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	<title>internettrends Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>internettrends Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Feb 2019 11:35:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es hatte ja wirklich schön angefangen zwischen dem Einhorn und uns: als Anfang 2017 zunächst zahlreiche Posts und Fotos zum Thema durchs Netz geisterten und der Hype sich langsam aber sicher auch im Einzelhandel abzeichnete, standen die meisten dem wiederentdeckten...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/das-einhorn-ist-tot-lang-lebe-das-alpaka/">Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-10805" width="459" height="688" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg 683w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-267x400.jpg 267w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-768x1152.jpg 768w" sizes="(max-width: 459px) 100vw, 459px" /><figcaption> <br>© unsplash/ <a href="https://unsplash.com/@carlos_ruizh">Carlos Ruiz Huaman</a> </figcaption></figure>



<p>Es hatte ja wirklich schön angefangen zwischen dem Einhorn und uns: als Anfang 2017 zunächst zahlreiche Posts und Fotos zum Thema durchs Netz geisterten und der Hype sich langsam aber sicher auch im Einzelhandel abzeichnete, standen die meisten dem wiederentdeckten Fabelwesen durchaus neutral bis positiv gegenüber. Egal ob mit voller Überzeugung oder einer Prise Selbstironie, über das Motiv des gehörnten Phantasiepferds konnten viele zumindest lachen und manch einer hat sich sogar zu einem augenzwinkernden „So ein bisschen Glitzer im Leben schadet nicht“ hinreißen lassen.<br>Aber das Einhorn kam nicht alleine, sondern brachte seine ganz eigene Mentalität mit sich: Sprüche wie „Mir reicht’s, ich geh mein Einhorn streicheln“ und „Realität ist was für Menschen, die Angst vor Einhörnern haben“ zierten plötzlich Brotdosen, Turnbeutel und T-Shirts. Und zugegeben, das traf den Zeitgeist, denn wer beispielsweise Trump Präsident werden gesehen hat, dem kann man den Wunsch nach ein wenig Realitätsflucht nicht übelnehmen.<br>Doch irgendwann war auch das Einhorn vollkommen im Mainstream angekommen und aus Eskapismus, ein bisschen Surrealität und einem Hauch Magie wurde in erster Linie Kitsch, Kommerz und Karnevalskostüm. Inzwischen lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen: der Einhorn-Trend ist totgeritten. Doch seit einigen Monaten dominiert ein neuer Kandidat den Trendtier-Markt: das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</p>



<p>Und dieser Trend ist deutlich sichtbar: auch in Augsburg kommt man kaum mehr an einem Geschäft vorbei, das keine Alpaka-Produkte führt. Schon aus dem Schaufenster schauen einen riesige Plüschversionen des beliebten Andenbewohners aus großen Kulleraugen an &#8211; Lama-Tassen,- Postkarten, &#8211; oder T-Shirts findet man in fast jeder Auslage. Aus Deutschland ist also das geworden, was Disney schon 2000 mit seiner „Kuzco“-Serie vorausgesagt hat: ein Königreich für ein Lama. Auch wenn das Alpaka durch seinen natürlichen Lebensraum in den Anden optimal auf steile Aufstiege vorbereitet ist, stellt sich trotzdem die Frage, wie es ihm so schnell gelungen ist, das noch vor kurzem so omnipräsente Einhorn zu verdrängen. Eine Spurensuche.</p>



<p>Am besten beginnt man vermutlich dort, wo heutzutage die meisten Trends entstehen: in den Untiefen des Internets. Und hier zeigt sich relativ schnell, warum das Alpaka als Lieblingstier des World Wide Web nahezu prädestiniert ist. Die oft treudoof dreinschauenden Weggefährten bieten auf allen Social Media Plattformen Steilvorlagen für zahlreiche Memes und Fotos, auf denen man Freunde verlinken kann. Wer schon mal ein Foto von einem frisch geschorenen Alpaka gesehen hat, wird dem Bedürfnis nur schwer widerstehen können, denjenigen Freund darauf zu markieren, der bei seinem letzten Haarschnitt eine eher fragwürdige Entscheidung gefällt hat. Und so ein Video von einem tiefenentspannt kauenden Lama lädt einfach dazu ein, Kommilitonen in der Prüfungsphase darauf mit einem witzigen Kommentar á la „Wir in der letzten Vorlesung, obwohl wir immer noch nichts für die Klausur gemacht haben“ zu taggen. Das Alpaka bietet also jede Menge Identifikationspotential für jegliche Lebenslagen. </p>



