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	<title>Weihnachtsgeschichte Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>Weihnachtsgeschichte Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Der bucklige Balduin &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Franziska Berktold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Dec 2021 10:27:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es war wohl keiner Menschenseele zu verübeln, den buckligen Balduin als ein wenig sonderbar zu bezeichnen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/">Der bucklige Balduin &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Es war wohl keiner Menschenseele zu verübeln, den buckligen Balduin als ein wenig sonderbar zu bezeichnen. Wie sein reizender Name schon verrät, war Balduin alt. Wie alt genau wusste niemand. Schon immer hatte er graue Haare und seinen ganz eigenen, gebeugten Gang. Es war aber ein Akt der Unfreundlichkeit, ihn als verrückt zu bezeichnen. So pflogen es allerdings die Erwachsenen des kleinen Dorfes in den Bergen zu tun. Sie erzählten sich gegenseitig die gemeinsten Geschichten und warnten ihre Kinder vor dem gruseligen Alten. Dabei war nichts davon wahr. Der bucklige Balduin sprach mit sich selbst, er beobachtete auch gerne Kinder beim Spielen, aber niemals würde er jemandem etwas zuleide tun, erst recht keinem Kinde! Die Menschen im Dorf hatten dennoch Angst vor ihm. Niemand wusste woher er kam und doch schien er schon immer da gewesen zu sein. Selbst die Ältesten im Dorfrat erinnerten sich nicht an eine Zeit ohne den buckligen Balduin. Aber der wahre Grund, weshalb sie Angst vor ihm hatten, war wohl kaum die Tatsache, dass er </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">aus unerklärlichen Gründen schon immer da war. Es war die Tatsache, dass er anders war, irgendwie in der Zeit stecken geblieben und immerzu übermäßig freundlich. Die Leute suchten nach Fehlern bei ihm und weil er nun mal keine großen Fehler machte, war diese Tatsache eben der Fehler.</span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Balduin wohnte in einer kleinen Hütte auf einem Berg, der fast das ganze Dorf überblickte. Im Winter musste er sich Schneeschuhe an die Füße schnallen, um seine Einkäufe zu erledigen. Während jeder im Dorf schon längst eine Heizung und fließend Wasser hatte, heizte Balduin noch immer mit selbst gehacktem Holz und schmolz im Winter den reichlichen Schnee für einen guten Tee ein. Dort oben fühlte sich Balduin am wohlsten. Selten bemühte sich jemand den steilen Weg hinauf und wenn doch waren es Kinder, die ihm am liebsten waren. Die Kinder beobachteten ihn auch, aber nicht um einen Fehler zu finden, den sie nächste Woche am Stammtisch verbreiten konnten. Sie beobachteten ihn aus reiner Neugierde. Balduin war so anders als all die Erwachsenen, als all die Eltern und Verwandten der Kinder. Die Kleinsten im Dorf kamen häufig zu Balduin. Er erzählte die besten Geschichten weit und breit. Im Sommer wartete der alte Mann bereits mit selbstgemachter Limonade auf die Kinder und im </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Winter saßen sie in der kleinen Hütte um den Ofen herum, dem Knistern des Feuers und Balduins sonderbaren Geschichten lauschend.</span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">An diesem Morgen machten sich alle Kinder des Dorfes auf den Weg, den alten Mann zu besuchen. Sie waren ganz aufgeregt. Zum einen hatten die Eltern doch verboten zu Balduin zu gehen. „Der ist gefährlich, der ist mir nicht geheuer“, hatten sie ihre Kleinen gewarnt. Die Kinder gingen trotzdem. Wie von einer unsichtbaren Macht angezogen spürten sie, dass sie fortmussten. Sie versteckten sich, schlichen davon oder formten ein großes Lügengerüst, indem das eine Kind das andere besuchte. Zum anderen waren die Kinder ganz kribbelig vor Erwartung: Es war der Nachmittag des vierundzwanzigsten Dezembers, Heilig Abend. Schon bald lägen reichlich Geschenke unter dem</span> <span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Christbaum, es würde das beste Essen im ganzen Jahr geben und endlich auch die Plätzchen, von denen sie schon zuvor heimlich genascht hatten.