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	<title>Madeleine Londene, Autor bei presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Wo bleibt die Zeit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jan 2018 16:31:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[David Lohmueller]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Kommentar zu David Lohmuellers Fotovortrag &#8220;Idomeni &#8211; Zwischen Not und Hoffnung&#8221; vom 9.12.17 an der Universität Augsburg. &#160; Das Mädchen mit den großen braunen Augen lacht. Um sie herum stehen ihre Freundinnen, die aufgeregt in die Hände klatschen. Sie...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2018/01/wo-bleibt-die-zeit/">Wo bleibt die Zeit?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kommentar zu David Lohmuellers Fotovortrag &#8220;Idomeni &#8211; Zwischen Not und Hoffnung&#8221; vom 9.12.17 an der Universität Augsburg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_9662" aria-describedby="caption-attachment-9662" style="width: 400px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-9662" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2018/01/DL-1-7L2B2414_preview-400x267.jpeg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/01/DL-1-7L2B2414_preview-400x267.jpeg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/01/DL-1-7L2B2414_preview-768x512.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/01/DL-1-7L2B2414_preview-1024x683.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/01/DL-1-7L2B2414_preview.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-9662" class="wp-caption-text">Foto: David Lohmueller</figcaption></figure>
<p class="p3"><span class="s1">Das Mädchen mit den großen braunen Augen lacht. Um sie herum stehen ihre Freundinnen, die aufgeregt in die Hände klatschen. Sie singen, denn es ist Shirin’s Geburtstag. Als das Lied zu Ende ist, pustet sie mit ganzer Kraft alle Kerzen aus, stolze zwölf Stück. Doch anstatt zu Jubeln und sich zu freuen, steigen Shirin Tränen in die Augen. Sie versucht sie nicht zu verstecken. Erst jetzt zoomt die Kamera raus und lässt den Hintergrund erkennen. Das Mädchen in dem „I love Berlin“ -T-Shirt mit dem Kastenkuchen in der Hand und ihre kleine Gruppe von Freunden sind umzingelt von Zelten und einem Meer von Plastikflaschen. Darin liegen dreckige Decken, streunende Hunde suchen nach Obdach, Menschen in zerrissenen Klamotten sitzen vor einer Tonne, die Feuer spendet und wärmen ihre kalten Gliedmaßen. Shirin hat heute Geburtstag und seit einem halben Jahr ist Idomeni ihr zu Hause. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Was Anfangs wie ein normaler Kindergeburtstag scheint, stellt sich als kleiner Lichtblick in einem der katastrophalsten Flüchtlingslager innerhalb Europas heraus. David Lohmueller war dort und dokumentierte mit einer Kamera seine Eindrücke. Mit seinem Fotovortrag „Idomeni &#8211; Zwischen Not und Hoffnung“<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>teilt er seine Erfahrungen und berührt an diesem Abend ein paar Studentenherzen der Universität Augsburg. Zum 15. Mal hält er schon diese Präsentation und trotzdem schafft er es, so authentisch und lebendig zu berichten, als wäre man selbst stundenlang frierend bei der Essensvergabe im Regen in Griechenland gestanden. Nach dem Vortrag ist es still im Raum, der mit fruchtigem Glühwein- und Plätzchenduft gefüllt ist. Es geht uns sehr gut, vielleicht zu gut, geht durch die Köpfe vieler. Wenn wir doch nicht so viel mit der Uni zu tun hätten. Und mit dem Nebenjob. Und der nächste Urlaub ist auch schon gebucht. Wieder Stille. Ein paar Studenten knabbern an einem Keks und füllen die <i>Amnesty International </i>Leserbriefe aus. Und stets schwebt die Frage durch die Luft: <i>Wo bleibt die Zeit?</i></span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Zeit ist kostbar. Zeit ist Geld. Zeit ist eine Illusion. Es gibt viele Sprichworte, die zu fassen versuchen, was Zeit eigentlich bedeutet. Dabei ist Zeit ein flexibler Begriff. Als Student wird einem von Anfang an eingetrichtert, wie wichtig ein gutes Zeitmanagement ist. Der Bachelor soll in höchstens drei Jahren fertig sein, darin enthalten am Besten noch ein Auslandsaufenthalt und nicht zu vergessen auch zwei oder mehrere Praktika. Wer Glück hat, schafft es noch, sich auf seine Hobbys zu konzentrieren und vielleicht bei der einen oder anderen außer-universitären Aktion mitzumachen. Schließlich schaut der Arbeitgeber einen schräg an, wenn