<p>Klar, hier kann man sicherlich zurecht einwenden, dass diese hohe Meme-Affinität auch auf zahlreiche andere Tiere zutrifft. Das Alpaka hat allerdings im Gegensatz zu Einhorn und Co. einen deutlichen Vorteil: man kann es auch hautnah im echten Leben betrachten. In Zoos, auf Bauernhöfen oder auf richtigen Alpaka-Farmen trifft man die flauschigen Wegbegleiter auch in Deutschland inzwischen zahlreich an. Das lässt sich sogar statistisch belegen: der Alpaka-Zuchtverband schätzt, dass sich die Zahl in Deutschland in den letzten 10 Jahren vervierfacht hat. Für den eingefleischten Fan ist es also deutlich einfacher, seine Liebe zu den flauschigen Tieren aus dem Netz ins echte Leben zu übertragen, als das bei anderen Internet-Helden wie Ottern und Erdmännchen der Fall ist. Alpakafarmen für Kindergeburtstage erfreuen sich größter Beliebtheit und auch Erlebnisdienstleister bieten zwischen Fallschirmsprüngen und Raftingtouren mittlerweile Alpaka-Wanderungen an. Fragwürdig ist sicherlich, ob es dabei zu ähnlich hohen Adrenalinausstößen kommt, gebucht werden sie aber trotzdem zahlreich. In den USA zieren die knuddeligen Tiere sogar Hochzeitsfotos. Weiße Schimmel vor der Hochzeitskutsche waren gestern, heutzutage fährt das Brautpaar in einem Alpaka-Wagen vor!  </p>



<p>Was außerdem ein Faktor beim Siegeszug des Alpakas vor dem Einhorn war: die beiden Tiere beschreiben unterschiedliche Lebensgefühle. Während das Einhorn als magischer Begleiter (Fantasie-)Welten lediglich dekoriert, weiß das Alpaka sich in den entscheidenden Momenten durch energisches Spucken zu verteidigen. So gesehen kann das Alpaka auch als logische Fortsetzung des Einhorns betrachtet werden. Die Realitätsflucht hat sich auf Dauer nicht als praktikabel erwiesen und nun ist an ihre Stelle eine wehrhafte „Ich lass mir nicht alles gefallen“-Einstellung getreten. Oder anders gesagt: das Alpaka demonstriert auf den „Fridays for Future“-Veranstaltungen mit, während sich das Einhorn da schön rausgehalten hätte.</p>



<p>Zudem spricht das Alpaka auch eine ganz andere Klientel als das Einhorn an. Auch wenn sich während der Hochphase des gehörnten Magiewesens erstaunlich viele erwachsene Frauen, die der „Prinzessin Lilifee“-Phase schon lange entwachsen sind, mit Einhorn-Accessoires zeigten, hielt sich die männliche Bevölkerung bei diesem Trend zum größten Teil vornehm zurück. Ganz anders beim Alpaka: mangels pinken Schweifs, glitzernden Hufen und bunter Mähne bietet sich das Alpaka als Trend- und Identifikationstier für jedermann an. Die wenigsten Männer wären wohl auf die Idee gekommen, einen Freund unter einem Einhorn-Bild zu markieren. Aber den Kollegen schnell auf Facebook auf einem Video von einem enthusiastisch hüpfenden Alpaka markieren („Endlich Wochenende“) &#8211; kein Problem.</p>



<p>Soweit so gut, könnte man nun denken, dann werden wohl auch die nächsten Jahre im Zeichen des Alpakas stehen. Aber seit einiger Zeit zeichnet sich ein neuer Hype an der Trendtier-Front ab: das Faultier. Obwohl es schon vor einigen Jahren einen kurzen Aufschwung erlebt hat, gewinnt es in letzter Zeit zusehends an Beliebtheit. Woran das liegt? Nun ja, vergleicht man es in den vorher genannten Punkten mit dem Alpaka, zeichnen sich frappierende Ähnlichkeiten ab. Allen voran eignet sich das Faultier ebenfalls hervorragend, um Freunde auf Bildern zu markieren. Die natürliche Gemütlichkeit der