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin wartete bereits auf die Kinder. Er sah aus dem kleinen Fenster seiner Hütte und musste lächeln, als er dem Treiben zusah. Die Kinder konnten selbst beim Laufen ihre Aufregung nicht verbergen. Die Kleinsten rannten um die Älteren herum, tobten im Schnee und jauchzten fröhlich in die eisig kalte Winterluft. Der bucklige Balduin dachte nach. Wie viele Kinder kamen in all den Jahren schon zu ihm, um seinen Kakao zu schlürfen und den vielen Geschichten zu horchen? Fast alle, die jetzt das kleine Dorf bewohnten, waren selbst hier gewesen, als sie noch Kinder waren. Aber es gab immer einen Punkt, an dem die Menschen aufhörten ihn zu besuchen. Es fing damit an, dass sie urplötzlich am Nachmittag des Heiligen </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Abends nicht mehr in der alten Hütte auftauchten. Danach folgte, dass sie nicht mehr mit Balduin sprachen, wenn er den Wochenmarkt besuchte. Und zuletzt, und dies schmerzte Balduin am allermeisten, passierte, dass sie sich vor ihm fürchteten und aus jedem Wort, welches er aussprach, eine Lüge formten, die wie eine Flutwelle durch das ganze Dorf rollte.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin wurde ganz traurig, als er den Kindern länger beim Toben zusah. Nicht, weil er selbst gerne dort unten herumtoben würde. Das hatte er lange genug. Aber er spürte, dass er alt war. Die grauen Haare standen ihm schon ewig auf dem Kopfe und auch der bucklige Gang war für ihn kein Zeichen des Alters. Er spürte, dass es dem Ende zuging. Es fiel ihm von Tag zu Tag schwerer aufzustehen und er hatte immer weniger Freude an seinem Leben. Aber er konnte noch nicht sterben. Was würde mit den Kindern passieren? Dann ist niemand mehr da, der ihnen den wahren Zauber von Weihnachten zeigt. Sie werden nur noch auf die teuren Geschenke achten und dabei ganz geizig werden. Solange er hier noch eine Aufgabe hatte, konnte er nicht sterben, auch wenn er es zurzeit doch so gerne tun würde. Balduin </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">verdrängte den unangenehmen Gedanken an den Tod und legte noch einmal Holz in den Kachelofen nach, bevor die Kinder in die Hütte stürmten und die Ruhe mit ihrem Gelächter vertrieben. Eines nach dem anderen setzte sich auf der Eckbank nieder und sie warteten geduldig bis auch der bucklige Balduin sich in seinem Schaukelstuhl niederlassen würde. Nachdem er jedem eine dampfende Tasse heiße Schokolade hingestellt hatte, war es soweit. Er setzte sich in den knarrenden Stuhl, die schrumpeligen Hände gefaltet und für einen Moment nur die freudigen Kinder betrachtend. „Es war einmal vor langer langer Zeit&#8230;“, begann er zu sprechen und auch die letzten Kinder verstummten, um seinen wunderbaren Geschichten zu lauschen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Unten im Dorf sah es ganz anders aus. Den Stress konnte jeder deutlich spüren, der sich durch das kleine Dorf bewegen würde, auch wenn er versteckt in den kleinen Häusern lag. Der Schnee fiel sanft in tanzenden Flocken auf die Erde hinab. In den Häusern wurden Christbäume aufgestellt und üppig geschmückt. Niemand der Erwachsenen freute sich auf das bevorstehende Fest, vor lauter Stress spürten sie gar nichts anderes mehr. Dies hatten sie noch zu erledigen und bloß jenes nicht vergessen! Die lange Aufgabenliste schwirrte vor ihrem inneren Auge herum, so bemerkten sie auch gar nicht, wo eigentlich ihre Kinder abgeblieben waren. Ein Haus nach dem anderen erstrahlte hell die dunkle Nacht, die Lichter </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">der flackernden Kerzen spiegelten sich in den Schatten wieder und vertrieben einen Teil der Dunkelheit. