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	<title>debatte Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Krieg zwischen den Futterfronten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Aug 2016 11:20:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Körnerfressern und kaltblütigen Omnivoren – Wenn Ernährung zum Label wird Neben der Frage nach der politischen Einstellung und der Haltung zur globalen Erwärmung, wird nun auch die Gabel, die zum Mund geführt wird, ganz genau unter die Lupe genommen....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/08/krieg-futterfronten/">Krieg zwischen den Futterfronten</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Von Körnerfressern und kaltblütigen Omnivoren – Wenn Ernährung zum Label wird</h2>
<figure id="attachment_9077" aria-describedby="caption-attachment-9077" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-9077" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Futterkrieg_online_1200.png" alt="Text: Madeleine Londene - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="791" /><figcaption id="caption-attachment-9077" class="wp-caption-text">Text: Madeleine Londene &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Neben der Frage nach der politischen Einstellung und der Haltung zur globalen Erwärmung, wird nun auch die Gabel, die zum Mund geführt wird, ganz genau unter die Lupe genommen. Der neue „Trend“ des vegan-vegetarischen Lebensstils, dessen Fokus auf Nachhaltigkeit und Essgewohnheit liegt, ruft bei so manchen Gruppen hitzige Diskussionen hervor und läutet das Duell ein: Keule gegen Möhre. </strong></p>
<p>Umweltbewusst zu leben ist wichtig für uns, unsere Kinder und den Erhalt unserer Erde. In der Praxis ist das allerdings leichter gesagt als getan und erfordert etliches an Selbstdisziplin und Verantwortung. Nicht selten treffen Menschen, die den Schritt „Pro-Planet“ wagen und damit oftmals ihren Alltag komplett umkrempeln müssen, in ihrer Umgebung auf Verständnislosigkeit. Die Folge ist im Extremfall gesellschaftliche Ausgrenzung. Wer weiterhin seinen Hummer fährt und es wagt, die Wanne mehr als Vogel-Bad-Größe volllaufen zu lassen, kritisiert die Hippies, die in Eco-Pferdekutschen zu ihrem Yoga-Retreat fahren. Aus Protest lassen diese sich jetzt Bein- und Achselhaare wachsen, um klar ein Zeichen zu setzen. Natürlich sind diese Stereotype stark überzeichnet: Nicht jeder der ein Herz für Tier und Umwelt hat, bekennt sich für jetzt und immer zu einem sektengleichen Essenskult und nicht jeder der sich nach jahrelanger harter Büroarbeit einen First-Class Flug gönnt, ist ein Zerstörer der Erde in Person.</p>
<h3>Der Soja-Boom und seine Folgen</h3>
<p>Insbesondere in Online-Communities wie Facebook oder YouTube zeichnen sich aber bereits Anfänge aufkommender Milieus ab: Veganer vs. Fleischesser – es herrscht Krieg zwischen den Futterfronten. Erstere teilen die Meinung, Fleischesser, die sich nicht an die anscheinend heiligen Gebote des Veganismus halten, tragen Schuld am Aussterben unseres Planeten. Vegan sein ist laut den Usern, kein Trend, sondern eine andauernde Lebenseinstellung. Die Vorteile und positiven Auswirkungen auf Körper und Geist scheinen unermesslich. Und in der Tat, ganz Unrecht haben sie damit nicht. Veganer nehmen weniger freie Radikale zu sich und verzichten komplett auf tierische Produkte, was speziell Allergikern und Lebensmittelintoleranten zu Gute kommen kann. Zusätzlich senken sie durch ihre fleischlose Ernährung den Blutdruck, mindern Herz-Kreislauf-Schwächen und das Risiko später an Diabetes zu erkranken. Abgesehen von diesen bewiesenen Vorzügen müssen Veganer jedoch ihre Vitamine im Auge behalten, die häufig aufgrund der einseitigen Kost vernachlässigt werden.</p>
