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	<title>nachhaltig Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Von Karl-May Romanen und Nintendo 64 Spielen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Balthasar Zehetmair]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2020 07:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Hallen des Sozialkaufhauses Contact, welches seit 2008 ein paar Stationen hinter der Uni in direkter Nachbarschaft zu Aldi, Lidl und Co. sechs Tage die Woche für 8-9 Stunden seine Tore für jedermann geöffnet hat, weckten in den letzten Jahren mehr und mehr das Interesse der Studenten*innen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/07/von-karl-may-romanen-und-nintendo-64-spielen/">Von Karl-May Romanen und Nintendo 64 Spielen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-14992 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-scaled.jpg 2560w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-300x200.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-1024x683.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-1536x1024.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/07/DSC_0016-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></p>
<p>©Balthasar Zehetmair</p>
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<p>Ein angenehm frischer Duft des alten Papiers sitzt in den engen, karg beleuchteten Gängen zwischen den hohen Regalen voll mit Büchern. Es staubt ein bisschen als mich meine Neugier dazu bringt eines der Karl May Bücher ganz oben aus dem Regal zu ziehen.&nbsp;</p>



<p>&nbsp;„Eine feine Sache, diese Bücher, oder? Sammelst du auch?“, nur schwerfällig kann ich meine Aufmerksamkeit vom fein golden verzierten Buch losreißen und blicke in begeisterte Augen voll Freude und Enthusiasmus. „Ich, ähh nein<s>&#8211;</s>“, stottert es aus mir heraus. Ein älterer Herr, Peter heißt er, fachsimpelt vor sich hin, über Winnetou und Old Shatterhand. Die Zeit vergeht. Ich kann seinem Redefluss nur schwer folgen, aber seine Begeisterung für die alten Bücher bringt mich dazu einen Band mitzunehmen. Mit „Der Schatz im Silbersee“ im Rucksack schaue ich noch ein paar Kleiderständer durch und finde eine schöne Chino-Hose sowie ein dazu passendes sommerliches Markenhemd. Die Feststellung, dass ich heute für die schönen Sachen wieder nur vier Euro gezahlt habe, lässt mein Schnäppchenherz höherschlagen.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Die Hallen des Sozialkaufhauses Contact, welches seit 2008 ein paar Stationen hinter der Uni in direkter Nachbarschaft zu Aldi, Lidl und Co. sechs Tage die Woche für 8-9 Stunden seine Tore für jedermann geöffnet hat, weckten in den letzten Jahren mehr und mehr das Interesse der Studenten*innen. Vor allem die Köpfe junger Leute lugen zwischen den dicht behängten Kleiderstangen hervor und auch Martin, welcher seit 5 Jahren hier arbeitet und heute an der Kasse sitzt, sagt mir, dass zunehmend mehr junge Leute einkaufen. Aber generell würden die Zahlen der Besucher*innen stetig steigen. Auch heute sind die Schlangen an den Kassen lang, mit Sicherheitsabstand noch länger.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Nachhaltige Kaufkultur ist das Stichwort. Der Handel mit Second-Hand Ware boomt. Die Sozialkaufhäuser und karitativen Fairkauf-Geschäfte sprießen überall aus dem Boden. Deutschlandweit gibt es ungefähr 500-600 Sozialkaufhäuser. Mancher Orts wird von einem regelrechtem Ansturm auf die sozialen Läden berichtet und auch Im Tal 8 herrscht ein reges Treiben, während ich auf einem der Stühle am Eingang sitze und begeistert in meinem Abenteuerroman schmökere. Der große Parkplatz ist gut gefüllt, die Blechlawinen gleißen in der strengen Nachmittagssonne, am anderen Ende des Gebäudes schlittern die Einkaufswägen im Minutentakt über den Asphalt zur Warenannahme. Kartons voll mit Büchern, Kleidung, CDs, DVDs, Schallplatten verschwinden im Lager. Möbel wandern aus Transportern in die Hallen.</p>



<p>Ich komme ins Gespräch mit Theo, er studiert Germanistik und kommt ungefähr zweimal die Woche hierher. Theo erzählt mir, er sammle alte Videospiele und habe hier schon so manchen alten Spieleklassiker bekommen. Stolz zeigt er mir seine Ausbeute von heute, einmal „The Legend of Zelda“ und „FIFA 98“ für den Nintendo 64. Manche Spiele würden im Internet hoch gehandelt, aber ihm gehe es eher um die Nostalgie als um den teureren Weiterverkauf. Doch manchmal packe ihn auch das schlechte Gewissen, wenn er hier in diesem Kaufhaus billig einkaufe, obwohl er es doch nicht so nötig habe.&nbsp;</p>


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<p>Sind wir Studenten*innen hilfsbedürftig oder in schwierigen Lebenslagen? Bei einem Großteil ist es wahrscheinlich andersherum, er durchlebt gerade die beste Phase seines Lebens. Sind diese Bedenken und Gewissensbisse beim Einkauf hier dann gerechtfertigt? In gewisser Weise nicht.&nbsp;</p>



<p>Bei einem Blick in die Statistiken fällt auf, dass zum Beispiel täglich etwa 500 Kilo an Kleidungsspenden oder 150 Kilo an Elektroutensilien hineinkommen, aber nur knapp die Hälfte davon geht wieder über den Ladentisch. Das schlechte Gewissen braucht es also durchaus nicht. Gerade dadurch, dass sich das Contact nicht über Spenden, sondern ausschließlich durch den Verkauf von Gebrauchtwaren finanziert, ist es umso besser je mehr Leute dort einkaufen und dadurch den Verein unterstützen, welcher 1999 gegründet wurde. Außerdem würden, ganz pragmatisch gesehen, nach ein paar Tagen auch die Lager überfüllt sein.&nbsp;</p>