ein Urlaubssemester oder eine Semesteranzahl im höheren Zahlenbereich im Abschlusszeugnis steht. Die Uhr tickt im Studentenleben ein wenig schneller als sonst. Tick Tack, schon die nächste Portfolio-Abgabe. Tick Tack, die Klausurenphase klopft leise an die Tür. Und dann immer diese Nachrichten von Flüchtlingen und Hungersnöten, von Naturkatastrophen und politischen Tragödien mit denen man täglich konfrontiert wird. Vor der Cafeteria veranstaltet ab und zu die ein oder andere händeringend nach Mitgliedern suchende Hochschulgruppe einen Kuchenverkauf, um auf Notsituationen aufmerksam zu machen. Doch die meisten schmeißen lediglich ihren Euro in die Spendenkasse und verschwinden dann rasch in Richtung Hörsaal, weil die Uhr schon fünf nach anzeigt. Fakt ist, man wird nie wirklich Zeit haben, um sich um die Menschen zu kümmern, die es am notwendigsten haben. Man muss sich die Zeit <i>nehmen</i>. Sicherlich hat nicht jeder die finanziellen Mittel, seelische Verfassung oder Selbstsicherheit in ein Krisengebiet zu reisen und dort mit beiden Händen anzupacken. Allerdings ist Zeit, wie gesagt, eine dehnbare Definition. Es gibt nicht nur Stunden, sondern auch Minuten und Sekunden. Und jede Einheit zählt. Wenn sich also die Möglichkeit ergibt, auch nur im Kleinen auszuhelfen, wie beispielsweise eine Informationsveranstaltung zu besuchen, sollten wir uns alle kurz die Zeit nehmen und die Stoppuhr drücken. Das Schneegewitter am Samstag Abend hatte mir beinahe die Lust und Laune genommen, einen spannenden Vortrag an der Universität zu besuchen. Dabei sind es für uns doch nur ein paar Schritte aus der Haustüre raus, während viele Menschen noch nicht einmal ein zu Hause haben, geschweige denn ihr neues Lebensjahr in Sicherheit feiern können.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mehr Bilder und Informationen unter:</p>
<p>http://davidlohmueller.com/tag/idomeni/</p>
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		<title>Wenn der Kopf Kaffeepause macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2017 09:56:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[konsum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie uns das Abkapseln von der Umwelt die Freiheit kosten kann Dass wir in einer Zeit leben in der Konsum &#8211; zumindest in der westlichen Gesellschaft &#8211; groß geschrieben wird ist nichts Neues. Trotzdem ist unsere Welt einem ständigen Wandel...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie uns das Abkapseln von der Umwelt die Freiheit kosten kann</h2>
<figure id="attachment_9521" aria-describedby="caption-attachment-9521" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-9521 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg.png" height="800" width="1200" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-400x267.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-768x512.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-1024x683.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9521" class="wp-caption-text">Text: Madeleine Londene – Foto: Paul von Platen</figcaption></figure>
<p><strong>Dass wir in einer Zeit leben in der Konsum &#8211; zumindest in der westlichen Gesellschaft &#8211; groß geschrieben wird ist nichts Neues. Trotzdem ist unsere Welt einem ständigen Wandel unterworfen und vor allem ein Trend fällt dabei besonders auf: Eine gewisse Entfremdung, die auf sämtliche Lebensbereiche übergreift und immer mehr essentielle Werte aus unserem Blickfeld drängt. Gibt es ein Entkommen aus diesem Scheuklappenkonformismus?</strong></p>
<p>Immer mehr Menschen verzichten auf fleischhaltige Kost. So ist laut dem Frankfurter Essethnologen Marin Trenk ist ein genereller Trend zu beobachten, dass sich der Mensch zunehmend vom Tier als Nahrung entfremdet. Parallel dazu möchte ein Großteil der Gesellschaft möglichst billig möglichst viel einkaufen. Auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch. Generell gilt: Die Wenigsten machen sich wirklich Gedanken darüber, was genau sie sich gerade in den Mund stecken, egal ob Hacksteak oder Maiskolben. Woher das Essen wirklich kommt, wer dafür sein Leben lassen musste oder was dafür abgeholzt und gerodet wurde, liegt außerhalb des Horizonts. Auf Facebook ist der Aufruhr groß, wenn von einer Tierschutzorganisation ein Video über die Grausamkeiten der Massentierhaltung gezeigt wird. Kommentare wie: „Das wollte ich heute am frühen Morgen wirklich nicht auf meiner Startseite sehen“ oder „Die armen Kälber sind doch noch so jung“ sind keine Seltenheit. Sobald der Bildschirm abgeschaltet ist und die schockierenden Bilder im Nebel der Verdrängung verschwinden, wird oftmals trotzdem mehr oder weniger passiv am Wurstbrot weitergeknabbert.</p>
