Bad Bunny, Baila und das Gefühl, sich selbst wieder etwas näher zu kommen 

Swifties, Sheerios* und Co. mussten in den vergangenen Jahren stark sein. Denn ihre Idole bekamen – gemeinsam mit anderen großen Namen der Musikbranche – ernsthafte Konkurrenz von einem ganz bestimmten Künstler. Der besagte Artist schrieb Geschichte, als er als erster überhaupt drei Jahre in Folge (2020 bis 2022) die meisten Spotify-Streams weltweit erreichte. Seit seinem Auftritt bei der Halftime-Show des Super Bowls wurde er endgültig zu einem Symbol für den Wandel eines lange englisch dominierten Musikmarkts. Ihr ahnt es schon: Die Rede ist von keinem Geringeren als dem puerto-ricanischen Benito Martínez Ocasio, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bad Bunny.

*Swifties sind Fans von Taylor Swift, Sheerios die von Ed Sheeran.

Dass Bad Bunny mit spanischen Reggaetón- und Latin-Hip-Hop-Tracks heute zu den größten Künstlern der Welt zählt, ist bemerkenswert. Fast schon absurd: Die Tatsache, dass der Künstler lange Zeit in Deutschland noch sehr unbekannt war, während er international schon große Erfolge feierte.

Bad Bunny bei der diesjährigen NFL Halftime Show.
Bad Bunny beim diesjährigen Super Bowl (deutschlandfunkkultur.de)

Reggaetón zwischen Puerto Rico und Augsburg

Erst mit seinem neuesten Album “Debí Tirar Más Fotos”, welches Anfang 2025 erschien, schaffte Bad Bunny es auch hierzulande zu großer Bekanntheit. Aber wie bringt man das Puerto Rico-Lebensgefühl jetzt ins süße Augsburg? Das Tanzstudio ¡baila!, geleitet von Ariel und Sofia, hat die Lösung. Sie entschlossen sich dazu, in ihrem Kursrepertoire auch eine Reggaetón-Class anzubieten.  Geleitet wird diese seit einigen Semestern von Maria Ermolina. Für sie war Tanzen schon immer ein fester Bestandteil ihres Lebens und seit 15 Jahren unterrichtet sie selbst, unter anderem bei ¡baila!. Und genau hier, in der Augsburger Halderstraße, kreuzten sich schließlich unsere Wege.

Reggaetón ist übrigens eine vergleichsweise junge Musikrichtung mit Einflüssen aus Reggae, Hip-Hop sowie verschiedenen lateinamerikanischen Musikstilen. Mittlerweile hat Reggaetón sich längst weit über Südamerika hinaus etabliert. Trotzdem war das Genre in Deutschland lange eher ein Nischenphänomen.

Auf Marias Kurs bin ich durch das Angebot des Hochschulsports der Universität Augsburg gestoßen. Getanzt habe ich schon mein Leben lang, doch wenn man in eine neue Stadt zieht und sich zunächst einmal entwurzelt fühlt, geraten Hobbys schnell in den Hintergrund. Umso schöner ist es, wenn man verloren geglaubte Leidenschaften wieder aufleben lassen kann.

Mehr als nur ein Tanzkurs

Also: gesagt, getan. Ich meldete mich für den Reggaetón-Kurs an. Und schon beim ersten Betreten des kleinen, zunächst unscheinbar wirkenden Tanzraumes war mir klar: Das hier ist etwas ganz Besonderes. So eine Energie, so eine Freude, so ein Zusammen- gehörigkeitsgefühl wie in Marias Kurs habe ich selten erlebt. Während draußen der Alltag weiterlief, entstand drinnen ein Raum, in dem niemand perfekt sein musste. 

Maria selbst berührt vor allem, dass vermeintliche Differenzen und Unterschiede verschwinden, sobald die Musik und die bunten Scheinwerfer angehen. Sie selbst sagt:  

„Wenn wir tanzen, gibt es keine Grenzen – nur Freiheit, Stärke und Verbindung. Das liebe ich daran, weil wir in dem Moment alle gleich sind. Herkunft, Sprache, sozialer Hintergrund usw. das spielt alles keine Rolle. Wenn wir gemeinsam tanzen, dann werden wir eins. Wir supporten uns, wir feuern uns an und wir teilen eine Liebe zur Bewegung, Musik und der Emotion”.

Genau dieses Gemeinschaftsgefühl verspüre auch ich in Marias Klasse. Wir alle ziehen an einem Strang, indem wir die – zunächst ungewohnten – Bewegungen möglichst synchron ausführen. Mit jeder Stunde wachsen Sicherheit und Selbstbewusstsein und ganz nebenbei wird der Tanzkurs das Highlight der Woche.

Die Commercial Dance Class von Maria Ermolina vom Tanzstudio Baila.
Foto von @feminframe

Von Reggaetón zur Commercial Dance Class

Wie so oft verging die Zeit wie im Flug und mit dem Semester näherte sich auch der Reggaetón-Kurs langsam dem Ende zu. Glücklicherweise war das jedoch kein Grund zum Trübsalblasen, denn Maria leitet neben dem Unisport-Kurs auch eine Commercial Dance Class im ¡baila!-Tanzstudio. Hier treffen unterschiedlichste Stilrichtungen aufeinander – von Hip-Hop- und Latein-Elementen bis hin zu modernen Choreografien. Und das Beste: Der Kurs findet unabhängig von Semesterzeiten statt.

Hier tanzen Studentinnen neben Berufseinsteigerinnen und Müttern. Als zweifache Mutter leitet Maria neben der Commercial Class noch ein weiteres Herzensprojekt: MamaBaila. Der Kurs ist für Mütter bestimmt, die ihre Kinder einfach mitbringen können und trotzdem Zeit für sich selbst finden. 

Ich bin inspiriert von diesen Frauen, die den Tanz so sehr lieben, dass sie es schaffen, ihn in ihren Alltag zu integrieren. Und vielleicht ist genau das die besondere Kraft des Tanzens, weil durch ihn ein Raum entsteht, in dem wir einfach wir selbst sein können. Maria beschreibt dieses Gefühl so:

Maria Ermolina unterrichtet seit über 15 Jahren verschiedene Tanzstile.
Maria Ermolina in ihrem Element

„Tanz hat die Kraft, Menschen wieder mit sich selbst zu verbinden – mit ihrer Stärke, ihrer Freiheit und ihrem inneren Selbstbewusstsein. Ich denke, dass jede von uns im Leben unterschiedliche Phasen durchmacht, in denen man sich ein Stückchen selbst verlieren kann. Tanzen kann dich wieder zu dir selbst führen. Aber eigentlich nicht nur zurück, sondern noch weiter- zu einer starken, femininen, selbstbewussteren Version deiner selbst”.

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