<p>So helfen wir natürlich nicht nur dem Sozialkaufhaus und erhalten auch die billigen Preise, sondern wir fördern auch eine Sozialinstitution dieser Stadt, welche als Arbeitgeber Menschen in schwierigen Situationen durch die Kraft der Gemeinschaft und mit einer familiären Arbeitsatmosphäre die Chance gibt ihre eigene Lebenssituation zu stabilisieren. Außerdem werden damit auch Partnervereine, wie die Rumänienhilfe, Heimatstern, die Brücke und der SKM Augsburg unterstützt, mit welchen das Contact eng zusammenarbeitet.&nbsp;</p>



<p>Nicht zuletzt stellt das Contact auch einen Begegnungsort für alle Menschen dar. So kommt man hier leichter in Kontakt mit Menschen, welche außergewöhnliche oder auch die gleichen Interessen haben, als in der Uni oder sonst wo.&nbsp;</p>



<p>Hmm, Ich muss gleich mal wieder meinen alten Nintendo DS hervorkramen. Hoffentlich ist er noch da?&nbsp;</p>
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		<title>Nachhaltige Fashion-App Bewear</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2020 07:44:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine App, die den Überblick über euren Klamottenbestand behält und analysiert, was ihr für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank tun könnt - diese Idee haben Mario Kreuzer und Nathalie Pollok entwickelt. Sie studieren Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg und haben das Konzept für die App Bewear im Rahmen ihres Studiums erarbeitet. Das besondere an der App: sie berechnet das persönliche Schrankgewicht, welches angibt, wie nachhaltig der eigene Kleiderschrank ist. Es setzt sich aus Hersteller, Herkunft, Material und Nutzungshäufigkeit der Kleidungsstücke zusammen. Mit ihrer Arbeit haben Nathalie und Mario auch die Jury des ADC Junior Wettbewerbs überzeugt. Für Bewear haben sie den silbernen Nagel im Bereich Design erhalten. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/">Nachhaltige Fashion-App Bewear</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4>Wie schwer ist dein Kleiderschrank?</h4>



<p><em>Eine App, die den Überblick über euren Klamottenbestand behält und analysiert, was ihr für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank tun könnt &#8211; diese Idee haben Mario Kreuzer und Nathalie Pollok entwickelt. Sie studieren Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg und haben das Konzept für die App Bewear im Rahmen ihres Studiums erarbeitet. Das besondere daran: die App berechnet ein persönliches Schrankgewicht, welches angibt, wie nachhaltig der eigene Kleiderschrank ist. In die Bewertung fließen Herkunft, Material und Nutzungshäufigkeit der Kleidungsstücke ein. Mit ihrer Arbeit konnten Nathalie und Mario auch die Jury des ADC Junior Wettbewerbs überzeugen. Für Bewear haben sie den silbernen Nagel im Bereich Design erhalte</em>n. <em>In einem Skype-Interview haben sie presstige erzählt, wie Bewear entstanden ist und funktionieren soll.</em></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Bewear_Motivbild_A2-1024x724.png" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Der Startbildschirm von Bewear.</figcaption></figure></div>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Welche Funktionen wird die App haben?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Zunächst beginnt man mit dem eigenen Kleiderschrank und trägt seine einzelnen Kleidungsstücke ein. Es gibt den Homescreen, auf dem die ganzen Daten präsent sind und sich regelmäßig aktualisieren. Das ist eigentlich das wichtigste, denn dort erfährt man, wie das eigene Schrankgewicht gerade aussieht. <br>Außerdem gibt es noch kleine und große Aktionen, zu denen die App auffordert. Die sollen die App spaßig und interessant machen. Bei den kleinen Aktionen haben wir zum Beispiel Aufforderungen, mal Secondhand zu kaufen oder auf Kleidertauschpartys zu gehen. Dann gibt es noch das Kleiderfasten: hier bekommt man Pushnachrichten wie “Hey, du hast schon 6 Tage nicht mehr geshoppt!”. Außerdem erhält man Anregungen, alternative Marken auszuprobieren. In der App findet man Links und Verknüpfungen zu coolen Labels, für die wir uns entschieden haben. <br>Unter dem&nbsp;Hashtag #wirschranken soll sich auf instagram eine Community bilden, die ähnlich denkt. Teilt man Inhalte unter dem Hashtag, macht man gleichzeitig ein bisschen Werbung für die App. Außerdem gibt es noch die großen Aktionen. Da kann man für Projekte spenden, beispielsweise zum Thema klimaneutrales Einkaufen.<br>Uns war es wichtig, dass die App attraktiv  für unterschiedliche Altersgruppen ist und, dass jeder daran Spaß findet. Wir haben zuvor eine Personenrecherche durchgeführt und verschiedene Szenarien aufgestellt, für wen die App interessant sein könnte und daraus haben sich die Aktionen ergeben.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Was besonders spannend klingt, ist die Maßeinheit „Schrankgewicht“, die ihr ausgewählt habt. Gab es das Konzept Schrankgewicht schon vorher oder habt ihr euch das ausgedacht?&nbsp;</em></span></p>



