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	<title>flüchtlinge Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>flüchtlinge Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Deprimierendes Stagnieren statt Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Judith Alberth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jan 2017 09:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[engagement]]></category>
		<category><![CDATA[erfahrungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Erfahrungsbericht über eines der Flüchtlingslager im Norden Griechenlands Während meines Auslandssemester in Thessaloniki (Griechenland), arbeite ich neben meinem Studium in einem Flüchtlingslager. Seit Mai letzten Jahres ist es Freiwilligen eigentlich verboten, in den Camps zu helfen und dennoch sind...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Erfahrungsbericht über eines der Flüchtlingslager im Norden Griechenlands</h2>
<figure id="attachment_9430" aria-describedby="caption-attachment-9430" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-9430 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland2.jpg" width="800" height="600" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland2.jpg 800w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland2-400x300.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland2-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-9430" class="wp-caption-text">Text &amp; Fotos: Judith Alberth</figcaption></figure>
<p><strong>Während meines Auslandssemester in Thessaloniki (Griechenland), arbeite ich neben meinem Studium in einem Flüchtlingslager. Seit Mai letzten Jahres ist es Freiwilligen eigentlich verboten, in den Camps zu helfen und dennoch sind viele hier.&nbsp;Während meinen Besuchen dort&nbsp;habe ich gemerkt, wie eingeschränkt meine Definition von Flüchtlingen ist und was es für diese bedeutet, frei zu sein.</strong></p>
<p>Als ich vom Matsch aus durch das kleine Fenster auf Hüfthöhe in die große Halle steige, habe ich nicht das Gefühl, etwas Illegales zu tun. Ich muss mich selbst daran erinnern und es kommt mir absurd vor. Wir laufen durch die Halle an den Zelten vorbei, ich habe trotz der einfachen Struktur immer noch keine Orientierung dort. Kinder springen umher, manche sehen mich an und ich merke, wie ich dort auffalle.</p>
<p>Seit Mitte November gebe ich neben meinem sechsmonatigen Erasmus-Aufenthalt, Deutschunterricht im Flüchtlingslager Oreokastro im Industriegebiet Thessalonikis, in Griechenland. Was daran illegal ist? Meiner Meinung nach nichts, aber seit der Auflösung des größten Camps Griechenlands in Idomeni Mitte Mai letzten Jahres, ist es Freiwilligen verboten, die Flüchtlingslager zu betreten. Ich vermute, es soll verhindert werden, dass die Camps beginnen, sich zu organisieren. In Oreokastro hält uns aber niemand aktiv davon ab. Immer dienstags trete ich also die lange und oft unzuverlässige Busfahrt an, um mich mit Maxwell (<em>Name von der Redaktion geändert</em>) zu treffen, der mich vom Fenster bis ins Klassenzimmer begleitet. Den Unterricht gestalten wir zusammen: Auf der einen Seite der Tafel schreibe ich auf Deutsch – auf der anderen übersetzt er auf Arabisch, miteinander reden wir Englisch.</p>
<p>Nach dem Unterricht trinken wir zusammen Kaffee, rauchen und reden. Es war eines dieser Gespräche gleich zu Anfang, als mir bewusst wurde, dass die Männer welche mir gegenüber sitzen, genauso sind wie du und ich. Viel mehr noch, ich war heimlich schockiert, dass mich diese Tatsache so überrascht hat. Ich hatte vorher nicht darüber nachgedacht, dass das Professoren, Studenten, Anwälte, Väter und Freunde sind. Auch wenn ich mich eigentlich vorher schon für offen gehalten hatte, merke ich was der Begriff „Flüchtling“ für mich eigentlich bedeutet. Mir wird bewusst, wie sich mit meinen Erfahrungen im Camp der Begriff auflöst und ich stattdessen Menschen kennen lerne, Freunde gewinne.</p>
<h3>Ein unmenschlicher Zustand</h3>
<p>Das Flüchtlingslager befindet sich im Nordosten Griechenlands, circa 20 km vom Zentrum Thessalonikis entfernt. Es ist das größte im Umkreis der Stadt; es heißt, es wäre das Camp mit den besten Konditionen. Die Zustände dort lassen sich einfach beschreiben: Es ist unmenschlich. In dieser Situation von Menschenrechten zu sprechen, erzeugt bei mir nur ein zynisches Lachen. Eine Norwegische NGO sei für das Lager zuständig, gesehen oder getroffen habe ich davon niemanden. Seit Wochen funktioniert die Elektrizität nur spärlich bis gar nicht. Manchmal geht das Licht in dem einen oder anderen Sektor an, bald darauf aber wieder aus. Unterricht ist bis 17 Uhr möglich, danach ist es zu dunkel. Ein Heizsystem haben sie sowieso nicht.</p>
<p>Maxwell erzählte mir, sie hätten letztens einen ganzen Tag lang nicht einmal Wasser gehabt. Drei Mal täglich bekommen sie Essen. Sie wollten Freiheit und das soll nun die Rettung vor dem Elend sein? Wenn ich das Lager anschaue, frage ich mich, wer eigentlich der Verantwortliche dort ist. Ich unterdrücke die Frage: Wo kann man sich denn hier beschweren? Die Zelte, in denen sie leben, sind grün. Sie sind in Reihen aufgestellt, wodurch lange entstehen Korridore. An den Leinen dazwischen hängt Kleidung zum Trocknen. An manchen Ecken sind Tische wie eine Art Kiosk aufgestellt, an denen einige der Männer Essen und kleine elektronische Geräte verkaufen, wie zum Beispiel Bluetooth Boxen, mit denen sie Musik abspielen können.</p>
