WWW im Duell um den OB-Posten: Im Gespräch mit Eva Weber (CSU)

An einem stürmischen Vormittag auf dem Rathausplatz empfangen uns Richard Goerlich, bisher Pressesprecher der Stadt Augsburg und nun Wahlkampfmanager, und die Frau, die das freiwerdende Amt des Oberbürgermeisters gerne übernehmen möchte: Eva Weber, aktuell Wirtschafts- und Finanzreferentin sowie zweite Bürgermeisterin, geht für die CSU ins Rennen und möchte die letzte große Hochburg der Christsozialen verteidigen. Nach einer freundlichen Begrüßung geht es rund 250 Meter die Maximilianstraße in Richtung Süden entlang. In einem ehemaligen Bastelgeschäft wurde Anfang Februar das „Camp Eva“ eröffnet, die offizielle Wahlkampfzentrale des „Team Eva“.

Frau Weber, Sie haben die Chance, in die Fußstapfen von Kurt Gribl zu treten, der in seinen beiden Amtszeiten zweifelsohne vieles in Augsburg bewegt hat. In Ihrem Wahlprogramm sprechen Sie von einer Dynamik, dem sogenannten „Augsburg-Spirit“ – was beinhaltet dieser und wie möchten Sie ihn weiterführen?

Weber: Den Spirit spüren wir glaube ich vor allem alle. Ich habe 1996 hier angefangen zu studieren und die Stadt von damals ist mit der Stadt heute nicht zu vergleichen. Das, was in den letzten Jahren geschafft worden ist, wie zum Beispiel der Innovationspark, der Ausbau von Uni und Hochschule, das Uniklinikum und das Staatstheater, sind alles Bausteine, die Großstadt und urbanes Leben ausmachen und die einfach ein Gefühl in der Stadt hinterlassen – das ist der „Augsburg-Spirit“.

Eva Weber in ihrem „Wahlkampfgefährt“

Nun möchten wir gerne etwas spezifischer auf einzelne Themenbereiche eingehen. Beginnen wir mit dem Thema Wohnen. Wie wollen Sie einen Kompromiss aus mehr Bauen (Stichwort Wohnraumoffensive) und mehr Umweltschutz (Flächenfraß) finden?

Weber: Augsburg hat schon in den vergangenen Jahren Innenentwicklung vor Außenentwicklung gestellt. Wir hatten ja das große Glück, mit den Konversionsflächen viel machen zu können. Und bei der grundsätzlichen Aussage, dass natürlich erstmal im Innenraum oder da, wo schon gebaut ist, nachverdichtet werden muss, bevor außen irgendwelche zusätzlichen Flächen dazukommen, dabei bleibt es auch. Ausnahme ist unser neues Gebiet Haunstetten-Südwest, das kürzlich vorgestellt worden ist. Der Rahmenplan hierfür sieht 50 Prozent Grünflächen vor. Es ist ja nicht so, dass da 200 Hektar eng an eng zugebaut werden, sondern 50 Prozent sind Wasserläufe, Parks und Ähnliches mehr. Und so glaube ich, kann qualitativ hochwertiges Wohnen auch entstehen. Aber qualitativ hochwertig heißt nicht preislich hochwertig. Wir haben jetzt schon Grundstücke für unsere Wohnungsbaugesellschaft in dem Gebiet gesichert und wir werden dort auch versuchen, mit Konzeptvorgaben soziale Aspekte des Wohnens unterzubringen. Zum Beispiel auch, indem wir Grundstücksflächen für Genossenschaften anbieten. Und studentisches Wohnen wird auch ein Thema sein.

Da würden wir gleich mal einhaken: Gerade die Suche nach bezahlbarem Wohnraum ist für Studenten ein großes Thema. Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie ergreifen, damit sich auch Studenten in Zukunft noch Wohnen in Augsburg leisten können?

Weber: Naja, beim Wohnen geht es ja auch darum, dass wir natürlich auch ein Angebot brauchen, damit man überhaupt eine Wohnung findet. Momentan ist das Angebot knapp, weswegen die Preise nach oben gegangen sind zusätzlich zu dem, dass die Baupreise an sich, also die Erstellungskosten, auch relativ hoch sind und dementsprechend sich die Mietpreise ableiten. Insofern wird sich natürlich, wenn auch mehr gebaut wird, auch eine Entspannung für die Studierenden ergeben. Wir haben jetzt bereits Baugenehmigungen für ungefähr 3.000 Wohneinheiten in petto, das sind statistisch rund 7.000 Personen, die dort dann wohnen können. Daran sieht man schon, dass in den letzten Jahren dieser Stau aufgelöst worden ist. Ein Bebauungsplan braucht einfach mal ein bisschen, bis er vom Stadtrat auch wirklich beschlossen wird, da auch entsprechend lange Planungsschritte dabei sind.