Dschungelbewohner bietet einfach eine Steilvorlage für sämtliche Witze der Kategorie „Du, wenn du wieder den ganzen Sonntag im Bett verbringst“ oder „Ich, wenn mir jemand sagt, ich sollte mal wieder Sport machen“. Auch der 2016 erschienene Film „Zootopia“ hat zum Hype beigetragen. Millionenfach wurde der kurze Videoclip auf YouTube geklickt, in dem sich zwei Beamte in einer Behörde (verkörpert durch Faultiere) in minimaler Geschwindigkeit einen Witz erzählen und damit den ganzen Arbeitsbetrieb aufhalten. Einfach, witzig und für jeden nachzuvollziehen, der auf dem Amt schon mal drauf gewartet hat, dass sein Antrag ausgefüllt wird.  </p>



<p>Einen gravierenden Unterschied gibt es
jedoch: Faultiere kann man hierzulande ausschließlich in Zoos
betrachten. Private Faultierhalter und -farmen existieren wohl kaum.
Erschwerte Bedingungen für den Aufstieg zum nächsten Trendtier.
Außerdem schlecht für&#8217;s Marketing: es liegt in der Natur der
tiefenentspannten Tiere, dass Erlebnistouren wie
„Faultier-Wanderungen“ eher schlecht zu realisieren sind.</p>



<p>Was sagt uns die Erfolgsgeschichte des relaxten Dschungelbewohners aber jetzt eigentlich über uns als Gesellschaft? Nach der Realitätsflucht durch die Einhörner und der wehrhaften Episode der Alpakas, folgt nun das gechillte Faultier, das zu sagen scheint „Hey, nimm dein Leben einfach nicht zu ernst“. Sie verkörpern durch ihren entspannten Lebensstil die Mentalität eines kalifornischen Surfers und würde es ihnen dafür nicht an zwei bis drei Fingern mangeln, sie würden vermutlich ständig den Surfer-Gruß zeigen. Auch wenn „Hang Loose“ in ihrer natürlichen Umgebung lebensgefährlich wäre.  Das Faultier sieht alles ganz gelassen und entspannt, das passt hervorragend zu Trendsportarten wie Yoga und Meditation und dem Bestreben, zu mehr Natürlichkeit und innerer Zufriedenheit zurückzukehren. Abzuwarten bleibt,  ob diese inneren Werte die Kommerzialisierung überleben werden.  <br>Ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann man sagen: Das Faultier ist auf dem Vormarsch. Auf sichere Indikatoren wie die Einführung eines Faultier-Emojis warten wir zwar bis jetzt vergeblich, allerdings findet man im Einzelhandel zwischen Alpaka-Produkten auch immer häufiger Shirts, Brotdosen und Karten mit Faultier-Aufdruck. Ob das Alpaka vollkommen verdrängt wird, ist allerdings fraglich. Denn das kann sich ja notfalls gegen sämtliche Trendtier-Konkurrenz gut zu Wehr setzen.  </p>
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		<title>Spielplatz der Namenlosen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2014 22:36:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[4chan]]></category>
		<category><![CDATA[internet]]></category>
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		<category><![CDATA[meme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Forum 4chan.org gilt als anarchische Ecke des Internets, Heimat der Bewegung Anonymous und Wiege diverser Internettrends. Wie viel Wahrheit steckt hinter dem Mythos? Eine Erkundungstour. Text: Michael Müller, Illustration: Natalia Sanderson Die Reise in einen der Hinterhöfe des Internets beginnt an einem Freitagabend....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2014/01/4chan-forum-internettrends/">Spielplatz der Namenlosen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Forum 4chan.org gilt als anarchische Ecke des Internets, Heimat der Bewegung Anonymous und Wiege diverser Internettrends. </strong><strong style="font-size: 1em; line-height: 1.5em;">Wie viel Wahrheit steckt hinter dem Mythos? </strong><strong style="font-size: 1em; line-height: 1.5em;">Eine Erkundungstour.</strong></p>