<p>Die Halle ist groß, es muss vorher eine Art Fabrik gewesen sein, am Boden lassen sich noch gelbe Markierungen mit Nummern erkennen. Es erinnert mich an eine Abflughalle. Die Wände sind hoch und die Fenster dreckig. Abgesehen von den hüfthohen Fenstern am Boden, durch die es sich leicht ein-und aussteigen lässt, gibt es noch eine Fensterreihe nahe zur Decke, durch welche die Abendsonne scheint und der Halle zu einer seltsamen Schönheit verhilft. Trotz der Sonnenstrahlen ist es kalt, manchmal riecht es nach Essen. Die Halle ist das Zuhause von circa 800 Menschen, bis vor kurzem waren es noch tausende. Ich versuche ihre Privatsphäre so gut wie möglich zu wahren und schaue nicht in die Zelte.</p>
<p>Als ich später mit Maxwell und seinem Freund, dem Professor, an einem Tisch sitze und Saft trinke &#8211; heute gibt es keinen Kaffee, da das warme Wasser fehlt &#8211; unterhalten wir uns über Syrien. Sie erzählen von ihrer Heimat und der Kulturvielfalt dort. Sie versuchen mir Wörter auf Arabisch beizubringen. In einem ruhigen Moment höre ich auf die Geräuschkulisse im Hintergrund. Ich höre Männer miteinander reden, manche ganz ruhig andere intensiver. Niemand schreit. Kinder wimmern und ihre Mütter versuchen sie mit ruhiger Stimme zu beruhigen. Es hallt alles, jemand zertritt seinen Saftbecher und es knallt. Und plötzlich ist alles dunkel. Vorher war in anderen Sektoren noch Licht zu sehen, jetzt nur noch Nacht. Ich habe Angst. Es ist das erste Mal in meiner Zeit dort, dass ich Angst habe. Die Depression und Frustration der Menschen dort, ihr Leid und ihre Trauer, es erschlägt mich auf einmal. Die Dunkelheit verstärkt die depressiven Gefühle.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-9431" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland1.png" alt="" width="600" height="800" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland1.png 600w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/01/flüchtlingslager-griechenland1-300x400.png 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
<h3>Die Angst vor der Dunkelheit</h3>
<p>Das Licht geht in einem anderen Sektor wieder an und ich sehe Maxwell, er lächelt mich an. „When you are with me you are save“ waren seine Worte schon zu Beginn. Ich erinnere mich daran, wie er mich durch das Camp führt und mit mir in der Kälte auf den Bus wartet. Er beschützt mich und das auf eine friedliche, aber starke Weise. Angst brauche ich keine zu haben und erst Recht nicht vor den Menschen dort, das habe ich schnell genug gelernt. Viel mehr als mich zu beschützen, kontrolliert er die Situation, indem er mich begleitet und baut durch Vertrauen eine Art Brücke zwischen meiner Welt und der Welt im Lager. Denn leicht ist es nicht zu verstehen, wie groß die Kluft dazwischen ist.</p>
<p>Desto länger ich jedoch über den kurzen Moment im Dunkeln nachdenke, umso mehr frage ich mich, wovor ich Angst hatte. Ich denke, es war mehr das Grauen, das mir auf einmal zu nahe kam, ich konnte nicht anders als mich ihnen zugehörig zu fühlen. Im Dunkeln sind alle Katzen grau, da war es mir nicht mehr möglich, mich abzugrenzen. Und so werden Syrien und die Situation der Flüchtlinge auf einen Schlag persönlich für mich. Wenn ich die Bilder von Aleppo sehe und die Nachrichten höre, spüre ich den Schmerz. Ich weiß, dass viele in dem Lager nicht schlafen können. Jeder versucht auf seine Art damit umzugehen, aber wie soll das jemandem gelingen, wenn er inmitten der Trostlosigkeit lebt? Und das nun schon seit Monaten. Das Leben dieser Menschen steht auf Stillstand, sie sitzen fest.</p>
<h3>Die mächtigste Waffe ist Bildung</h3>
<p>Bei all den Emotionen, die meinen wöchentlichen Ausflug in das Camp begleiten, ist es aber vor allem die Hoffnung, die ich nicht aufgeben möchte. Die Jungs, die ich unterrichte wollen lernen und sind interessiert. Mir ist natürlich klar, dass mein blonder Haarschopf den Unterricht für sie noch spannender macht. Die Deutschstunde ist immer lustig und es ist interessant, mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich lerne jedes Mal dazu. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass ich keine Angst vor „den Flüchtlingen“ haben muss, vielmehr noch, dass es wichtig ist, mit ihnen zu kommunizieren und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Vor allem aber bewundere ich Menschen wie Maxwell, die im Elend noch die Kraft haben zu kämpfen. Er organisiert die Schule im Camp und ist aufgrund seines Studiums derjenige, der vor dem Elektrokasten steht und alles gibt, um ihn wieder zum Laufen zu bringen. Mehr noch, er bringt Licht in mein Herz, wenn ich ihm zusehe, wie er die Kinder unterrichtet. Dieser Mann kämpft mit der friedlichsten und mächtigsten Waffe: Bildung.</p>
<p>Ich sehe auf die Uhr und merke, dass der letzte Bus bald fährt. Maxwell holt seinen Tabak und wir laufen zum Ausgang. Ich ziehe meine Mütze über und verlasse das Camp über den Haupteingang. Nachdem ich den ganzen Tag im kalten Camp verbracht habe, bin ich froh, als der Bus endlich kommt. Ich lehne den Kopf an das Fenster, während er mich wieder zurück nach Thessaloniki bringt und versuche mich wieder zu sammeln. Ich habe die Kälte in den Zehen, aber die Wärme der Menschen und ihre Freundlichkeit im Herzen. Ich erinnere mich an das erste Wort, das ich auf Arabisch gelernt habe: Danke.</p>