<p><strong>Mario</strong>: Das Schrankgewicht gab es vorher noch nicht. Die Idee dahinter steckt schon im Wort. Es geht um den Ballast, der mit dem Modekonsum einhergeht. Man weiß schließlich, dass dieser Kleiderkonsum schlecht ist und irgendwo “wiegt” dieses Bewusstsein ja auch. Wie auch der ökologische Fußabdruck oder Abnehm-Apps wie Weight Watchers, arbeiten und motivieren wir mit dem einfachen Zahlenprinzip. Wir haben ein System entwickelt, das ganz simpel mit einer Zahl funktioniert, die ich immer wieder vor mir habe und die mir auf einen Blick sagt: &#8220;Ok, ich bin im guten Bereich&#8221; oder &#8220;Ich kann mich noch verbessern&#8221;. Diese Einheit motiviert automatisch dazu, etwas besser zu machen. Zusätzlich wird sie beim Scrollen in der App erklärt, indem die Daten visualisiert werden.<br>Am Anfang trägt man alles ein, was man im Kleiderschrank hat. Die App fragt bei jedem Kleidungsstück nach der Art des Kleidungsstücks und zusätzlich nach 4 Kategorien: Hersteller, Herkunft, Material und wie oft man das Kleidungsstück nutzt. In jeder Kategorie werden dann Punkte von 1 bis 5 vergeben und daraus berechnet sich das Schrankgewicht. Je höher die Zahl ist, desto schlechter oder desto schwerer ist dieser Schrank. Wir haben versucht mit der Infografik, den kleinen Figuren, den Aktionen und dem Design zu motivieren, sodass man das als Ansporn nimmt. Wenn man sich anmeldet in der App, heißt es: Herzlich Willkommen, du bist der so und so vielte Nutzer bei uns. Die Community soll zusätzlich motivieren und zeigen, dass noch andere da draußen sind, die auch schon Bewear benutzen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Bewear_Boards-1-1024x724.png" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Zum Verständnis: Inwieweit ist eure App tatsächlich schon entwickelt? Oder ist das bislang nur ein Konzept?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Es ist noch ein Konzept. Es war von Anfang an der Plan, erstmal einen Prototypen zu entwickeln. Ziel war es, das Design zu erstellen und die Idee erfahrbar zu machen. Aber wie es genau mit der Umsetzung weiterläuft, liegt jetzt mehr oder weniger in unserer Hand. Es wäre cool, das Konzept noch umzusetzen. Es ist ein spannendes Projekt und ich denke, es würde sich lohnen. Dafür bräuchten wir aber unbedingt Hilfe, also jemanden, der das programmieren könnte und die nötigen Daten. Die App basiert ja auf bestimmten Zahlen und Daten zu Klamottenherstellern, um diese ökologisch einschätzen zu können. Das müsste alles noch erarbeitet werden.<br><strong>Nathalie</strong>: An sich ist bei der App schon alles verknüpft und es funktioniert (<em><a href="https://xd.adobe.com/view/3125e171-5b18-445e-755f-1769af06a47b-4714/?fullscreen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> könnt ihr den Prototypen selbst ausprobieren</em>). Es muss nur noch wirklich programmiert werden. Aber grundsätzlich haben wir die App schon bis zum Schluss durchdacht. An alle Programmierer das draußen: Wenn ihr Lust habt auf das Projekt, dann meldet euch!</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Wie realistisch ist es, dass ihr das Konzept der App tatsächlich umsetzen werdet?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Das ist eine gute Frage. Dazu muss sagen, dass wir niemals gedacht hätten, dass wir so weit kommen. Die App hat jetzt auch beim ADC Junior Wettbewerb den Silberpreis bekommen und wir haben super viel positives Feedback bekommen. Davor haben wir eigentlich nie darüber nachgedacht, sie auch umzusetzen. Wer weiß, wann man mal auf Leute trifft, die zufällig eine ähnliche Idee haben, dann ergibt sich vielleicht noch was. Es ist nach wie vor ein Herzensprojekt.<br><strong>Mario</strong>: Man bräuchte dann auch ein Budget, um es wirklich umzusetzen. Es wäre der Hammer, wenn wir das wirklich irgendwann angehen können, denn eine ähnliche App gibt es am Markt noch nicht.</p>



<figure class="wp-block-video"><video controls src="https://www.hs-augsburg.de/Binaries/Binary40614/Bewear-Casefilm.mp4"></video><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Ein Erklärvideo verschafft einen Überblick über die App.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Was hat euch beide dazu bewegt, das Konzept für die App Bewear zu entwickeln?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Es waren unterschiedliche Gründe. Wir haben beide immer schon auf einen nachhaltigen Alltag geachtet. Wir schätzen Mode wert und kleiden uns dementsprechend. Mode ist ja nicht unbedingt etwas Negatives, sondern auch eine Form, sich auszudrücken und darzustellen. Außerdem ist das Thema allgegenwärtig und spielt eine große Rolle in unser Gesellschaft. Oft wird dabei ausgeblendet, welche Industrie dahinter steckt. Dabei kann jeder einzelne Konsument dazu beitragen, dass sich etwas ändert. <br>Es gibt schon so viele Dokumentationen und Aufklärungsvideos zu dem Thema und die sind ganz oft sehr negativ und kommen mit dem moralischen Zeigefinger. Man fühlt sich schlecht, wenn man sowas anschaut. In der Beschreibung für das Designprojekt <em>[Aufgabenstellung, die die Dozentin vorgegeben hat; Anm.d.Red.]</em> stand explizit, dass man kein Konzept entwickeln soll, das mit dem moralischen Zeigefinger funktioniert, sondern eines, das Mode und den Konsum attraktiv macht, aber auch aufklärt, auf Nachhaltigkeit hinweist und ein nachhaltiges Leben für jeden Einzelnen umsetzbar macht.<br><strong>Nathalie</strong>: Wir haben während unser Recherche gemerkt, dass die Transparenz einfach fehlt. Manchmal hat man das Gefühl, man hat gerade fair eingekauft, ein paar Euros mehr ausgegeben und zum Beispiel eine recycelte Yogamatte gekauft. Trotzdem bleibt die Frage: “Wo geht das Geld jetzt hin und läuft das alles richtig?”. Und dann gibt es auch noch Greenwashing.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"><em>Greenwashing, zu Deutsch “Grünwaschen” oder “Grünfärben”, bezeichnet eine Strategie, mit der Akteure versuchen sich durch die gezielte Verbreitung von Desinformationen oder durch Ablenkung ein Image als ökologisch verantwortungsbewusst zu verschaffen.</em> (<em><a href="https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Quarks, 2019</a></em>)</span></p></blockquote>



