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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Das Sohnbeet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Schmid]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Dec 2023 09:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>© Unsplash Als ich eines Morgens aufwachte, pflanze meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb. Ausgehöhlt und mit Erde befüllt war er schon, nur noch das Einpflanzen und das anschließende Eingießen fehlte. Müde rieb ich mir die Augen. Ich hatte...</p>
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									<p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">Als ich eines Morgens aufwachte, pflanze meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb. Ausgehöhlt und mit Erde befüllt war er schon, nur noch das Einpflanzen und das anschließende Eingießen fehlte. Müde rieb ich mir die Augen. Ich hatte ja nichts dagegen, dass meine Mutter gerne gärtelte, aber das ging doch wirklich zu weit. Sie hatte bereits ein Kräuterbeet, ein Frühbeet, ein Gemüsebeet, ein Blumenbeet und ein Hochbeet. Wozu brauchte sie also noch ein Sohnbeet? Irgendwo musste einfach die Grenze gezogen werden.</span></p>
<p>Ob sie nicht finde, dass das etwas makaber wäre, fragte ich.</p>
<p>Nichts dergleichen, meinte sie. Ich solle mich nicht so haben. Immerhin würde ich so etwas Sinnvolles tun. Einen Beitrag zur Ernährung der Familie leisten.</p>
<p>Ich erschauderte, als meine Mutter – nun fertig mit dem Einpflanzen – das kalte Wasser aus der Gießkanne über mich goss.</p>
<p>Wie sie sich das vorstelle, fragte ich ratlos. So müsse ich ja den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.</p>
<p>Im Bett könne ich nicht bleiben, sagte sie. Die Pflanzen bräuchten Sonnenlicht, daher müsse ich raus in den Garten.</p>
<p>Die ganze Zeit?</p>
<p>Die ganze Zeit.</p>
<p>Und wenn es regne?</p>
<p>Dann würde ich gegossen werden.</p>
<p>Das könne sie doch nicht ernst meinen, rief ich empört. Wenn ich die ganze Zeit draußen sei, würde ich mich garantiert erkälten.</p>
<p>Meine Mutter lächelte nur traurig. Zusammen mit meinem Vater, der nun ebenfalls in der Tür stand und traurig lächelte, hievte sie mich auf eine Trage und trug mich in den Garten. Dort legte sie mich neben den Kirschbaum.</p>
<p>Ob ich zufrieden sei mit meinem Plätzchen, fragte sie.</p>
<p>Ich war tatsächlich sehr zufrieden mit meinem Plätzchen, war der Kirschbaum doch der Baum, den meine Mutter zur Feier meiner Geburt gepflanzt hatte. Allerdings hatte ich keine Lust zu antworten. Ich war immer noch zu wütend auf sie. Sie hätte mich ja zumindest fragen können, bevor sie mich in ein Beet verwandelt hatte.</p>
<p>Während ich so meinen trübseligen Gedanken nachging, streichelte meine Mutter sanft mein Haar.</p>
<p>Ich solle mir keine Sorgen machen, sagte sie. Das würde schon wieder werden.</p>
<p>Was würde schon wieder werden, fragte ich.</p>
<p>Ohne zu antworten, drehte sich meine Mutter um und ging.</p>
<p>Das war doch nicht auszuhalten! Gestern noch ein normaler Mensch, heute ein Paprikabeet. Was für eine Demütigung. Dazu noch von der eigenen Mutter aus dem Haus verbannt. Ich hätte am liebsten geweint oder geflucht oder wild um mich geschlagen, aber ich kontrollierte mich. Immerhin wuchs in meiner Brust etwas Lebendiges, für das ich Verantwortung trug. Ich seufzte und fügte mich meinem Schicksal.</p>
<p>Die Tage vergingen und es wurde langsam wärmer. Zu meiner Überraschung bekam ich keine Erkältung. Ich fühlte mich sogar sehr wohl draußen. Gelegentlich kam meine Mutter vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und mich zu gießen. Die Paprikapflanze gedieh großartig in meiner Brust. Leiser Stolz erfüllte mich. Endlich gab es etwas, das ich gut machte.</p>
<p>Als ich dann eines Nachts die erste Frucht an meiner Pflanze erkannte, brüllte ich – vor lauter Freude – so laut, dass ich meine Mutter aus dem Bett scheuchte.</p>