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		<title>k wie kunterbunt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Isabell Beck]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2016 10:20:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[stadtnah]]></category>
		<category><![CDATA[begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[jugend]]></category>
		<category><![CDATA[presstige#29]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Jugendzentrum k15 Gelb, türkis, rot, weiß – Augsburg ist bunt. So heißt es in der städtischen Friedensbewegung gegen Rechtsextremismus. Das Jugendzentrum k15 lebt dieses Motto intuitiv und ohne sich auf Migration zu konzentrieren. Die Menschen kommen einfach und finden...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Das Jugendzentrum k15</h2>
<figure id="attachment_9169" aria-describedby="caption-attachment-9169" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-9169 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/10/villa-k-1200.jpg" alt="villa-k-1200" width="1200" height="800" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/10/villa-k-1200.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/10/villa-k-1200-400x267.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/10/villa-k-1200-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/10/villa-k-1200-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9169" class="wp-caption-text">Text: Isabell Beck – Fotos: Paul von Platen</figcaption></figure>
<p><strong>Gelb, türkis, rot, weiß – Augsburg ist bunt. So heißt es in der städtischen Friedensbewegung gegen Rechtsextremismus. Das Jugendzentrum k15 lebt dieses Motto intuitiv und ohne sich auf Migration zu konzentrieren. Die Menschen kommen einfach und finden ein offenes Wohnzimmer für alle.</strong></p>
<p>Türkisfarben leuchtet das Treppengeländer, das hinauf in die Villa K führt, das Café und Wohnzimmer des k15. Das Jugendzentrum liegt als grauer Betonbau in der Kanalstraße 15, der Namensgeberin des Begegnungsortes. Doch der erste Eindruck täuscht. Weder trist noch grau, stattdessen farbenfroh, bunt präsentiert sich der Alltag hier, wie Dennis Galanti, der Leiter des Jugendzentrums berichtet: „Die Straße runter befindet sich eine Flüchtlingsunterkunft. Die Menschen verbringen dort hauptsächlich Zeit auf engstem Raum mit anderen Arabisch Sprechenden und kommen immer mehr hierher, um auch andere Kulturen und Sprachen kennen zu lernen.“<br />
Es ist ein Donnerstagnachmittag im März. Vasen mit gelben Narzissen stehen auf den Tischen im Café. Ein Tisch ist für das gemeinsam gekochte Mittagessen gedeckt. Die ersten Kinder trudeln von der Schule und dem Kindergarten ein. Es gibt Kartoffelgratin, Gemüse und Salat, dazu türkischen Tee. Auf ausgewogene Ernährung achten Galanti und seine Mitarbeiterinnen Nadine Geier und Sandra Berndt, genauso wie darauf, dass alle gemeinsam Wasser und Energie sparen. Eine junge Frau mit rotem Kopftuch serviert den Tee. Sie ist Praktikantin beim Stadtjugendring, dem Träger des k15, und wäre gerne Grundschullehrerin geworden. Das Kopftuch würde ihr die Arbeitsplatzsuche nach dem Studium in Bayern erschweren. Als gebürtige Augsburgerin möchte sie jedoch nicht weg. Deshalb entscheidet sie sich nun für das Fach Erziehungswissenschaften.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Ein Ort zum Austauschen und Ankommen</h3>
<p>Am Tisch sitzt auch ein syrischer Mann. Salim* hat gerade seine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Vor fünf Jahren ist er aus Syrien aufgebrochen. Dort besaß er ein Haus mit Pool und sammelte alte, amerikanische Autos. Wenn er Fotos davon zeigt, ist mehr Stolz als Traurigkeit in seiner Stimme. Mit einem lachenden Auge erzählt er von den drei Tagen, die er trauernd vor seinem zerstörten Haus verbracht hat, ehe er sich dazu entschloss, gemeinsam mit seiner Familie zu gehen. Seine Frau ist mit den Kindern noch in der Türkei, doch im Sommer kommt sie nach. Folglich bleiben drei Monate, um eine Wohnung zu finden. Doch zuerst braucht er eine Bleibe für sich, denn nach der Genehmigung seines Aufenthalts in Deutschland muss er die Flüchtlingsunterkunft verlassen.<br />
„Ein Thema, das uns immer häufiger betrifft“, erklärt Galanti. „Die Wohnungslage in Augsburg ist kritisch für die sozial Schwächeren. Das war es auch bevor so viele Flüchtlinge hierher kamen. Nun wird es nicht leichter.“ Doch Aufgeben gibt es nicht. Schon fliegen die ersten Ideen über den Tisch. Eine Lehramtsstudentin richtet für Salim ein Profil auf WG-Gesucht ein. Einmal die Woche hilft sie ehrenamtlich im k15 aus. Es gibt Schwierigkeiten in der Verständigung. Salim spricht Deutsch noch brüchig und besteht deshalb darauf, vorerst in eine kulturell gemischte WG zu ziehen: „Wenn du in diesem Heim bist, reden alle um dich herum Arabisch und du hörst nur Arabisch. Das geht ins Ohr und Deutsch bleibt nicht hängen. Deswegen eine deutsche WG, oder wenigstens eine andere Sprache.“<br />
