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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Feldforschung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michaela Blaschek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jun 2022 12:22:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine unterhaltsame Kurzgeschichte für zwischendurch über drei sehr merkwürdige "Wissenschaftler" mit dubiosem Auftrag.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/06/feldforschung/">Feldforschung</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p>Es klopfte. YVP7 streckte sich, um gerade so durch den Türspion linsen zu können. Mit seinen spinnenartigen Fingern drückte er die Türklinke hinab. Z9FJ stürmte an ihm vorbei. Er schrie und zeterte und sprang im Wohnzimmer auf und ab. Er veranstalte ein solches Theater, dass YVP7 kurz zur Tür hinauslugte, um nachzusehen, ob das jemand mitgekriegt hatte. Der Parkplatz des Motels war aber zum Glück menschenleer. Z9FJ ließ indes schrill verlauten: „Hilf mir aus diesem Anzug raus!“</p><p>KQ5R saß kichernd auf einem Küchenstuhl und amüsierte sich über die unkontrollierten Bewegungen seines Kollegen. Er dachte nicht im Traum daran, ihm zur Hilfe zu eilen. Z9FJ fuchtelte mit seinen menschlichen Händen wild herum.</p><p>„Schaut nur, was sie mit mir gemacht haben. Dieses durchsichtige Krustentier hat sich in meine Finger verbissen.“</p><p>YVP7 näherte sich ihm vorsichtig und spähte aus sicherer Distanz auf die Menschenhände. In der Tat: die fünf Finger, die sich in normalem Zustand auf vielfältige Weise bewegen konnten, waren an den Spitzen scheinbar verschmolzen. Ein undefinierbares krustige Tier umschloss sie fest. Ein kalter Schauer überlief YVP7, doch er musste als Kommandant nun einmal Ruhe bewahren.</p><p>„Nun holen wir dich erst einmal aus diesem Ding raus.“ Er öffnete das versteckte Bedienungspult im Rücken und drückte zwei Knöpfe. Der Mensch fiel von Z9FJ ab und wabbelte als Häufchen Glibber mit Klamotten auf dem Boden herum. Z9FJ atmete erleichtert auf und betrachtet seine echten drei Finger, die von der Attacke unversehrt geblieben waren.</p>								</div>
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									<p>„Wie ist das überhaupt passiert?“, mischte sich KQ5R ein.</p><p>„Es hat mich angefallen, als ich diese Tube geöffnet habe.“ Angewidert wies er auf die Einkaufstasche, die er beim Hereinkommen auf den Boden hatte fallen lassen. Die drei Aliens näherten sich dem Jutebeutel mit äußerster Vorsicht. Das angriffslustige Wesen konnte noch immer dort lauern. Vorsichtig lugten sie in die Tasche hinein. Es bewegte sich nichts darin, also beschloss YVP7 als mutiger Anführer voranzuschreiten. Er packte eine Ecke des Beutels und leerte seinen Inhalt mit einem Ruck aus. Alle drei sprangen ein paar Schritte zurück und erwarteten entsetzt den Angriff der fremden Spezies. Doch auch von den verstreuten Utensilien auf dem Boden regte sich keines. KQ5R entdeckte die gelbe Tube als erstes und deutete aufgeregt darauf. Keiner traute sich, ein Wort zu sagen, um das gefährliche Wesen nicht aufzuschrecken. Wieder näherten sie sich vorsichtig. Aus der Spitze der Tube trat ein wenig der durchsichtigen Materie hervor. Allerdings war sie nun nicht hart und verkrustet, sondern weich und biegsam.</p><p>„Ich habe sie geöffnet, weil „Super“ draufstand“, wisperte Z9FJ „Wisst ihr noch? Diese Vokabel hatten wir doch im Unterricht und „super“ bedeutet etwas Positives und Tolles, oder nicht?“</p><p>„Ja, schon, aber was bedeutet das zweite Wort?“</p><p>Die Aliens beugten sich tiefer herunter. „Superglue“ stand in schwarzen Buchstaben auf der Tube.</p><p>„Kadett KQ5R, was bedeutet das Wort „Glue“?