Oberbürgermeister Florian Freund im Interview mit Presstige

Frischer Wind in Augsburg: SPD-Herausforderer Florian Freund ist neuer Oberbürgermeister. Mit der Vereidigung im Goldenen Saal Anfang Mai hat für Florian Freund offiziell ein neues Kapitel begonnen. Der gebürtige Würzburger setzte sich bei der Stichwahl am 22. März mit 56,6 Prozent der Stimmen gegenüber Eva Weber durch. Im Interview mit Presstige erzählte er über seinen Weg nach Augsburg, prägende Erfahrungen aus dem Studium und die Zukunft der Stadt.

IMG_9002

Herr Freund, wenn man heute auf Ihre Rolle als Oberbürgermeister schaut: Wie hat eigentlich alles in Augsburg für Sie begonnen und warum sind Sie geblieben?

F.F.: Angefangen hat es ganz klassisch mit dem Studium. Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät war damals ein starkes Argument, auch weil sie einen anderen Aufbau hatte als heute mit einem stärkeren Fokus auf Ökonomie. Gleichzeitig kannte ich Augsburg schon und hatte die Stadt immer positiv in Erinnerung. Meine damalige Freundin, heute Ehefrau, kam aus der Nähe von Garmisch, da lag Augsburg natürlich günstig.

Wie haben Sie Ihre Studienzeit damals erlebt?

F.F.: Die größte Herausforderung für mich war, überhaupt in dieser akademischen Welt anzukommen. Ich bin der Erste in meiner Familie, der studiert hat, da muss man sich vieles selbst erschließen. Gleichzeitig bringt diese neue Freiheit auch Verantwortung mit sich. Und manchmal lernt man Dinge auf die harte Tour, etwa vor dem geschlossenen Supermarkt, wenn man merkt, dass am 8. August in Augsburg alles zu hat. Was sich seitdem aber definitiv verändert hat ist der Wohnungsmarkt. Ich habe damals im Wohnheim etwa 150 Euro gezahlt. Das ist heute kaum vorstellbar und inzwischen zu einer großen Herausforderung geworden.

Sie sprechen den Wohnungsmarkt an, ein Thema, das viele Studierende heute stark beschäftigt. Was muss sich hier konkret ändern?

F.F.: Die Wohnungsnot betrifft längst nicht mehr nur Studierende, sondern auch Auszubildende und junge Berufstätige. Aus meiner Sicht brauchen wir vor allem mehr Angebot. Im Wahlkampf haben wir beispielsweise über ein Azubiwerk gesprochen, ähnlich dem Studierendenwerk, das gezielt bezahlbaren Wohnraum schaffen soll. Gleichzeitig hängen viele Lösungen auch von Bundes- und Landesvorgaben ab, etwa bei Baustandards.

Woran möchten Sie sich in den kommenden Jahren als Oberbürgermeister messen lassen?

F.F.: Ich bin mit drei zentralen Versprechungen in den Wahlkampf gegangen: Den ÖPNV wieder attraktiver zu machen, unter anderem mit einem 5-Minuten-Takt, die Schultoiletten in den Augsburger Schulen zu erneuern und die Fugger Promenade in der Innenstadt umzubauen. Letzteres ist kein Projekt, das alle Probleme löst, aber es ist ein sichtbares, städtebauliches Zeichen für mehr Grün in der Innenstadt. Darüber hinaus gilt es große Projekte wie das Staatstheater oder den Bahnhof, die seit vielen Jahren in Schleifen hängen, jetzt zu einem Abschluss zu bringen.

Gerade beim Thema ÖPNV geht es nicht nur um Attraktivität, sondern auch um Sicherheit besonders nachts. Wie wollen Sie das angehen?

F.F.: Mir ist es im Wahlkampf widergespiegelt worden, dass man sich nicht zu jeder Tages- oder Nachtzeit in den Straßenbahnen wohlfühlt, insbesondere als junge Frau. Deswegen müssen wir uns Gedanken machen, wie wir Angebote für ein sicheres Nachhause kommen ermöglichen. Das werden wir jetzt in den nächsten Monaten diskutieren. Andere Städte wie München haben mit Taxigutscheinen für Frauen bereits interessante Ansätze entwickelt. Solche Modelle schauen wir uns natürlich an.

Wie wichtig ist Ihnen denn gerade jetzt der Kontakt mit den Menschen?

F.F.: Ich glaube, das ist in den letzten Jahren ein bisschen zu kurz gekommen. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der gerne mit Leuten spricht und genieße es, direktes Feedback zu bekommen. Das geht auf der Straße dann doch schneller als in Sitzungsräumen. Im Moment verspüre ich eine große Offenheit mir gegenüber und das schätze ich sehr. Gerade in der Kommunalpolitik will man ein Gefühl dafür bekommen, wer diese Person ist, die Entscheidungen trifft.

Wie schaffen Sie es bei all dem, auch mal abzuschalten?

F.F.: Sport spielt für meinen Ausgleich eine große Rolle. Solosportarten wie Laufen oder Rennrad fahren lassen sich dabei flexibler in den Alltag einbauen. Früher war ich auch im Verein aktiv, aber das lässt sich momentan einfach schwer einplanen. Vor allem in den stressigen Phasen des Wahlkampfes schaue ich abends auch häufig Serien, die ich schon kenne, um sozusagen diesem „Brainrot“ nachzugehen. Da lande ich oft bei Folgen von Dr. House, Narcos oder auch Modern Family. Eine großartige Serie, finde ich. Da können die Systeme am Abend einfach herunterfahren.

Zum Schluss: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute raten und auch den Studierenden von heute, wenn es um Zukunftsängste geht?

F.F.: Ich habe meine Abiturzeit sehr intensiv genutzt, um mich auszuleben. Als ich nach Augsburg gekommen bin, habe ich schnell gemerkt, dass es jetzt ernst wird. Die erste 5,0 hat mich schon getroffen, gerade in angespannten Klausurenzeiten. Deswegen würde ich meinem jüngeren Ich raten: Häng dich emotional nicht zu sehr an einzelnen Rückschlägen auf. Aber am Ende des Tages hatte ich eine gute Studienzeit, ich hätte jedoch öfter in die Berge fahren sollen. Ansonsten würde ich meinem jüngeren Ich noch raten: Hör bloß auf zu rauchen!

Mein Rat für die jetzigen jungen Leute wäre deshalb für die Zukunft auch: Angst war nie ein guter Ratgeber. Wenn ich mit Angst in die OB-Kandidatur gegangen wäre, wäre das nichts geworden, vor allem weil die Lage am Anfang nicht besonders aussichtsreich war als Sozialdemokrat in Bayern. Wichtig ist, dass man das macht, was einem Spaß macht und wofür man brennt. Auf meinem Lebensweg hat sich das mit den 90 Prozent Transpiration und 10 Prozent Inspiration immer wieder bestätigt. Es gehört einfach auch Fleiß, Ehrgeiz und Einsatz dazu.

Schreibe einen Kommentar