Auch einige Wochen zuvor ging es um Verständigung und Sprache. Am zweiten Samstag im Monat findet seit einiger Zeit die JamSession statt. Musiker jeden Genres können sich am Abend im großen Veranstaltungsraum treffen und sich nach Herzenslust musikalisch austoben. Eine Grundausrüstung aus Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboard und Mikrofon stellt das k15 zur Verfügung. Eine junge Band, gerade einmal einen Monat bestehend, spielt an diesem Abend. Galanti zeigt den Proberaum, der hinter dem großen Veranstaltungsraum liegt. Er wird renoviert. Noch leuchten die Wände grün, doch schon bald werden sie von Dämmmaterial verdeckt sein.</p>
<blockquote>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2016/08/ausgabe-29-europa">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige29">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/SP-europa">Der Schwerpunkt Europa</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<h3>„Just talk!</h3>
<p>Der Abend ist noch früh und sehr ruhig. Ein junges Paar schaut vorbei. Es sind Portugiesen aus Regensburg, die einen spontanen Wochenendtrip nach Augsburg unternehmen und nach Lokalen und Übernachtungsmöglichkeiten fragen. Sie sprechen Englisch. Schnell entwickelt sich ein Gespräch darüber, wer wo herkommt und was in seinem Leben macht. Sich selbst bei Sprachfehlern zu ertappen sorgt dabei für Lachen. „Just talk! No shame, we practise English in this way“, sagt die Portugiesin mit einem Grinsen.</p>
<p>Doch Sprache ist auch im Alltag immer wieder Thema im k15. Galanti schließt die hauseigene Fahrradwerkstatt auf. Hier arbeitet ein Syrer kostenlos für andere syrisch Sprechende, die nach Deutschland kommen und deren Mobilität von einem Fahrrad abhängt. Auch der Fahrradreparateur findet sich an dem einen Nachmittag im März am Mittagstisch ein. Seine Kinder springen fröhlich um ihn herum, bis sie zu einem Impftermin beim Arzt aufbrechen. Das Mittagessen ist vorbei und einige beschließen, die Tischtennisplatte im Innenhof aufzubauen.<br />
Die bunten Graffitis leuchten in der Sonne, während eine Lehramtsstudentin, eine Türkin und ein Jugendzentrumsleiter einem Syrer mit Händen und Füßen den Rundlauf erklären, bei dem die Spieler nach einem Schlag um die Tischtennisplatte auf die andere Seite laufen. Das Spiel trägt übrigens auch den Namen „Chinesisch“ – wenn das nicht multikulturell ist.</p>
<p>* Name von der Redaktion geändert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/10/k-wie-kunterbunt/">k wie kunterbunt</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>„Mit Kunst,  Musik und viel Kaffee durch den Politikeralltag“</title>
		<link>https://presstige.org/2016/09/linus-foerster-portraet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yevgeniya Isakov]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2016 15:29:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Linus Foerster]]></category>
		<category><![CDATA[europa]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Teil 1: Ein Besuch beim SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Linus Förster Seit 2003 sitzt der Augsburger Dr. Linus Förster für die SPD im Bayerischen Landtag und ist dort Mitglied im Ausschuss für Europaangelegenheiten sowie jugendpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Unsere Redakteurin hat ihn in...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/09/linus-foerster-portraet/">„Mit Kunst,  Musik und viel Kaffee durch den Politikeralltag“</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Teil 1: Ein Besuch beim SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Linus Förster</h2>
<figure id="attachment_9122" aria-describedby="caption-attachment-9122" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9122 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/Foerster_1200.png" alt="foerster_1200" width="1200" height="900" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/Foerster_1200.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/Foerster_1200-400x300.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/Foerster_1200-768x576.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/Foerster_1200-1024x768.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9122" class="wp-caption-text">Text: Yevgeniya M. Isakov – Foto: privat – Layout: Alexandra Kiefer</figcaption></figure>
<p><strong>Seit 2003 sitzt der Augsburger Dr. Linus Förster für die SPD im Bayerischen Landtag und ist dort Mitglied im Ausschuss für Europaangelegenheiten sowie jugendpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Unsere Redakteurin hat ihn in seinem Wahlkreisbüro getroffen und mit ihm über Karriere, Jugend, Europa und das große Thema Flüchtlingspolitik gesprochen.</strong></p>