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Nur in einem Haus war es dunkel. Es war keinerlei weihnachtliche Dekoration zu sehen, weder innen noch außen. Jeder der durch das Dorf laufen würde, müsste sich wundern. Diese Dunkelheit stach so hervor, dass man automatisch stehen blieb, um nachzudenken. Stand das Haus etwa leer? Ist der Bewohner verreist? Mochte er am Ende gar kein Weihnachten? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Das Haus stand nicht leer, der Bewohner war auch nicht verreist und er liebte Weihnachten, eigentlich. Zumindest tat er das früher. Das dunkle Haus bewohnte der traurige Tom. Und so saß er dort im Dunkeln an seinem Küchentisch und starrte gegen die kahle Wand. Er hatte keinen Christbaum. Keine Kerzen erhellten das Licht und auch sonst war da nichts, das auf den Heiligen Abend hindeuten konnte. Der traurige Tom mochte Weihnachten sehr gerne, es war genau seine Zeit. Er schlug immer den schönsten Christbaum aus dem Wald, schmückte nicht nur innen, sondern auch das ganze Dorf und sang den ganzen Tag die schönsten Weihnachtslieder. Aber jetzt gab es niemandem mehr, mit dem er Weihnachten feiern konnte. Seine Eltern waren tragisch verunglückt, und seine geliebte Ellie starb, zusammen mit dem Kind, dass sie bald bekommen sollte. Und was bringen einem der schönste Christbaum, die besten Plätzchen und die schönste Stimme, wenn es niemanden gibt, mit dem man es teilen kann? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Für Tom gab es nichts mehr in diesem Leben, er war einsam und immerzu traurig, was ihm im Dorf den Namen des traurigen Tom einbrachte. Die Menschen mieden auch ihn, aus Angst sie könnten von seiner Traurigkeit angesteckt werden. Dabei wollte er doch nur jemandem haben mit dem er zumindest an diesem Abend die schönsten Weihnachtslieder singen und die besten Plätzchen vernaschen konnte! Als er dort so saß wurde diese Sehnsucht immer größer. Und dann fiel ihm ein, was er stets als Kind getan hatte. Er sprang auf und rannte aus dem Haus ohne abzuschließen. ‚Was mögen die Nachbarn nur denken?‘, fragte er sich, während er wie von etwas verfolgt mitten durch das Dorf rannte. Sie würden ihn fortan nicht nur als traurig, sondern auch als grundlegend verrückt erklären. Aber Tom rannte weiter, es war ihm egal. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">As Kind hatte er sich doch auch nie um die Gedanken der anderen gekümmert, warum sollte er es jetzt tun? Tom sprintete durch den hohen Schnee, sprang über Wurzeln und schlitterte über die glatte Straße. Er hatte das Gefühl, das erste Mal seit Ellies tragischem Tod wieder richtig atmen zu können. Nach einigen Metern stach ihm bereits die kalte Luft in den Lungen und er war ganz außer Atem, aber er rannte andauernd fort. Mit jedem Schritt, den er sich von seinem dunklen Haus entfernte, fühlte er sich besser. Vor lauter Freude fing er an zu summen. Ein Lied nach dem anderen, immer noch rennend. Es würde ihn wirklich nicht wundern, wenn die Leute ihn für verrückt erklären würden, genauso wie den alten Balduin. Aber das taten sie ja sowieso schon.