Fleisch ist Mord – go vegan!

Eine Woche als Veganer

Fleisch ist Mord – go vegan! So steht es am Bahnhof Augsburg/Haunstetter Str. geschrieben. Harte Worte, aber irgendwie stimmt es doch. Besonders in den Großstädten ist der Trend zum Veganismus derzeit weit verbreitet – sei es aus tierrechtlichen Gründen oder einfach wegen des Lifestyles. Und jetzt hat es auch mich gepackt, das Veganfieber. Zumindest für eine Woche!

Von Annika Wagner

Bevor ich meine sieben tierfreien Tage einläuten kann, ist erst einmal Vorbereitung angesagt. Was bedeutet eigentlich vegan? Was darf ich essen? Darf ich überhaupt noch essen?! Das waren in etwa die Fragen, die mir einige Tage vor dem Startschuss durch den Kopf gingen. Computer an und los geht’s! Bald wurde mir klar, dass Veganismus mehr als nur der Verzicht auf tierische Lebensmittel ist. Ich stoße im Netz immer wieder auf Begriffe wie vegane Kosmetik und vegane Kleidung. Keine Kosmetikprodukte zu benutzen, die an Tieren getestet worden sind, scheint mir sehr plausibel. Aber vegane Kleidung? Was soll das denn sein?! Na ja, ich muss gestehen, dass ich mein Projekt auf eine vegane Ernährung beschränke, denn meine bisherigen Kosmetika sind allesamt NICHT vegan, ebenso wenig mein Kleiderschrank. Und da mein Studentengeldbeutel nach jedem Cent lechzt, wollte ich mich für diese eine Woche nicht von Kopf bis Fuß neu einkleiden.

Ich habe mich bei meinem Selbstversuch bewusst für die Vorweihnachtszeit entschieden. Vor der ganzen weihnachtlichen Völlerei muss man seinem Körper schließlich mal eine kleine Ruhepause gönnen. Außerdem steigt so der Hunger auf die obligatorische Weihnachtsgans! Die Wahl des Zeitpunktes hat sich allerdings schnell als Fehlentscheidung herausgestellt.

Aller Anfang ist schwer?

Am Abend vor meiner veganen Woche war erst einmal einkaufen angesagt. Auf dem Einkaufszettel steht viel Obst und Gemüse, aber selbstverständlich auch – um ein paar Klischees zu bedienen – Soja in Schnitzelform. Der Quark, den es bei mir normalerweise mit Obst und Nüssen zum Frühstück gibt, wird ganz einfach durch Sojajoghurt ersetzt, der Käse für das Brot durch Gemüseaufstrich. Eigentlich alles ganz einfach! Ich bin überrascht, welch umfangreiches veganes Angebot herkömmliche Supermarktketten mittlerweile anbieten, so blieb mir zumindest der Gang in den Biomarkt erspart. Allerdings hatte das Ganze seinen Preis, denn in dieser Woche habe ich locker doppelt so viel ausgegeben als sonst.

Am ersten Abend gab es Reis mit Gemüsesoße. An sich ein Essen, dass ich mir sonst auch kochen würde. Köstliche Salate und das Sojaschnitzel folgten. Ich hatte mir das Ganze viel schlimmer vorgestellt. Eins sei gesagt: Nein, ein Sojaschnitzel schmeckt nicht einmal annähernd so gut wie seine fleischigen Namensvetter!

Mission Mensa

Nachdem ich die Selbstverpflegung in den eigenen vier Wänden erfolgreich bewältigt hatte, war ich bereit für die nächste Herausforderung: essen in der Mensa. Um nicht in Versuchung zu geraten, machte ich einen großen Bogen um die Grillstation. Wer braucht schon Fleisch zum glücklich sein?! Wie gut, dass unsere Mensa ein so umfangreiches Angebot an Essensmöglichkeiten hat. Das vegetarische Gemüsebuffet lachte mich an, aber ich war mir unsicher. Wurden die Zucchini und der Brokkoli etwa in Butter geschwenkt? Um sicher zu gehen, dass ich keinen Fehler machte, entschied ich mich schließlich für das Salatbuffet. Hier gab es schließlich genug Auswahl für einen Veganer. Diesmal musste ich leider auf meinen heißgeliebten Thunfisch verzichten, aber immerhin war der Rest erlaubt.

Eine Portion Kartoffelecken, bitte. Aber ohne Soße!

Obwohl ich ganz gut mit der Essensumstellung zurecht gekommen bin, wurde mir klar, dass es dumm von mir war, die vegane Woche in die Adventszeit zu legen. Das zeigte mir unter anderem ein Besuch auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt. Der schlimmste Tag der Woche. Zumindest für mich! Essensstände an jeder Ecke. Bratwurst und Co warteten nur darauf, verzehrt zu werden. Aber ich blieb standhaft. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich hier überhaupt etwas finden werde. Zum Glück hatte ich meine Notfall-Banane dabei! Am Ende wurde ich dann doch noch fündig, an einem Kartoffelstand. „Eine Portion Kartoffelecken, bitte. Aber ohne Soße! ‟ hieß es für mich. Auf Sour Cream, Mayonnaise oder Cocktailsoße musste ich zwar verzichten, aber das war mir in dem Moment egal.

Daheim war es allerdings auch nicht immer leicht. Während sich meine Mitbewohnerin ihre selbstgebackenen Plätzchen und Lebkuchen schmecken lies, knabberte ich genüsslich an meiner Reiswaffel. Schmeckt ja fast genauso gut! Auch die Türchen meines Adventskalenders blieben für sieben Tage geschlossen. Schokolade und Milchcreme – geht nicht. Als Veganer hat man es zur Weihnachtszeit echt schwer.

Die Erlösung

Endlich! Eine Woche Veganismus ist vorbei. Mein Fazit: Grundsätzlich ist es nicht allzu schwer, auf tierische Produkte zu verzichten – solange man zuhause ist. Die Auswahl an Alternativlebensmittel ist riesengroß. Von veganem Schokopudding bis hin zur fleischfreien Leberwurst gibt es beinahe alles, natürlich aus des Veganers Lieblingslebensmittel Soja. Über den Geschmack möchte ich mich allerdings nicht äußern. Ist eben Geschmackssache! Am Ende des Projekts hatte ich jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – tierischen Hunger auf „normales‟ Essen wie Käse, Milch und natürlich Schokolade. Sich unterwegs einfach ein Stück Pizza oder einen Muffin mitnehmen, ohne sich überlegen zu müssen „Darf ich das überhaupt essen?‟. Darauf habe ich mich nach den sieben Tagen am meisten gefreut.

Etwas Gutes hatte es trotzdem: Ich konnte meine sieben Adventskalendertürchen alle auf einmal essen!

Autoren des Artikels

Annika Wagner

Redakteurin