<p>Uns ist es wichtig, dass man den eigenen Einfluss versteht und begreift, wie wichtig es ist, zu wissen, was im eigenen Kleiderschrank hängt. Wir wollen die Leute motivieren, Schritt für Schritt weniger Kleider zu konsumieren und auch gezielter einzukaufen. Wir wollten etwas entwickeln, mit dem jeder Einzelne bei sich daheim anfangen kann, ohne dass man auf ein Gesetz der Regierung warten muss. Es war auch spannend, erst mal bei uns selbst zu schauen und dabei sind wir zugegebenermaßen auch an unsere Grenzen gekommen.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Inwiefern an die Grenzen gekommen?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ich zum Beispiel kaufe super gerne bei Zara ein, was natürlich im Ranking ganz unten ist. Wir haben das Konzept mal mit meinem Kleiderschrank durchgespielt und das bringt einen echt zum Nachdenken.&nbsp;<br><strong>Mario</strong>: Es ist einfach etwas anderes, wenn ich meinen eigenen Schrank betrachte, als wenn ich nur ein Informationsvideo anschaue, aber nächste Woche trotzdem wieder zu Zara oder H&amp;M gehe.&nbsp;</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Glaubt ihr, dass es in unserer heutigen Konsumgesellschaft, in der Mode immer schnell und einfach verfügbar ist, überhaupt noch möglich ist, Menschen zum Verzicht und zu bewusstem Konsum zu bewegen? Oder ist der Mensch einfach so bequem, dass er letztendlich doch lieber schnell online bestellt?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Also ich würde schon sagen, dass in unserer Gesellschaft, gerade in der jüngeren Generation, auf jeden Fall ein Umdenken stattfindet. Man merkt, dass die Nachfrage da ist und dass die Leute darauf achten, wie sie sich ernähren, wie sie sich kleiden.<br>Natürlich ist die Modeindustrie ein riesiges Machtsystem. Es ist schwierig zu sagen, ob sich da komplett etwas ändert. Aberwenn jeder klein anfängt, beispielsweise große Anschaffung wie eine Winterjacke in einem fairen Shop kauft, dann macht das schon einen Unterschied. Mittlerweile zeigt auch die Modeindustrie selbst Interesse. Es gibt zum Beispiel faire Fashionweeks, an denen Modelabels, Modeblogger und Models teilnehmen könne, die beim Thema Nachhaltigkeit Vorbilder sind und Alternativen aufzeigen. Ich sehe das eher positiv momentan.<br><strong>Mario</strong>: Ich glaube, genau an der Stelle kommt auch das Design ins Spiel. Wir als Designer haben die Verantwortung, Plattformen und Konzepte zu entwickeln, die es jedem einzelnen Verbraucher einfacher machen, aktiv etwas zu ändern und eine Teil beizutragen. Viele wollen das auch und das Umdenken ist da, aber oft scheitert es trotzdem. Denn wenn es so weit ist, lässt man sich wieder verführen von der Werbung und unser Konsumgesellschaft. Ich glaube, da kann Kommunikationsdesign, egal ob in der Werbung oder in der Form einer App, wirklich etwas ändern.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Welche Rolle spielt das Design denn bei eurer App?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Das Design spielt eine enorm wichtige Rolle. Gerade wir als Gestalter und Kreative haben immer einen gesellschaftlichen Anspruch. Uns ist es total wichtig, hinter welchen Projekten wir stecken und wie wir arbeiten. Wenn es dann gelingt, Konzepte schön zu visualisieren und zu verpacken, geht uns das Herz auf.<br>Uns war es super wichtig, dass die Datenvisualisierung und das Schrankgewicht auf den Punkt gebracht werden. Dabei haben wir uns für eine Farbpalette entschieden, die sehr naturbelassen ist, aber auch zeitlos, modern und zeitgemäß. Wir haben viel Schwarz- und Grüntöne reingebracht. Außerdem haben wir ganz markante, moderne Schriftarten ausgewählt. Mit der Illustration, die sehr clean und grafisch ist, mit diesen kleinen Figuren, die sich bewegen und Emotionen zeigen können, wollten wir mit so wenig Schnickschnack wie möglich beim Verbraucher etwas bewirken. Es war von vornherein klar, dass das Design auffallen soll, sich aber auch zurücknimmt, sodass die Inhalte im Vordergrund stehen. Eine App muss bestimmte Funktionen erfüllen: sie muss praktisch sein, kurze Wege haben und man muss Spaß an der Nutzung haben. Wenn man eine App öffnet und schon das Gefühl hat, man weiß nicht, wo man draufklicken muss, um weiterzukommen, ist das natürlich nicht passend.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://lh6.googleusercontent.com/nJDlHLPvLRx47UdFpk0ZLgvtwCCJBTwhdh6FjzVV2rEgm4e5aBw6QUpKJbMApVC_GoOVi46UB881xhPft0yTNKbUPwjJq64cSfSajhTV3UQBibIgD8hbWKtjJP5PjTlzlhqK7U9C" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Das Konzept hinter dem Design.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Ihr habt vorhin selbst angesprochen, dass ihr mit der App gerade nicht den moralischen Zeigefinger heben wollt. Wie wichtig ist es euch bei der Gestaltung gewesen, eher mit positiver Bestärkung zu arbeiten und weniger negative Konsequenzen aufzuzeigen?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Das war auf jeden Fall wichtig. Das spiegelt sich auch in jedem Detail wider, von der Formulierung der Sätze und bis zur Farbwahl. Es ist ein wahnsinnig ernstes Thema: Menschen leiden unter der Modeidustire und die Natur wird zerstört. Es ist wirklich schlimm, wenn man die ganzen Fakten, Zahlen und Bilder dazu sieht. Aber es löst das Problem nicht, jemandem nur das Schlechte zu zeigen, weil die Person dann resigniert. Unser Ziel war es, das Problem positiv anzugehen und die Nutzer in der App zu behalten, ohne dass sie sagen: „Ohje, ich will mich da gar nicht damit auseinandersetzen. Ich lösch die App wieder“.&nbsp;<br><strong>Nathalie</strong>: Da haben wir sehr lange diskutiert. Es gibt ganz unterschiedliche Mechanismen, wie man Leute bei einem Thema behält. Bei der Gestaltung einer App gibt es zum Beispiel das Prinzip der Gamification, also dass man so eine Art Spiel daraus macht. Das wollten wir aber nicht. Uns war es wichtig, dass man sich bewusst dafür entscheidet und man weiß, dass da nicht nur positive Sachen kommen, sondern es eine App ist, die informieren, Transparenz bringen und&nbsp; zum Umdenken anregen soll. Wir wollen da kein Spiel daraus machen oder die Leute unterhalten, sondern einfach Wissen vermitteln.