<h5 style="text-align: center;"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/4chan.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1898" alt="4chan" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/4chan.png" width="1200" height="700" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/4chan.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/4chan-400x233.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/4chan-1024x597.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><br />
</a>Text: Michael Müller, Illustration: Natalia Sanderson</h5>
<p style="text-align: left;">Die Reise in einen der Hinterhöfe des Internets beginnt an einem Freitagabend. Das fahle Licht des Bildschirms leuchtet meine Wohnung aus, als ich kurz nach elf zum ersten Mal in meinem Netzleben die Seite <a href="http://4chan.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer" class="broken_link">4chan.org</a> aufrufe. Viele Leute, mit denen ich in den letzten Wochen für <i><span style="text-decoration: underline;">presstige</span></i> über Internet-Trends sprechen wollte, verwiesen mich auf dieses Forum. Es soll, wenn auch unbekannt, eine wichtige Rolle dabei spielen, welche Clips und Bilder den Sprung vom Gag zum Hype im Web schaffen.</p>
<p>Der erste Eindruck verrät diese Bedeutung nicht. 4chan sieht noch sehr nach jenem alten Web 1.0 aus, das mehr zum Beobachten als zum Mitmachen geeignet war. Die Startseite enthält kaum mehr als eine Auflistung der Unterforen. Das populärste von ihnen und für viele synonym mit 4chan ist /b/, dessen Thema schlicht &#8220;Random&#8221; lautet. Nirgendwo auf der Seite wird mehr gepostet als hier, finden sich mehr Tabubrüche, aber auch mehr Beiträge, die das Potenzial haben ein Mem zu werden.</p>
<p><a href="http://knowyourmeme.com/memes/memes" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meme sind meist kleine Gags</a>, die sich durch Kommunikation massenhaft verbreiten. Dabei sind sie umso erfolgreicher, je einprägsamer und leichter sie zu verbreiten sind. Über große Aufmerksamkeit können sie sich ins kollektive Bewusstsein der Internetgemeinde einbrennen, doch irgendwo müssen sie geboren werden. Ein Ort, an dem spätere Meme immer wieder zum ersten Mal auftauchen, ist dieses Forum.</p>
<blockquote><p><strong>Schwerpunkt: Internet</strong></p>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="37%" />
<col width="63%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" alt="" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Themenwoche-Bild_Kasten.png" /></td>
<td>Auch wenn wir es mit der NSA und anderen Datensammlern teilen müssen: Das Internet bleibt unser Zuhause. Wir essen und schlafen vorläufig noch analog, aber sonst findet unser Leben zunehmend im Netz statt. Darum widmet die presstige-Redaktion dem Internet einen Schwerpunkt. Alle bisher erschienenen Beiträge <a href="http://presstige.org/tag/internet/">sind hier gesammelt</a>.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Von seinen Usern wird das Forum als Hort von Kreativität, Witz und Freiheit beschrieben, doch an der Pforte zu /b/ erwartet mich zunächst ein Disclaimer. Demnach handele es sich um eine Seite ausschließlich für Erwachsene und hafte der Betreiber für keinerlei Schäden, zu denen ein Besuch des Boards führen kann. Auch wenn eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber standardisierten Geschäftsbedingungen oder Warnungen eine fast übliche Nebenwirkung des Internets darstellt, wird mir hier bereits zum ersten Mal mulmig. Das hängt mit den Mythen zusammen, die sich um 4chan weben.</p>
<p>Hier kann jeder Beiträge verfassen, ohne sich registrieren zu müssen, weshalb alle Autoren unter &#8220;Anonymous&#8221; firmieren. Das macht die Seite zu einem der Geburtsorte der gleichnamigen Bewegung. Also kann am anderen Ende der Leitung immer eine Person sitzen, die technisch fähig ist, beträchtliche Schäden anzurichten. Die &#8220;<a href="http://knowyourmeme.com/memes/rules-of-the-internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rules of the Internet</a>&#8220;, eine Art Kodex der Aktivisten, legen dies auch nahe.</p>
