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	<title>Arbeiterkind Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Wie es ist, als erste:r in der Familie zu studieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Nägele]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Feb 2022 08:59:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeiterkinder oder Nichtakademikerkinder meint Studierende der ersten Generation innerhalb einer Familie. Ich, Franziska, bin die erste in meiner Familie, die ein Studium aufgenommen hat. Bevor ich vor drei Semestern mit studieren angefangen habe, konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Es war ein schwammiges Etwas, das in irgendwelchen Städten passiert, kein Einkommen einbringt und mir zugegebenermaßen viel Angst gemacht hat. Auch ich, Alex, bin Arbeiter:innenkind und als ich zum ersten Mal mit dieser Begrifflichkeiten konfrontiert wurde, habe ich nicht verstanden, inwiefern der Bildungsweg meiner Eltern etwas mit meinem eigenen und meiner Entscheidung zu studieren zu tun haben soll.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/02/wie-es-ist-als-erster-in-der-familie-zu-studieren/">Wie es ist, als erste:r in der Familie zu studieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p>Arbeiterkinder oder Nichtakademikerkinder meint Studierende der ersten Generation innerhalb einer Familie. Ich, Franziska, bin die erste in meiner Familie, die ein Studium aufgenommen hat. Bevor ich vor drei Semestern mit studieren angefangen habe, konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Es war ein schwammiges Etwas, das in irgendwelchen Städten passiert, kein Einkommen einbringt und mir zugegebenermaßen viel Angst gemacht hat. Auch ich, Alex, bin Arbeiter:innenkind und als ich zum ersten Mal mit dieser Begrifflichkeit konfrontiert wurde, habe ich nicht verstanden, inwiefern der Bildungsweg meiner Eltern etwas mit meinem eigenen und meiner Entscheidung zu studieren zu tun haben soll.</p>								</div>
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									<p>Laut <a href="https://www.hochschulbildungsreport2020.de/chancen-fuer-nichtakademikerkinder">Hochschul-Bildungs-Report</a> entscheidet die soziale Herkunft jedoch noch immer maßgeblich über den Bildungserfolg eines Kindes. Lediglich 27 Prozent der Grundschüler:innen aus einem Nichtakademiker:innenhaushalt beginnen später ein Studium &#8211; im Vergleich dazu liegt der Prozentsatz bei Akademikerkindern bei 79 Prozent. Neben dem Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule stellt auch der Übergang zur Hochschule eine der größten Hürden für Kinder aus Nichtakademikerfamilien dar. Selbst dort angekommen verläuft die akademische Karriere anders, als bei Kindern mit akademischem Hintergrund: von 100 Akademikerkindern schließen 10 mit einem Doktortitel ab. Bei den Arbeiterkindern ist es nur eins. Die Pandemie hat in den letzten zwei Jahren &#8211; wie in vielen anderen Bereichen auch &#8211; wie ein Brennglas gewirkt und bereits bestehende Probleme und Ungerechtigkeiten verschärft  &#8211; so auch die Bildungsungleichheit.</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Die Initiative ArbeiterKind.de hat es sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Nicht-Akademikerkinder an Hochschulen zu erhöhen und fungiert so als Anlaufstelle für Studierende und Schüler:innen ohne akademischen Hintergrund. Presstige hat mich Michael gesprochen, der Teil der Augsburger ArbeiterKind.de Gruppe ist. Michael ist selbst Arbeiterkind und über seine Schwester auf die Gruppe aufmerksam geworden, die schon vor ihm ihr Studium aufgenommen hat. “Ich weiß, wie schwierig ich es gehabt hätte, hätte ich sie und ihre Erfahrungen nicht gehabt”, sagt er über sich selbst. Bei ArbeiterKind.de möchte er mit seinem Engagement etwas zurückgeben und anderen jungen Menschen helfen, die als Erste in der Familie eine universitäre Ausbildung absolvieren. Besonderen Beratungsbedarf haben die Studierenden, und solche die es werden wollen, beim Thema Finanzen. ArbeiterKind.de möchte an dieser Stelle weiterhelfen und fängt damit schon in den Gymnasien, Berufs- und