötzlich aufsah
und mich eine seltsame Stille überkam.</p>



<p>Ich drehte den Kopf und
wurde ganz leise. Das Klopfen, das ich langsam aufgehört hatte, war
immer noch da.</p>



<p>Wie konnte das sein?</p>



<p>Meine Finger bewegten sich
nicht.</p>



<p>Ich sah Richtung Flur. Es
war wirklich noch da. Ein leises Klopfen. Und es kam von der Tür.</p>



<p>Konnte das denn sein?</p>



<p>Es war dunkel und kalt
draußen, wer hatte sich um diese Zeit, an diesem Abend, auf den Weg
zu uns gemacht?</p>



<p>Von einer seltsamen Neugier
gepackt, machte ich mich auf und schlurfte bedächtig in den Flur,
nur um mir meinen Rock überzustreifen und die Tür einen Spalt weit
aufzuziehen.</p>



<p>Als sie sich immer mehr
öffnete, stieß mir kalte Luft entgegen und ich merkte, dass es noch
kühler geworden war, seitdem ich nach Hause zurück gekehrt war.</p>



<p>Meine Hand wand sich immer
stärker um die Klinke und ich musste im ersten Augenblick blinzeln,
weil ich für einen Moment gar nicht klar einordnen konnte, wem die
Silhouette gehörte, die ich da im Schein der Eingangslaterne sah.</p>



<p>Das Gesicht kam mir bekannt
vor, aber es stimmte nicht mit dem überein, dem ich es zuerst
zugeordnet hätte: die Wangenknochen standen deutlich hervor und die
Gesichtszüge waren allgemein hager, über dem Bart an der Oberlippe
klaffte eine Narbe, die ich noch nicht kannte und die Haare waren
zerzaust und sahen aus, als ob sie seit Wochen keinen einheitlichen
Schnitt mehr gesehen hätten.</p>



<p>Nur die Augen waren immer
noch die gleichen, sie erkannte ich auf Anhieb und ihre grünliche
Färbung versetzte mich für einen Moment in eine Art Trance. In mir
stieg schlagartig ein Gefühl der Verbundenheit auf, so als ob ich
diesen Menschen nicht vor Jahren das letzte Mal gesehen hätte.</p>



<p>Es war, als ob er uns
gestern verlassen hätte.</p>



<p>Genau diese Augen umgab nun
ein Ausdruck, der nicht mehr der derselbe war, wie der, als ich sie
zuletzt gesehen hatte.</p>



<p>Auch sie mussten so vieles
gesehen haben, was man an einem Abend nicht erzählen konnte, so
vieles gesehen haben, das man nicht in Worte fassen konnte, so vieles
gesehen haben, das diesen Menschen so verändert hatte.</p>



<p>Einem spontanen Impuls
folgend, streckte ich meine Hand aus, ich wusste nicht genau nach
was, oder was ich genau erwartete, doch irgendwie wollte ich die
Entfernung überbrücken, die zwischen uns entstand.</p>



<p>Die metaphorisch all die
Jahre zwischen uns entstanden war und nun innerhalb weniger
Augenblicke wie nichts in sich zusammen fiel. Die all die Jahre wie
ein grauer Schleier über dieser Familie gelastet hatte und nun auf
einmal heruntergerissen wurde.</p>



<p>Und so standen wir nun da.
Getrennt nur durch die Türschwelle zwischen unseren Fußspitzen.</p>



<p>Keiner von uns bewegte sich.</p>



<p>Nicht mal ein Finger rührte
sich.</p>



<p>Niemand verzog eine Miene.</p>



<p>Wir standen bloß da.</p>



<p>Stille kehrte ein. Abermals.</p>



<p>Die kalte Luft biss uns in
die Gesichter und in der Ferne fegte dieser eisige Wind über die
Felder, doch wir rührten uns nicht.</p>



<p>Wir standen nur da, wie
angewurzelt und sahen uns tief in die Augen. Sogen die Gesichtszüge
des anderen ein, glichen sie mit dem ab, was über all die lange Zeit
zu einer verschwommenen Erinnerung geworden war.</p>



<p>Plötzlich wurde ich von
einem starken Arm nach vorne gezogen und gegen einen rauen Feldrock
gedrückt. Ich fand mich in dieser energischen, bestimmten Umarmung
wieder und konnte zunächst nicht fassen, was geschah, da das alles
so surreal für mich war, bis ich begriff, dass das alles hier
wirklich sein musste, weil ich warme Tränen auf meiner kalten Haut
spürte und das Schluchzen unüberhörbar wurde.</p>



<p>Auch ich bemerkte nun den
Knoten in meinem Hals und musste schlucken, um wieder einen klaren
Gedanken zu fassen.</p>



<p>Erst, als ich mich nach
einiger Zeit wieder löste, räusperte ich mich etwas und sprach mit
erstickter Stimme:</p>



<p>&gt;&gt;Tristan, wir sollten
hinein gehen&#8230; Mama hat das Essen schon aufgesetzt&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Mir war gar nicht klar, mit
welch einer Gelassenheit ich so etwas alltägliches aussprach, obwohl
es mehr als alltäglich war, dass mein Bruder jemals wieder mit uns
am Tisch sitzen würde.</p>



<p>Wortlos lösten wir uns aus
der Umarmung und erst jetzt bemerkte ich, dass er mit einem Arm eine
großzügige Ledertasche über die Schulter hievte und mit den
schneebedeckten Schuhen über die Schwelle in unseren weiß gekalkten
Flur trat.</p>



<p>Da, wo der andere Arm sein
sollte, war die Jacke umgeschlagen und an die Front gepinnt.
Anscheinend hatte der Krieg seine Spuren hinterlassen.</p>



