Wer einmal hingeht, bleibt meistens kleben

Das Campusradio Kanal C begann als Experiment – Nun ist es eine Institution, doch noch immer stets im Wandel

Von Dorit Protze

„Schaust du noch schnell nach, ob die CDs vollständig sind? Dann kümmere ich mich um die Band-IDs.“ Ralf, seit vier Jahren Moderator bei Kanal C, bereitet sich mit seinem Co-Moderator Simon auf die dreistündige Sendung vor. In zehn Minuten wird das rote Licht leuchten, dann sind die Mikrofone „On Air“. Für eine letzte Zigarette reicht die Zeit gerade noch, obwohl das der Stimme nicht wirklich gut tut. Selbst nach Hunderten von Sendungen schwitzen die Hände und klopft das Herz. Pünktlich um 22 Uhr begrüßen die beiden die Hörer von Kanal C, dem ersten und einzigen Campusradio in Augsburg. Acht Jahre sendet Kanal C nun schon auf der Frequenz von Radio Fantasy, auf der 93,4.
1997 wollten zwei Studenten in einer Diplomarbeit herausfinden, wie und ob sich ein Studentenradio realisieren ließe. So entstand eine Redaktion aus zunächst zehn Studenten, die zusammen mit Radio Fantasy ein Sendekonzept erstellte. Im ersten Jahr sendete Kanal C vier Sendungen, im zweiten waren es schon 17, und seit Mai 1999 ist das Programm regelmäßig einmal pro Woche zu hören.

„Im Radio hörst du nur die Spitze des Eisbergs“

An diesem Montag sind es Ralf und Simon, die durch die Sendung führen. Sie sind für die An- und Abmoderation der Beiträge zuständig, bedienen an den richtigen Stellen die Lautstärkeregler und drücken die passenden Knöpfe. „Aber das, was an den Lautsprechern zu Hause ankommt, ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Ralf. Vorher haben eine Woche lang 20 Redakteure Interviews geführt, Texte geschrieben, eingesprochen, O-Töne geschnitten und fertige Beiträge produziert, um 180 Sendeminuten zu füllen. Johannes war zum Beispiel mit einem Aufnahmegerät bei der Party der studentischen Parteien zur Uniwahl.
Anfang des Sommersemesters 2005 hat er einen Flyer von Kanal C in die Hände bekommen und wollte sich das Ganze „nur mal anschauen“: „Ich war halt neugierig, wie Radio machen so funktioniert, und was alles dahintersteckt. Also bin ich einfach hingegangen. Und geblieben.“ Er lächelt, als er davon erzählt. Mittlerweile hat er schon sechs Beiträge zugesteuert.

Reichlich kaltes Wasser

Am Anfang war es gar nicht so leicht, der Neue in der Gruppe zu sein. Johannes ist dann gleich in der ersten Woche mit einem anderen Redakteur zu einem Interview gegangen und durfte bei allen Produktionsschritten mitmachen. So ins kalte Wasser geworfen, war er von Beginn an voll eingebunden. Am liebsten, so Johannes, macht er hochschulpolitische Beiträge. In diesen Themen fühlt er sich richtig zu Hause, schließlich studiert er im siebten Semester Politologie. Aber irgendwann will er auch mal ins Rampenlicht und bei Kanal C moderieren, das ist sein Traum: Die Aufregung spüren, wenn die Begrüßungsmelodie anfängt, direkt mit dem Co-Moderator, den Anrufern und Hörern sprechen und selbst die Verantwortung für drei Stunden Sendung auf den Schultern tragen. Dieser Traum ist gar nicht so weit weg. Denn Kanal C braucht ständig neugierige Leute, die Radio von der Pike auf lernen und den Studentensender weiterentwickeln wollen. Seit das erste Mal das rote Licht anging, haben rund 200 ehrenamtliche Redakteure, Reporter, Moderatoren und Verrückte mitgeholfen, Kanal C am Leben und die Hörer auf dem Laufenden zu halten. Das Projekt Campusradio ist Realität und dazu eine Erfolgsgeschichte.

Link zur Website von Kanal C: www.kanal-c.de

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