Fachoberschulen an. Die Ehrenamtlichen erzählen, wie ein Studium abläuft und bringen ihre persönlichen Erfahrungen mit ein &#8211; Ziel ist es, zu zeigen, was auf die Schüler:innen zukommt, damit sie dann ihre eigenen Entscheidungen treffen können. </span></p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Im Gespräch mit Arbeiterkindern</h2>				</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Doch was bedeutet es eigentlich, Arbeiterkind zu sein? Mit welchen Herausforderungen hat man als Arbeiterkind zu kämpfen? Und was wünscht sich AbrieterKind.de für die Zukunft? <br /></span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben wir außerdem mit zwei weiteren Studierende über ihre Erfahrungen als Studierende der ersten Generation gesprochen. <br /></span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Raphael ist 23, studiert an der Uni Augsburg den Master Umweltethik und wurde zum ersten Mal im ersten Semester seines Bachelors damit konfrontiert, dass der Bildungsabschluss der Eltern Einfluss auf den eigenen Bildungsweg haben kann. Auch wenn ihm dabei kein konkreter Moment vor Augen sei, so habe er doch immer wieder gemerkt, dass die Tatsache, ob die Eltern studiert haben oder nicht, an Relevanz gewonnen habe. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Auch Lea, die momentan im dritten Semester BWL an der Uni studiert, ist die erste in der Familie, die an der Universität ist. Sie erzählt uns, dass sie die Erfahrung gemacht habe, dass fast alle aus ihrer Klasse am Gymnasium damals an die Uni gegangen sind &#8211; ungeachtet der Bildungswege der Eltern. “Aus meiner Klasse am Gymnasium haben damals so gut wie alle ein Studium begonnen, eine Ausbildung zu machen wurde uns da nicht wirklich nahe gelegt. Aber als ich mich dann aufs Studium beworben habe, da habe ich gemerkt, dass meine Eltern mir bei den Bewerbungen für die Unis oder auch der Auswahl des Studiengangs nicht wirklich weiterhelfen konnten”, so die 24-Jährige.</span></p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Herausforderungen an der Uni...</h2>				</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Michael berichtet, dass besonders zu Beginn des Studiums immer wieder Schwierigkeiten für Arbeiterkinder auftauchen: “Besonders am Anfang hat man Probleme &#8211; Wie finanziert man ein Studium? Wen kann man fragen? [&#8230;] Zum Beispiel hat man keine Ahnung, dass man sich den Stundenplan selbst zusammenstellen muss.” Doch auch im weiteren Verlauf des Studiums werde man immer mal wieder an das Arbeiterkind-Sein erinnert. Raphael erzählt so beispielsweise von Freund:innen, von denen er es gewohnt war, dass diese ihre Hausarbeiten mit ihren Eltern besprechen und sich inhaltlich über die Themen austauschen konnten. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Bei ihm sei eine solche Unterstützung nicht möglich gewesen. Lea berichtet außerdem davon, dass sie Schwierigkeiten damit hatte, sich allgemein an der Universität zurechtzufinden: “Da ich aufgrund der Pandemie meine ersten zwei Semester von zu Hause aus machen musste, ist es mir sehr schwer gefallen, in das Ganze System </span><i style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">Uni</i><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );"> reinzukommen. Mir hätte es sicher geholfen, wenn ich mich mit anderen Studierenden mehr darüber hätte austauschen können.”</span></p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">... und im sozialen Umfeld</h2>				</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Doch nicht nur im Universitätskontext berichten die Betroffenen von Herausforderungen. Oft entstehen diese erst, wenn man das akademische Umfeld verlässt. Mit Blick auf das Elternhaus oder das soziale Umfeld berichtet Michael: “Ich wurde von meinen Eltern zum Glück nie in eine Ecke reingedrängt. Bei dem ein oder anderen bekommt man aber schon einen Druck in Richtung ‘lern was Handwerkliches, lern was Richtiges’ mit.” Ähnliche Erfahrungen hat Raphael gemacht: Aus der Verwandtschaft kämen immer mal wieder Fragen, wieso man denn studieren müsse &#8211; insbesondere einen geisteswissenschaftlichen Studiengang. Dies sei auch in Leas Familie der Fall, jedoch betont sie, dass ihre Familie auch immer wieder sagt, wie stolz sie darauf sei, dass sie studiert.