<p>Ich blinzelte nur ein paar
Mal, wischte mir selbst die Tränen aus den Augen und deutete wortlos
zur Küche hinüber, von wo man Mama leise eine Melodie summen hörte.</p>



<p>Tristan nickte mir nur zu,
ließ die Tasche auf den Boden sinken und ging langsam zur Tür. Ich
blieb im Gang zurück und bekam mit, wie die Melodie schlagartig
erstarb, ein unterdrückter Schluchzer zu hören war und unsere
Mutter meinem Bruder um den Hals fiel.</p>



<p>Ich ging nicht hinein, ich
wollte ihnen diesen Moment nicht klauen.</p>



<p>Ich stand einfach nur da,
wie vorher schon und spürte nur, wie auch mir die Tränen die Wangen
hinunter liefen.</p>



<p>Das war das erste Mal seit
Monaten, dass diese künstliche Mauer aus Abgeklärtheit und Trotz in
sich zusammen brach und wahrer Freude wich.</p>



<p>Mit einem zarten Grinsen auf
meinen Lippen, wendete ich mich zur Tür, ließ sie ins Schloss
schnappen und lehnte mich dagegen.</p>



<p>Eine ganze Zeit lang stand
ich noch so da und ließ diesen überwältigenden Moment erst einmal
zur Gewissheit werden. Tristan war wieder da. Er lebte. Und war nach
Hause zurück gekehrt.</p>



<p>Erst jetzt wurde mir klar,
dass dies ein ganz besonderes Weihnachten war: wir würden nicht zu
zweit am Tisch sitzen und leise unsere Lieder singen, dieses Mal
waren wir zu dritt und würden mehr eine Familie sein, als wir es die
letzten Male jemals waren.</p>



<p>Auch ich machte mich nun auf
den Weg in die Küche und musste noch einmal die aufkeimenden Tränen
unterdrücken, als ich meinen Bruder, die zitternden Hände meiner
Mutter in seiner haltend, mit ihr am Tisch sitzen sah.</p>



<p>Zwischen ihnen lag nur der
Tannenzweig, mit der Kerze darauf, deren Flamme aufgeregt hin und her
flackerte.</p>



<p>Keiner sagte etwas, nur ich
setzte mich mit einem Stuhl dazu und sah beide an.</p>



<p>Die Stille wurde erst
unterbrochen, als mein Bruder sich mir zuwandte, einen alten,
heimeligen Schimmer in den Augen.</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, wie ich
sehe, hast du dich gut um Mama gekümmert. Ich bin stolz auf dich.&lt;&lt;</p>



<p>Ich lächelte ihn an und
erwiderte nur:</p>



<p>&gt;&gt;Ich tat mein
Bestes.&lt;&lt;</p>



<p>Tristans Augen leuchteten
und er atmete hörbar aus: &gt;&gt;Ich denke, das taten wir alle,
nicht war? Über all die Zeit taten wir unser Bestes und manchmal
reicht es eben, aber manchmal auch nicht.&lt;&lt;</p>



<p>Ich sagte nichts. Er fuhr
fort.</p>



<p>&gt;&gt;Ich bin erleichtert
zu sehen, dass es dieses eine Mal wohl gereicht hat. Euch hier sitzen
zu sehen, war alles, was ich für vier Jahre wollte.&lt;&lt;</p>



<p>Mutter fing an zu weinen und
drückte seine Hand nun fest in ihren.</p>



<p>Ich sah auf den leeren Ärmel
seiner Uniform und fragte nur leise: &gt;&gt;Doch zu welchem Preis?&lt;&lt;</p>



<p>Sein Blick folgte dem meinen
und er schwieg kurz, dann erwiderte er: &gt;&gt;Weißt du,
Bruderherz, was beobachtest du, sobald du aus dem Fenster siehst?&lt;&lt;</p>



<p>Ich stockte, nicht wissend,
in welchem Kontext ich diese Frage zu verorten hatte.</p>



<p>&gt;&gt;Lichter in der
Ferne, es ist dunkel draußen.&lt;&lt;</p>



<p>&gt;&gt;Und wenn du hinauf
zum Himmel schaust? Was siehst du dann?&lt;&lt;</p>



<p>Ich überlegte.</p>



<p>&gt;&gt;Wolken? Sterne sieht
man keine, es ist bewölkt&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Er bedachte mich nur mit
seinem warmen Blick, wie er es früher öfter getan hatte und
lächelte mich an.</p>



<p>&gt;&gt;Genau. Die Wolken
sind zwar da, aber sie fallen uns nicht auf, weil es dunkel ist und
wir im Finstern öfter mal stolpern. Aber weißt du was? Das ist
nicht schlimm, denn wir fallen weich.&lt;&lt;</p>



<p>Ich war unschlüssig, was er
mir sagen wollte.</p>



<p>Begriffsstutzig entgegnete
ich nur: &gt;&gt;Aber wir fallen hart, draußen ist alles gefroren.&lt;&lt;</p>



<p>Mein Bruder lachte nur und
schüttelte den Kopf.</p>



<p>&gt;&gt;Es ist gefroren
draußen, weil es kalt geworden ist in letzter Zeit. Und mit der
Kälte kommt der Schnee.&lt;&lt;</p>



<p>Er legte die verbliebene
Hand auf meine Schulter und sah mich tief an.</p>



<p>&gt;&gt;Der Schnee kommt
immer in der Nacht.&lt;&lt;</p>



<p>Die Landschaft lag an jenem
Abend im Schnee und alles, was in dieser Nacht Helligkeit bot, waren
die vereinzelten Lichter in den Häusern der Dörfer.</p>



<p>Sterne waren keine zu sehen,
aber weiße Flocken brachen aus der Wolkenschale und glitten langsam
aber stetig zum Boden auf uns alle herab.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/">Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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