<p>Ich steige die vielen Stufen zum Büro von Dr. Linus Förster hoch. Die Treppen müssen ihn fit halten, denn der Mann, der mich begrüßt, macht trotz seiner 50 Jahre einen jungen Eindruck. Im Büro vor seinem Arbeitszimmer sitzen drei junge Mitarbeiter. Aus der gesamten Atmosphäre und den Gesprächen wird ersichtlich, dass die Zusammenarbeit recht angenehm verläuft. Ein gutes und engagiertes Team sei wichtig, erklärt Linus Förster, aber trotzdem gebe es immer viel zu tun. Zur Politik ist er über die Bildung gekommen, wobei seine Motivation für Jugendthemen ebenso beeindruckend wie beständig geblieben ist. Bereits als Bezirksschülersprecher in Schwaben hat er zusammen mit anderen Schülersprechern an einer Stellungnahme zu einem Erziehungs- und Unterrichtsgesetz gearbeitet. Als Beamte und CSU-Politiker offensichtlich kein Interesse an der Meinung der Jugend zu diesem Thema zeigten, entschloss er sich 1984 in die SPD einzutreten. Allerdings fühlte er sich als junger Mann in der Parteiarbeit nicht so richtig wohl. Deshalb trat er als Vertreter der Augsburger Rockmusiker ehrenamtlich in den Stadtjugendring Augsburg ein – und hier nahm seine Karriere ihren Anfang.</p>
<p>Über 12 Jahre hinweg war er Vorsitzender im Stadtjugendring. Eine Tätigkeit, die ihn gut auf seine jetzige Arbeit im Ausschuss für Europaangelegenheiten und als jugendpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion vorbereitete. „Beide Themen sind ohnehin untrennbar verbunden“, so Förster, „denn Europa ist die Zukunft der Jugend und die Jugend ist die Zukunft Europas.“ Die gemeinsame Kultur sei wichtiger als nationale Grenzen, erklärt er. Jeder dürfe sich trotzdem als Schwabe, Bayer oder Deutscher fühlen und auch Menschen mit Migrationshintergrund sollten auf keinen Fall ihre Kultur vergessen. Migration berge großen Reichtum, der hierzulande zur kulturellen Vielfalt beitragen kann. Genau darin, aus jeder Kultur das Beste herauszunehmen, liege für ihn die Europaidee.</p>
<h3>„Die Flüchtlinge sind eine Chance für Deutschland und Europa.“</h3>
<p>Daher betrachtet Linus Förster die momentane Flüchtlingssituation als politische Herausforderung und nicht als Bedrohung. Gerade finde dazu eine differenzierte Debatte statt, wobei es etliche Nuancen zu beachten gelte. Aus Sicht der SPD gebe es ganz klar eine Asylpflicht und die Frage sei eher, wie am vernünftigsten geholfen werden kann, zum Beispiel auch durch Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung. Oftmals fehle es aber an Geld, wobei auch der sinnvolle Einsatz von Bundesfinanzen eine Rolle spiele. Zum Beispiel habe Augsburg momentan weniger Mittel zur Verfügung als Gersthofen.</p>
<blockquote>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2016/08/ausgabe-29-europa">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige29">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/SP-europa">Der Schwerpunkt Europa</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Der Umgang mit Flüchtlingen ist ein schwieriges Politikfeld, da viele Interessen aufeinander treffen. Ganz deutlich wird das beim Thema der Wirtschaftsflüchtlinge. In Deutschland liegt die Anerkennungsquote bei null Prozent, in Frankreich sind es neun Prozent. Hier gilt es, die Gründe für solche Unterschiede zu finden. Beispielsweise habe eine Frau, die vor Gewalt in der Ehe flieht, die in Balkanstaaten kulturell akzeptiert wird, in Deutschland keinen anerkannten Asylgrund, da diese Staaten als sicheres Herkunftsland eingestuft sind. Dennoch sei die Unversehrtheit der Frau gefährdet, betont Förster. Das negative Frauenbild in manchen Kulturräumen sorge dafür, dass einige Gemeinden nur Christen und keine Muslime aufnehmen wollen, obwohl es in Deutschland bisher keinerlei Anzeichen für vermehrte Übergriffe durch Flüchtlinge gibt. Dennoch geht Förster davon aus, dass eine kulturelle Debatte folgen werde: „Es wird wohl eine Diskussion geben über Freizügigkeit, Akzeptanz und Toleranz. Aber ich bin der Meinung, dass deutsche Frauen sich hier nicht nach der Kultur derer richten sollten, die zu uns fliehen. Nichts rechtfertigt einen Übergriff auf Frauen, auch nicht ein kurzer Rock. Die Regel ist klar: Wer zu uns flieht, muss unsere Kultur und deren Werte akzeptieren und respektieren, was nicht bedeutet, dass seine Religionsfreiheit dadurch eingeschränkt wird.“</p>
<h3>Gegenseitige Annäherung als gesellschaftliche Herausforderung</h3>
<p>Es bleibe eine große Herausforderung, den Menschen zu erklären, dass sie hier Toleranz und Religionsfreiheit finden, sich aber dennoch an die zentralen Regeln in unserer Kultur halten müssen. Auch in Bezug auf Probleme in der Integration hat Förster in seiner Zeit beim Stadtjugendring wichtige Erfahrungen gemacht: „Die aufklärerischen Ideen, die Europa ausmachen, sollten schon in der Schulbildung vorangetrieben werden. Dazu gehört es nicht nur mit Mädchen, sondern auch mit den Jungs an der Gleichstellung der Geschlechter zu arbeiten.“ Eine große Rolle spiele zudem eine offene Willkommenskultur: „Wenn die Menschen in der Gemeinde begrüßt werden, entstehen gleich die ersten Kontakte. Vielleicht setzen sich Muslime mit dem Christentum auseinander, wenn wir ihnen erklä- ren, dass auch christliche Gebote einer der Gründe für unsere Hilfsbereitschaft sind. Gerade in Augsburg ist Andersgläubigkeit ganz normal, doch der Islam kennt dieses Konzept nicht. Wer etwas anderes glaubt, gilt schlicht als ungläubig. Es ist wichtig, diesen Menschen zu zeigen, dass viele der Helfer in Deutschland sich aufgrund von Werten engagieren, die auch mit ihrem Glauben zu tun haben.“ Dazu gehöre aber ebenso eine gegenseitige Auseinandersetzung mit dem Glauben der anderen. Zu bemerken, wie viele Überschneidungen es zwischen dem Judentum, dem Christentum und dem Islam gebe, sei bereits ein erster Schritt zum gegenseitigen Verständnis.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/09/linus-foerster-portraet/">„Mit Kunst,  Musik und viel Kaffee durch den Politikeralltag“</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Mit eigenen Regeln ins fremde Kloster?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yevgeniya Isakov]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 13:31:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[integration]]></category>