<blockquote>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2016/08/ausgabe-29-europa">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige29">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/SP-europa">Der Schwerpunkt Europa</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Tatsächlich verursacht die industrielle Produktion von Fleisch andauernde Schäden für die Umwelt, ist ethisch inakzeptabel und verschwendet Ressourcen. Allein um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, werden weltweit fast 16.000 Liter Wasser benötigt. Allerdings ist auch beim reinen Pflanzenanbau und nachhaltiger Ernährung höchste Vorsicht geboten. Millionen Hektar Regenwald werden in Brasilien aufgrund der steigenden Soja-Nachfrage gerodet. Die Kleinbauern in Südamerika leiden unter dem extremen Preisdruck, der durch die aufblühende Massenproduktion von Soja entstanden ist. Die Initiative Faszination Regenwald spricht gar von „Soja – der Fleisch gewordene Wahnsinn“. Mehr als die Hälfte davon geht allerdings wieder auf die Massentierhaltung zurück. Rund 12,6 Millionen Rinder, 27,5 Millionen Schweine, 1,6 Millionen Schafe und 39,6 Millionen Legehennen werden hauptsächlich mit diesem hoch eiweißhaltigen Produkt gemästet. Auch wenn der Anteil, der für Soja-Produkte verwendet wird, geringer ausfällt, zieht der Soja-Boom dramatische Folgen nach sich und spielt dem Ökosystem negativ in die Hände. Hinzu kommt das Problem, dass Etiketten wie „Öko“, „Bio“ oder „fair-trade“ keine Garantie mit sich bringen. Oft versprechen die Siegel nur die Mindestbedingungen und enttäuschen bei genauerer Betrachtung. Nicht selten wird im angepriesenen Tofu, Gentechnik vorgefunden und die vegetarische Lyoner explodiert vor künstlichen Zusatzstoffen. Zudem kommen bei der Gemüseproduktion noch etliche synthetische Dünger zum Einsatz, wie auch Pestizide, Herbizide und Insektizide, die nicht nur Arbeiter, sondern eben auch Konsumenten gesundheitlich beeinträchtigen. Es ist also allerhöchste Aufmerksamkeit beim Warenkauf geboten.</p>
<h3>Für einen gesunden Mittelweg</h3>
<p>Aber wann ist es genug mit der „Du kannst ein (immer) besserer Mensch werden“-Mentalität? Wo ist die feine Linie zum angrenzenden Fanatismus und Wahnsinn? Gegen bewusst leben spricht im Großen und Ganzen nichts. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er sein Leben gestalten möchte. Ein Fleischesser soll sich bedacht ein halbes Hendl gönnen können, solange es nicht aus Massentierhaltung stammt und den Fütterungsvorschriften entspricht und ein Veganer soll sich mit seiner doch sehr einschränkenden Entscheidung nicht ins soziale Nirgendwo katapultiert fühlen. Allen Recht machen, wird man es ohnehin nie können. Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, dass unsere Ressourcen endlich sind. Ein Kompromiss muss her, der gesunde Mittelweg muss angestrebt werden. Bewusst leben fängt im Kleinen an. Von Plastiktüten auf Brown-Bags umsteigen oder vielleicht hin und wieder auf das tägliche Schaumbad verzichten. Wer täglich seine Entscheidungen reflektiert und sich selbst ab und zu hinterfragt, ist schon auf gutem Wege nicht ein besseres, sondern ein besonneneres, vorausschauenderes Individuum zu werden. Damit sind die Grundpfeiler gegenseitiger Toleranz und Selbstlosigkeit gelegt – egal ob auf Mensch oder Tier bezogen.</p>
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		<title>Müller will über „Radikalismus“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2015 15:17:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[debatte]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Radikalismus bedeutet Ärger. Wir alle wissen instinktiv um die Gefahr, die in ihm ruht, und gehen sensibel mit Radikalisierungstendenzen um. Doch was macht Radikale eigentlich so gefährlich? Und wo verläuft die Grenze zwischen Meinung und Radikalität? Manchmal lauert sie genau...