<p>Was denn los sei, fragte sie entsetzt.</p>
<p>Begeistert zeigte ich ihr die kleine grüne Paprikaschote. Meine Mutter kniff die Augen zusammen – ohne Brille sah sie nämlich nicht so gut – und suchte die Pflanze ab, aber schließlich entdeckte sie die Schote.</p>
<p>Sehr schön, sagte sie müde. Ob das der Grund für mein Gebrüll gewesen sei?</p>
<p>Natürlich, sagte ich.</p>
<p>Um Himmels Willen, stöhnte sie. Sie habe schon gedacht, ich sei überfallen worden.</p>
<p>Gähnend schlurfte sie zurück ins Bett, doch meine Freude war unvermindert. Eine Paprikaschote. Das hatte ich erschaffen. Die ganze Nacht durch tat ich kein Auge zu, sondern bewunderte strahlend die kleine grüne Frucht, die da an mir wuchs.</p>
<p>Weiter vergingen die Tage, zur ersten gesellten sich weitere Schoten und schließlich wurden sie rot. Als dann endlich die erste Paprika geerntet werden konnte, war es bereits Hochsommer, dem Stand der Sonne und der Hitze nach zu urteilen.</p>
<p>Ein Prachtexemplar, sagte meine Mutter, die Paprikaschote in ihrer Hand bewundernd. Ob ich immer noch wütend sei, in ein Paprikabeet umfunktioniert worden zu sein, fragte sie.</p>
<p>Überhaupt nicht, meinte ich. Es gebe nichts Schöneres, als die Früchte der Arbeit mit eigenen Augen zu sehen.</p>
<p>Meine Mutter nickte anerkennend.</p>
<p>Trotzdem, fuhr ich fort, wüsste ich gerne, warum sie es getan habe.</p>
<p>Wieder lächelte sie nur traurig. Ein anderes Mal, sagte sie.</p>
<p>Mit der Zeit wurden die Paprikaschoten auf meiner Pflanze weniger und schließlich begannen die Blätter zu welken. Es war ein anstrengender Sommer gewesen. Ich hätte nie geglaubt, wie anstrengend es war, eine Pflanze wachsen zu lassen. Fast schon war ich froh, dass nun der Herbst nahte, der Ruhe versprach.</p>
<p>Als meine Mutter die letzte Schote pflückte, trauriger, als ich sie jemals gesehen hatte, fragte ich wieder, warum sie mich zu einem Paprikabeet umfunktioniert hatte. Jetzt, wo ich meine Arbeit getan habe, könne sie es mir doch sagen.</p>
<p>Wieder schüttelte sie nur den Kopf.</p>
<p>Warum sie so traurig sei, wollte ich wissen.</p>
<p>Ein anderes Mal, sagte sie und verschwand.</p>
<p>Doch es gab kein anderes Mal. In der folgenden Nacht kam der erste schwere Herbststurm des Jahres und meine Pflanze starb. Und mit ihr ich. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf.</p>
<p>Als ich eines Morgens aufwachte, pflanzte meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb.</p>
<p>Ausgeschlafen, fragte sie lächelnd ihren toten Sohn.</p>								</div>
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		<title>Gartengeräusche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lilli Riedmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 May 2022 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Frieda lässt sich den Berg hinter der Bahnbrücke hinunterrollen. Sie Lässt den Rädern ihren Lauf, nur um kurz danach scharf abzubremsen und ihr Fahrrad in einer engen Rechtskurve in den Hof des alten Hauses an den Gleisen zu lenken. In...</p>
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									<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Frieda lässt sich den Berg hinter der Bahnbrücke hinunterrollen. Sie Lässt den Rädern ihren Lauf, nur um kurz danach scharf abzubremsen und ihr Fahrrad in einer engen Rechtskurve in den Hof des alten Hauses an den Gleisen zu lenken. In Schlangenlinien fährt sie um die tiefen Schlaglöcher, aus denen große und kleine Steine herausbrechen und sich im ganzen Hof verteilen. Die überdurchschnittlich große Würstchen-Statue aus Stein, die sonst alle Ankommenden begrüßt hatte, ist weg. An ihrer Stelle steht mittlerweile ein blühender Fliederbusch. Links daneben beginnt der Garten des komisch rosafarben gestrichenen Hauses an den Gleisen.