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	<title>erfolg Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Müller will über Emanzipation reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2015 18:19:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleichberechtigung? Nicht schon wieder! Sei es durch die Unbedachtheit eines Politikers oder in der Debatte um soziale Gerechtigkeit. Kaum etwas wurde über die Jahre so oft diskutiert wie die Emanzipation der Frau. So vielfältig die Anlässe, so verstaubt wirken allerdings die...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8327" aria-describedby="caption-attachment-8327" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-8327" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8327" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Gleichberechtigung? Nicht schon wieder! Sei es durch die Unbedachtheit eines Politikers oder in der Debatte um soziale Gerechtigkeit. Kaum etwas wurde über die Jahre so oft diskutiert wie die Emanzipation der Frau. So vielfältig die Anlässe, so verstaubt wirken allerdings die Positionen. Tritt eine der wichtigsten Debatten um mehr Gleichheit etwa auf der Stelle? Und wenn ja, woran liegt das?</strong></p>
<p>„Die Frage nach der Rolle der Frau – um den modernen Begriff zu benutzen – ist keine abstrakte Frage der richtigen oder falschen Rollen. […] Jede Frau hat das Recht darauf, all das zu tun, wozu sie fähig ist.“ Solche Zitate kommen den meisten mehr als bekannt vor, sei es aus der Diskussion um die Frauenquote, Lohngerechtigkeit oder das gesellschaftliche Frauenbild. Allerdings stammt der Satz keinswegs aus einer der Debatten der letzten Jahre, sondern wurde bereits 1875 vom amerikanischen Mediziner Edward Clark so veröffentlicht. Seither haben sich zwar die Anlässe für diesen Klassiker der immer wiederkehrenden Streitigkeiten geändert, doch die jeweiligen Positionen sind über mehr als 100 Jahre erschreckend unverändert geblieben. Ein Grund dafür, dass diese eigentlich sehr hitzige Debatte schon so lange im Kreis verläuft, liegt darin, dass eine andere Diskussion viel seltener geführt wird: Was verstehen wir überhaupt unter Emanzipation?</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Der Begriff der Emanzipation hat zwei Ebenen. Für den Einzelnen liegt sie in der Befreiung aus der Abhängigkeit von anderen, ganz egal ob geistig oder materiell. Übertragen auf gesellschaftliche Gruppen führt das zu einer möglichst gleichberechtigten Teilhabe aller am öffentlichen Leben. Damit geht es auf dieser Ebene besonders um Minderheiten oder Gruppierungen, deren Möglichkeiten von der Mehrheit begrenzt werden. So galt es lange auch für Frauen, doch inzwischen sieht es ein wenig anders aus. Von Rechts wegen gibt es ohnehin keinen Spielraum, denn <a href="http://lexetius.com/GG/3,2">Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes</a><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"></a> sagt klar: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Seit 1994 ist die Vorschrift sogar um die staatliche Pflicht ergänzt, die Umsetzung der Vorschrift zu fördern. Ohnehin wird sich auf der Straße kaum jemand finden, der sich zum Beispiel dafür stark macht, Frauen für die gleiche Arbeit schlechter zu bezahlen als männliche Kollegen. Geht es aber um die etwas robustere Durchsetzung dieser Gleichheit, lässt die Einigkeit nach. Eine Quote für mehr Frauen in Führungspositionen wollten sogar unter weiblichen Entscheidern gerade einmal <a href="http://www.baumann-ag.com/Newsdetailansicht.57+M51ee3bb8fe2.0.html" class="broken_link">27 Prozent</a> und das, obwohl Frauen das Gefühl haben, auf dem Weg zum beruflichem Erfolg unter <a href="http://www.haz.de/Ratgeber/Studium-Beruf/Aktuelles/Viele-Frauen-setzen-sich-im-Beruf-selbst-unter-Druck" class="broken_link">besonders großem Druck</a> zu stehen.</p>
<h3><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote4sym" name="sdfootnote4anc"></a>Zwei Seiten eines Problems</h3>