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin erzählte nun schon eine ganze Weile. Er liebte es, Geschichten zu erzählen. An Weihnachten tat</span> <span style="font-weight: 400;">er es am liebsten. Das Feuer knisterte und die Kinder waren ganz unruhig geworden, als Balduin so intensiv erzählte, dass sie die Spannung fast greifen konnten. Kurz bevor die Geschichte ihren Höhepunkt erreichte, stoppte Balduin zu erzählen. Es hatte an der schweren Holztüre geklopft. Die Kinder erschraken, so sehr hatten sie sich auf die Worte Balduins konzentriert. Dieser erhob sich schwerfällig aus seinem alten Schaukelstuhl, um die Türe zu öffnen. Was möge ihn wohl dahinter erwarten? Vermutlich Eltern der Kinder, die wutbrausend den ganzen Weg hierhergelaufen waren, um sie vor ihm zu beschützen. Dabei wollte er doch nur ein paar Geschichten erzählen! Langsam öffnete er die Türe. Erschrocken starrte er sein Gegenüber an. Dann wandelte sich die Erschrockenheit in Überraschung und schließlich in Freude. Er zog den Ankömmling in die gemütliche Stube. Es war der </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">traurige Tom, der geklopft hatte und jetzt in den kleinen Raum trat. Auch den Kindern stand die </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Überraschung in das Gesicht geschrieben. Was wollte der denn hier? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Für einen kurzen Augenblick stand Tom einfach nur im Raum und sah den Kindern in die Augen. Dann setzte auch er sich hin und der bucklige Balduin fuhr mit seiner Geschichte fort. Und als Balduin so erzählte, wurde Tom etwas bewusst: Er hatte in all der Eile des Erwachsenwerdens </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">verlernt, was Weihnachten bedeutet. Er hatte vergessen, welche Freude man empfinden kann, wenn man nur willig ist, sie auch zu spüren. Er hatte sich von Stress überwältigen lassen, er ist in der Traurigkeit versunken. Aber es ist niemals zu spät, Freude zu empfinden. Es ist nie zu spät sich daran zu erinnern, welche Freude dieses Fest einem jedem bescheren kann. Es ist auch nie zu spät, sich aufzuraffen und seine Schatten zu überwinden. </span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Der traurige Tom wurde nicht ganz glücklich. Noch immer fühlte er sich von Zeit zu Zeit einsam. Aber sobald die Kinder, und manchmal sogar die Erwachsenen, ihn besuchen kamen, ging es ihm gut. Aus dem traurigen Tom wurde der trällernde Tom und aus den gestressten Erwachsenen nach und nach </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">wieder Menschen, mit einem Sinn für Freude. Von nun an wurden keine wunderbaren Geschichten erzählt, sondern Lieder und Balladen gesungen. Und auch wenn die Kinder Balduins Geschichten vermissten, die Lieder mit Tom zu singen war ein ehrwürdiger Ersatz.</span></p>								</div>
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		<title>Gibt es überhaupt ein Christkind?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Balthasar Zehetmair]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Dec 2019 09:15:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[christkind]]></category>
		<category><![CDATA[heiligabend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Mann kam nach Hause, setzte sich in seinen Sessel und las die Zeitung. Der Fernseher flimmerte, der Junge war in seinem Sitzsack versunken und konzentrierte sich auf das Spiel in seinem Handybildschirm. Draußen war es dunkel, der Regen prasselte gegen die Scheiben, ein kalter Wind zog durch die Straße, welche alle fünf Minuten ein Amazon-Lieferwagen hinuntersauste. Das gelbe, weiche Licht der Stehlampe wärmte den Raum und im Kamin flackerte das Feuer.<br />
Der Mann legte die Zeitung weg, betrachtete den Jungen eine Weile und fragte dann: „Hast du dem Christkind schon einen Brief mit deinen Wünschen geschrieben?“  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/12/gibt-es-ueberhaupt-ein-christkind/">Gibt es überhaupt ein Christkind?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG-20191220-WA0003-1-1024x767.jpeg" alt="" class="wp-image-12511" width="582" height="435" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG-20191220-WA0003-1-1024x767.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG-20191220-WA0003-1-400x300.jpeg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG-20191220-WA0003-1-1536x1151.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG-20191220-WA0003-1.jpeg 1556w" sizes="(max-width: 582px) 100vw, 582px" /></figure>
