Gestatten: Ernst, Ernst des Lebens

Unsere Kolumnistin berichtet von ihrem finalen Tag an der Uni und den letzten Stunden bevor das Leben aufhört – oder anfängt. Das ist noch nicht klar…

 

Von Ann-Christin Fürbaß

An meinem ersten Schultag wurde mir zum ersten Mal gesagt, dass nun der Ernst des Lebens beginne. Inzwischen gab es einige Anlässe, an denen ich das zu hören bekam und zwischenzeitlich fragte ich mich, wie oft er denn noch anfangen würde. Doch nun befürchte ich, kommt er zum letzten Mal und wird mit voller Wucht zuschlagen: Der Ernst des Arbeitslebens. Um mich leichter an den Gedanken zu gewöhnen, nenne ich ihn liebevoll Ernst. Das einzige, was Ernst und mich noch voneinander trennt, sind das Drucken und Abgeben meiner Abschlussarbeit. Es sollte sich herausstellen, dass es sich dabei um zwei Stationen handelt, die für das Leben wegweisend sind, das Ernst und ich demnächst führen würden.

Das Leben ist ein Copyshop – kein Ponyhof

Im Copyshop an der Uni sind fast nur Studenten und alle sind in hellem Aufruhr. Mord und Todschlag halte ich in dieser Atmosphäre nicht für ausgeschlossen. Jeder fährt seine Ellenbogen aus und versucht sich einen Platz am Drucker zu erkämpfen. Hier bekommt man einen Vorgeschmack auf das Berufsleben in der freien Marktwirtschaft. Wer mit der Ich-Mentalität in diesem Umfeld nicht klar kommt, der sollte lieber im geregelten universitären System arbeiten. Doch wie unpersönlich die Beamten-Variante sein kann, zeigt sich bei der Abgabe im Prüfungsamt. Ein letztes Mal werde ich von A nach B und C geschickt. Letzten Endes gebe ich diesen Packen Papier, der mir in diesem Moment die Welt bedeutet, einer fremden Person. Eine Abgabe-Bestätigung bekomme ich keine. An dieser Uni gibt es für alles ein Formular, außer für meine Bachelorarbeit. Das war’s! Da freut sich keiner für mich. Dort ist man eines der vielen Zahnrädchen der gesamten Bürokratie-Maschinerie. Um feierliche Stimmung zu simulieren, höre ich beim Verlassen des Gebäudes „The Final Countdown“. Betroffen frage ich mich selbst: „Hat er mich schon, der Ernst?“

Absolventen-Hütchen schmeißt in Augsburg keiner in die Luft

Als ich am Abend feiere und den Tag Revue passieren lasse, werden mir zwei Sachen klar. 1. „Ernst, ich bin echt nicht bereit für eine Beziehung mit dir. Wir passen heute genauso wenig zusammen wie an meinem ersten Schultag und wir werden es auch nie!“  2. Man braucht Leute im Leben, die mit einem zu „Europe“ singen, dann kann einem Ernst auch am A**** vorbei gehen.

 

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