		<category><![CDATA[presstige#29]]></category>
		<category><![CDATA[SP-europa]]></category>
		<category><![CDATA[sprache]]></category>
		<category><![CDATA[zuwanderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie Sprache die Integration erleichtert und welche Grenzen sie aufzeigt Was erwartet Einwanderer und worauf kann sich die aufnehmende Gesellschaft einstellen? Ein wichtiges Thema ist dabei der Spracherwerb – eine große Herausforderung, der sich sowohl Ein- als auch Auswanderer stellen...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/08/eigene-regeln-im-fremden-kloster/">Mit eigenen Regeln ins fremde Kloster?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie Sprache die Integration erleichtert und welche Grenzen sie aufzeigt</h2>
<figure id="attachment_9085" aria-describedby="caption-attachment-9085" style="width: 1198px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-9085" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Grafik_Zukunft-in-der-Fremde_online_1200x.png" alt="Text: Yevgeniya Isakov – Illustration: Isabell Beck" width="1198" height="847" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Grafik_Zukunft-in-der-Fremde_online_1200x.png 1198w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Grafik_Zukunft-in-der-Fremde_online_1200x-400x283.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Grafik_Zukunft-in-der-Fremde_online_1200x-768x543.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Grafik_Zukunft-in-der-Fremde_online_1200x-1024x724.png 1024w" sizes="(max-width: 1198px) 100vw, 1198px" /><figcaption id="caption-attachment-9085" class="wp-caption-text">Text: Yevgeniya Isakov – Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Was erwartet Einwanderer und worauf kann sich die aufnehmende Gesellschaft einstellen? Ein wichtiges Thema ist dabei der Spracherwerb – eine große Herausforderung, der sich sowohl Ein- als auch Auswanderer stellen müssen. Wie realistisch sind ihre Chancen die neue Sprache in der vorgegebenen Zeit zu erlernen und was wird von ihnen erwartet? Ein Erfahrungsbericht. </strong></p>
<p>Es war eine fremde Sprache, ich kannte sie nicht. Sie verbreitete Furcht und gleichzeitig Neugier. So hat es sich für mich angefühlt auszuwandern: Ich war voller Angst vor dem Unbekannten und gleichzeitig gespannt auf das Leben, das mich in einem noch „fremden“ Land erwartete. Als Kind ist diese Neugier so groß, dass sie die Angst zähmt. Doch wie fühlt sich das Auswandern als Erwachsener an? Wenn ich mir meine Eltern und meinen Freund ansehe, die alle im Erwachsenenalter ausgewandert sind, stelle ich viele Probleme fest, die ich nicht hatte.</p>
<h3>Teilhabe durch Sprache</h3>
<p>Meine Mutter hatte eine leitende Stelle in Usbekistan aufgegeben und musste in Hamburg ganz neu anfangen. Sie hat sich wieder hochgearbeitet. Doch als ich sie kürzlich gefragt habe, ob sie sich in ihrem Beruf verwirklichen kann, hat mich ihre Antwort erstaunt. „Natürlich nicht“, sagte sie. „Ich mag meinen Beruf, ich mag meinen Arbeitsplatz, aber ich werde mich nie verwirklichen können, wenn ich mich nicht ausdrücken kann.“ Damit spricht sie das größte Problem erwachsener Ein-und Auswanderer an: die Sprache. Nicht ohne Grund macht der Spracherwerb den größten Teil von Integrationskursen aus. Der „Orientierungskurs“ in Augsburg, der für „Neuzugewanderte Ausländerinnen und Ausländer“ verpflichtend ist, besteht unter anderem aus 600 Unterrichtsstunden, die allein der deutschen Sprache gewidmet sind. Damit soll erreicht werden, dass Neuzugewanderte sowohl am institutionellen System als auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.</p>
<h3>Unrealistische Erwartungen</h3>
<p>Schon das Ansetzen des Levels B1 für den erfolgreichen Kursabschluss zeigt jedoch, wie hoch die Erwartungen an die Teilnehmer sind. Einem Gutachten zufolge, das die Bundeszentrale für politische Bildung 2007 veröffentlicht hat, erreicht nur die Hälfte der Teilnehmer diese Stufe innerhalb von 600 Stunden. Dabei seien die größte Herausforderung bildungsferne Zuwanderer. Sind diese Erwartungen also überhaupt realistisch? Die grob geschätzte Rechnung von Sprachheld, einem Online-Portal zum Erlernen von Fremdsprachen für deutsche Muttersprachler, lautet „100 Stunden sprechen, 500 Stunden hören und 200 Stunden Vokabeln lernen“. Die Zahlen variieren zudem danach, wie viele Unterschiede die Muttersprache zur Fremdsprache aufweist. Das heißt, für z.B. russische, chinesische und arabische Einwanderer werden die Zahlen mit großer Wahrscheinlichkeit höher liegen, weil sogar das lateinische Alphabet Neuland für sie ist. Daraus geht die Frage hervor, ob man den Spracherfolg als Maßstab für den Integrationswillen nehmen darf. Eine andere Frage lautet, inwieweit die Aufnahmegesellschaft den Neuzugewanderten entgegen kommen muss. Zum einen kann Integration nur gelingen, wenn die Einwanderer sich integrieren wollen und bereit sind viel Zeit in das Erlernen einer neuen Kultur und Sprache zu investieren. Auf der anderen Seite muss eine Gesellschaft, die Zuwachs bekommt, offen und geduldig gegenüber den Menschen sein, die diese Anstrengungen auf sich nehmen wollen.</p>