</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="DE">Frieda schwingt ihr Bein über das Fahrrad und bringt ihr Fahrrad vor </span><span lang="DE">den Unmassen an anderen Fahrrädern zum Stehen. Sie scheinen ihre eigenen Reihen zu bilden. Sie sind Hinterbliebene längst vergangener Mitbewohner und Sprösslinge frischer Neuankömmlinge. Tagein, Tagaus richten sie ihren Blick auf die Bahngleise hinter dem Zaun. Lehnen sich aneinander an und lauschen dem Leben der Bewohner hinter ihnen. Frieda dreht sich um, während sie ihren unordentlichen Dutt richtet, aus dem die langen Haare wieder anfangen herauszufallen. Vor ihr, auf dem kleinen Stück Dreck, sitzen die Bewohner des Hauses Nummer Sechs auf alten Plastiksitzgelegenheiten. Sie ruft ein gemütliches „Hey“ in die Runde und grinst. Niemand schaut sie komisch an, fragt sie was sie hier wolle. Man kennt sich. Sie läuft an Harry und Peter und Mimi und Fine vorbei, die wie immer tief im Kartenspiel stecken und all ihre Konzentration auf den nächsten Zug richten. Die Füße ruhen im Dreck, stecken in Schlappen und dicken Socken. Die Beine sind in Jogginghosen gewickelt und die Oberkörper in mehrere Schichten bunte Kleidung eingepackt, denn die Sonne hat es noch nicht ganz geschafft ihre wärmenden Strahlen auf die Bewohner:innen zu richten. </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="DE">Frieda läuft mit Schwung durch die durchgehend geöffnete Haustür, die nur im Winter bei Minusgraden geschlossenen ist. Fünf Treppenstufen später steht sie vor der Wohnungstür zu der sie wollte. Sie dreht den Schlüssel, der im Schloss steckt. Immer im Schloss steckt, denn irgendjemand ist immer da. Das letzte Mal, als sie geklingelt hat, ist ewig her. Die Mitbewohnerin meinte nur irgendwann: „Mach dir die Türe doch ruhig selber auf“. Seitdem öffnet sie sich die Tür selbst. Sie späht den Flur hinunter, kann aber nicht das entdecken, was sie gesucht hat. „Bist du daheim?“, schreit sie, zieht dabei ihre Schuhe aus und lässt den Rucksack von der Schulter gleiten. Die Tür zum ersten Zimmer steht sperrangelweit offen, auf dem Fenster wiegen sich die Blätter der jungen Avocadobäume in einer leichten Briese. Führen einen Tanz auf, in dem Zug zwischen Haustür, Wohnungstür und Fenster. Frieda schmeißt ihren Rucksack ins Zimmer und macht sich auf die Suche nach ihm. </span></p><p> </p><p class="MsoNormal"><span lang="DE">„Erwin?“, schreit sie durch den Flur. </span></p>								</div>
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									<p><span lang="DE">Ihre Füße stecken im Dreck. Graben sich mit den Zehen immer tiefer, bis jeder Zeh mit einer hellbraunen Schicht bedeckt ist. Ihre Mutter hätte ihr das verboten. Früher im Garten, da durfte sie nie barfuß gehen. „Bienen, Scherben, wer weiß was da alles rumliegt“, hat ihre Mutter gesagt. Aber hier ist es egal, wie viel Dreck sie an ihren Füßen hat. Oder ob sie mit dreckigen Füßen ins Haus läuft. Hier kann sie sein, wie sie will. Auf einmal rauscht ein angebissener Apfel gegen ihren Kopf. Sie reibt sich über die leicht schmerzende Stelle und dreht sich um. „Du Arsch!“, ruft sie und schmeißt den Apfel dahin zurück, wo er hergekommen ist. Die anderen sitzen um sie herum und lachen, als das Stück statt Erwin den alten Schuppen trifft. Erwin lacht laut auf. Frieda streckt dem Übeltäter die Zunge raus und legt sich zurück in das Gras. Hände hinter dem Kopf verschränkt, Blick auf den blauen Himmel über sich gerichtet. Um sie herum ist milder Trubel, immer mehr Bewohner kommen aus den Wohnungen in den Garten und setzen sich auf die Wiese neben sie oder fläzen auf abgewetzten Sitzmöbeln, die irgendwer schon vor zehn Jahren als zu schäbig für den eigenen Garten empfunden hatte. „Bloß nicht auf die frisch angesäte Wiese mit den Gartenmöbeln!“, wie immer mal wieder eine Stimme schreit, sollte jemand wagen das zu vergessen. Zum Glück waren die Möbelsenioren hier an einer guten letzten Ruhestätte angekommen. Obwohl Ruhestätte vielleicht das falsche Wort für diesen Ort ist, denn eigentlich ist es hier selten leise. Während sie die Wolken vorüberziehen sieht, überlegt Frieda wie viel ihrer Lebenszeit sie wohl an diesem Ort, dem Haus mit dem großen kleinen Garten verbracht hat. Tage? Wochen? Und das, obwohl sie doch eigentlich immer nur zu Besuch ist. </span></p>