<h3>Soziologische Blickwinkel auf das Beziehungschaos</h3>
<p>Unter dem Begriff der Entfremdung setzten sich viele europäische Sozilogen bereits im ausgehenden 19. Und frühen 20. Jahrhundert mit Phänomenen dieser Art auseinander. Für Emile Durkheim lag ihr Ursprung dabei im Verlust gesellschaftlicher und religiöser Traditionen. Der Wegfall solcher starren sozialen Regelungen sorgt zwar dafür, dass wir heute individueller leben können als jemals zuvor. Er bedeutet oft aber auch den Verlust gesellschaftlicher Sicherheit.</p>
<p>Vertreter der Kritischen Theorie, wie Karl Marx und Theodor W. Adorno haben sich aus der Perspektive von Herrschaft und damit verbundenen gesellschaftlichen Mechanismen und Abhängigkeiten der Entfremdung genähert. Beide sehen den Ursprung der Veränderung im menschlichen Streben danach, die Natur zu beherrschen, beispielsweise mithilfe der Wissenschaft. Langfristig verändern der Mensch dabei natürlich die Beziehung zur Arbeit, anderen Menschen und sogar (zu) sich selbst. Mit anderen Worten hat unsere Art, mit unserer Umwelt umzugehen auch Auswirkungen auf uns selbst, oder wie Marx es ausdrückt: „Wer nichts achtet, ächtet sich selbst.“</p>
<p>Auf der anderen Seite spiegelt sich damit auch in so alltäglichem Verhalten wie Essgewohnheiten oder dem Einkaufsverhalten das dahinterstehende innere Wertesystem. Wenn in einer Gesellschaft Konsum und ein unstillbarer Hunger nach neuen Erfahrungen an erster Stelle stehen, bleibt schnell kein Raum mehr für Affekte. Wenn alles rationalisiert und in Kategorien einsortiert wird, kommt es nahezu zwangsläufig zu einem gewissen Gefühl von Einsamkeit, Sinnlosigkeit oder innerer Leere. Der Politologe und Soziologe Herbert Marcuse spricht hier von „eindimensionalen Gesellschaften“, die kein Maß an innerer Freiheit oder eigenständiger Subjektivität mehr kennen. So geht schnell der wahre Bezug zur Natur verloren, die nur noch als unstrukturierter Stoff erscheint, den es krampfhaft zu erfassen gilt.</p>
<h3>Vom langen Arm der unsichtbaren Hand</h3>
<p>Angesichts solcher Entwicklungen scheint es nicht mehr weit hergeholt, dass eine solche Lebensweise zu psychischen Folgen führt. Wer es – zumindest in westlichen Gesellschaften – gewohnt ist, das Leben auf dem goldenen Tablett serviert zu bekommen, dessen Sinn und Denken können schnell verkümmern. Das Leben des Einzelnen wird immer öfter fremdbestimmt durch ein gesellschaftliches System, das ihm vor allem gibt, wonach er sucht: günstigen, schnellen Konsum ohne großen Aufwand. Wer gedankenverloren zum billigsten Leberkäse greift wird also gleichzeitig zum Täter und zum Opfer in der gesellschaftlichen Maschinerie.</p>
<p>Oftmals scheint es, dass sich nur die Wenigsten trauen hinter die Fassade zu blicken &#8211;&nbsp; sei es nun aus Bequemlichkeit oder aus Unwissenheit. So komplex die Welt auch teilweise erscheinen mag, liegt der Schlüssel in der Erkenntnis, dass der Mensch ebenso selbst lenkt, wie er gesteuert wird. Für Adorno ist die rettende Lösung eine Versöhnung zwischen Mensch und Natur. Nur durch diese transzendente Einsicht sei es möglich, eine Liebe zu den Dingen wieder zu regenerieren und sich mit sich selbst und seiner Umwelt einsichtig und reflektierend auseinander zu setzen. Es geht also nicht darum, über Ernährungsweisen oder Einkaufsverhalten zu urteilen, sondern um bewussteres Handeln. Es kommt vor allem darauf an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man lebt und eine Entscheidung zu treffen, ob man diese Lebensweise beibehalten oder ändern mag. Denn ansonsten, wie bereits Focault wusste, „verwindet der Mensch wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2017/02/wenn-der-kopf-kaffeepause-macht/">Wenn der Kopf Kaffeepause macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Great, greater, Trump</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Sep 2016 09:22:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[amerika]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum der Mann, der Ignoranz für eine Tugend hält, bald Amerika anführen könnte Einen Schauspieler hatten die USA bereits als Staatsoberhaupt. Auch der erste Superreiche im Weißen Haus wäre Trump definitiv nicht. Doch ob der Sohn einer Migrantin und eines...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/09/great-greater-trump/">Great, greater, Trump</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum der Mann, der Ignoranz für eine Tugend hält, bald Amerika anführen könnte</h2>
