Permanent online – Internet als Droge

Schon wieder sitzt P. vor dem hell erleuchteten Monitor. Er starrt gebannt auf die Figuren in dem Online-Rollenspiel und das obwohl es schon Mitten in der Nacht ist. Stundenlang hat er schon gespielt, aber er kann sich nicht von seinem PC trennen. Ist sein Verhalten noch normal oder handelt es sich bereits um eine Sucht?

Internetsucht

Text: Zamira Tahiri, Illustration: Natalia Sander

Seitdem man sogar auf dem Handy Internetzugriff hat, kann man auch außerhalb der eigenen vier Wände online sein, also immer und überall – egal ob man sich gerade in der Uni, Bahn oder im Wartezimmer befindet. Doch welche Auswirkungen hat das auf uns und ab wann kommt es zur Abhängigkeit?

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Genau dieses Phänomen wird in der Studie Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA) der Universität Lübeck untersucht. In dieser Studie aus dem Jahr 2011 wurden 14- bis 64-Jährige zu ihrem Internetverhalten befragt. Untersucht wurde zum Beispiel: Wie häufig setzen Sie Ihren Internetgebrauch fort, obwohl Sie eigentlich aufhören wollten? Oder: Wie häufig schlafen Sie zu wenig wegen des Internets? Die Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Prozent der 14-bis 64-Jährigen in Deutschland als internetabhängig eingestuft werden können, das sind ungefähr eine halbe Million Menschen. 4,6% (ca. 2,5 Mio. Menschen) werden als problematische Internetnutzer angesehen, bei jüngeren Altersgruppen sind die Zahlen drastischer: 2,4% sind abhängig und 13,6% davon sind suchtgefährdet.

Merkmale der Internetabhängigkeit

Jetzt stellt sich die Frage, woran man denn merkt, dass man internetabhängig ist. In der Studie lässt sich das anhand verschiedener Merkmale feststellen: Internetsüchtige leben fast nur noch in der virtuellen Welt und verlieren die Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringen. Sie leiden unter Entzugserscheinungen, wenn sie nicht im Internet sind, wie zum Beispiel unter Reizbarkeit oder Angst. Außerdem gehen Abhängige nicht mehr in die Arbeit oder Schule und vernachlässigen ihre sozialen Kontakte. Manchmal kommt es sogar zur körperlichen Verwahrlosung: „Ich habe mich nicht mehr geduscht, habe mich nicht mehr um mich selbst gekümmert“ sagt ein ehemaliger Internetabhängiger, der bis zu 20 Stunden am Tag Online-Games gespielt hat. Laut Experten sind 30 Stunden Internet pro Woche ein Grenzwert. Für Internetsüchtige ist der einzige Weg in die Normalität eine Suchttherapie.

Besonders auffällig sind auch geschlechtliche Unterschiede in der Internetsucht. Während Mädchen vor allem nach sozialen Netzwerken süchtig sind, holen sich Jungs Bestätigung beim Wettkampf in Online-Spielen.

Schwerpunkt: Internet

Auch wenn wir es mit der NSA und anderen Datensammlern teilen müssen: Das Internet bleibt unser Zuhause. Wir essen und schlafen vorläufig noch analog, aber sonst findet unser Leben zunehmend im Netz statt. Darum widmet die presstige-Redaktion dem Internet einen Schwerpunkt. Alle bisher erschienenen Beiträge sind hier gesammelt.

In der Zukunft wird es laut der Studie keine eindeutige Unterscheidung mehr zwischen online und offline geben, so zum Beispiel wenn Freunde nebeneinander sitzen und reden und nebenbei auf dem Smartphone im Internet gesurft wird. Somit wird es auch schwieriger zu sagen, ob eine Person zu oft oder zu lange im Internet ist.

Wie viel Zeit verbringt ihr im Internet? Habt ihr schon einmal eine Verabredung abgesagt, weil ihr lieber weiter im Internet geblieben seid?

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