<p>Bei der Suche nach Erklärungen für diesen scheinbaren Widerspruch, lohnt ein genauerer Blick auf die persönliche Seite der Emanzipation: die eigene Unabhängigkeit. Geht es um die Rolle der Frau, müssen dazu vor allem alte Rollenbilder aufgelöst werden. Viele Forderungen von Aktivisten beinhalten das jedoch nur indirekt. Oft geht es nicht generell um neue gesellschaftliche Rollen, sondern eher um einen Rollentausch. Frauen sollen an die Stelle der Männer treten, ihre Positionen besetzen oder sie zumindest ergänzen. Dabei bleibt abgesehen vom häufigeren Geschlecht aber eben jenes Rollenbild intakt, das in der Vergangenheit zu Ungleichheiten geführt hat. Für die Gesellschaft bedeutet das Stillstand und auf persönlicher Ebene häufig Schwierigkeiten – und zwar nicht nur für Männer. Die Schriftstellerin Christa Wolf hat sich in ihrem Werk immer wieder mit Emanzipationsprozessen auseinandergesetzt. In Bezug auf das Verhältnis von Männern und Frauen macht sie zum Beispiel in <em>Medea</em> mehr als deutlich, dass beide Seiten unter Rollenklischees leiden. Für ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch haben Männer nämlich sehr lange den Preis eines übersteigerten Wettbewerbs untereinander gezahlt. Das Männerideal sah Erfolg, Härte und Durchsetzungkraft voraus, erst beim Militär und später in Politik und Wirtschaft. Nicht zufällig gehen Emanzipationsdebatten oft mit Diskussionen um ein neues Männerbild einher. Natürlich rechtfertigt das nicht, Frauen zu benachteiligen. Allerdings ist die rohe oder gar stumpfe Reaktion mancher Männer auf Forderungen nach mehr Gleichberechtigung nicht nur die Folge von Boshaftigkeit, sondern geht ebenso auf ein überzogen kämpferisches Selbstverständnis zurück.</p>
<h3>Rollenbilder – nicht nur Frage des Geschlechts</h3>
<p>Wer erfolgreiche Frauen betrachtet, findet viele dieser Eigenschaften wieder. Angela Merkels Karriere wird zum Beispiel eher mit Zweckrationalität und Durchsetzungsstärke als mit der Emanzipation in Verbindung gebracht. Sie spielt mit Bravour nach den Regeln der „Männerwelt“. Aber ist es nicht irritierend wenn der weibliche Weg zur Macht darin liegt, ein besserer Mann zu sein? Vor allem für junge Frauen bedeutet eine solche Emanzipation weniger die Befreiung als einen großen persönlichen Druck. Gerade wer sich einen Lebensstil wünscht, der auch zu den alten Rollenbildern passen könnte, kann sich schnell zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Ansprüchen verlieren. Dass ausweislich etlicher Meinungsführer mal ein Hausmütterchen ist, wer zuhause bei den Kindern bleibt, aber kurz darauf schon wieder eine Rabenmutter, wer trotz Familie arbeitet, macht die Entscheidung nicht leichter.</p>
<p>Ist es wirklich Gleichberechtigung, sich zwischen Blitzkarriere, Partnersuche und Familiengründung aufzureiben, um nur keine der gesellschaftlich hart erkämpften Chancen zu vergeuden? Die Lösung kann nur darin liegen, Emanzipation endlich wieder als etwas persönliches zu verstehen. Dabei hilft es nur, alte Rollenklischees abzulegen und zwar egal ob es um Geschlechterrollen oder ein abgenutztes Verständnis von Erfolg und Führung geht. Vor heißt das, alle Lebensentwürfe als berechtigt zu akzeptieren, ob sie nun traditionell oder modern sind. Dann Gleichheitsfragen betreffen immer auch die Freiheit und selbst wohlmeinende Bevormundung sperrt ein – heute wie vor 100 Jahren.</p>
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<p class="sdfootnote"><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym"></a><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote4anc" name="sdfootnote4sym"></a></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/12/mueller-will-reden-emanzipation/">Müller will über Emanzipation reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Aussteiger“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2015 16:40:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[aussteiger]]></category>