Aber wir haben zum Beispiel im Wahlprogramm ein Projekt drin, das heißt „Wohnen für Hilfe“ und das gibt es bereits in München. Hier unterstützt man insbesondere älteren Damen und Herren, die alleine und teilweise auch in großen Wohneinheiten wohnen und manchmal etwas Hilfe im Alltag brauchen, wie zum Beispiel beim Einkaufen, beim Rasenmähen, beim Baumzuschneiden, beim Hausgangputz oder Ähnlichem. Studierende ziehen dann dort ein – kostengünstig oder umsonst – und im Gegenzug geben sie Hilfestellungen, indem dem älteren Eigentümer oder Mieter dann geholfen wird, das Leben zu bewerkstelligen.

Und wie konkret sehen in Augsburg die Pläne dafür schon aus?

Weber: Wir sind im Wahlkampf (lacht). Im Wahlkampf muss man erstmal auch Ideen entwickeln. Aber meine Kontakte zur Universität, zur Hochschule oder auch zum Studentenwerk sind gut. Ich glaube, dass man dadurch, dass man sich kennt und einen engen Draht hat, relativ schnell ein gemeinsames Projekt auf den Weg bringen kann.

„Mobilität ist eine Daueraufgabe, die nie abgeschlossen sein wird.“

Kommen wir zum Thema Mobilität. Das Ziel „Fahrradstadt 2020“ wurde bekanntlich verfehlt. Woran lag das und wie soll das in Zukunft verbessert werden?

Weber: Dass die Radfahrerinnen und Radfahrer sich mehr wünschen, kann ich total verstehen. Und dass mit einem Radbegehren nochmal versucht wird, Druck zu machen auf die Politik, kann ich auch verstehen, da sie sich einfach mehr erhofft hatten. Ich finde trotzdem, man muss sich genauer anschauen, wie diese Zahlen (Anteil des Radverkehrs 19,4 % statt 25 %; Anm. d. Red.) zustande kommen. Die 19,4 % sind ja aufgesplittet in verschiedene Kilometerdistanzen. Im niedrigen Bereich haben wir einen Radverkehrsanteil von rund 28 %. Und das sind ja die normalen Distanzen, die man mit dem Fahrrad fährt. Diejenigen, die bis an die 10 Kilometer einfach jeden Tag mit dem Fahrrad fahren, die müssen noch mehr werden. Dadurch entsteht der Mittelwert von 19,4 %.

Mobilität ist eine Daueraufgabe, die nie abgeschlossen sein wird. Das Thema Fahrradfahren wird nie abgeschlossen sein, ebenso wie die Weiterentwicklung des ÖPNV. Ich glaube, dass sich die Mobilität in den nächsten Jahren ganz wesentlich verändern wird. Zudem glaube ich, dass wir umswitchen werden hin zu Plattformökonomien wie zum Beispiel Carsharing, das jetzt gerade schon bei den Stadtwerken erfolgreich gemacht wird oder auch deren Mobil-Flat, mit der man für 79 Euro im Monat wirklich alles fahren kann, was man braucht. Die Tendenz vom eigenen Auto weg wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren automatisch erfolgen, gerade wenn ich mir anschaue, wie Kinder von Freunden nicht mehr automatisch ihren Führerschein machen, um ihn auch am 18. Geburtstag abholen zu können. Bei mir war das damals noch anders: Mein erster Gang in der Früh meines 18. Geburtstag war, dass ich mir meinen Führerschein abgeholt habe – das ist wirklich anders geworden.

Das Thema Mobilität wird uns sehr beschäftigen, auch zum Beispiel die ganze Diskussion zum Thema ÖPNV-Preise. Wir müssen es halt nur irgendwie finanzieren. Und gerade ÖPNV ist wahnsinnig teuer: Für jeden Euro, den der Fahrgast zahlt, zahlt die öffentliche Hand einen weiteren Euro obendrauf. Das würde kein Unternehmer machen, weil er sagt „Da bin ich pleite“ – das ist reinste öffentliche Daseinsvorsorge.