“</p><p>„Ähm, ich weiß es nicht, Kommandant. Das haben wir noch nicht durchgenommen.“</p><p>YVP7 war mit der Leistung seiner Kadetten höchst unzufrieden.</p><p>„Da es sich scheinbar um eine angriffslustige und gefährliche Spezies handelt, die nicht näher klassifiziert werden kann, ordne ich hiermit die Vernichtung an.“</p><p>KQ5R zog seine Pistole und schoss Laserstrahlen auf die zu vernichtende Erscheinung. Die Tube ging in Flammen auf und war binnen Sekunden nur noch ein winziges Häuflein Asche am Boden.</p><p>Auch der Menschenanzug von Z9FJ wurde aus Sicherheitsgründen eliminiert. Die drei Aliens entspannten sich dank der gebannten Gefahr.</p><p>„Was sollen wir denn später in unseren Bericht schreiben, Kommandant? Sollen wir den Vorfall schildern?“</p>								</div>
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									<p>YVP7 lief nachdenklich im Zimmer auf uns ab. „Es könnte ein schlechtes Licht auf uns werfen, dass wir eine neue, unbekannte Spezies vernichtet haben. Eventuell handelt es sich um eine sehr seltene Art. Nein, wir verschweigen den Vorfall besser und ersetzen den Menschenanzug Modell „Jeremy“ lieber, ohne dabei Aufsehen zu erregen.“</p><p>KQ5R nickte zustimmend, doch Z9FJ wiegte zweifelnd den Kopf.</p><p>„Aber was sollen wir anstatt des Vorfalls im Bericht schreiben?“</p><p>„Guter Einwand. KQ5R, welche neuartige Entdeckung hast du während der Feldforschung gemacht?“</p><p>KQ5R stürmte zu seiner Plastiktüte und zog ein seltsam geformtes Stück Stoff hervor. Es bestand aus einem unregelmäßigen Band, an dem zwei hohle Halbkugeln befestigt waren.</p><p>„Dies habe ich von einer Leine im Garten einer Frau mitgebracht, an der noch andere Kleidungsstücke hingen.“</p><p>„Sehr gute Arbeit, Kadetten. In eurem Bericht werdet ihr erläutern, wozu dieses sonderbare Kleidungsstück gut ist.“</p><p>YVP7 setzte eine zufriedene Miene auf und telepathierte an das Raumschiff, dass das Forscherteam seine Arbeit erledigt hatte und zurückgebeamt werden wollte.</p><p>KQ5R und Z9FJ sahen sich hektisch an.</p><p>„Aber Kommandant… wozu ist das Ding denn nun gut?“</p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/06/feldforschung/">Feldforschung</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Die Leiden des jungen Blobfischs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michaela Blaschek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Jan 2022 09:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine unterhaltsame Kurzgeschichte für zwischendurch. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/01/die-leiden-des-jungen-blobfischs/">Die Leiden des jungen Blobfischs</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p>Sie erkannte an den fest zusammengepressten Lippen, dass Ärger im Anmarsch war. Ärger hatte zwei Sekunden zuvor die Tür ruckartig aufgestoßen. Sie stand nackt vor ihm und rubbelte sich mit einem Handtuch die Haare trocken. Das Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Er verharrte kurz, und für den Bruchteil einer Sekunde nahm sein Gesicht einen liebevollen und sehnsüchtigen Ausdruck an. Sie liebte es, wenn er sie so ansah. Dadurch fühlte sie sich jedes Mal wie Aphrodite persönlich. Die zusammengepressten Lippen kehrten schneller als ihr lieb war, zurück.</p><p>„Hast du die Balkontür aufgelassen?“</p><p>Eine eindeutige Drohung schwang in dieser lapidaren Frage mit.</p><p>„Kann schon sein, keine Ahnung.“ Sie zuckte die Schultern und schlüpfte in ihren Bademantel. Ein ungläubiges Schnauben entwich ihm und er starrte sie hasserfüllt an. Packte der‘s noch?</p><p>„Was ist bitte dein Problem? Du kommst hier rein und schnauzt mich grundlos an. Bis eben hatte ich gute Laune. Schönen Dank auch.