</span></p><p> </p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Und in der Zukunft?</h2>				</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Zum Schluss wollten wir noch wissen, was sich ArbeiterKind.de für die Zukunft wünscht, damit Arbeiterkinder besser unterstützt werden können. Bei Michael stehe dabei vor allem eine bessere finanzielle Unterstützung für Studierende von staatlicher Seite im Vordergrund, um so die Hürde hin zur Hochschule mehr abzubauen. “Mit dem BAföGsatz lebst du unter Hartz-IV Satz (Anm. der Redaktion: 2022 liegt der BAföG-Höchstsatz bei 861€, der monatliche Hartz-IV-Regelsatz bei 449€ plus die Kosten der Unterkunft). Entweder du arbeitest nebenzu noch viel, worunter die Studienleistungen leiden, oder du hast Eltern, die das bezahlen können. Das ist schon eine kleine Diskriminierung.” Auf unsere letzte Nachfrage, was er Arbeiterkindern mitgeben möchte, rät er diesen, </span><span style="font-weight: 400;">keine Angst vor dem ungewissen Studium zu haben. “Selbst wenn einem das Studium nicht gefällt, kann man es abbrechen. Man hat keine großen Verpflichtungen und keinen Arbeitsvertrag”, so Michael.</span></p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Bereits 2020 hat Presstige über die Initiative Arbeiterkind berichtet und ist näher auf die Probleme und Herausforderungen von jungen Erwachsenen aus nichtakademischen Haushalten eingegangen. Den Artikel mit weiteren Informationen über die Thematik sowie die Arbeit der Ortsgruppe von ArbeiterKind.de in Augsburg findet ihr <a href="https://presstige.org/2020/07/50-jahre-ungleiche-bildungschancen-an-der-uni-augsburg/">hier</a>.</span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">ArbeiterKind.de Augsburg freut sich, allen aus nichtakademischen Haushalten, die Fragen zum Studieren haben, mit Rat und Tat weiterzuhelfen. Interessierte können sich über augsburg@arbeiterkind.de an die Gruppe wenden oder bei dem offenen Stammtisch vorbeischauen, der jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindet. Normalerweise trifft man sich im Annapam, aktuell jedoch über Zoom. Auf Instagram findet man die Ortsgruppe Augsburg unter dem Namen <a href="https://www.instagram.com/arbeiterkind.augsburg/">arbeiterkind.augsburg</a>. </span><span style="font-weight: 400;"><br /></span></p><p><span style="font-weight: 400;">Wie viele andere Initiativen und Vereine leidet auch die Gruppe ArbeiterKind.de Augsburg seit der Pandemie unter fehlendem ehrenamtlichem Nachwuchs. Aber ihr könnt das natürlich ändern: Falls euch die Arbeit von ArbeiterKind.de interessiert und ihr selbst euren Teil zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen möchtet, dann meldet euch einfach bei der Ortsgruppe Augsburg oder schaut direkt beim Stammtisch vorbei!</span></p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/02/wie-es-ist-als-erster-in-der-familie-zu-studieren/">Wie es ist, als erste:r in der Familie zu studieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>50 Jahre ungleiche Bildungschancen an der Uni Augsburg</title>
		<link>https://presstige.org/2020/07/50-jahre-ungleiche-bildungschancen-an-der-uni-augsburg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne Eberhard]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2020 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Für manche sind die Hürden, es an Uni oder Hochschule zu schaffen, höher als für andere. Für "Arbeiterkinder" zum Beispiel: Nur ein fünftel der Kinder aus nichtakademischen Familien studiert. Während der Corona-Krise haben sie öfter ihre Jobs verloren - bestehende Ungleichheiten werden verstärkt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/07/50-jahre-ungleiche-bildungschancen-an-der-uni-augsburg/">50 Jahre ungleiche Bildungschancen an der Uni Augsburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[</p>
<p>Die Uni Augsburg feiert ihren 50. Geburtstag! Wir wünschen alles Gute und freuen uns mit der Uni über alle Erfolge, die bisher gefeiert wurden. Doch wollen wir zu diesem Jubiläum nicht vergessen, dass der Zugang zum Studium nicht für alle der gleiche ist: für manche sind die Hürden höher als für andere.</p>