<p>Der Mann kam nach Hause, setzte sich in seinen Sessel und las die Zeitung. Der Fernseher flimmerte, der Junge war in seinem Sitzsack versunken und konzentrierte sich auf das Spiel in seinem Handybildschirm. Draußen war es dunkel, der Regen prasselte gegen die Scheiben, ein kalter Wind zog durch die Straße, welche alle fünf Minuten ein Amazon-Lieferwagen hinuntersauste. Das gelbe, weiche Licht der Stehlampe wärmte den Raum und im Kamin flackerte das Feuer.&nbsp;</p>
<p>Der Mann legte die Zeitung weg, betrachtete den Jungen eine Weile und fragte dann: „Hast du dem Christkind schon einen Brief mit deinen Wünschen geschrieben?“&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Noch über das Handy gebeugt gab der Junge ein leises „Nein“ von sich.&nbsp;</p>
<p>„Warum denn nicht?“&nbsp;</p>
<p>„Nerv nicht, ich muss mich konzentrieren sonst verliere ich!“&nbsp;</p>
<p>„Aber willst du denn nicht, dass dir das Christkind etwas bringt?“&nbsp;</p>
<p>Stille. Der Mann klappte wieder seine Zeitung auf. Der Junge spielte weiter.&nbsp;</p>
<p>„Mist, verloren! Gibt es überhaupt ein Christkind?“&nbsp;</p>
<p>„Aber wenn es kein Christkind geben würde, wer würde dann deine Geschenke bringen?“&nbsp;</p>
<p>„Die kaufen die Eltern!“</p>
<p>„Und warum tun die Eltern das?“&nbsp;</p>
<p>Nun hob der Junge den Kopf und sah seinen Vater verständnislos an. „Was?“&nbsp;</p>
<p>„Warum kaufen die Eltern den Kindern zu Weihnachten Spielsachen?“&nbsp;</p>
<p>Keine Antwort. Der Vater stand auf, setzte sich neben den kleinen Jungen auf den Boden und nahm sein flimmerndes Kästchen. „Das ist vom vorigen Jahr. Das Christkind hat es dir gebracht. Und jetzt soll es also kein Christkind geben? Weißt du, wer das Christkind eigentlich ist?“&nbsp;</p>
<p>„Nein!“</p>
<p>„Weißt du, wie es heißt?“&nbsp;</p>
<p>„Na, Christkind heißt es!“&nbsp;</p>
<p>„Nein. Du kennst doch die Geschichte, wie es geboren worden ist. Mit der Krippe und den Hirten und den drei Königen aus dem Morgenland?“</p>
<p>„Ja!“</p>
<p>„Und was ist später mit dem Kind geschehen?“ „Keine Ahnung!?“&nbsp;</p>
<p>„Hast du nie etwas von dem Mann auf dem Kreuz gehört? Jesus von Nazareth?“ „Ja, schon!“&nbsp;</p>
<p>„Der Jesus. Das ist das Christkind. Und er ist auch der Liebe Gott. Das Christkind ist also der Liebe Gott. Hast du das noch nicht gewusst?“ „Nein!“</p>
<p>„Aber der liebe Gott ist kein alter Mann mit langem Bart, sondern ein Kind. Aber er ist kein Mensch, er ist ein Geist, und Geister kann man ja nicht sehen, oder?“&nbsp;</p>
<p>„Geister kann man nicht sehen.“&nbsp;</p>
<p>„Das Christkind ist also ein unsichtbarer Geist. Und das Christkind kann auch nichts einkaufen und nichts tragen, weil es ja keine Arme hat und nicht sprechen kann. Deswegen glaubst du, weil du das Christkind nicht sehen kannst, gibt es kein Christkind. Aber glaub mir: Es gibt das Christkind!“&nbsp;</p>
<p>Der kleine Junge drehte sich vom Vater weg und beobachtete des Feuer. Ein Amazon-Kurier raste durch die Straße.&nbsp;</p>
<p>„Das Christkind ist der Liebe Gott und hat alle Kinder sehr lieb. Es spricht auch zu den Menschen, nur hört man es nicht laut, sondern in sich drinnen. Und einmal im Jahr, zu seinem Geburtstag, da spricht es mit den Eltern und bittet sie, dass sie ihren Kindern etwas schenken sollen, weil es das ja nicht tun kann. Und die Eltern hören das Christkind und kaufen Geschenke. Sie schmücken den Baum und legen die Geschenke darunter und dann läuten sie mit einer Glocke.“</p>
<p>„Aber wenn man es nicht sehen kann?“&nbsp;</p>