“</p><p>Seine Augen formten sich zu Schlitzen. „Eine einfache Frage, Nathalie. Hast du die Balkontür offengelassen oder zugemacht, bevor du duschen gegangen bist?“</p><p>Sie sah es gar nicht ein, ins Kreuzverhör genommen zu werden. „Hallo? Es ist eine fucking Tür. Draußen hat es 40 Grad im Schatten und hier drinnen kochen die Zimmerpflanzen sich selbst ein. Es macht keinen Unterschied, ob die blöde Tür offen oder zu ist!“</p><p>„Dein verdammter Kater hat meinen Ferdinand ermordet!“ Er brüllte sie beinahe an. Für einen kurzen Augenblick war sie sprachlos. Emil stürmte ohne ein weiteres Wort aus dem Badezimmer. Sie rannte ihm hinterher. „Hey, jetzt warte mal. Das kann doch gar nicht sein.“</p><p>In einer dramatischen Bewegung wirbelte er herum. „Ach ja? Und was ist dann das da?“ Er zeigte auf ein Stück Küchenpapier auf dem Esstisch. Sie trat näher und inspizierte den bewegungslosen Fisch, der darauf lag. Der Bauch war aufgeschlitzt, das Ding regte sich nicht mehr. Die Beinchen standen reglos vom Körper weg. Obwohl sie diese glitschigen Viecher verabscheute, überrollte sie eine Welle aus Mitleid. Sie sah zu dem Aquarium an der Wand. Dort paddelten die anderen drei Haustiere ihres Freundes vor sich hin; ahnungslos, dass sie ihren Kumpanen nie wieder sehen würden.</p><p>Sie wollte Emil trösten, doch der durchbohrte sie mit eiskalten Blicken. „<em>Du</em> bist daran schuld. Du und dein vermaledeiter Flohzirkus.“</p><p>Seine haltlosen Anschuldigungen ließen Wut in ihr hochkochen.</p><p>„Er ist nicht mein Kater und das weißt du ganz genau. Außerdem ist hier noch gar nichts bewiesen. Und überhaupt hast du noch drei andere Blobfische, also warum regst du dich eigentlich so auf?“</p><p>„Das sind keine Blobfische! Das sind Axolotls!“</p>								</div>
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									<p>Nun schrien sie sich wirklich an. Die Nachbarn würden jedes Detail ihres Streits mitbekommen. Nicht, dass es die beiden gekümmert hätte.</p><p>„Meine Güte, es sind einfach nur Fische. Hör auf, sie wie Familienmitglieder zu behandeln.“</p><p>„Axolotls sind aquatil lebende Amphibien! Und das sagt gerade die Frau, die die Drecksviecher vom Nachbarn anfüttert, um mit ihnen Geisterbeschwörungen zu veranstalten.“</p><p>Nathalie stürmte wutentbrannt zur Balkontür und rüttelte wie eine Wahnsinnige an der Klinke. Sie war fest verschlossen, auch wenn das wahrscheinlich daran lag, dass Emil sie nach dem Vorfinden des Massakers geschlossen hatte.</p><p>„Guck. Ich hab die blöde Tür nicht aufgelassen, verdammt! Und Milo kommt um diese Uhrzeit gar nie auf unseren Balkon!“</p><p>„Die Tür war offen, als ich Ferdinand gefunden habe!“</p><p>„Das ist kein Beweis, dass Milo es getan hat!“</p><p>„Dieses Vieh hat meinen Axolotl auf dem Gewissen!“</p><p>Ohne ein weiteres Wort riss sie die Balkontür auf und schmiss sie hinter sich wieder ins Schloss. Das Glas trennte sie nun, doch die unausgesprochenen Vorwürfe und Wutschreie sickerten ungefiltert hindurch. Einen Augenblick lang starrten sie sich mit funkelnden Augen an. Sie konnte nicht fassen, wie kindisch er sich benahm. Er konnte nicht fassen, wie sie dreist jegliche Schuld abstritt. Nathalie drehte sich auf dem Absatz um und begann nach Milo zu rufen. Ein schmales Holzbrett führte vom Balkongeländer steil nach unten auf die Wiese. Sie hatte es dort befestigt, damit Milo zu ihnen hinaufgelangte. Ein kurzer Gewissensbiss packte sie. Nein. Sie würde jetzt nicht nachgeben und um Verzeihung heischend auf dem Boden herumkriechen. Diese Genugtuung würde sie ihm nicht geben. Es war bloß ein blöder Fisch. Bekam man für 5€ das Stück in der Tierhandlung. Emil hatte kein Recht, sie so anzufahren.</p><p>Milo erschien nicht. Dafür ein wutschnaubender Emil im Türrahmen.</p><p>„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Seine Stimme war kaum mehr ein Knurren. Wütend schoss sie zurück: „Du hast ihm bestimmt etwas angetan, gib’s zu! Du widerlicher Katzenhasser. Milo ist für dich immer an allem schuld.“</p><p>Sie steigerte sich so sehr hinein, dass sie eine riesige Emotionswelle überrollte. Eine irrationale Angst befiel sie und sie verspürte den Drang, irgendetwas nach Emil zu werfen. Irgendetwas schweres und kantiges.</p>								</div>