</p>
<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/andrew-mcelroy-VBk1hYejqEg-unsplash-1024x683.jpg" alt=""/><figcaption><em>Nur 21 von 100 Kindern aus nichtakademischen Familien entscheiden sich für ein Studium. Bei Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil studiert hat, sind es dagegen 74 von 100. </em><br /><em>Bild: Andrew Mcelroy auf UnSplash</em></figcaption></figure>
<p>Wusstest du, dass nur rund ein Fünftel der Kinder aus nichtakademischen Familien ein Studium beginnen? Bei Kindern aus akademischen Haushalten, bei denen mindestens ein Elternteil studiert hat, sind es dagegen 74 von 100 Kindern. Und während diese Kinder ihr Studium mit einer Wahrscheinlichkeit von 85% auch erfolgreich beenden, sind es bei Kindern aus nichtakademischen Haushalten nur zwei Drittel, die die Universität oder Hochschule mit Abschluss verlassen. Zu diesen <a href="https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/arbeiterkinder-an-der-uni-wenn-die-eltern-nicht-studiert-haben-16346828-p2.html">Ergebnissen</a> kam das Deutsche Studentenwerk im Jahr 2016. Der Bericht beschäftigt sich auch mit der finanziellen Situation von Studierenden: Kinder aus „Arbeiterfamilien“ beziehen öfter BAföG und verdienen ihren <a href="https://www.bildungsspiegel.de/news/studium-fernstudium-neue-lernformen/4228-studentenjobs-wegfall-koennte-bildungsungleichheiten-verstaerken">Lebensunterhalt</a> zu einem größeren Teil durch Nebenjobs. Elterliche Unterstützung machen bei ihnen nur 33% der monatlichen Einkommen aus, im Vergleich zu immerhin 66% bei Akademikerkindern.</p>
<p>ArbeiterKind.de macht sich für Studierende stark, die als erste in ihrer Familie Universitäts- oder Hochschulluft schnuppern. Die Ortsgruppe in Augsburg besteht aus Studierenden und Absolvent*innen, die als Kinder aus nichtakademischen Familien selbst froh über die Unterstützung der Gruppe waren. Sie sprechen also auch von persönlichen Erfahrungen als „Arbeiterkinder“: „Die größte Hürde stellt der oftmals nicht vorhandene Zugang zu Informationen, beziehungsweise die Möglichkeit auf Erfahrungen in der eigenen Familie zurückgreifen zu können, dar,“ schreibt uns ArbeiterKind.de Augsburg per Mail. Dabei ginge es um Themen wie die Studiengangswahl, die Studienbewerbung, die Stundenplanerstellung oder Fragen zur Finanzierung oder BAföG-Antrag. Studierende würden an der Uni von einer „Außenseiterrolle“ berichten: Fragen, die für andere wie selbstverständlich beantwortet werden, bleiben offen und von zu Hause kommt oft weniger Unterstützung als bei Kindern aus akademischen Familien. Hinzu kommt, dass viele Studierende auch zu Hause eine „Außenseiterrolle“ einnehmen, wenn Verwandte und Bekannte die Entscheidung für ein Studium nicht nachvollziehen können. Warum man nur „faul“ studiere und nicht „richtig arbeite“, werde dann gefragt.</p>
</p>
<p>ArbeiterKind.de Augsburg steht Studieninteressierten und Studierenden mit Rat und Tat zur Seite, teilt Erfahrungswissen und spricht Mut zu. Die Gruppe hält auch Vorträge an Schulen, um Schüler*innen zu einem Studium zu ermutigen. Nach dem Abschluss bietet sie ein Netzwerk für den Einstieg ins Berufsleben.</p>
</p>
<p>Ungleichen Chancen führen dazu, dass die Hürden auf dem Weg zur Universität Augsburg für Kinder aus nichtakademischen Familien seit 50 Jahren immer ein wenig höher sind als für Kinder aus akademischen Haushalten. Es würden immer noch Vorurteile gegenüber Studierenden aus „Arbeiterfamilien“ bestehen meint ArbeiterKind.de Augsburg. Um diese abzubauen sind wir alle gefragt! Auch von der Uni Augsburg selbst wünscht sich die Gruppe „mehr Offenheit gegenüber Studierenden oder Studieninteressierten aus nichtakademischen Haushalten. Jede Uni und Hochschule sollte beispielsweise einen Beauftragten für Studierende mit besonderen Hürden haben“, schlägt die Gruppe vor und bezieht sich hierbei nicht nur auf das Elternhaus, sondern auch auf andere mögliche schwierige Situationen. Eine solche Funktion sei zwar in der Studienberatung integriert, würde aber dennoch häufig zu kurz kommen.</p>