		<category><![CDATA[erfolg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aussteiger, das sind doch diese Typen, denen nichts recht ist! Vielen kommt die Vorstellung, ein geregeltes Leben über Bord zu werfen, um die eigenen Träume zu verwirklichen, verrückt vor. Wer auf unsere Gesellschaft pfeift, braucht sich auch nicht zu wundern,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/06/mueller-will-reden-aussteiger/">Müller will über „Aussteiger“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_7378" aria-describedby="caption-attachment-7378" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/06/Kolumne_Aussteiger_1200.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-7378" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/06/Kolumne_Aussteiger_1200.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="655" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/06/Kolumne_Aussteiger_1200.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/06/Kolumne_Aussteiger_1200-400x218.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/06/Kolumne_Aussteiger_1200-1024x559.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7378" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Aussteiger, das sind doch diese Typen, denen nichts recht ist! Vielen kommt die Vorstellung, ein geregeltes Leben über Bord zu werfen, um die eigenen Träume zu verwirklichen, verrückt vor. Wer auf unsere Gesellschaft pfeift, braucht sich auch nicht zu wundern, wenn er hier nichts wird. So lautet die allgemeine Meinung – und doch erzählt immer wieder einmal jemand  vom großen Traum, alles umzukrempeln. Auch in der Uni und deshalb wird es Zeit, einmal über das Aussteigen zu reden.</strong></p>
<p>„Wer aussteigen will, kann aussteigen. Das mag ja sein. Doch wer einmal aussteigt, kommt nie wieder rein.“ Diese Warnung hat der Kabarettist Rainald Grebe für die Hauptfigur seines Songs „Autonomie“. Dicht gefolgt von der Beschreibung eines Lebens in einem alten Zirkuswagen, das von Rotwein aus dem Tetra Pak und Phrasen über die Freiheit zusammengehalten wird. Mit diesem Bild vor Augen scheint es gar keine Frage, wie richtig die mahnenden Worte sind. Wer der Gesellschaft unbedingt so den Laufpass geben will, kann kaum erwarten irgendwann wieder mit offenen Armen empfangen zu werden. Selber schuld, so ein Aussteiger.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
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<tr>
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<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
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</blockquote>
<p>Na ja, zumindest sieht das der <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Aussteiger">Duden</a> ganz ähnlich. Dort gilt Aussteiger als Synonym für Außenseiter, Eigenbrötler, Gammler, Sonderling oder Freak. Alles nicht gerade angenehm. Aber ist das Aussteigen wirklich nur ein Selbstverwirklichungstrip für Einsame und Spinner? Die Presse ist da teilweise durchaus anderer Meinung – und zwar dort, wo man es am wenigsten erwartet, im Wirtschaftsteil. So erzählt zum Beispiel das <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/zukunft-der-arbeit/aussteiger-wenn-ein-ueppiges-gehalt-nicht-mehr-reicht/10991278.html" class="broken_link">Handelsblatt</a> die Erfolgsgeschichte von Unternehmensberaterinnen, die von einem Tag auf den anderen lieber Innenarchitektinnen sind. Es ist die Geschichte einer Existenzgründerin, die eine vielversprechende, aber unbefriedigende Karriere gegen einen Job getauscht hat, der ihr mehr Spaß macht. Aus der Gesellschaft ist sie nie ausgestiegen, genau wie andere Aussteiger, die sogar ganz im Gegenteil gerade wieder in ihre Mitte zurückkehren. Das gilt zum Beispiel für Menschen, die einer Sekte oder der extremistischen Szene den Rücken kehren. Erfolgreiche Kleinunternehmer oder ehemalige Neonazis, die den Absprung geschafft haben, würden wir wohl kaum als Sonderlinge bezeichnen. Auch Rainald Grebes Warnung dürfte sie wohl eher kalt lassen, denn sie können ganz gelassen entgegnen: „Warum sollte ich denn auch zurück wollen?“</p>