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									<p>„Willst du mich verarschen? Der hockt jetzt irgendwo im Schatten und leckt sich genüsslich die Pfoten. Aber klar, ich bin hier der Böse! Dir ist es doch scheißegal, dass ich das Vieh noch nie ausstehen konnte. Dir ist immer alles scheißegal, wenn es um mich geht. Wieso solltest du auch Kompromisse machen? Ich bin ja nur dein Freund.“</p><p>Er redete sich so in Rage, dass kleine Tröpfchen Spucke aus seinem Mund sprühten.</p><p>„Ah super, jetzt packen wir also die Strohmann-Argumente aus. Weißt du was? Du bist ein Riesen Arschloch. Ich wollte deine blöden Blobfische auch nicht in unserer <em>gemeinsamen</em> Wohnung haben. Aber wurde ich gefragt? Natürlich nicht. Sorry, dass ich mir mein eigenes Haustier gesucht habe!“</p><p>„Es ist nicht mal dein Haustier! Er gehört unseren Nachbarn und ist dort bestens versorgt. Kein Wunder, dass du das noch nicht mitgekriegt hast. Du lebst ja in deiner eigenen, egozentrierten Welt!“</p><p>Das war so unerhört, dass sie nur atemlos schnauben konnte. Doch gleich darauf fand sie ihre Stimme wieder: „Das sagt gerade Mr. &#8216;Meine-Persönlichkeit-besteht-aus-BWL-und-Axolotls&#8217;! Wie kann man nur so unfassbar langweilig sein?!“</p><p>Hätten seine Blicke töten können, läge sie jetzt neben dem aufgeschlitzten Axolotl auf dem Küchentisch. Wortlos drehte er sich um und verschwand im Schlafzimmer. Sollte der doch angepisst sein. Dämlicher Spießer. Fucking Langweiler! Sie trat heftig gegen den Holzstuhl. Er knarzte leidend. Super! Noch so ein Weichei.</p><p>Frustriert ließ sie sich darauf fallen. Stur wie ein Esel nur wegen eines blöden Fischs. Sie verschränkte die Arme und starrte bitterböse vor sich hin. Ganze zehn Minuten gelang ihr das prima. Sie musste sich lediglich Emils Anschuldigungen wieder und wieder ins Gedächtnis rufen. Das Ding mit der Wut war, dass sie wortwörtlich verrauchte, wenn man ihr ein Ventil gab. Und das hatte sie zur Genüge bekommen. Es passte Nathalie nicht in den Kram. Am liebsten hätte sie diesen hasserfüllten Zustand für immer aufrechterhalten. Was fiel diesem Vollidioten ein, sie so anzugehen? Dazu hatte er kein Recht. Egal, wie verletzt er eventuell, vielleicht, wahrscheinlich gewesen war.</p><p>Das kurzangebundene „Miau“ zu ihrer Linken holte sie aus ihrer Starre. Milo strich schnurrend um ihre Knöchel. Sie hob den Kater auf den Schoß und inspizierte ihn eingehend. Keine Blutspuren an den Tatzen. Auch das Maul sah sauber aus. Wenn sie hier den Täter vor sich hatte, so hatte dieser seine Spuren gut verwischt. Oder weggeschleckt, um genau zu sein. Der Täter. Milo sah nicht aus wie ein Täter. Er war kuschelig und weich und schnurrte wohlig. Die anderen drei Axolotls schwammen friedlich in ihrem Aquarium dahin. Ferdinand konnte sie von hier nicht sehen. Nur das weiße Küchenpapier lag dort wie ein Leichentuch.</p>								</div>