</p>
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ungleichheiten werden durch Corona-Krise verstärkt</strong></h2>
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<p>Neben einem offenen Klima an der Universität besteht auch bei der materiellen Ausstattung der Studierenden Handlungsbedarf – gerade jetzt. Denn wie in vielen anderen Situationen auch gießt die Corona-Pandemie Öl in Feuer, die bereits brannten. Bestehende Ungleichheiten werden verstärkt. „Im Zuge der Corona-Pandemie sind viele Studi-Jobs weggefallen. Davon sind hauptsächlich Studierende aus nicht-akademischen Familien betroffen. Denn sie jobben öfter in fachfremden Jobs. Doch sie sind es auch, die auf ihre Nebeneinkünfte zur Finanzierung ihres Studiums angewiesen sind, weil sie wenig oder keine monetäre Unterstützung durch ihre Eltern erhalten“, meint ArbeiterKind.de Augsburg. Die Folge können Verschuldung oder Studienabbruch sein. Finanzielle Sicherheit ist eine Grundvoraussetzung dafür, sich auf sein Studium konzentrieren zu können. Die finanzielle Unterstützung der Studierenden durch den Staat wurde jedoch von vielen Betroffenen in Notlagen als unzureichend kritisiert. 500€ reichen oftmals nicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Sie wurden und werden zudem nur gewährt, wenn das Konto fetzenleer ist – und auch erst nach der Bereitstellung von Krediten, durch die Studierende gezwungen werden, Schulden aufzunehmen.</p>
</p>
<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/petr-sevcovic-e5Q5vWO55uU-unsplash-1024x683.jpg" alt=""/><figcaption><em>Aufgrund der Corona-Pandemie sind viele Studi-Jobs weggefallen, für viele auch der Job in der Gastronomie. Studierende aus nichtakademischen Familien sind davon stärker betroffen. Bild: Petr Sevcovic, auf UnSplash</em></figcaption></figure>
</p>
<p>Ein Studium von Zuhause aus setzt außerdem eine gewisse technische Ausstattung, eine gute Internetverbindung und einen Ort, an dem man konzentriert arbeiten kann, voraus. Auch diese Voraussetzungen sind nicht für alle Studierenden gegeben. Es kann nicht sein, dass Studierende Nachteile haben, weil die Prüfungsleistung aufgrund ruckelnder Internetverbindung nicht erbracht werden kann oder man sich erst eine Kamera, ein Mikrophon oder sogar einen Laptop besorgen muss, um ein Seminar erfolgreich zu bestehen. Die Präsidentin der Universität, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, fordert aus diesem Grund die <a href="https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-universitaeten-corona-perspektive-1.4957283">Bereitstellung von Leihgeräten</a> im Wintersemester, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat. Dies ist ein wichtiger Schritt und wäre auch schon im Sommersemester notwendig gewesen. Außerdem darf das aktuelle Semester nicht zur Regelstudienzeit zählen, denn dann fallen für viele Betroffene BAföG-Bezug oder der Platz im Studierendenwohnheim weg. Letzte Woche hat der bayrische Landtag diese Forderung &#8211; reichlich spät, aber zum Glück noch vor Ende des Semesters &#8211; <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/landtag-muenchen-sommersemester-zaehlt-wegen-corona-nicht-zur-regelstudienzeit-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200708-99-718849">gesetzlich verankert</a>.</p>
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<p><em>ArbeiterKind.de Augsburg freut sich, allen aus nichtakademischen Haushalten, die Fragen zum Studieren haben, mit Rat und Tat weiterzuhelfen. Interessierte können sich über augsburg@arbeiterkind.de an die Gruppe wenden oder bei dem offenen Stammtisch vorbeischauen, der jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindet. Normalerweise trifft man sich im Annapam, aktuell wird der Stammtisch über zoom abgehalten. Auch einen Instagram Account hat die Gruppe.&nbsp; </em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/07/50-jahre-ungleiche-bildungschancen-an-der-uni-augsburg/">50 Jahre ungleiche Bildungschancen an der Uni Augsburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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