<h3>Geburtsort von Anonymous</h3>
<p><span style="font-size: 1em; line-height: 1.5em;">Dort bezeichnet sich &#8220;Anonymous&#8221; als teilweise furchtbares, gefühl- und rücksichtsloses Monster, das niemals vergebe. Eine andere wichtige Regel, niemals über /b/ zu sprechen, plane ich zudem gerade zu brechen. In Verbindung mit allem, was ich über Cyberattacken der Gruppe im Laufe der letzten Jahre gehört habe, traue ich mich nicht am Disclaimer vorbei, bevor ich mehr über all das weiß, was mich dahinter erwartet.</span></p>
<p>Das Internet ist voller Bezüge zur 2003 gegründeten Community. Dabei stößt man vor allem auf relativ drastische Provokationen, die von ihren Usern ausgehen. Alle Aktionen, welche den eingegrenzten Bereich des Forums verlassen, werden dabei als <i>raids,</i> Überfälle, bezeichnet. Opfer kann dabei potenziell jeder werden. Angriffe auf die Internetkultur, oder gar direkt auf Anonymous oder 4chan, werden gerne zu einem Mem auf Kosten des Urhebers verarbeitet. Prominentestes Beispiel ist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=kkAngvkWVkk" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein offensiver Beitrag</a> des US-Senders Fox News, der die Aktivisten als &#8220;Hacker auf Steroiden&#8221; bezeichnet.Genauso hat es aber auch Angriffe auf öffentliche Plattformen oder die Accounts von Privatpersonen gegeben, die das Internet zuvor nur für alltägliche Aktivitäten genutzt haben.</p>
<p><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-1.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1900" alt="Screen 1" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-1.png" width="1200" height="569" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-1.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-1-400x189.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-1-1024x485.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p>Viele solcher Angriffe, von gehäuften Drohanrufen über Spam-Attacken bis hin dazu, ganze Server lahmzulegen, sind über 4chan koordiniert worden. Die <a href="https://encyclopediadramatica.es/Main_Page" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Encyclopedia Dramatica</a>, so etwas wie eine von den Usern selbst angelegte Chronik des Forums, dokumentiert neben allen anderem, was auf 4chan geschieht auch diese Angriffe und deren Erfolg. Der einzige Zweck, den dieser Teil von Anonymous mit ihnen verfolgt, liegt darin, innerhalb der Gemeinschaft selbst möglichst viele Lulz zu erzielen, also einen Scherz zu machen, der besonders gut ankommt.</p>
<p>Der Humor in /b/ ist ohnehin mehr als gewöhnungsbedürftig, was viele Besucher schnell wieder vertreibt. <a href="http://bits.blogs.nytimes.com/2010/03/19/one-on-one-christopher-poole-founder-of-4chan/?_r=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nach Aussagen des Gründers</a> ist 4chan aus Langweile entstanden, die auch seine Nutzer zu vertreiben suchen. Dabei entstehen durchaus auch Witze, die außerhalb des Boards Beachtung finden, doch vieles ertrinkt in Frauenfeindlichkeit, Rassismus oder dem Bruch anderer sozialer Tabus. Schlagende Erfolge außerhalb des Forums werden nur unverfänglichere Ideen, <a href="http://www.viddler.com/v/26833ca9" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie die <em>lolcats</em></a>, um witzige Kommentare angereicherte Katzenbilder.</p>
<h3>Eine halbe Milliarde Posts</h3>
<p><span style="font-size: 1em; line-height: 1.5em;">4chan scheint also eine eigene Welt, die ich, wen überhaupt, nur verstehen werde, wenn ich sie betrete. Seine explosive Mischung aus Kreativität und Rücksichtslosigkeit lässt mich den zweiten Versuch jedoch lieber von einem Internetcafé aus in Angriff nehmen. Die Atmopshäre ist dabei vergleichbar mit dem oben erwähnten Freitagabend. Durch das kleine Fenster des Raumes fällt an einem Regennachmittag kaum Licht hinein, weshalb der Raum hauptsächlich vom blauen Flimmern der Computerbildschirme beleuchtet wird.</span></p>