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									<p>Realistisch betrachtet hatte Milo Ferdinand wahrscheinlich getötet. Katzen und Aquarien – diese Leidensgeschichte würde nie enden. Sie setzte den Kater zu Boden und ging zu Ferdinand. Er lag dort in derselben Position wie vor zwanzig Minuten. Die viel geehrte Totenruhe hatten sie beide erfolgreich zerstört.</p><p>Nathalie legte Ferdinand, den Axolotl, mitsamt Küchenpapier in eine alte Zigarrenschachtel; ein Erbstück ihres Großvaters. Sie zog sich etwas über, suchte sich eine kleine Schaufel und ging hinunter in den Vorgarten. Neben einer hübschen blauen Blume grub sie ein Loch. Sie grub tief. Niemand sollte Ferdinands ewig Ruhe von nun an stören. Die Erde fiel scheppernd auf die kleine Holzkiste. Nathalie wischte sich salzige Tropfen aus der Stirn. Bei diesen Temperaturen sorgte selbst die kleinste Anstrengung für Schweißausbrüche.</p><p>Auf den angehäuften kleinen Erdhügel legte sie aus Steinen ein Kreuz. Dann richtete sie ein paar Worte an Gott. Sie redete nicht oft mit ihm und kam sich komisch dabei vor. Ein Paar Arme zog sie an einen warmen Oberkörper. Emil legte sein Kinn auf ihre Schulter. Schweigend betrachteten sie das Grab. Niemand sagte etwas, niemand entschuldigte sich. Sie waren schließlich auf der Beerdigung von Ferdinand, dem Axolotl, und deshalb ging es nur um ihn.</p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/01/die-leiden-des-jungen-blobfischs/">Die Leiden des jungen Blobfischs</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Feb 2019 11:35:31 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/das-einhorn-ist-tot-lang-lebe-das-alpaka/">Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-10805" width="459" height="688" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg 683w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-267x400.jpg 267w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-768x1152.jpg 768w" sizes="(max-width: 459px) 100vw, 459px" /><figcaption> <br>© unsplash/ <a href="https://unsplash.com/@carlos_ruizh">Carlos Ruiz Huaman</a> </figcaption></figure>



<p>Es hatte ja wirklich schön angefangen zwischen dem Einhorn und uns: als Anfang 2017 zunächst zahlreiche Posts und Fotos zum Thema durchs Netz geisterten und der Hype sich langsam aber sicher auch im Einzelhandel abzeichnete, standen die meisten dem wiederentdeckten Fabelwesen durchaus neutral bis positiv gegenüber. Egal ob mit voller Überzeugung oder einer Prise Selbstironie, über das Motiv des gehörnten Phantasiepferds konnten viele zumindest lachen und manch einer hat sich sogar zu einem augenzwinkernden „So ein bisschen Glitzer im Leben schadet nicht“ hinreißen lassen.<br>Aber das Einhorn kam nicht alleine, sondern brachte seine ganz eigene Mentalität mit sich: Sprüche wie „Mir reicht’s, ich geh mein Einhorn streicheln“ und „Realität ist was für Menschen, die Angst vor Einhörnern haben“ zierten plötzlich Brotdosen, Turnbeutel und T-Shirts. Und zugegeben, das traf den Zeitgeist, denn wer beispielsweise Trump Präsident werden gesehen hat, dem kann man den Wunsch nach ein wenig Realitätsflucht nicht übelnehmen.<br>Doch irgendwann war auch das Einhorn vollkommen im Mainstream angekommen und aus Eskapismus, ein bisschen Surrealität und einem Hauch Magie wurde in erster Linie Kitsch, Kommerz und Karnevalskostüm. Inzwischen lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen: der Einhorn-Trend ist totgeritten. Doch seit einigen Monaten dominiert ein neuer Kandidat den Trendtier-Markt: das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</p>



<p>Und dieser Trend ist deutlich sichtbar: auch in Augsburg kommt man kaum mehr an einem Geschäft vorbei, das keine Alpaka-Produkte führt. Schon aus dem Schaufenster schauen einen riesige Plüschversionen des beliebten Andenbewohners aus großen Kulleraugen an &#8211; Lama-Tassen,- Postkarten, &#8211; oder T-Shirts findet man in fast jeder Auslage. Aus Deutschland ist also das geworden, was Disney schon 2000 mit seiner „Kuzco“-Serie vorausgesagt hat: ein Königreich für ein Lama. Auch wenn das Alpaka durch seinen natürlichen Lebensraum in den Anden optimal auf steile Aufstiege vorbereitet ist, stellt sich trotzdem die Frage, wie es ihm so schnell gelungen ist, das noch vor kurzem so omnipräsente Einhorn zu verdrängen. Eine Spurensuche.</p>