<figure id="attachment_9099" aria-describedby="caption-attachment-9099" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-9099 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/09/trump-final1200-jpeg.jpg" alt="trump-final1200-jpeg" width="1200" height="564" /><figcaption id="caption-attachment-9099" class="wp-caption-text">Text: Madeleine Londene –Illustration: Lara Neidhart</figcaption></figure>
<p><strong>Einen Schauspieler hatten die USA bereits als Staatsoberhaupt. Auch der erste Superreiche im Weißen Haus wäre Trump definitiv nicht. Doch ob der Sohn einer Migrantin und eines Immobilienunternehmers die Fußstapfen seiner Vorgänger ausfüllen kann, bleibt fraglich. Er polarisiert die Debatte und scheint aktuellen Umfragen zufolge die Nation zu spalten. Doch steckt hinter seinem Verhalten eine ausgefeilte Taktik, oder blendet er einfach nur die Massen?</strong></p>
<p>„When mexico is sending their people they are sending people that have lot’s of problems, and they are bringing those problems with them. They are bringing drugs, crime, they are rapists&#8230;and some are good people.“ Abgesehen von einem Mangel an korrekter Grammatik sind vor allem solch plumpe, rassistische Behauptungen fester Bestandteil in Donald Trumps repetitiven und oft inhaltsleeren politischen Reden. Obwohl die Mehrheit aller legalen wie illegalen Einwanderer aus Mexiko im niedrigeren Dienstlesitungsbereich entscheidend zum Wirtschaftswachstum der USA beitragen, gibt sich Trump überzeugt: Einwanderung habe sein Vaterland wie ein Virus befallen. Als „Heilmittel“ fordert er den Bau einer Mauer, die beide Länder ethnisch wie wirtschaftlich klar trennt. Die Kosten für diese geniale Idee trägt Mexiko selbstverständlich selbst.</p>
<h3>Die Diagnose für ein verkrüppeltes Amerika: Migration</h3>
<p>Rassistische Bemerkungen waren schon in Trumps früheren Jahren keine Seltenheit. Schon im Mai 1991 stellte er gegenüber USA Today klar, dass er am Ende des Tages anstatt Schwarzer, immer noch lieber Juden hätte, die sein Geld zählen. Aussagen wie diese, haben Trump die hispanische und afro-amerikanische Wählerschaft gekostet. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er in seinem 2015 erschienen Buch „Verkrüppeltes Amerika“ seine derben Aussagen zumindest abschwächt, wenn auch nicht zurücknimmt. Doch ob ihm das reicht, um seinen „make america great again“ –Traum zu verwirklichen?</p>
<h3>Trump &#8211; Entertainer und Social-Media-Profi</h3>
<p>Trump nimmt kein Blatt vor den Mund, weder vor Journalisten noch gegenüber der Politik – und das ganz egal, ob Freund oder Feind. Zu Hilary Clinton, seiner Konkurrentin feindlichen demokratischen Lager, provozierte er, wie sie Amerika zufrieden stelle wolle, wenn sie nicht einmal ihren Mann befriedigen könne. Kürzlich berichtete die New York Times, dass 67 Prozent aller Amerikaner weder Trump noch Clinton für ehrliche Menschen und somit für vollkommen ungeeignet für die Präsidentschaft halten. Dabei ist Trumps Umgang mit den Medien ebenso kalkuliert wie perfide: Mädchen, die in rot-weiß-blauen Kostümchen über die Bühne tänzeln und eine Hymne zu seinen Ehren singen, spalten die Meinungen auf YouTube oder Facebook. Trump präsentiert sich gerne als steinreicher Patriot, der sich im Rahmen der Ice-Bucket-Challlenge ohne Zögern von Eiswasser übergießen lässt, links und rechts geschmückt von Miss America und Miss Universe. Ob sein hochtourig laufender Twitter-Account und diverse Showeinlagen auch von Qualität zeugen oder nur zum Entertainment der Masse dienen, lässt Raum für Diskussion.</p>
<p>Nach aktuellen Umfragen würden 40 Prozent der Amerikaner für Trump stimmen. Von den verbleibenden 60 Prozent haben einige ihrerseits ebenfalls wahre Hetzkampagnen gestartet. Auch außerhalb Amerikas greifen Kritiker zu deutlichen Worten wie Showäffchen oder Witzfigur. Doch Trump kann nicht nur ein reicher, schamloser Illusionist sein, denn dann wäre der Präsidententitel nicht so nahe. Laut der Frankfurter Allgemeinen herrscht zumindest große Angst vor seinem Sieg: Auf die Frage, ob Trumps Ansichten die Welt sicherer oder unsicherer machen, stimmten die insgesamt 8265 Befragten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan und Mexico fast einstimmig für Letzteres.</p>
<h3>Trumps Wählerschaft unter der Lupe</h3>
