Warum wir wieder stricken

Hätte man mich vor einigen Monaten gefragt, was ich mit Stricken verbinde, wären mir wahrscheinlich als erstes alte Damen in Schaukelstühlen und bunte Socken in den Sinn gekommen, aber bestimmt keine trendigen Selfmade-Accessoires.

Während meines Auslandssemesters in Norwegen kam man kaum an den selbstgestrickten kuscheligen Norweger Pullis vorbei, die von Jung und Alt in den verschiedensten Variationen getragen wurden. Stricken als Hobby gilt hier schon lange nicht mehr als altbacken und hat einen hohen Stellenwert in der Kultur. Spätestens, nachdem ich die gemütlichen Stricktreffen meiner Kommilitonen in Cafés beobachtet hatte, war mein Ehrgeiz geweckt es selbst zu versuchen. Mit der Motivation irgendwann bei Kaffee und Zimtschnecken meinen eigenen Pulli herzustellen, fing ich an die Basics zu lernen.

Einmal mit dem Stricken begonnen war es nicht mehr von meinen For-You-Pages wegzudenken. Es schien, als hätte auch in Deutschland plötzlich jeder mit dem neuen Hobby begonnen. Ganze Strick-Communitys bilden sich, Muster, Tipps und Tricks werden geteilt und die neusten Projekte präsentiert. Aber was genau macht stricken gerade in unserer Generation zu einer so beliebten Beschäftigung?

Viele junge Menschen versuchen ihre Zeit vor dem Bildschirm zu reduzieren, wobei Handarbeit eine willkommene Ablenkung ist. Als Gegenpol zur schnelllebigen digitalen Welt gilt stricken als entspannend und stressabbauend. Wir können abschalten und uns von der ständigen Informationsflut frei machen, wenn auch nur für einige Stunden. Fürs Erste kann es auch dabei helfen sich nur noch auf einen Bildschirm zu konzentrieren und während des Filmschauens nicht auch noch auf TikTok zu scrollen.

Außerdem gibt stricken die Möglichkeit eigene individuelle Kleidungsstücke zu produzieren und sich selbst kreativ auszudrücken.  Der Wunsch nach Kleidung mit persönlichem Wert anstelle von schnelllebigen Trends rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Selbstgemachte Statement Pieces werten nicht nur jedes Outfit auf, sondern sind auch langlebig und ressourcenschonend.

Vor allem der Gemeinschaftsaspekt ist für viele ein wichtiger Bestandteil: Strick-Treffen, Projektstarts in der Gruppe, Gegenseitige Hilfe und Austausch machen das Lernen gleich doppelt so schön. Immer mehr Cafés oder Wollgeschäfte veranstalten sogenannte Strick-Meetups und auch der Trend des Strickkinos ist mittlerweile in Deutschland angekommen. Auch in Augsburg finden regelmäßig Treffen statt: Hier kommt ihr zum Instagram der Initiatoren.

Bis es sich entspannt beim Quatschen vor sich hin stricken lässt, liegt jedoch ein Weg voller verlorener Maschen, Garnsalat und Frustration. Um die Verzweiflung möglichst gering zu halten, sollte am besten mit kleinen Projekten mit schnellen Erfolgserlebnissen begonnen werden.  Beispielsweise mit dem Sophie Scarf, welcher dieses Jahr ganz vorne in den Strick-Trends liegt und garantiert gelingt. Spätestens wenn man das erste Mal mit seiner eigenen Kreation das Haus verlässt, haben sich die Mühen gelohnt!

Also warum nicht einfach drauflos stricken und vielleicht 2026 mit einem neuen Hobby beginnen?

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