<p>Am besten beginnt man vermutlich dort, wo heutzutage die meisten Trends entstehen: in den Untiefen des Internets. Und hier zeigt sich relativ schnell, warum das Alpaka als Lieblingstier des World Wide Web nahezu prädestiniert ist. Die oft treudoof dreinschauenden Weggefährten bieten auf allen Social Media Plattformen Steilvorlagen für zahlreiche Memes und Fotos, auf denen man Freunde verlinken kann. Wer schon mal ein Foto von einem frisch geschorenen Alpaka gesehen hat, wird dem Bedürfnis nur schwer widerstehen können, denjenigen Freund darauf zu markieren, der bei seinem letzten Haarschnitt eine eher fragwürdige Entscheidung gefällt hat. Und so ein Video von einem tiefenentspannt kauenden Lama lädt einfach dazu ein, Kommilitonen in der Prüfungsphase darauf mit einem witzigen Kommentar á la „Wir in der letzten Vorlesung, obwohl wir immer noch nichts für die Klausur gemacht haben“ zu taggen. Das Alpaka bietet also jede Menge Identifikationspotential für jegliche Lebenslagen. </p>



<p>Klar, hier kann man sicherlich zurecht einwenden, dass diese hohe Meme-Affinität auch auf zahlreiche andere Tiere zutrifft. Das Alpaka hat allerdings im Gegensatz zu Einhorn und Co. einen deutlichen Vorteil: man kann es auch hautnah im echten Leben betrachten. In Zoos, auf Bauernhöfen oder auf richtigen Alpaka-Farmen trifft man die flauschigen Wegbegleiter auch in Deutschland inzwischen zahlreich an. Das lässt sich sogar statistisch belegen: der Alpaka-Zuchtverband schätzt, dass sich die Zahl in Deutschland in den letzten 10 Jahren vervierfacht hat. Für den eingefleischten Fan ist es also deutlich einfacher, seine Liebe zu den flauschigen Tieren aus dem Netz ins echte Leben zu übertragen, als das bei anderen Internet-Helden wie Ottern und Erdmännchen der Fall ist. Alpakafarmen für Kindergeburtstage erfreuen sich größter Beliebtheit und auch Erlebnisdienstleister bieten zwischen Fallschirmsprüngen und Raftingtouren mittlerweile Alpaka-Wanderungen an. Fragwürdig ist sicherlich, ob es dabei zu ähnlich hohen Adrenalinausstößen kommt, gebucht werden sie aber trotzdem zahlreich. In den USA zieren die knuddeligen Tiere sogar Hochzeitsfotos. Weiße Schimmel vor der Hochzeitskutsche waren gestern, heutzutage fährt das Brautpaar in einem Alpaka-Wagen vor!  </p>



<p>Was außerdem ein Faktor beim Siegeszug des Alpakas vor dem Einhorn war: die beiden Tiere beschreiben unterschiedliche Lebensgefühle. Während das Einhorn als magischer Begleiter (Fantasie-)Welten lediglich dekoriert, weiß das Alpaka sich in den entscheidenden Momenten durch energisches Spucken zu verteidigen. So gesehen kann das Alpaka auch als logische Fortsetzung des Einhorns betrachtet werden. Die Realitätsflucht hat sich auf Dauer nicht als praktikabel erwiesen und nun ist an ihre Stelle eine wehrhafte „Ich lass mir nicht alles gefallen“-Einstellung getreten. Oder anders gesagt: das Alpaka demonstriert auf den „Fridays for Future“-Veranstaltungen mit, während sich das Einhorn da schön rausgehalten hätte.</p>