<p>„Man spürt es. Man spürt es immer, wenn man zu einem Menschen gut ist und ihn gern hat. Wenn jemand böse ist, dann weint das Christkind. Wenn du gut zu jemandem bist, dann freut es sich und das spürst du. Und wenn du lieb warst, dann erfüllt dir das Christkind auch alle deine Wünsche. Also schreib deinen Brief an das Christkind.“</p>
<p>Der Vater stand auf um dem Jungen ein Blatt Papier und einen Stift zu holen.&nbsp;</p>
<p>„Mit Papier und Stift?“</p>
<p>„Ich werde das dann mit dem Christkind besprechen und wenn du brav warst, dann liegen viele Geschenke unter dem Christbaum.“&nbsp;</p>
<p>Der Vater klappte wieder seine Zeitung auf. Der Junge malte die Buchstaben langsam auf das Papier. Es war Abend, draußen regnete es, die Amazon-Kuriere rasten vorbei. Das Weihnachtsfest und ein neues Jahr standen vor der Tür wie jedes Jahr und wie noch viele weitere Jahre. Und immer wird es Kinder geben die fragten ob es das Christkind überhaupt gebe. Die Antwort darauf wird immer schwierig sein, weil für die Menschen eben nur die Geschenke sichtbar sind, nicht die Liebe.&nbsp;</p>
<p>Es läutet, bepackt mit Paketen stand der Amazon-Kurier vor der Tür.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/12/gibt-es-ueberhaupt-ein-christkind/">Gibt es überhaupt ein Christkind?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Ein Augsburger Esel im Rampenlicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Nov 2016 09:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburger Puppenkiste]]></category>
		<category><![CDATA[filmtipp]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kinotipp: Die Weihnachtsgeschichte in einer Inszenierung der Augsburger Puppenkiste Trotz allem Rummel in den Innenstädten ist und bleibt Weihnachten ein Fest der Traditionen. Spätestens bei der Frage, was Heiligabend auf den Tisch kommt oder wie sich um den Weihnachtsbaum versammelt...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/11/rezension-puppenkiste-weihnachtsgeschichte/">Ein Augsburger Esel im Rampenlicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Kinotipp: <em>Die Weihnachtsgeschichte </em>in einer Inszenierung der <em>Augsburger Puppenkiste</em></h2>
<figure id="attachment_9317" aria-describedby="caption-attachment-9317" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-9317" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/AP_Bild17_1200.png" alt="Text: Michael Müller - Foto: ©FS/Kiko" width="1200" height="857" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/AP_Bild17_1200.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/AP_Bild17_1200-400x286.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/AP_Bild17_1200-768x548.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/11/AP_Bild17_1200-1024x731.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9317" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Foto: ©FS/Kiko</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Trotz allem Rummel in den Innenstädten ist und bleibt Weihnachten ein Fest der Traditionen. Spätestens bei der Frage, was Heiligabend auf den Tisch kommt oder wie sich um den Weihnachtsbaum versammelt wird, begehen viele Familien alljährlich ihre eigenen, kleine Rituale. Auch das Kino hat sich wiederholt den familiären Weihnachtsgeschichten mit all ihren Freuden und Katastrophen gewidmet – und das häufig schrill und sehr amerikanisch. Die <em>Augsburger Puppenkiste</em>, selbst ein Ort liebgewonnener Tradition, nimmt sich demgegenüber bereits seit 2014 auf der Theaterbühne der ursprünglichsten aller Weihnachtsgeschichten an, nämlich der biblischen. In diesem Jahr findet ihre Inszenierung erstmals den Weg auf die große Leinwand und schafft es dabei, alle Versprechen einzulösen.