<p><span lang="DE">Ein schrilles Fiepen reißt Frieda aus ihren Gedanken. Baron steht an der großen Musikbox und versucht zum hundertsten Mal seine neue Spotify Playlist abzuspielen. Hinter ihm spitzt Blitzi um die Ecke des Hauses, die braunen Haare in zwei kleine Dutts gewickelt, und kommt mit schwingenden Schritten auf die Kartenspieler in der Mitte des Gartens zu. Frieda setzt sich auf und lässt ihren Blick durch den Garten wandern. Ganz auf der anderen Seite, noch hinter Baron, schraubt Bert an einem der alten Fahrräder herum, dreckige Hände und einen Kopf voller wilder Dreadlocks, die hinter den umgedrehten Rädern verschwinden. Auf der Wiese, die sich noch gar nicht lange als Wiese bezeichnen darf, liegen die anderen Gesellen, inklusive Erwin und spielen ein Spiel nach dem anderen.</span></p>
<p><span lang="DE">„Kurt, geh runter von dem Polster!“, schimpft Inge den großen Braunhaarigen, der sich gerade mit Wucht zu ihr auf das rot-braune Sitzposter geschmissen hat. Kurt kann nicht umhin, die Vorlage für eine Show anzunehmen. So springt er wieder auf, landet auf beiden Beinen, stützt die Hände auf die Knie und schaut angriffslustig in die Runde. Er Klopft sich mit den Fäusten an die Brust und macht Affengeräusche dazu. Die Diskokugel, an dem alten korsetttragenden Apfelbaum über ihm wirft kleine Lichtfunken auf Kurt, der sich nun seinen Weg zum Spieletisch bahnt. Halb laufend, halb hopsend. Kurz vor dem Tisch entscheidet er sich anders und klettert behände auf das Dach des kleinen Gartenhäuschens, überwuchert von Efeu und beinahe am Zusammenfallen, aber nur beinahe. Irgendjemand hatte sich eine halbe Mühe gemacht und versucht das Dach zu flicken, scheiterte an der eigenen Lustlosigkeit und so öffnete sich kurz danach an einer anderen Stelle ein weiteres Loch. Kurt findet seinen Weg um die Löcher herum und schwingt sich an die Vorderkante des Häuschens. Dreht seinen Kopf nach links und nach rechts, bevor er seinen Blick mittig auf das zweite Fenster in der untersten Reihe vor ihm fokussiert. Giesis Kopf schiebt sich langsam durch das Küchenfenster und ihre kurzen weißblonden Haare reflektieren das Licht der Sonne fast so sehr wie die Diskokugel im Apfelbaum. Auch sie schaut nach links und nach rechts, entdeckt schließlich Kurt auf der Hütte und bleibt mitten in ihrer Bewegung stehen. Einen kurzen Blickwechsel später kommt ein Knurren aus Kurts Hals und er schreit: „Futter!!!“ </span></p>
<p><span lang="DE">Rund um Frieda versetzt sich alles in Bewegung. Darauf haben die knurrenden Mägen seit einer Stunde gewartet. Die Spieler in den Kreisen schrecken hinter ihren Spielkarten hervor und packen sie eilig zurück in die Schachtel. Die Menschen rund um die Lagerfeuerstelle stehen langsam und gemächlich aus ihren Sitzmöbeln auf, packen das Plastiketwas, auf dem sie saßen, in eine Hand und die noch halbvolle Bierflasche in die andere. An dem Kartenspieltisch, mitten auf dem Stück Dreck, werden die Schafkopfgewinne in die jeweilige Hosentasche gesteckt und die Karten gleich mit dazu. Stühle werden verrückt und Tische herbeigetragen. Kurze Zeit später steht die Tafel. Giesi, Mauri und Lenni tragen die großen Kochtöpfe voll duftendem Essen aus der unteren rechten WG nach draußen. Wieder andere holen das Geschirr aus der linken WG und so ist nach wenigen Minuten auch die Tafel gedeckt, die Plätze eingenommen und die Kellen stecken in den designierten Töpfen. Das Festmahl kann beginnen. </span></p>