<p>Zudem spricht das Alpaka auch eine ganz andere Klientel als das Einhorn an. Auch wenn sich während der Hochphase des gehörnten Magiewesens erstaunlich viele erwachsene Frauen, die der „Prinzessin Lilifee“-Phase schon lange entwachsen sind, mit Einhorn-Accessoires zeigten, hielt sich die männliche Bevölkerung bei diesem Trend zum größten Teil vornehm zurück. Ganz anders beim Alpaka: mangels pinken Schweifs, glitzernden Hufen und bunter Mähne bietet sich das Alpaka als Trend- und Identifikationstier für jedermann an. Die wenigsten Männer wären wohl auf die Idee gekommen, einen Freund unter einem Einhorn-Bild zu markieren. Aber den Kollegen schnell auf Facebook auf einem Video von einem enthusiastisch hüpfenden Alpaka markieren („Endlich Wochenende“) &#8211; kein Problem.</p>



<p>Soweit so gut, könnte man nun denken, dann werden wohl auch die nächsten Jahre im Zeichen des Alpakas stehen. Aber seit einiger Zeit zeichnet sich ein neuer Hype an der Trendtier-Front ab: das Faultier. Obwohl es schon vor einigen Jahren einen kurzen Aufschwung erlebt hat, gewinnt es in letzter Zeit zusehends an Beliebtheit. Woran das liegt? Nun ja, vergleicht man es in den vorher genannten Punkten mit dem Alpaka, zeichnen sich frappierende Ähnlichkeiten ab. Allen voran eignet sich das Faultier ebenfalls hervorragend, um Freunde auf Bildern zu markieren. Die natürliche Gemütlichkeit der Dschungelbewohner bietet einfach eine Steilvorlage für sämtliche Witze der Kategorie „Du, wenn du wieder den ganzen Sonntag im Bett verbringst“ oder „Ich, wenn mir jemand sagt, ich sollte mal wieder Sport machen“. Auch der 2016 erschienene Film „Zootopia“ hat zum Hype beigetragen. Millionenfach wurde der kurze Videoclip auf YouTube geklickt, in dem sich zwei Beamte in einer Behörde (verkörpert durch Faultiere) in minimaler Geschwindigkeit einen Witz erzählen und damit den ganzen Arbeitsbetrieb aufhalten. Einfach, witzig und für jeden nachzuvollziehen, der auf dem Amt schon mal drauf gewartet hat, dass sein Antrag ausgefüllt wird.  </p>



<p>Einen gravierenden Unterschied gibt es
jedoch: Faultiere kann man hierzulande ausschließlich in Zoos
betrachten. Private Faultierhalter und -farmen existieren wohl kaum.
Erschwerte Bedingungen für den Aufstieg zum nächsten Trendtier.
Außerdem schlecht für&#8217;s Marketing: es liegt in der Natur der
tiefenentspannten Tiere, dass Erlebnistouren wie
„Faultier-Wanderungen“ eher schlecht zu realisieren sind.</p>



<p>Was sagt uns die Erfolgsgeschichte des relaxten Dschungelbewohners aber jetzt eigentlich über uns als Gesellschaft? Nach der Realitätsflucht durch die Einhörner und der wehrhaften Episode der Alpakas, folgt nun das gechillte Faultier, das zu sagen scheint „Hey, nimm dein Leben einfach nicht zu ernst“. Sie verkörpern durch ihren entspannten Lebensstil die Mentalität eines kalifornischen Surfers und würde es ihnen dafür nicht an zwei bis drei Fingern mangeln, sie würden vermutlich ständig den Surfer-Gruß zeigen. Auch wenn „Hang Loose“ in ihrer natürlichen Umgebung lebensgefährlich wäre.  Das Faultier sieht alles ganz gelassen und entspannt, das passt hervorragend zu Trendsportarten wie Yoga und Meditation und dem Bestreben, zu mehr Natürlichkeit und innerer Zufriedenheit zurückzukehren. Abzuwarten bleibt,  ob diese inneren Werte die Kommerzialisierung überleben werden.  <br>Ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann man sagen: Das Faultier ist auf dem Vormarsch. Auf sichere Indikatoren wie die Einführung eines Faultier-Emojis warten wir zwar bis jetzt vergeblich, allerdings findet man im Einzelhandel zwischen Alpaka-Produkten auch immer häufiger Shirts, Brotdosen und Karten mit Faultier-Aufdruck. Ob das Alpaka vollkommen verdrängt wird, ist allerdings fraglich. Denn das kann sich ja notfalls gegen sämtliche Trendtier-Konkurrenz gut zu Wehr setzen.  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/das-einhorn-ist-tot-lang-lebe-das-alpaka/">Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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