<br><strong>Mario</strong>: Wir hatten im gleichen Semester auch Soziologieunterricht und da haben wir auch besonders behandelt, wie unsere Gesellschaft funktioniert und  was die Aufgabe des Designers dabei ist.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="684" height="1024" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-684x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-14899" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-684x1024.jpeg 684w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-200x300.jpeg 200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-768x1151.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-1025x1536.jpeg 1025w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok.jpeg 1068w" sizes="(max-width: 684px) 100vw, 684px" /></figure>
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<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Teil des Schrankgewichts ist, dass die App die Klamotten nach Hersteller, Herkunft und Material bewertet. Habt ihr diese Einschätzungen, welche Marke und welches Material wie viele Punkte bekommt, selbst entwickelt?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Was den Hersteller betrifft, haben wir uns an der Plattform „good on you“ orientiert. Die ist wirklich sehr zu empfehlen, für jeden der sich beim Kauf fragt: “Wie gut ist diese Marke?”. Die Bewertung funktioniert mit mehreren Kategorien, zum Beispiel ob die Firma Umweltauflagen hat, ob sie die Mitarbeiter fair bezahlt oder wie die Herstellung aussieht. Das war die Basis für unsere Bewertung der Hersteller und auch teilweise die der Herstellung und der Herkunft. Andererseits haben wir aber auch eigene Einschätzungen vorgenommen. Bio-Baumwolle ist natürlich besser als herkömmliche Baumwolle. Synthetik-Stoffe sind nochmal schlechter, wegen des Mikroplastiks, das bei jedem Waschgang ins Abwasser geht. Dann gibt es noch recyceltes Synthetik, das ist wieder ein bisschen besser. Damit haben wir für uns eine Liste erstellt. Aber diese konkreten Daten müssten wir noch aus verlässlichen Quellen beziehen, damit die App auch wirklich funktionieren könnte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-576x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-14869" width="483" height="859" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-576x1024.jpeg 576w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-169x300.jpeg 169w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You.jpeg 750w" sizes="(max-width: 483px) 100vw, 483px" /><figcaption>© Isabelle Mader<br>Die App &#8220;good on you&#8221; gibt einen Überblick über nachhaltige Mode.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Habt ihr gemerkt, dass sich euer privater Konsum auch geändert hat, seitdem ihr euch so intensiv mit dem Thema auseinandersetzt?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ja, auf jeden Fall. Klar kam das jetzt nicht nur durch die App. Wir waren beide schon vorher immer an Mode interessiert und natürlich auch an nachhaltigen Alternativen. Aber als Student kann man sich nicht alles leisten, was es in nachhaltigen Läden zu kaufen gibt.<br>Ich habe mir vor kurzem vegane Sportschuhe gekauft und hab mich dann super über den Einkauf gefreut, was ich vor einem Jahr vielleicht nicht gemacht hätte.&nbsp;<br><strong>Mario</strong>: Man merkt, dass das was mit einem macht und automatisch hat man die Ohren und die Augen noch viel stärker offen für das Thema. Auf Social Media wird man auch immer wieder daran erinnert. Ich habe in den Semesterferien meinen Schrank komplett ausgemistet und es hilft einfach, wenn man dann vor sehr viel weniger steht und sich wirklich ehrlich fragt: “Brauch ich das jetzt oder gebe ich das weg?”. Man fängt auch an, bewusst Etiketten in den Kleidungsstücken zu lesen.&nbsp;</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Seid ihr, während ihr das Konzept entwickelt habt, auch auf größere Schwierigkeiten oder Hürden gestoßen?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ja, die Transparenz. Alle Unternehmen, die wissen, dass sie keine fairen Arbeitsbedingungen haben, wollen das natürlich nicht preisgeben. Von daher war die Datenerhebung zu den jeweiligen Marken nicht wirklich einfach, weshalb wir uns auch auf Seiten wie „good on you“ gestützt haben, die schon Recherche betrieben haben.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Habt ihr eigentlich damit gerechnet, dass ihr für eure Arbeit einen Preis bekommt?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Nein. Dazu muss man auch sagen, dass unsere Betreuerin uns ein bisschen gepusht hat. Sie war begeistert und hat uns da richtig unterstützt. Es war nochmal Aufwand, weil wir das Erklärvideo entwickeln mussten und noch ein paar zusätzliche Sachen, damit die Jury das Konzept bewerten kann. Wir waren schon überwältigt, weil es renommierte Grafikdesigner sind, die wirklich Ahnung haben. Das hat uns echt gefreut und natürlich auch überrascht.<br><strong>Mario</strong>: Die Hauptmotivation war einfach auszuprobieren, an so einem Wettbewerb teilzunehmen, die Erfahrung zu machen und sich da reinzuhängen mit einem animierten Video, Boards und einer Präsentation. Aber es hat sich gelohnt. Wir sind wirklich froh, dass es so weit gekommen ist.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5">presstige</span></strong><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5">: Danke für das Interview!</span></em></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee">Und falls jemand Lust hat Nathalie und Mario beim Programmieren zu unterstützen, kann er sich gerne unter </span></em><a href="mailto:chefredaktion@presstige.org"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"><em>chefredaktion@presstige.org</em></span></a><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"> melden.&nbsp;</span></em></p></blockquote>