<p><span lang="DE">Frieda genießt das Spektakel vor sich. Sie Lässt alle Leute aufspringen und die große Tafel aufbauen. Der Tisch, an dem alle einen Platz haben sollen. Bewohner:innen, wie nicht Bewohner:innen. Alle sind willkommen. Irgendwer wird schon zur Seite rücken und Platz machen. Schon wieder schleicht sich ein Lächeln auf Friedas Wangen. Irgendwo im Haus wird noch ein letzter Fensterladen aufgestoßen, bevor die Person dahinter die Treppe in den Garten hinunterrast. Selbst die Fensterläden sind individuell, gleichen den Menschen, die hinter ihnen wohnen. </span></p>
<p><span lang="DE">An der Stelle, an der eben noch die letzten Sonnenstrahlen auf Friedas Gesicht geschienen haben, breitet sich auf einmal Schatten aus. Frieda schaut auf die nackten Füße vor sich, die haarigen Beine und schließlich auf eine ausgestreckte Hand. „Futter“, sagt Erwin, mit einem Blitzen in den Augen, und zieht Frieda hoch.</span></p>
<p></p>
<p><span lang="DE">Bert und Baron machen auf der blauen Plastiksitzbank Platz und Frieda kann sich gerade so noch mit hin quetschen. Von der anderen Tischseite wird ihr ein Teller rübergeschoben und irgendjemand steckt ihr eine Gabel in die Hand. Semmelknödel landen auf dem Teller und dazu viel Blaukraut und ein bisschen Rahmsoße. Die Kochfreudigen haben sogar für zwei verschiedene Salate gesorgt. „Jemand noch eine Gabel über?“, fragt Erwin in die Runde. „Nö sind keine mehr da, aber du kannst meine haben,“ sagt Leo, der zu Erwins anderer Seite sitzt, und fügt ein genuscheltes „Ich bin eh schon fertig“ dazu. Während Frieda sich eine Gabel voll mit all dem guten Essen in den Mund steckt, schaut sie kurz in die Runde. Alle futtern und reden abwechselnd, die Stimmung am Tisch ist ausgelassen. Schließlich ist das einer der ersten Frühlingstage, an denen alle draußen gemeinsam essen können. Obwohl sich selbst im Winter manchmal fünfzehn Leute in einer Küche wiederfinden, in der normalerweise Fünf ihr Essen zubereiten und einnehmen. Für alle gibt es einen Platz. Erwin lehnt sich im Stuhl zurück und legt den Arm auf die Plastikbank hinter Frieda. Er reibt sich zufrieden über seinen Bauch und fragt in die Runde: „Wer will ein Bier?“. Fünf Arme gehen hoch. Mit einem Seitenblick auf Frieda sagt er: „Sieben Bier, kommen sofort.“</span></p>								</div>
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									<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Über den Köpfen der Bewohner:innen und Nicht-Bewohner:innen flackern die Birnen der langen bunten Lichterkette auf. Giesi hat die Lichterkette eingesteckt und fängt langsam an, den Tisch abzuräumen. Alle scheinen aus ihrer Trance zu erwachen und jeder packt mit an. Teller stapeln und das Besteck in den nun leeren Töpfen sammeln. Spülmaschinen anschmeißen und was nicht reinpasst wird von Hand gespült. Frieda hilft, Töpfe zu spülen. Auf Friedas anderer Seite klappern Leo und Giesi mit den Kühlschranktüren, führen einen Tanz in der Küche auf, voreinander und nebeneinander. Aneinander vorbei und doch miteinander. Als Kurt in der Küchentüre steht steigt er auch mit ein und die drei Mitbewohner lachen, singen und tanzen. Frieda wird mitgerissen und wackelt mit dem Spülschwamm in der Hand mit. Sie stellt die letzte Schüssel aufs Abtropfgestell, gerade als Erwin von draußen den Kopf durchs Fenster steckt: „Feuer ist an, Leute“. „Ab nach draußen“, brüllt Kurt und die braunen Locken hüpfen genauso um den Kopf herum wie seine Beine, die ihn nach draußen tragen. </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="DE">Die Menschen sind ein bisschen weniger geworden und alle die noch am Feuer sitzen, haben mindestens zwei Pullis und eine Jacke an und selbst wenn jemand keine hat bekommt man irgendwo her eine gereicht. Das Feuer brennt munter unter dem alten Apfelbaum und wärmt die Gesichter, die fröhlich ins Feuer starren. Fast wie damals vor drei Jahren, als der ganze Keller von altem Krempel befreit wurde und daraus einer der erinnerungswürdigsten Abende in Friedas Kopf entstand. Fernseherverpackungen und alte Zeitungen wurden gleichermaßen auf ihren eigenen Scheiterhaufen geworfen. Nur die vergilbten Pornohefte, die irgendwer aus der letzten Ecke des Kellers herausgezogen hatte, wurden einmal im Kreis gereicht. Der Keller wusste damals noch nicht, was ihm bevorstand. Dass er für kleine und große und riesengroße Partys sorgen wird. Dass er für unvergessliche Erinnerungen sorgen wird. Dass neben zahllosen unglaublichen und aberwitzigen Geschichten auch ganz andere Dinge entstehen werden. Zarte und grobe Teile, Freundschaften und Beziehungen.