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<table style="background-color: transparent;" width="100%">
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<col width="30%" />
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<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2016/08/ausgabe-29-europa">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige29">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/SP-europa">Der Schwerpunkt Europa</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<h3>Kommunikation ist der Schlüssel</h3>
<p>Natürlich ist es wichtig, den „Rahmen“ abzustecken. Im Russischen gibt es ein Sprichwort, das ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen kann: „Man kommt nicht mit seinen Regeln ins fremde Kloster.“ Manche Einwanderer möchten diese Regel nicht beherzigen. Diejenigen, die es tun, stoßen trotzdem manchmal auf Schwierigkeiten und Unverständnis seitens der aufnehmenden Gesellschaft. Doch was ist die Lösung? Wie gelingt Integration? Der Anfang jedes Miteinanders ist die Kommunikation. Die Kommunikation durch Gestik, die Kommunikation durch Mimik, in verschärfter Weise auch die Kommunikation durch Strafen, wenn gegen nichtverhandelbare Gesetze im „eigenen Kloster“ verstoßen wird. Doch das Kommunikationsmittel, das am besten einen Dialog schaffen kann, bleibt die Sprache. Um sie zu erlernen, muss man sie sprechen. Und um sie zu sprechen, braucht es Menschen. In Deutschland haben wir viele Menschen – Menschen die Deutsch sprechen und Menschen die es versuchen. Also lasst sie doch einfach reden!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/08/eigene-regeln-im-fremden-kloster/">Mit eigenen Regeln ins fremde Kloster?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Das Grandhotel Cosmopolis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Maier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2015 08:42:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[café]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[grandhotel cosmopolis]]></category>
		<category><![CDATA[künstler]]></category>
		<category><![CDATA[presstig#27]]></category>
		<category><![CDATA[reise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Wohnstätte für Reisende, Flüchtlinge und Künstler Seit 2011 entsteht mit dem Grandhotel Cosmopolis ein Gesamtkunstwerk im Augsburger Domviertel. Es ist ein sehr dynamischer Ort, an dem Reisende, Flüchtlinge, kreative Freigeister und Künstler zusammenkommen. Eine Wohnform der besonderen Art. Von...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/01/grandhotel-cosmopolis/">Das Grandhotel Cosmopolis</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Wohnstätte für Reisende, Flüchtlinge und Künstler</h2>
<figure id="attachment_6226" aria-describedby="caption-attachment-6226" style="width: 580px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/01/Grandhotel_580px.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6226 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/01/Grandhotel_580px.jpg" alt="Grandhotel_580px" width="580" height="270" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/01/Grandhotel_580px.jpg 580w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/01/Grandhotel_580px-400x186.jpg 400w" sizes="(max-width: 580px) 100vw, 580px" /></a><figcaption id="caption-attachment-6226" class="wp-caption-text">Text: Petra Maier – Fotos: Petra Maier &amp; Natalia Sander</figcaption></figure>
<p><strong>Seit 2011 entsteht mit dem Grandhotel Cosmopolis ein Gesamtkunstwerk im Augsburger Domviertel. Es ist ein sehr dynamischer Ort, an dem Reisende, Flüchtlinge, kreative Freigeister und Künstler zusammenkommen. Eine Wohnform der besonderen Art.</strong></p>
<p>Von hinten sieht das Grandhotel Cosmopolis relativ unscheinbar aus: Die Fassade des sechsstöckigen Gebäudes ist in einem tristen ockergelb gehalten, während die Balkone entlang der Rückwand mit dunkelbraunem Holz verkleidet sind. Erst, wenn man zur Vorderseite des Hauses gelangt, eröffnet sich eine kleine, bunte Welt, fast wie ein eigener Kosmos. Die Stufen zur Eingangstür sind mit einem roten Teppich bedeckt, das Foyer überfordert zunächst ein bisschen ob der vielen Eindrücke: An den Wänden hängen Fotos und Bilder in verschiedenen Stilen, überall stehen kleine Blumenvasen in unterschiedlichen Formen und Größen und die Möbel sind ein bunter Mix aus den vergangenen Epochen des letzten Jahrhunderts. Der gesamte Eingangsbereich ist in ein warmes, gelbes Licht getaucht, das durch die vielen Lampen erzeugt wird. Dazu erklingt Musik aus einem alten Plattenspieler. Hin und wieder kann man Kinder lachen hören. Es wirkt wie ein stolzes Hotel der 1920er-Jahre, gleichzeitig fühlt man sich aber auch sehr heimelig. Diese Mischung macht den Reiz des Grandhotels Cosmopolis aus.</p>
<h3>Ein Raum für Reisende</h3>
