Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Außergewöhnliche Studienwege im Profil (Teil I)

„Karrieregeil, aber nicht um jeden Preis“ – Was Indiana Jones und Eurocopter gemeinsam haben

Nach einem langen Arbeitstag geht es endlich nach Hause. Dort muss Jens Hansen noch seinen Film fertig schneiden. Der 22-Jährige arbeitet als festangestellter Video Producer beim Computermagazin CHIP, und betreibt er mit einem Freund eine eigene Videoproduktionsfirma. Das ungewöhnliche an Jens: Er ist eigentlich Student im 5ten Semester Medien und Kommunikation. Für seine Karriere stellt Jens das Studium jedoch erst einmal hinten an.

 

Von Sandra Junger

Alles fing mit seiner Hiwi-Stelle im Medienlabor an, wo Jens die Grundlagen des Videodrehens erlernte. Darüber ist der (Teilzeit)- Student dann zu Südwild, dem TV-Jugendmagazin des BR gelangt. Hier hat  er auch seinen späteren Geschäftspartner Marcel kennen gelernt, mit dem er kurz darauf einen Indiana Jones Fan-Film drehte. Was als Spaßprojekt begann, reifte bald zu einer ausgefeilten Idee: Professionell Werbefilme drehen! Und der erste große Kunde ließ nicht lange auf sicher warten: Mit ihrem Talent überzeugten die beiden Jungs den Hubschrauber-Hersteller Eurocopter. „Für sie haben wir bisher zwei Werbefilme gedreht. Beim letzten Filmprojekt durften wir sogar für Dreharbeiten nach Südafrika fliegen“, erzählt Jens voller Stolz. Die Produktionsfirma ist für ihn neben dem Studium sein zweites Standbein.

Geld und Sicherheit als Zukunftsziele

Als wäre das noch nicht genug, arbeitet Jens seit letztem Herbst beim Computermagazin CHIP. Dafür hat er sich extra ein Urlaubsemester genommen, denn: „Mir ist durchaus bewusst, dass man in der Filmbranche Erfahrungen und Referenzen braucht, das Studium ist dabei zweitrangig.“ Ist Jens nun karrieregeil? „Das Thema Karriere beschäftigt mich schon sehr“, erzählt er, „Mir ist es wichtig, später erfolgreich und finanziell abgesichert zu sein. Deswegen möchte ich auch alle beruflichen Erfahrungen mitnehmen. Auf gewisse Art bin ich schon karrieregeil, aber nicht um jeden Preis.“

Die Schattenseiten des Ehrgeizes

Wenn Jens etwas macht, dann richtig. Der Augsburger Student hat einen großen Anspruch an sich selbst, will alles perfekt machen. Doch das führt oft zu psychischem Druck. „Ständig habe ich Deadlines im Nacken, die hohen Erwartungen und das Geld, das an den Projekten hängt, erhöhen den Druck zusätzlich.“ Nicht nur er selbst leidet unter seiner Dreifachbelastung, auch seine Familie und Freunde. Zeit ist meist Mangelware. „Das Schlimmste war, als ich vor lauter Stress den Geburtstag meines Vaters vergessen habe.“ Doch auch wenn seine Zeitplanung ihm viel abverlangt, würde er nichts ändern wollen: „Ich mache das alles, weil es mir Spaß macht und ich einmalige Erfahrungen sammeln kann. Beruf und Leidenschaft zu verbinden, das ist auch mein Ziel für die Zukunft.“

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