<p>Durch einen Klick überspringe ich den Disclaimer und lande: im Chaos. Die einfache optische Struktur bleibt bestehen, nur dass nun unzählige, zumeist mit Bildern versehene Beiträge der User in einer schier endlosen Reihung angezeigt werden. Die Anzahl der Posts in /b/ liegt über 523 Millionen. Dabei hat 4chan eine begrenzte Kapazität, weshalb jeder neue Post den ältesten verdrängt, wobei einige User das Verfallene an anderer Stelle archivieren. Der Ansturm neuer Einträgen ist immens. Bei jedem Reload hat sich etwas geändert, selbst wenn nur kurze Zeit vergangen ist. Kommentare sind oft in einem nahezu unverständlichen Slang verfasst und umfassen häufig nicht mehr als wenige Worte. Zum Beispiel antwortet ein User auf das Foto ein jungen Frau schlicht mit &#8220;worth a fap&#8221;. Das ist noch einer der einfachen Fälle, weil man sich hier noch denken kann, was es wohl heißen soll.</p>
<p>Vieles Verständliche ist vulgär und stark sexualisiert. Neben Bildern nackter Frauen oder Fragen nach Tipps, wie man bei einem Mädchen landen könne, betiteln User einander beispielsweise meistens als fags (&#8220;Schwuchteln&#8221;) oder &#8220;/b/tards&#8221;. Trotz dieser Auffälligkeiten erscheint mir /b/ jedoch vor allem unübersichtlich und irgendwie anarchisch. Es werden dort genauso Best-of Listen erstellt, Verschwörungstheorien aufgegriffen, oder einfach nur um Zerstreuung gebeten, da man gerade krank im Bett liege.</p>
<p><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-2.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1901" alt="Screen 2" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-2.png" width="1200" height="578" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-2.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-2-400x192.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/Screen-2-1024x493.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p>Das Chaos und die hohe Aktualität entfalten schnell eine starke Sogwirkung. Nach einer halben Stunde beginne ich zu glauben, dass hier vielleicht wirklich Trends entstehen können und blättere mich durch seitenweise Einträge, in der Hoffnung, einen als erster zu erkennen. Später fange ich an, im Minutentakt die Startseite des Unterforums zu aktualisieren. Alles ohne Erfolg.</p>
<h3>Vom Hinterhof zurück in die Sonne</h3>
<p>Wahrscheinlich würde mir im schrillen Durcheinander von /b/ eine solche Rarität auch überhaupt nicht auffallen. Ich finde keinen Beitrag, dessen Resonanz über zwei bis drei (meist beleidigende) Kommentare hinaus ginge. Ein neuer Trend müsste hunderte Reaktionen hervorrufen, bis er wohl von Usern auf weiteren Umschlagplätze im Netz wie <a href="http://reddit.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer" class="broken_link">reddit.com</a> verbreitet würde. Nur so erhält das Mem genügend Aufmerksamkeit, um auch von Google oder anderen Giganten verbreitet und damit Phänomen des gesamten Internets zu werden.</p>
<p>Schnell weicht die Faszination also der ernüchternden Erkenntnis, das man wohl nennenswerte Teile seines Lebens in 4chan verbringen muss, um sich in den wirren Dialog der User wirklich einbringen zu können &#8211; oder ihn auch nur zu verstehen.</p>
<p>Nach drei Stunden beschließe ich, in Zukunft den Hinterhof des Internets besser wieder gegen seine sonnigen Boulevards einzutauschen. Die Frau an der Kasse des Internetcafés lächelt, als ich meine Reisekosten begleiche.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2014/01/4chan-forum-internettrends/">Spielplatz der Namenlosen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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