<h3>Die vielen Gesichter der Aussteiger</h3>
<p>Ganz offensichtlich ist es mit dem Aussteigen also doch nicht so einfach, wie es der Duden nahelegt. Es gibt sehr viele verschiedene Arten, von denen bei Weitem nicht alle bedeuten, sich komplett aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. Außerdem finden manche davon anscheinend große Anerkennung, während andere eher belächelt werden. Was alle Aussteiger gemeinsam haben, ist der Wunsch, aus den Bahnen ihres bisherigen Lebens auszubrechen. Sie fühlen sich in ihren Routinen und in ihrem Umfeld nicht mehr wohl und treffen deshalb die Entscheidung, sich deutlich zu verändern. Zu dieser Entscheidung gehört sehr viel Mut, denn mit ihr gehen Aussteiger immer ein Risiko ein. Sie kehren ihrem beruflichen und sozialen Umfeld und damit auch all ihren Chancen und Perspektiven dort den Rücken. Sie lassen sich auf einen radikalen Neuanfang ein und riskieren teilweise sogar, von ihrem alten Umfeld dafür bestraft zu werden. Ganz deutlich wird das im Falle einer Sekte oder einer extremistischen Szene. Ein radikaler Ausstieg lässt sich oft nicht rückgängig machen. Wer sich drauf einlässt ist also vor allem sehr mutig.</p>
<p>In der Uni begegne ich einer ganzen Menge Aussteigern in spe, die diesen Mut wohl noch nicht gefasst haben. Als Student ist man inzwischen Teil einer ziemlich großen Bevölkerungsgruppe, die sogar immer noch wächst. Ein Studium gilt dabei spätestens seit Bologna für viele als ganz selbstverständlicher Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben. Umso größer sind die Bedenken aus dem Unibetrieb auszusteigen. Ein Studienwechsel oder gar ein Abbruch wird von vielen Studenten als sehr großes Risiko begriffen. Bekomme ich dann noch den Job, den ich mir wünsche? Oder gehe ich am Ende ganz leer aus? Trotz dieser Befürchtungen ist die Unzufriedenheit teilweise hoch. Das Fach ist nicht das richtige für mich. An der Uni ist alles viel zu abstrakt, was soll mir das später einmal bringen? Eigentlich würde ich gerne viel mehr Zeit in meine Band stecken, damit wir endlich durchstarten! Sätze dieser Art sind auf dem Campus keine Seltenheit. Hinter all diesen Aussagen steckt ein kleiner Aussteiger, der sich oft nicht gegen die Angst vor dem Risiko durchsetzt.</p>
<h3>Schon in Ordnung, solange es nicht kitschig wird</h3>
<p>Wir alle nehmen Rainald Grebes Warnung sehr ernst und doch habe ich meine Zweifel, ob er sie überhaupt so gemeint hat. Es gibt da nämlich andere Stimmen, die tatsächlich schon wieder aus der Wirtschaft kommen. Immer wieder betonen Unternehmen und Personalchefs öffentlich, dass ein gradliniger Lebenslauf eben nicht das Wichtigste sei. Gesucht werden Persönlichkeiten, die sich Gedanken gemacht haben, wo sie einmal hinwollen, und dementsprechend danach handeln. Zu diesem Prozess gehören natürlich auch Fehlentscheidungen und Veränderungen. Es bleiben so viele Möglichkeiten, im Kleinen auszusteigen. Wenn ich im nächsten Semester ein Seminar weniger belege, habe ich schon mehr Zeit für den Traum von der eigenen Band. Inzwischen gibt es sogar Stipendien, die gezielt nach den kleinen Aussteigern suchen, nur dass sie es <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/stipendien-aussenseiter-dringend-gesucht-12641112.html">Paradiesvogel</a> nennen. Der Ausstieg bedeutet eben nicht immer, der ganzen Gesellschaft den Rücken zu kehren. Letztlich ist der Mann vor dem Zirkuswagen im Wald resignativer Kitsch, der mit den meisten von uns gar nichts zu tun hat. Deshalb sollte uns Rainald Grebes Warnung auch nicht einschüchtern. Gegen gute Ideen dürfte er sicher nichts haben, denn Kabarettist ist ja auch nicht der gewöhnlichste Job.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/06/mueller-will-reden-aussteiger/">Müller will über „Aussteiger“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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