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8045" aria-describedby="caption-attachment-8045" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/08/Radikalismus_1200.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-8045" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/08/Radikalismus_1200.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/08/Radikalismus_1200.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/08/Radikalismus_1200-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/08/Radikalismus_1200-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8045" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;"><strong>Radikalismus bedeutet Ärger. Wir alle wissen instinktiv um die Gefahr, die in ihm ruht, und gehen sensibel mit Radikalisierungstendenzen um. Doch was macht Radikale eigentlich so gefährlich? Und wo verläuft die Grenze zwischen Meinung und Radikalität? Manchmal lauert sie genau dort, wo wir sie vielleicht gar nicht erwarten, Aber genau dann bedroht sie etwas, was uns sehr wichtig ist &#8211; die Moral.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Vor vielen Jahren habe ich in Anke Engelkes Comedyserie Ladykracher einen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=g7Iki6JavpI">Sketch</a> gesehen, der mich seither nicht mehr loslässt. In diesem nicht einmal dreißig Sekunden langen Spot parodiert sie bis ins Detail das Klischee der alternativen Mutter. Natürlich wird der eigene Nachwuchs einmal antiauthoritär erzogen, notfalls – und hier bricht Engelke mit den Erwartungen der Zuschauer – gilt es, ihm die Freiheit eben einzuprügeln. Im ersten Moment musste ich über diesen Widerspruch lachen, doch seit einiger Zeit begegnet er mir auch im Alltag immer wieder. Lange bevor ich sie selbst bemerkt habe, hat Engelke in diesem Sketch einer ganzen Szene den Spiegel vorgehalten: den radikalen Weltverbesserern.</p>
<p style="text-align: justify;">Radikalismus kann sehr schnell ein ernstes Problem werden, denn er kennt keine Grenzen. Der Begriff radikal leitet sich vom lateinischen <em>radix</em> ab, was Wurzel bedeutet. Radikale Ideologien gehen dementsprechend davon aus, ein gesellschaftliches Problem bei seinem Ursprung packen zu müssen, um es zu lösen. Viele Radikale glauben dabei, das Übel nur mitsamt der ganzen Gesellschaft entwurzeln zu können. Wenn es sein muss, dann eben auch mit Gewalt. Terroranschläge oder politische Attentate erinnern uns beinae täglich auf grausame Weise daran, wohin Radikalismus führt.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Gerade wenn es um politische oder religiöse Radikalität geht haben wir inzwischen eine große Sensibilität entwickelt. Zum Beispiel zeigt eine Vielzahl an Initiativen und Projekten in Deutschland der Rechtsradikalität eine gesellschaftliche Schulter, die zum Glück ebenso breit wie kalt ist. Erst vor wenigen Wochen hat die rechtsextreme Bürgerinitiative Ausländerstopp, ausgerechnet am Augsburger Friedensfest, zur Demonstration aufgerufen. Diese Provokation hat die <a href="http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/800-Gegner-demonstrieren-gegen-13-Rechtsextreme-id35080982.html">prompte Reaktion</a> der Augsburger ausgelöst. Binnen kürzester Zeit fanden sich ganze 800 Gegendemonstranten ein, die den gerade einmal 13 Radikalen die Stirn boten. Damit setzte Augsburg ein wichtiges Zeichen für die Demokratie, für den Frieden und für die Vielfalt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Feldzüge gegen den Kompromiss</h3>