<p>Im Grunde genommen ist hier jeder willkommen. Das Grandhotel ist vor allem aber ein Raum für alle, die auf der Reise sind, meinen Christina Görner und Theresa Pastorek, die sich hier als Praktikantinnen ehrenamtlich engagieren. Dabei sei es egal, ob es sich um eine Flucht oder eine Änderung im Leben handle und man deswegen hierher komme oder ob man einfach nur aus dem Alltag ausbrechen möchte. Das Gebäude, das früher einmal ein Altersheim war, beherbergt im Schnitt fünfzig bis sechzig Gäste mit Asyl – so werden Flüchtlinge hier genannt. Daneben bieten zwölf Doppelzimmer und vier Hostelzimmer mit jeweils vier Betten eine Unterkunft für Reisende. „Das Schöne ist, dass erst einmal nicht unterschieden wird zwischen den Leuten, die hier sind“, meint Christina Görner. In der Regel frage man nicht, ob jemand Hotelgast oder Flüchtling sei, das ergebe sich meist im Gespräch. Jeder sei erst einmal gleich und solle hier ein zweites Zuhause finden können. Neben den Reisenden sind auch lokale Künstler wie Wolfgang Reiserer oder Martin Beckers im Haus, die in den oberen Stockwerken ihre Ateliers haben. Wer nicht im Grandhotel wohnt oder arbeitet, kann einfach einmal auf einen Kaffee oder Tee in der Lobby vorbeischauen. Denn dort, im Herzstück des Hauses, ist immer etwas los und man trifft leicht auf nette Leute. Die Gäste checken hier ein und aus und abends sitzen alle zusammen. Wer sich selbst einmal einbringen möchte, kann zum Beispiel einen Abend lang an der Bar aushelfen; alternativ kann man auch beim Backzirkel mitmachen. Wer eine Sprache beherrscht, die bei den Flüchtlingen relevant ist, kann außerdem dolmetschen. Letztendlich ist jeder wichtig, egal, was er kann, denkt Christina Görner. Ihr gefällt am Projekt, dass man nicht unter Druck gesetzt wird: Wenn man sich beispielsweise nicht so gut mit Flüchtlingspolitik auskennt, hilft man eben bei etwas anderem wie dem Wäschewaschen.</p>
<p> [<a href="https://presstige.org/2015/01/grandhotel-cosmopolis/">See image gallery at presstige.org</a>] <br />
</p>
<h3>Leben im Grandhotel</h3>
<p>Nach zwei Jahren Planung konnten im Juli 2013 die ersten Flüchtlinge einziehen. Da das Grandhotel als herkömmliche Flüchtlingsunterkunft angesehen wird, werden die Gäste mit Asyl von der Regierung zugeteilt. Das Haus gehört der Diakonie; sie kümmert sich auch um die Flüchtlingsberatung. Christina Görner beschreibt das Leben im Grandhotel als sehr aufregend und intensiv; gleichzeitig sei es aber auch anstrengend, da es schwerfalle, den Kopf frei zu kriegen. Schön sei allerdings, eingebunden zu sein und so viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Geschichten zu treffen. Auch ihrer Kollegin Theresa Pastorek gefällt diese Vielfalt an Kulturen und Nationen sehr gut. Wie es sich anfühlt, im Grandhotel zu leben, wird aber erst klar, wenn man längere Zeit hier ist. Erst dann lernt man die Menschen, die hier ihr Zuhause haben, richtig kennen.</p>
<h3>Ein Ort der Kunst und Kreativität</h3>
<p>Das Grandhotel ist aber nicht nur ein Zuhause und ein Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort der Kreativität. Das merkt man bereits, wenn man das große Gebäude betritt: Überall hängen Fotos und Gemälde. Jedes Stockwerk folgt einem anderen Farbschema. Die Hotelzimmer wurden komplett von Künstlern gestaltet, kein Raum gleicht dem anderen. So gibt es zum Beispiel ein Spiegelzimmer, dessen Wände mit glitzernden silbernen Folien überzogen sind. Immer wieder werden die Zimmer nach Absprache mit dem jeweiligen Künstler umgestaltet. In der Lobby wird alle zwei Monate eine andere Ausstellung gezeigt. Auch musikalisch ist im Grandhotel einiges los: Circa vier bis sechs Konzerte werden hier im Monat gespielt.</p>
<h3>Zukunftsvisionen</h3>
<p>Geplant ist außerdem eine Bürgergaststätte mit einem Mittagstisch aus zwei wechselnden vegetarischen bzw. veganen Gerichten zu einem kleinstmöglichen Preis. Die Augsburger sollen so noch mehr integriert werden, sie sollen auf das Grandhotel aufmerksam werden und der Austausch zwischen Gästen mit Asyl und den hiesigen Bewohnern soll weiter gefördert werden. Zwar wird permanent versucht, die Integration zu erleichtern; allerdings gestaltet sich das Ganze etwas schleppend, da immer noch Sprachbarrieren bestehen und die Räumlichkeiten teilweise erst aufgebaut werden. Bis dahin ist es noch ein langer Prozess. Wer sich von dem Konzept angesprochen fühlt, kann jederzeit mithelfen.</p>
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<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
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<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/12/Cover.jpg" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 27: Wohnen<br />
</strong>Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 27 unseres gedruckten Magazins.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2014/12/ausgabe-27-wohnen/">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige27/">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/wohnen/">Der Schwerpunkt Wohnen</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
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</blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/01/grandhotel-cosmopolis/">Das Grandhotel Cosmopolis</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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