<p>Warum also befindet sich Donald Trump auf der Überholspur? Ein genauer Blick auf sein Gefolge gibt zumindest Hinweise. Trumps Wähler sind nicht nur, aber überwiegend männliche Republikaner ohne Collegeabschluss. Außerdem ist seine Wählerschaft eindeutig weiß. Ein Großteil ist zudem von der utopischen Vorstellung überzeugt, dass im Jahre 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören wird. Über als die Hälfte gibt an, enttäuscht von der aktuellen Regierung und wütend auf die Zustände in Washington zu sein. Jahrelang hätten die Republikaner sich auf zu viele Kompromisse mit Präsident Obama eingelassen und ihre eigenen Ziele und Wünsche zurückgestellt. Daraus lässt sich schließen, dass die meisten von ihnen der Arbeiterschaft, den sogenannten „blue collars“ angehören. Des Spiegels verweist daneben auf eine große Angst vor dem Ausbleiben eines wirtschaftlichen Aufschwungs und damit verbundener Armut. Dem steht die Hoffnung gegenüber, dass durch Trumps Sieg jeder zum Reichtum komme.</p>
<p>Genauso auffällig ist, dass viele Wähler zuvor kaum etwas mit Politik zu tun hatten. Viele gehen zum ersten Mal in ihrem Leben oder seit sehr langer Zeit wählen, um endlich ein politisches Statement zu setzen. Wie zu erwarten, ist Trumps Zustimmung bei streng gläubigen, konservativen Christen und Evangelikalen besonders hoch. Hier kommt auch der Vorschlag, keine Muslime mehr ins Land zu lassen, aufgrund patriotischer und gläubiger Einstellungen, ausgesprochen gut an.</p>
<p>Seine Unverdrossenheit macht Trump zu einem unberechenbaren Gegner. Er sagt, was er denkt – oder wie er selbst behauptet „I say, what I say“. Einige spekulieren, dass Trump zwar den impulsiven und wirren Politiker gibt, wobei sich hinter der Fassade eine ausgeklügelte Taktik verbirgt. Diese These wirkt weit hergeholt, ist trotz alledem nicht vollkommen unrealistisch. Schließlich hat es Trump trotz anfänglichem Spott bis ins Finale geschafft – der Sieg ist zum Greifen nahe. Seine alarmierenden Ideen und frappierenden Aussagen sind äußerst umstritten, doch eins muss man Trump aber lassen: So eine wahre Haut war im Weißen Haus selten zu sehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/09/great-greater-trump/">Great, greater, Trump</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Krieg zwischen den Futterfronten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Aug 2016 11:20:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[debatte]]></category>
		<category><![CDATA[ernaehrung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Körnerfressern und kaltblütigen Omnivoren – Wenn Ernährung zum Label wird Neben der Frage nach der politischen Einstellung und der Haltung zur globalen Erwärmung, wird nun auch die Gabel, die zum Mund geführt wird, ganz genau unter die Lupe genommen....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/08/krieg-futterfronten/">Krieg zwischen den Futterfronten</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Von Körnerfressern und kaltblütigen Omnivoren – Wenn Ernährung zum Label wird</h2>
<figure id="attachment_9077" aria-describedby="caption-attachment-9077" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-9077" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/08/Futterkrieg_online_1200.png" alt="Text: Madeleine Londene - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="791" /><figcaption id="caption-attachment-9077" class="wp-caption-text">Text: Madeleine Londene &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Neben der Frage nach der politischen Einstellung und der Haltung zur globalen Erwärmung, wird nun auch die Gabel, die zum Mund geführt wird, ganz genau unter die Lupe genommen. Der neue „Trend“ des vegan-vegetarischen Lebensstils, dessen Fokus auf Nachhaltigkeit und Essgewohnheit liegt, ruft bei so manchen Gruppen hitzige Diskussionen hervor und läutet das Duell ein: Keule gegen Möhre. </strong></p>
<p>Umweltbewusst zu leben ist wichtig für uns, unsere Kinder und den Erhalt unserer Erde. In der Praxis ist das allerdings leichter gesagt als getan und erfordert etliches an Selbstdisziplin und Verantwortung. Nicht selten treffen Menschen, die den Schritt „Pro-Planet“ wagen und damit oftmals ihren Alltag komplett umkrempeln müssen, in ihrer Umgebung auf Verständnislosigkeit. Die Folge ist im Extremfall gesellschaftliche Ausgrenzung. Wer weiterhin seinen Hummer fährt und es wagt, die Wanne mehr als Vogel-Bad-Größe volllaufen zu lassen, kritisiert die Hippies, die in Eco-Pferdekutschen zu ihrem Yoga-Retreat fahren. Aus Protest lassen diese sich jetzt Bein- und Achselhaare wachsen, um klar ein Zeichen zu setzen. Natürlich sind diese Stereotype stark überzeichnet: Nicht jeder der ein Herz für Tier und Umwelt hat, bekennt sich für jetzt und immer zu einem sektengleichen Essenskult und nicht jeder der sich nach jahrelanger harter Büroarbeit einen First-Class Flug gönnt, ist ein Zerstörer der Erde in Person.</p>