<p style="text-align: justify;">Genau dagegen wendet sich nämlich jede Form von Radikalismus. Er kennt nur noch zwei Pole: richtig und falsch. Deshalb erkennt er auch nur zwei Arten von Menschen an, nämlich Anhänger und Gegner. Wer die Welt in Freunde und Feinde teilt ist immer undemokratisch, denn er diskutiert nicht mehr, er bekämpft. Radikale Ideologien werden dem Menschen schon deshalb nicht gerecht, weil sie vergessen, dass Dinge nicht absolut richtig oder falsch sind. Ideologien sind letztlich Meinungen und was dem einen gerecht erscheint, gilt noch lange nicht für alle anderen. Wer die Gesellschaft stur in zwei Lager teilt, kann schon deshalb nicht gewinnen, weil er die menschliche Vielfalt ignoriert. Das schürt Konflikte und auf die Dauer Gewalt. Von der Überzeugung, die eigene Meinung gegen jeden Widerstand durchsetzen zu müssen, ist es nur ein kleiner Schritt, bis der Zweck alle Mittel heiligt.</p>
<p style="text-align: justify;">Das führt zu dem Widerspruch, den Anke Engelke aufgreift. Nur ist der in der Realität nicht zum Lachen. Wenn ein „militanter Pazifist“, die Fenster seines vermeintlichen Nazi-Nachbarn einwirft, ist das kein Protest, sondern strafbar. Es gibt etliche Formen des Widerstands, die wir ergreifen können. Wir können Aktionen starten, demonstrieren, aufrufen , schreiben, singen und diskutieren. Doch sobald wir in Kauf nehmen, anderen zu schaden, verlassen wir den Kompromiss, beginnen zu kämpfen und geraten auf die Bahn der Radikalität. Dabei hilft es auch nicht, die Moral im Rücken zu wissen. Wer mit dem einen Radikalismus gegen den anderen zu Felde zieht, bekämpft nicht Feuer mit Feuer, sondern zündelt einfach nur mit, indem er Feindbilder bestätigt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Es gibt keinen <em>guten</em> Radikalismus</h3>
<p style="text-align: justify;">Häufig beginnt der moralische Radikalismus schon im Kleinen. In meiner Generation fällt mir dabei vor allem in den letzten Jahren eine besonders paradoxe Form auf: der radikale Tierschutz oder Veganismus. Seine Attitüde lässt sich in einem einfachen Satz ausdrücken, der auch in der Bahnunterführung in der Haunstetter Straße zu finden ist: Fleisch ist Mord. Diese drei Wörter teilen mustergültig in richtig und falsch. Mehr noch, denn wer sich hier auf die falsche Seite schlägt, ist ein Verbrecher, ein Mörder. Ein solcher Satz erzeugt Druck an der Sache vorbei. Es geht gar nicht darum, ob der Leser Tiere schützen möchte. Er zielt allein darauf ab, dass er wohl kein Mörder sein möchte. Das ist kein Einzelfall, denn immer wieder fallen radikale Tierschützer dadurch auf, dass sie in Diskussionen ausfällig werden oder durch Aktionen und Begrifflichkeiten verstören. Solche Maßnahmen setzen auf Ebene der Emotion und der Psyche an. Damit beleidigen sie und schüren einen offenen Konflikt. Wer auf Moralterror setzt, Andersdenkende stigmatisiert oder zu verstören bereit ist, der ist radikal.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich ist es ein himmelweiter Unterschied, ob Rechtsradikale nachts Zuwanderer attackieren, oder ob ein Tierschützer unversöhnliche Parolen an die Tür der Unitoiletten schmiert. Falsch und überflüssig ist beides. Wer sich radikal gibt, schadet zudem nicht nur der öffentlichen Diskussion, indem er spaltet und emotionalisiert. Er schadet auch der eigenen Sache. Niemand wird dadurch überzeugt, dass man ihn beschimpft oder unter Druck setzt. Vielmehr wirkt es sehr unlogisch, ein Lebewesen dadurch schützen zu wollen, dass man ein anderes terrorisiert. Bei all den ideologischen Grabenkämpfen bleiben die guten und leisen Argumente oft ungehört. Es gibt gute Gründe, die Umwelt und die Tiere besser zu behandeln, nur werden sie vom Moralterror schnell übertönt. Radikalismus schadet, egal im Zeichen welcher Sache. Eine Gesellschaft muss sich gegen alle seine Formen schützen. Deshalb sollten wir sowohl gegen Nazis demonstrieren als auch Moralisten zur Rede stellen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/08/mueller-will-reden-radikalismus/">Müller will über „Radikalismus“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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