</span></p><p> </p><p class="MsoNormal"><span lang="DE">Bert hat mittlerweile fertig gedreht, was auf seinem Schoss lag und gibt weiter, sodass jeder etwas abhaben kann. Im Kreis wandert es weiter und weiter, bis Giesi den letzten Zug nimmt. Sie schaut mit beiden Augen fest ins Feuer, als wäre sie damit innerlich verbunden. Schweigt und lässt auch Frieda schweigen, die sich genauso wenig vom Anblick des Feuers losreißen kann. Selbst Baron gegenüber, der so gerne große Reden schwingt, starrt geistesabwesend ins Feuer. Das Knistern des Feuers ist für kurze Zeit das einzige Geräusch zwischen dem Dutzend Menschen. An keinem Ort können so viele Menschen zur gleichen Zeit schweigen wie hier. Obwohl man sich nicht kennt oder nicht gut kennt oder sich sehr gut kennt. Frieda hat gelernt wie es ist, einfach inmitten von anderen Menschen zu sein und nichts zu sagen. Gemeinsam nichts zu sagen bis irgendwo her wieder ein Satz in die Runde geschmissen wird. </span></p>								</div>
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									<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Frieda schmeißt ihren Rucksack in den Fahrradkorb ihres Klapprads.  Ein paar letzte Bewohner:innen und Nicht-Bewohnerinnen sitzen über dem immer kleiner werdenden Feuer. Langsam schiebt sie ihr Fahrrad rückwärts aus der Fahrradkolonie. Währenddessen fängt das Vorderlicht an schwach zu flimmern. „Danke Bert“, denkt sie sich im Stillen. Er hatte innerhalb von 5 Minuten die Lösung gefunden, über die sie mehrere Tage gebrütet hatte. „Einfach den Stromkreis schließen“, waren die einzigen Worte, die er dazu verloren hatte. Während sie ein Bein auf die andere Seite des Fahrrads schwingt, wirft sie einen letzten Blick nach oben. Manche Zimmer sind hell erleuchtet. Andere schon lange dunkel. Fensterläden werden zugezogen und auf den Balkonen werden die letzten Lichterketten ausgesteckt. Frieda atmet tief ein. Atmet ein letztes Mal für diesen Tag, der eigentlich schon der nächste ist, die Luft im Garten des komisch rosafarben gestrichenen Hauses direkt neben den Gleisen und rollt aus dem Hof.</span></p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/05/gartengeraeusche/">Gartengeräusche</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>DIY: Studentengarten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Angelina Märkl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Nov 2016 14:06:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[DIY]]></category>
		<category><![CDATA[garten]]></category>
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		<category><![CDATA[selbstgemacht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lust auf selbst angebautes Gemüse oder einen eigenen Kräutergarten, aber keinen Garten zum Rumbuddeln zur Verfügung? Unser DIY zeigt euch, wie ihr ganz leicht auf dem Fensterbrett in eurer Küche oder auf eurem Balkon ein kleines Beet anlegen könnt &#8211;...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/11/diy-studentengarten/">DIY: Studentengarten</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_9272" aria-describedby="caption-attachment-9272" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-9272 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/Studentengarten_Fertiger_Kasten.jpg" alt="studentengarten_fertiger_kasten" width="1200" height="839" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/Studentengarten_Fertiger_Kasten.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/Studentengarten_Fertiger_Kasten-400x280.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/Studentengarten_Fertiger_Kasten-768x537.