<pre class="wp-block-verse"></pre>
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		<title>Abheben oder am Boden bleiben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Mack]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2020 11:35:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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<p><em>Flygskam</em>. Flugscham. Da war es also, das Wort, das mein Gefühl so treffend beschrieb. Zwei Tage vor Beginn meines Auslandssemesters im letzten September hatte ich es schwarz auf weiß in einem Zeitungsartikel vor mir. Noch nie machte ich mir die Wahl des Verkehrsmittels so schwer. Ich dachte, ich könne doch nicht nach Italien fliegen. Nach Italien. Fliegen. Ich haderte lange mit mir, letztendlich entschied ich mich dann aber doch dafür. Einfach weil es schneller ging und ich, ehrlich gesagt, keine Lust hatte, mich einen Tag lang in den Zug zu setzen. Auch eine Fahrt mit dem Nachtzug kam für mich damals nicht infrage.</p>



<p>Also flog ich von Nürnberg nach Neapel und von dort ging es noch ein Stück weiter südlich. Das gute Gefühl, das mich überkam, als ich meinen Flug auf <em>Atmosfair</em> kompensierte, hielt nicht lange an und wurde schnell wieder von meinem schlechten Gewissen abgelöst. Deswegen unterhielt ich mich mit anderen Studenten, denen es genauso ging wie mir, die der Umwelt zu Liebe auf das Fliegen verzichteten und stattdessen Zug oder Bus nahmen, um ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Andere schienen damit kein Problem zu haben, sondern sahen nur den unschlagbar günstigen Preis. Billigflüge sind nun einmal viel günstiger als umweltfreundlichere Alternativen. Traurig, aber wahr.  </p>



<p>Aber es liegt an uns. Wir können uns für oder gegen eine Alternative entscheiden. Laut dem <em>Umweltbundesamt</em> sind die Treibhausgasemissionen bei Fernlinienbussen am geringsten. Die Bahn folgt allerdings dicht dahinter. Das Auto emittiert deutlich mehr Treibhausgase. Das Flugzeug dagegen schneidet noch schlechter ab. Somit ist der Fernlinienbus derzeit das ökologischste Verkehrsmittel. Die Statistik berücksichtigt aber weder den Reifenabrieb, die größte Quelle für Mikroplastik, noch eventuelle Niedriglöhne.<a href="#_ftn1">[1]</a></p>



<p>Als ich über Weihnachten heimfuhr, entschied ich mich also für die Umwelt und stieg dieses Mal, anstatt in den Flieger, in den <em>Flixbus</em>. Wie erwartet, tat mir trotz der ausreichend vielen Pausen und der Bewegung, die ich dadurch bekam, irgendwann das Gesäß weh – glücklicherweise hatte ich aber zwei Sitze für mich allein und konnte die Beine auch einmal ausstrecken. Doch trotzdem bereue ich meine Entscheidung nicht. Im Gegenteil, ich genoss es, Musik zu hören und dabei aus dem Fenster zu schauen. Irgendwann – im Morgengrauen – schlief ich dann auch ein. </p>



<p>Das Beste aber war, die Weite zu spüren. Zu spüren, wie sich langsam alles veränderte. Ein Gefühl für die Strecke zu bekommen. Neapel. Rom. Trient. Bozen. Innsbruck. München. In Bussen habe ich außerdem immer ein bisschen das Gefühl, auf Klassenfahrt zu sein. Irgendwie zusammenzugehören, wenn auch nur für eine Nachtfahrt, und das obwohl ich meine Mitfahrer nicht kannte. Meinen Verwandten, die mich zuhause ungläubig fragten, wie lange man denn da brauche, antwortete ich schulterzuckend: „Knappe 15 Stunden.“</p>