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Montag dieser Woche wurde der Film, der seine Weltpremiere bereits auf dem Fünf Seen Filmfestivals in Starnberg gefeiert hatte, erstmals in Augsburg vor Mitwirkenden, Unterstützern und Freunden der Puppenkiste gezeigt. Dabei war schnell klar, dass der Charme der berühmten „Stars an Fäden“ auch im Kino trägt. Ein ganz wichtiger Grund dafür liegt im Drehbuch <em>Judith Gardners</em>, das die Geschichte der Heiligen Familie nach Motiven der Evangelien des Lukas und des Matthäus erzählt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Esel <em>Noel</em>, dessen wichtige Rolle als treuer Begleiter und Helfer in der Not hier erstmals ins rechte Licht gerückt wird. Mit ihrem Humor hilft die Figur zudem wesentlich dabei, den anspruchsvollen Spagat zwischen der Würde des Stoffs und der liebevollen Ironie zu meistern, die viele mit der Puppenkiste verbinden.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Hochaktuell und nicht nur für junge Zuschauer</h3>
<p style="text-align: justify;">Dass sich der Film an Kinder und Erwachsene richtet, wird vor allem dann deutlich, wenn es um das Thema der kulturellen Verständigung geht. Denn viele der Abweichungen von der Originalvorlage stehen im Zeichen des Zusammenhalts und der Solidarität. So betont <em>Die Weihnachtsgeschichte</em> auf kindgerechte, aber eindrückliche Weise den Umstand, dass Maria und Joseph Bethlehem als Vertriebene erreichen und dass es gerade die armen Hirten sind, die ihnen mit Mitgefühl begegnen. Ein besonderer Kunstgriff liegt in der bewussten historischen Abweichung, die Weisen aus dem Morgenland als Symbol für den gemeinsamen Ursprung von Christentum und Islam aufzugreifen. Damit leistet der Film gerade in seiner ruhigen Art einen ganz eigenen Beitrag zu einer großen gesellschaftlichen Debatte und betont einen Aspekt der weihnachtlichen Überlieferung, der aktueller nicht sein kann.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/2o8NaFzQH6U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p style="text-align: justify;">Neben dem Drehbuch sind es natürlich vor allem die Puppen selbst, welche <em>Jürgen Marschall </em>im berühmten Stil der Puppenkiste angefertigt hat, und das Bühnenbild von <em>Hans Kautzmann</em>, die sofort Erinnerungen an die Kindheit wecken. Im Gegensatz zu den bekannten Fernsehproduktionen handelt es sich bei <em>Die</em> <em>Weihnachtsgeschichte</em> um die filmische Umsetzung einer Theaterinszenierung, wobei sowohl das Publikum als auch Bewegungen des Bühnenbilds einbezogen sind. Dabei sind die Bilder von den warmen Farben und geschwungenen Linien des Wüstenmotivs geprägt. Auch der überzeugende Soundtrack aus der Feder <em>Susanne Ortners</em>, der sich am Klang der jüdischen Klezmer-Musik orientiert, verweist auf das Heilige Land. Der dezente Swing dieser ursprünglich als Hochzeitsmusik entstandenen Stilrichtung und vor allem der humorvolle Einsatz der Klarinette erinnern dabei immer wieder an die beliebten Melodien aus <em>Lummerland</em> und Co.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer sich also auf ruhige und besinnliche Art für das Weihnachtsfest einstimmen möchte, sollte diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Dabei kommen auch Fans des bekannten Marionettentheaters voll auf ihre Kosten, denn die Inszenierung steht nicht nur ganz im Zeichen der christlichen Überlieferung, sondern in den Worten des Theaterleiters <em>Klaus Marschall</em> ebenso in der „alten Tradition der Puppenkiste“. Gezeigt wird der Film in über 300 Kinos in Deutschland und Österreich, in Augsburg an allen Adventsonntagen im <em>Cinemaxx</em>, dem <em>Thalia Kino </em>und dem <em>Liliom</em>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/11/rezension-puppenkiste-weihnachtsgeschichte/">Ein Augsburger Esel im Rampenlicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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