<h3>Der Soja-Boom und seine Folgen</h3>
<p>Insbesondere in Online-Communities wie Facebook oder YouTube zeichnen sich aber bereits Anfänge aufkommender Milieus ab: Veganer vs. Fleischesser – es herrscht Krieg zwischen den Futterfronten. Erstere teilen die Meinung, Fleischesser, die sich nicht an die anscheinend heiligen Gebote des Veganismus halten, tragen Schuld am Aussterben unseres Planeten. Vegan sein ist laut den Usern, kein Trend, sondern eine andauernde Lebenseinstellung. Die Vorteile und positiven Auswirkungen auf Körper und Geist scheinen unermesslich. Und in der Tat, ganz Unrecht haben sie damit nicht. Veganer nehmen weniger freie Radikale zu sich und verzichten komplett auf tierische Produkte, was speziell Allergikern und Lebensmittelintoleranten zu Gute kommen kann. Zusätzlich senken sie durch ihre fleischlose Ernährung den Blutdruck, mindern Herz-Kreislauf-Schwächen und das Risiko später an Diabetes zu erkranken. Abgesehen von diesen bewiesenen Vorzügen müssen Veganer jedoch ihre Vitamine im Auge behalten, die häufig aufgrund der einseitigen Kost vernachlässigt werden.</p>
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<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/Ausgabe-29_Cover.png" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 29: Europa</strong><br />
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 29 unseres Magazins als E-Paper.</p>
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</ul>
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<p>Tatsächlich verursacht die industrielle Produktion von Fleisch andauernde Schäden für die Umwelt, ist ethisch inakzeptabel und verschwendet Ressourcen. Allein um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, werden weltweit fast 16.000 Liter Wasser benötigt. Allerdings ist auch beim reinen Pflanzenanbau und nachhaltiger Ernährung höchste Vorsicht geboten. Millionen Hektar Regenwald werden in Brasilien aufgrund der steigenden Soja-Nachfrage gerodet. Die Kleinbauern in Südamerika leiden unter dem extremen Preisdruck, der durch die aufblühende Massenproduktion von Soja entstanden ist. Die Initiative Faszination Regenwald spricht gar von „Soja – der Fleisch gewordene Wahnsinn“. Mehr als die Hälfte davon geht allerdings wieder auf die Massentierhaltung zurück. Rund 12,6 Millionen Rinder, 27,5 Millionen Schweine, 1,6 Millionen Schafe und 39,6 Millionen Legehennen werden hauptsächlich mit diesem hoch eiweißhaltigen Produkt gemästet. Auch wenn der Anteil, der für Soja-Produkte verwendet wird, geringer ausfällt, zieht der Soja-Boom dramatische Folgen nach sich und spielt dem Ökosystem negativ in die Hände. Hinzu kommt das Problem, dass Etiketten wie „Öko“, „Bio“ oder „fair-trade“ keine Garantie mit sich bringen. Oft versprechen die Siegel nur die Mindestbedingungen und enttäuschen bei genauerer Betrachtung. Nicht selten wird im angepriesenen Tofu, Gentechnik vorgefunden und die vegetarische Lyoner explodiert vor künstlichen Zusatzstoffen. Zudem kommen bei der Gemüseproduktion noch etliche synthetische Dünger zum Einsatz, wie auch Pestizide, Herbizide und Insektizide, die nicht nur Arbeiter, sondern eben auch Konsumenten gesundheitlich beeinträchtigen. Es ist also allerhöchste Aufmerksamkeit beim Warenkauf geboten.</p>
<h3>Für einen gesunden Mittelweg</h3>
<p>Aber wann ist es genug mit der „Du kannst ein (immer) besserer Mensch werden“-Mentalität? Wo ist die feine Linie zum angrenzenden Fanatismus und Wahnsinn? Gegen bewusst leben spricht im Großen und Ganzen nichts. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er sein Leben gestalten möchte. Ein Fleischesser soll sich bedacht ein halbes Hendl gönnen können, solange es nicht aus Massentierhaltung stammt und den Fütterungsvorschriften entspricht und ein Veganer soll sich mit seiner doch sehr einschränkenden Entscheidung nicht ins soziale Nirgendwo katapultiert fühlen. Allen Recht machen, wird man es ohnehin nie können. Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, dass unsere Ressourcen endlich sind. Ein Kompromiss muss her, der gesunde Mittelweg muss angestrebt werden. Bewusst leben fängt im Kleinen an. Von Plastiktüten auf Brown-Bags umsteigen oder vielleicht hin und wieder auf das tägliche Schaumbad verzichten. Wer täglich seine Entscheidungen reflektiert und sich selbst ab und zu hinterfragt, ist schon auf gutem Wege nicht ein besseres, sondern ein besonneneres, vorausschauenderes Individuum zu werden. Damit sind die Grundpfeiler gegenseitiger Toleranz und Selbstlosigkeit gelegt – egal ob auf Mensch oder Tier bezogen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/08/krieg-futterfronten/">Krieg zwischen den Futterfronten</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Von der Frage nach der Schuld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2016 14:21:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnwärter Thiel]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Besuch  der Theateraufführung Bahnwärter Thiel im City Club, 15.05.2016 Die novellistische Studie Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann zählt zu den bedeutsamsten Werken des Naturalismus. Am 15. Mai 2016 brachte im Augsburger City Club eine junge Schauspieltruppe eine moderne Version des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/05/frage-nach-der-schuld/">Von der Frage nach der Schuld</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Besuch  der Theateraufführung Bahnwärter Thiel im City Club, 15.05.2016</h2>
<p><strong>Die novellistische Studie Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann zählt zu den bedeutsamsten Werken des Naturalismus. Am 15. Mai 2016 brachte im Augsburger City Club eine junge Schauspieltruppe eine moderne Version des Klassikers in einer Inszenierung von Leif Eric Young auf die Bühne – wir waren für euch vor Ort und haben uns das ambitionierte Stück angeschaut.</strong></p>
<figure id="attachment_8794" aria-describedby="caption-attachment-8794" style="width: 756px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8794 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-I.png" alt="Theter I" width="756" height="501" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-I.png 756w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-I-400x265.png 400w" sizes="(max-width: 756px) 100vw, 756px" /><figcaption id="caption-attachment-8794" class="wp-caption-text">Fotos: Franziska Gumpp, Ines Flögel</figcaption></figure>
<p>Thiel ist ein gewissenhafter und frommer Mann. Seit 10 Jahren verfolgt er zuverlässig den routinemäßigen Alltag eines einfachen Bahnwärters. Nachdem seine geliebte Frau Minna stirbt bleibt ihm nur noch sein Sohn Tobias, um den er sich aufopferungsvoll kümmert. Wenig später geht er erneut eine Ehe ein mit der Magd Lene, mit der er ein zweites Kind bekommt. Eine Abhängigkeit entsteht &#8211; Thiel fühlt sich seiner stämmigen Ehefrau physisch und psychisch unterworfen. Er ist sich bewusst, dass Lene seinen ersten Sohn keinerlei Beachtung schenkt und misshandelt, doch trotzdem greift er nicht ein. Seine Gewissensbisse quälen ihn während seiner Arbeit und führen dazu, dass er sich in Visionen flüchtet in der er seine angebetete Minna wiederaufleben lässt. Je mehr Lene beginnt, das Leben Thiels zu dominieren, desto weiter fühlt er sich seiner Position als sorgender Vater entzogen. Als schließlich Tobias unter der Aufsicht Lenes durch ein tragisches Zugunglück umkommt, gipfelt die zunehmende Entfremdung Thiels gegenüber seinem alltäglichen Leben in einer Katastrophe.</p>
<figure id="attachment_8795" aria-describedby="caption-attachment-8795" style="width: 756px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8795 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-II.png" alt="Theter II" width="756" height="501" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-II.png 756w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-II-400x265.png 400w" sizes="(max-width: 756px) 100vw, 756px" /><figcaption id="caption-attachment-8795" class="wp-caption-text">Fotos: Franziska Gumpp, Ines Flögel</figcaption></figure>
<h3>Eine schwebende Konstruktion</h3>
<p>Am 15. Mai 2016, einem regnerischen Sonntag, führte das Ensemble „Theter“ die Geschichte des Bahnwärters Thiel im City Club Augsburg auf. Nur nahezu 40 Schaulustige passen in die sonst auf Techno spezialisierte Diskothek. Die Darstellergruppe ist eine wilde Mischung aus Studenten, Arbeitenden und Auszubildenden, die aber eines verbindet – die glühende Liebe zur Schauspielerei. Auch Leif Eric Youngs abstrakte und detailreiche Inszenierung legt den Schwerpunkt auf die Leidenschaft des Ensembles für die Bühne. Schon das erste Bühnenbild sorgt für Verblüffung, denn nach dem Fallen des Vorhangs ist nichts als eine weiße, stark beleuchtete Leinwand zu sehen. An den Ecken jedoch sind jeweils kreisrunde Löcher hineingeschnitten worden, durch welche die Köpfe der Schauspieler ragen. In der noch beschatteten Mitte steht ein oberkörperfreier Thiel, dessen Beine noch durch die Leinwand bedeckt sind.</p>