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/Studentengarten_Fertiger_Kasten-1024x716.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9272" class="wp-caption-text">Text: Angelina Märkl; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Lust auf selbst angebautes Gemüse oder einen eigenen Kräutergarten, aber keinen Garten zum Rumbuddeln zur Verfügung? Unser DIY zeigt euch, wie ihr ganz leicht auf dem Fensterbrett in eurer Küche oder auf eurem Balkon ein kleines Beet anlegen könnt &#8211; mit wenig Geld und Aufwand.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Das braucht ihr:</h3>
<ul>
<li>eine Bananenkiste oder Ähnliches (gibt es kostenlos im Supermarkt zum Mitnehmen)</li>
<li>mehrere Pflanzen (Tomate, Gurke, Paprika, Salat – auf was ihr eben Lust habt) am Besten von einem Gärtner oder vom Stadtmarkt</li>
<li>verschiedene Kräuter (Basilikum, Petersilie, Minze,&#8230;) auch aus der Gärtnerei</li>
<li>frische Erde</li>
<li>eine kleine Schaufel (oder ihr nehmt eure Hände)</li>
<li>eine Gießkanne oder einen anderen Behälter, in dem man Wasser transportieren kann</li>
<li>für alle hohen Pflanzen (Tomate, Gurke) braucht ihr noch Schaschlikspieße. Nehmt am besten gleich drei Stück und bindet sie oben zusammen. Das dient der Pflanze dann als Kletterhilfe.</li>
</ul>
<blockquote>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2016/08/ausgabe-29-europa">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige29">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/SP-europa">Der Schwerpunkt Europa</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<h3>So geht’s:</h3>
<p>Die Kräuter und Pflanzen erst einmal ohne Erde in die Kiste stellen, damit ihr nachher genau wisst, wohin welche Pflanzen gesetzt werden sollen. Dann nehmt ihr die frische Erde und pflanzt das Ganze ein. Genug Erde verwenden, damit auch die Wurzeln gut bedeckt sind. Danach alles noch angießen, sonst vertrocknen die Pflanzen sofort. Und schon habt ihr euren eigenen kleinen Garten! Wichtig ist nun, dass die Pflanzen zwar genügend Licht bekommen, aber auch nicht in der prallen Sonne stehen. Und nicht das regelmäßige Gießen vergessen!</p>
<p>Ihr könnt euren Garten auch noch verschönern, zum Beispiel mit Steinen und Scherben. Wem die Kiste zu langweilig aussieht, kann sie auch noch mit Farbe anmalen. Falls ihr euch Salatnamen wie „Lollo Rosso“ nicht merken könnt, holt euch in der Gärtnerei oder auch im Bastelladen Schilder, die ihr zum Beschriften der Pflanzen benutzen könnt.<br />
Falls ihr nicht genügend Platz für eine Kiste habt, haben wir noch eine zweite Idee für euch: Ihr könnt auch einfach eine leere Konservendose nehmen und sie als Blumentopf zweckentfremden. Das sieht besonders gut bei frischen Kräutern oder bei hohen Pflanzen wie Tomaten, Gurken oder Paprika aus.<br />
Auch hier gilt: Ihr könnt den Dosen einen Anstrich verpassen oder sie mit Maskingtape verschönern. Jetzt müsst ihr nur noch abwarten, bis die ersten Pflanzen bereit zum Ernten sind. Die Kräuter sind sofort verwendbar.  Ihr braucht nicht einmal einen grünen Daumen dafür – es ist wirklich super einfach.<br />
Wenn ihr zu den ganz Geduldigen gehört, könnt ihr euch auch Samen kaufen und den Pflanzen von Anfang an beim Wachsen zusehen. Passt aber auf, dass die Samen genügend Platz haben.<br />
Samen gibt es fast überall, ob aus dem Supermarkt, dem Baumarkt oder einigen Möbelhäusern. Der große Vorteil am Garten in der Wohnung ist, dass keine lästigen Schnecken oder andere Tiere eure Pflanzen aufessen.<br />
Viel Spaß beim Kochen und Essen verfeinern oder Salat machen! Euer Gemüse und eure Kräuter haben jetzt wirklich den Stempel Bio verdient! Ihr werdet den Unterschied schmecken…</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/11/diy-studentengarten/">DIY: Studentengarten</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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