<p>Nach Ende meines Auslandspraktikums werde ich mich also wieder in den Bus setzen. Das ist auch deshalb praktisch, weil ich mir so auch keine Gedanken um zu strenge Gepäckrichtlinien machen muss. Außerdem habe ich Gefallen am langsamen Reisen gefunden. Deswegen werde ich in nächster Zeit öfter einmal den Bus oder die Bahn nehmen. Oder einfach mehr Dinge vor meiner eigenen Haustür unternehmen. Dennoch gibt es Orte auf der Welt, die etwas weiter entfernt sind, die ich aber trotzdem gerne sehen möchte. Deswegen werde ich in Zukunft sehr wahrscheinlich auch noch einmal in ein Flugzeug steigen – natürlich könnte man wie Greta auch das Segelboot nehmen. </p>



<p>Letzten Endes muss es jeder mit sich selbst vereinbaren. Man kann niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu führen hat. Und schon gar nicht sollte man jemanden für irgendetwas verurteilen. Ich persönlich möchte die Erde nicht noch kaputter hinterlassen, als sie sowieso schon ist, den Schaden, den ich anrichte, begrenzen. Es gibt zwar keine nachhaltigen Flugreisen, sondern nur nachhaltige Lebensstile, aber man kann trotzdem ökologisch reisen. Ich versuche beides: so nachhaltig wie möglich zu leben und zu reisen. Um mich weniger zu schämen. </p>



<p>Addendum: Mir ist bewusst, dass ich einfach daheimbleiben könnte, während vielen Menschen mit internationaler Geschichte oft nichts anderes übrig bleibt, als das Flugzeug zu nehmen, wenn sie beispielsweise ihre Familie sehen wollen.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten">https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten</a> </p>
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		<title>Fair und nachhaltig produzierte Kleidung – Anfängertipps und Alternativen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Mack]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Aug 2019 08:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[freiraum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Fair Fashion, auch das noch?“, denkt ihr euch vielleicht. „Ich nehme doch immer das Rad oder die Öffis, ich esse kein Fleisch, Gemüse kaufe ich bio und unverpackt, und Schoki Fairtrade, mein Shampoo ist ohne Mikroplastik, in meinem Rucksack ist...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/08/fair-und-nachhaltig-produzierte-kleidung-anfaengertipps-und-alternativen/">Fair und nachhaltig produzierte Kleidung – Anfängertipps und Alternativen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<p>„Fair Fashion, auch das noch?“, denkt ihr euch vielleicht. „Ich nehme doch immer das Rad oder die Öffis, ich esse kein Fleisch, Gemüse kaufe ich bio und unverpackt, und Schoki Fairtrade, mein Shampoo ist ohne Mikroplastik, in meinem Rucksack ist immer ein Jutebeutel, unterwegs trinke ich Leitungswasser aus einer Glasflasche und Strohhalme verwende ich schon lange nicht mehr. Und jetzt soll ich noch darauf achten, woher meine Kleidung kommt?“ Definitiv eine verständliche Reaktion. Aber es gibt doch immer noch Luft nach oben, oder?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Fast Fashion vs. Fair Fashion </h4>



<p>Der Großteil der Kleidung, der in Deutschland verkauft wird, wird in China oder Bangladesch produziert. Viele Textilarbeiter machen Überstunden und arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag, um Essen, Miete und den Schulbesuch ihrer Kinder zu bezahlen. Feldarbeiter erkranken an den Pestiziden, die auf Baumwollplantagen verwendet werden, um Schädlinge zu bekämpfen, aber gleichzeitig auch Augen, Haut und Atemwegen der Arbeiter schaden. Viele Unternehmen sparen am Bau ihrer Fabriken, indem sie minderwertige Baustoffe verarbeiten oder Etagen ohne Genehmigung bauen. Die daraus resultierenden Statikprobleme führten 2013 in Bangladesch zum Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza. Mehr als 1000 Menschen kamen ums Leben.<a href="#_ftn1">[1]</a> Neben dem Menschen leidet aber auch die Umwelt. In China sind bereits 70 Prozent der Flüsse und Seen durch Chemikalien, die meistens ungeklärt abgeleitet werden, verseucht.<a href="#_ftn2">[2]</a> Für die Produktion eines Kilogramms Baumwolle benötigt man 15.000 Liter Wasser. Dafür könnte man 250 Mal 5 Minuten lang duschen. Wir kaufen aber trotzdem weiter: 80 Milliarden Kleidungsstücke werden jährlich weltweit neu produziert, doch nur 40% davon werden tatsächlich auch getragen. Die Versuchung, häufig neue Kleidung zu kaufen, ist bei 12 bis 24 verschiedenen Kollektionen pro Jahr aber auch sehr groß.<a href="#_ftn3">[3]</a> Während große Modeketten mit Fast Fashion also auf schnelle Produktionszyklen setzen, wird Fair Fashion bzw. Slow Fashion im Gegensatz dazu unter fairen und ökologischen Produktionsbedingungen hergestellt.  <br></p>



