Schwul oder was?!

Über rosa Uni-Aktivitäten, bornierte Studenten und die Frage, wer eigentlich die Frau ist

Frauen, Männer und die Anderen. Das Schema in unseren Köpfen lässt sich nur schwer ausschalten. Studenten gelten gemeinhin als tolerant, aber an unserer Uni muss das Schwulenreferat um Anerkennung, Akzeptanz und Fördergelder kämpfen.

Von Patricia Ott

Die deutschen Hochschulen werden zunehmend rosa – circa 40 Schwulenreferate gibt es bundesweit. Ganz klischeehaft ist Nordrhein-Westfalen mit fast zehn Referaten Spitzenreiter, während man im Osten Deutschlands fast gar keine Schwulen-Organisationen an den Unis finden kann. Das konservative Bayern liegt im unteren Mittelfeld und kann derzeit mit drei aktiven Referaten aufwarten. Augsburg ist eines davon und das bereitet seinem Leiter Martin Frieb so einiges Kopfzerbrechen.

„Bei den Finanzen sieht es mau aus!“

Fragen zum bevorstehenden Coming-Out beantworten, das Rosa Brett der Uni betreuen und den Queer Uni Treff, an dem momentan acht Mitglieder regelmäßig teilnehmen, organisieren. Das sind derzeitig die Aufgaben des Informatik-Studenten, der das besondere Amt seit mittlerweile zwei Jahren inne hat.

Bevor er kam, war der Posten fast anderthalb Jahre unbesetzt. „Man ist eben der Vorzeige-Schwule der Uni“, sagt Martin. Damit kommen nicht viele klar. Aber die Suche nach mehr Men-Power für das Referat ist nicht das einzige Problem; auch die Finanzen lassen keine großen Sprünge zu. Gerne würde Martin mehr Aktivitäten anbieten, mehr Aufklärung leisten und das Schwulenreferat an der Uni präsenter machen, doch dafür fehlt schlichtweg das Geld.

Das alte Lied von der Krise und dem Sparzwang – auch das Budget der Uni ist knapp und somit müssen die AStA-Referate mit dem auskommen, was da ist. Der verbleibende Betrag für das kleine Schwulenreferat ist dann meist nur noch beschämend gering. Die Uni kann aber auch nicht mehr Geld geben, da es in Bayern keine verfasste Studierendenschaft* gibt, diese hat meist ein Vielfaches an Geldern zur Verfügung. Martin schaut hier neidisch auf andere Schwulenreferate, die für ihre Tätigkeit teilweise eine Vergütung von 400 Euro pro Monat erhalten.

Aber auch beim AStA selbst stehen die rosa Aktivitäten auf wackeligen Beinen, das weiß auch der Informatik-Student: „Der Konvent befasst sich nach jeder Uni-Wahl aufs Neue damit, ob er das Schwulenreferat für sinnvoll hält oder nicht, deshalb ist es mir wichtig, hochwertige Arbeit zu leisten, damit das Referat überlebt.“

„Wir sind ganz normale Menschen“

Studenten präsentieren sich gerne als weltoffen, aber dennoch fällt es den meisten unglaublich schwer, schwul nicht gleich mit „anormal“ zu betiteln. Wenn man als Hetero von den schwulen Aktivitäten am Rosa-Brett liest, bekommt das Gesicht meist einen dümmlich grinsenden Ausdruck. Dann wird der Nebenmann angestupst, gefolgt von einem „Höhö, kuck mal“. Und die Frage, „Wer ist bei denen eigentlich die Frau?“, gepaart mit anzüglichem Lächeln, fällt eigentlich so gut wie immer, wenn über die schwulen Pärchen gesprochen wird – Über die anderen, die nicht so sind wie man selbst. Eigentlich sollten gerade an einer Hochschule Liberalität und Fortschrittlichkeit demonstriert werden, aber wenn sich das Schwulenreferat nicht in den normalen Uni-Alltag integrieren und mehr Präsenz zeigen kann, bleibt der Kontakt mit Nicht-Heteros eine Seltenheit. „Ich würde mir wünschen, dass hier an der Uni offener mit Homosexualität umgegangen wird“, sagt Martin. Eine schwule Uni-Party, zu der alle kommen können, für „Gays, Lesbians & Friends“, das wäre Martins Traum: „So könnte man einmal zeigen, dass auch wir ganz normale Menschen sind.“

Das achte Weltwunder?

Augsburg erhebt für sich den Anspruch, Großstadt zu sein: tolerant, multikulti eben, aber Martin hat in der Fuggerstadt andere Erfahrungen gemacht: „Wenn ich mit meinem Freund Hand in Hand durch die Stadt laufe, werden wir angeschaut wie das achte Weltwunder.“ Zärtlichkeiten auszutauschen ist in der Öffentlichkeit fast undenkbar. Dennoch, Martin fühlt sich in Augsburg wohl, er will sich nicht verstecken und hofft einfach darauf, dass die Zukunft noch mehr Normalität für das Schwul-Sein bringt.

 


Schwulenreferat:


Kontakt: schwul@asta.uni-augsburg.de

Sprechstunde nach Vereinbarung


Queer Uni Treff:

Jeden zweiten Mittwoch im Café Corso

Termine unter www.asta.uni-augsburg.de/asta

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