<p>Nach einer einführenden gesanglichen Einlage spielt die erste Viertelstunde  mit dem Wechsel zwischen den vier Eckpunkten der Leinwand. Die Köpfe der Zuschauer drehen sich von rechts nach links, von oben nach unten, um den leichtfüßigen Versen und chanson-artigen Gesängen des Ensembles zu folgen, dass allein über ausdrucksstarke Mimik und Stimme das Stück zum Leben erweckt. Als die Leinwand heruntergerissen wird ist die Überraschung dann jedoch groß: Die Akteure waren die ganze Zeit über mit Hilfe von einer selbstkonstruierten beigen Hängematte an einem großen Gerüst befestigt, die auch weiterhin praktisch schwebend ihre Rollen spielen. Am Boden zu den Füßen Thiels ist nun auch Tobias zu sehen. Im Hintergrund stehen zudem eine begabte Sängerin (wohlgemerkt Lene) und ein äußerst talentierter Schlagzeuger. Beide scheinen gleich Thiel den starren Blick in eine endlose Leere richten.</p>
<figure id="attachment_8796" aria-describedby="caption-attachment-8796" style="width: 756px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8796 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-III.png" alt="Theter III" width="756" height="500" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-III.png 756w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/05/Theter-III-400x265.png 400w" sizes="(max-width: 756px) 100vw, 756px" /><figcaption id="caption-attachment-8796" class="wp-caption-text">Fotos: Franziska Gumpp, Ines Flögel</figcaption></figure>
<h3>Gestalten in Malerkitteln und ein halbnackter Wahnsinniger</h3>
<p>Die kraftvollen Schläge des Schlagzeugers und die sanfte Stimme der rothaarigen Lene verleihen der mittlerweile rotbeleuchteten Bühne eine bedrückende, aber emotionsvolle Aura. Diese eindrucksvolle Akustik, die unter anderem die Visionen Thiels untermalt, erfüllt den kleinen, dunklen Raum des Clubs vollständig. Die Leinwand wird mit roter Farbe beschmiert, wenn Thiel Wut, Angst und Verwirrung empfindet, und mit einem trüben, grauen Farbton bestrichen, wenn seine Betäubung oder das Erdulden von Lenes Schikanen und dem Tod seiner Minna dargestellt wird.</p>
<p>Um die ansonsten eher buchgetreue Vortragsweise aufzulockern, kommt eine weitere, ebenfalls in einem Maleranzug gekleidete Figur ins Spiel. Die bewusst moderne und ironische Ausdrucksweise des glatzköpfigen Mannes mit Flexbrille durchbricht die komplizierten und zum Teil schwer interpretierbaren Verse des Originalwerks, was das Publikum mit Lachen belohnt. Auch diese Figur ist es, die Tobias im Moment des Todes an der Hand nimmt und langsam aus dem Raum führt, um dessen Ende weniger makaber zu porträtieren. Daraufhin folgt ihm der mittlerweile manisch gewordene Thiel. Die Lichter erlöschen, die Musik verstummt. Mit ohrenbetäubendem Beifall und trampelnden Beinen wird das Theter Ensemble verabschiedet. Um die gelungene Inszenierung zu feiern, besteht anschließend die Möglichkeit, mit den Schauspielern bei einem Getränk ins Gespräch zu kommen. Wer letzten Endes Schuld trägt an Tobias Tod, die böse Lene oder Thiel &#8211; der selbst ein Produkt seiner Umwelt ist &#8211; bleibt den Zuschauern überlassen und gibt auf dem Nachhause Weg allen Grund zum Nachdenken. Damit gilt auf und auch neben der Bühne: ein Abend, der Grenzen sprengt.</p>
<blockquote><p><em>Weitere Aufführungen: </em></p>
<p><strong>Bahnwärter Thiel</strong><br />
Sonntag, den 12.06. um 19.00 Uhr<br />
Montag, den 25.07. um 20.30 Uhr<br />
Dienstag, den 26.07. um 20.30 Uhr<br />
Donnerstag, den 28.07. um 20.30 Uhr<br />
Freitag, den 29.07. um 20.30 Uhr</p>
<p><strong>Tschick</strong><br />
Montag, den 13.06. um 20.30 Uhr<br />
Dienstag, den 14.06. um 20.30 Uhr</p>
<p><strong>Gute Witze schlecht erzählt</strong><br />
Donnerstag, den 16.06. um 20.30 Uhr<br />
Donnerstag, den 21.07. um 20.30 Uhr</p>
<p>Ort: <a href="http://www.cityclub.name/">City Club</a>, Konrad-Adenauer-Allee 9, Augsburg / Königsplatz</p></blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/05/frage-nach-der-schuld/">Von der Frage nach der Schuld</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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