<h4 class="wp-block-heading">Tipps für faires Shoppen</h4>



<p>Vor etwa zwei Jahren habe ich einen YouTube-Kanal, der sich hauptsächlich um Faire Mode dreht, für mich entdeckt. Anschließend habe ich recherchiert und den Dokumentarfilm „The True Cost“ angesehen, den ich euch auch ans Herz legen möchte. Danach werdet ihr eure Kaufentscheidungen zumindest überdenken. Vielleicht lauft ihr ja sogar durch die Annastraße und fragt euch: „Wo kann ich denn jetzt faire Kleidung kaufen?“ Ihr könntet zum Beispiel bei <a href="https://suslet.com/" class="broken_link">Suslet</a> in der Ludwigstraße 16 oder <a href="https://www.deargoods.com/">DearGoods</a> in der Frauentorstraße 7 vorbeischauen oder vorher mithilfe von Apps und Webseiten wie dem „<a href="https://www.getchanged.net/">Fair Fashion Finder</a>“ oder „<a href="https://lohnzumleben.de/firmencheck_app/">Fair Fashion?</a>“ faire Stores finden und überprüfen, welche Kriterien bestimmte Marken erfüllen und welche nicht. Außerdem könnt ihr auf verschiedene Siegel wie GOTS, IVN, Fairtrade Certified Cotton, Fair Wear Foundation oder Oeko-Tex 100 achten. Die Siegel erfüllen verschiedene Standards, deswegen recherchiert am besten vor dem Kauf, ob sie das unterstützen, worauf ihr Wert legt. Ansonsten gibt es auch zahlreiche Onlineshops, die ihr einfach mal durchstöbern könnt: <a href="https://www.greenality.de/">Greenality</a>, <a href="https://loveco-shop.de/">Loveco</a> oder <a href="https://www.grundstoff.net/">Grundstoff</a> zum Beispiel. Es gibt so viele unterschiedliche Labels, dass ihr bestimmt irgendwo fündig werdet. Lasst euch aber nicht erschlagen von den Preisen. Faire Mode mag zwar auf den ersten Blick teuer erscheinen, aber es ist viel wert, wenn Menschen und Umwelt nicht bezahlen müssen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/cam-morin-knKm7u_7Ihw-unsplash-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-11692" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/cam-morin-knKm7u_7Ihw-unsplash-1024x768.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/cam-morin-knKm7u_7Ihw-unsplash-400x300.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/cam-morin-knKm7u_7Ihw-unsplash-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>© Cam Morin/Unsplash</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativen zu Fair Fashion</h4>



<p>Wenn euch faire Mode doch zu teuer ist, könnt ihr zum Beispiel günstigere Basics kaufen oder nach reduzierter Kleidung Ausschau halten. Am besten fragt ihr euch immer vor dem Kauf, ob ihr das Teil wirklich braucht. Noch besser ist natürlich Secondhandkleidung, weil kein neuer Müll entsteht und Ressourcen geschont werden. Ihr könnt aber auch selbst alte Sachen auf dem Flohmarkt verkaufen und vielleicht findet ihr dort das ein oder andere neue Teil. Aber Kleidung muss auf keinen Fall immer neu gekauft werden, ihr könnt beispielsweise Kleidungsstücke, die euch nicht mehr gefallen, zu neuen Unikaten umstylen oder zum Schuster (schaut gerne auch mal bei <a href="https://sneaker-rescue.de/">Sneaker Rescue</a> vorbei) oder Schneider gehen und eure Lieblingsteile reparieren lassen. Für den ein oder anderen klingt das womöglich genauso oldschool, wie sich Bücher aus der Bücherei zu leihen, vielleicht leiht ihr euch ja lieber Kleider aus der <a href="https://kleiderei.com/">Kleiderei</a>? Zumindest in Freiburg und Köln geht das. Wenn ihr dafür nicht extra umziehen wollt, dann checkt doch mal <a href="https://stay-awhile.de/">Stay Awhile</a> aus oder leiht euch Kleider von euren Freund*innen. Dann könnt ihr gleich eine Kleidertauschparty mit ihnen veranstalten. Und wenn euch eure Liebsten das nächste Mal fragen, was ihr euch zum Geburtstag oder zu Weihnachten wünscht, könnt ihr euch jetzt ja einen vielleicht etwas teureren Hoodie wünschen, natürlich vorausgesetzt, ihr seid immer lieb zu ihnen.  </p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/shanna-camilleri-ljNQxfyN7AM-unsplash-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-11683" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/shanna-camilleri-ljNQxfyN7AM-unsplash-1024x768.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/shanna-camilleri-ljNQxfyN7AM-unsplash-400x300.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/08/shanna-camilleri-ljNQxfyN7AM-unsplash-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>© Shanna Camilleri/Unsplash</figcaption></figure>



<p>Mir
ist es zwar ziemlich leichtgefallen, nur noch fair oder secondhand zu kaufen, auch
weil ich in den großen Ketten nicht mehr wirklich fündig wurde, doch vielleicht
fällt es dem ein oder anderen nicht so leicht. Aber lasst euch nicht unter
Druck setzen, sondern haltet euch das vor Augen, was schon gut funktioniert. Es
geht nicht darum perfekt zu sein, sondern sich bewusst zu machen, dass wir
etwas verändern können. Jeder einzelne Schritt ist wichtig, sei er noch so
klein, denn „auch der Ozean besteht aus einzelnen Tropfen“, wie William Butler
Yeats sagte. Jeder kann einen Unterschied machen. Auch Du. </p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/fairer_handel/fairer-handel-faire-mode-100.html">https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/fairer_handel/fairer-handel-faire-mode-100.html</a> </p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> <a href="https://www.zentrum-der-gesundheit.de/textilien-giftstoffe-ia.html" class="broken_link">https://www.zentrum-der-gesundheit.de/textilien-giftstoffe-ia.html</a> </p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/heute/kleine-veraenderungen-grosse-wirkung-zum-erdueberlastungstag-100.html" class="broken_link">https://www.zdf.de/nachrichten/heute/kleine-veraenderungen-grosse-wirkung-zum-erdueberlastungstag-100.html</a>
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/08/fair-und-nachhaltig-produzierte-kleidung-anfaengertipps-und-alternativen/">Fair und nachhaltig produzierte Kleidung – Anfängertipps und Alternativen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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