Einige Mitbewerber haben konkrete Forderungen in ihrem Wahlprogramm, wie zum Beispiel eine autofreie Maxstraße oder eine Verkehrsberuhigung der Karlstraße. Wie sieht Ihr Mobilitätskonzept für die Innenstadt aus?

Weber: Auch wir haben einen Punkt in unserem Wahlprogramm zum Thema Maximilianstraße, wo wir die Autos mehr raushaben und eine höhere Aufenthaltsqualität umsetzen wollen. Zudem haben wir einen Rückbau der Karlstraße mit im Programm, soweit es eben auch geht. Man muss wissen, dass da 25.000 Fahrzeuge am Tag durchfahren. Ich glaube nicht, dass sich die Anwohner in den Wohnvierteln ringsum freuen würden, wenn dort auf einmal der Verkehr durchgeht. Da muss man einfach auch schauen, wie man das macht. Oder wir haben zum Beispiel auch die Karolinenstraße drin, damit dort weniger Durchgangsverkehr und mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist.

Wenn man gerade über eine autofreie Innenstadt diskutiert, muss man dabei auch ehrlich sein. Keiner findet es schön, wenn Autos im öffentlichen Raum stehen, und man kann sich da tausend andere Sachen vorstellen. Aber gerade in der Maximilianstraße gibt es auch Anwohner, die Zufahrtsberechtigungen zu Tiefgaragen und Ähnlichem haben. Da kann man nicht sagen „Das darfst du nicht mehr“ nach dem Motto „Ist uns wurscht, gibt’s halt jetzt nicht mehr.“ Deshalb muss man schon ehrlich sein in der Diskussion, wie man das dann eben auch umsetzen will.

Noch etwas konkreter zum Thema ÖPNV: Wie stehen Sie zur aktuell diskutierten möglichen Ausweitung des Geltungsbereichs im Semesterticket?

Weber: Das Semesterticket ist eine Solidarfinanzierung von allen. Jeder Studierende, egal ob er das ÖPNV-Ticket nutzt oder nicht, zahlt ja mit. Das ist im Endeffekt genau das gleiche System wie beim FCA oder wenn man ins Theater geht und da zwei Stunden vorher und nachher mit dem ÖPNV fahren darf. Dadurch ergibt sich eine Finanzierung des gesamten Systems und ich weiß, dass im AVV – auch da habe ich schon Gespräche geführt – gerade diskutiert wird, was denn passieren würde, wenn man auf die Zone 30 ausdehnt, um die es ja zurzeit vor allem geht. Und da muss man halt einfach wissen: Es wäre eine Solidarfinanzierung, mit der es für alle Studierenden teurer werden würde. Deshalb ist momentan die Frage, wie man es machen will. Ich glaube, dass sich manche Dinge auch auflösen werden, wenn im Herbst das 365 Euro-Ticket für Schüler und Studierende eingeführt werden soll. Das ist zwar für diejenigen, die im Innenbereich wohnen, nicht attraktiver, weil sie mit dem Semesterticket günstiger unterwegs sind. Aber für diejenigen, die ein bisschen weiter draußen wohnen, wird es glaube ich die Lösung sein, wie man damit umgehen kann.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Umwelt. Auf einigen Ihrer Wahlplakate liest man den Begriff „Blue City“. Sie möchten Augsburg zur klimafreundlichsten Großstadt Bayerns machen. Wie kann dies gelingen?

Weber: Das sind verschiedene Säulen. Blue City ist ein wissenschaftlicher Begriff. Das ist nichts, was wir erfunden haben, sondern das umfasst eben, dass man nicht vom ideologischen Grün spricht, also ideologischem Klimaschutz nach dem Motto Verzicht, sondern es geht eben auch darum, dass man Technologien und Innovationen fördert. Eins der Beispiele, wo man es vielleicht am greifbarsten verstehen kann: In den 80er Jahren war Waldsterben und damals hat die Autoindustrie einen Katalysator erfunden, um eben diese schädlichen Stoffe nicht mehr hinten aus dem Auto rauskommen zu lassen.

Ich glaube, dass wir Klimaschutz nicht nur für Augsburg sehen können, wir können es nicht nur für Bayern sehen, sondern man muss es global sehen. Wir müssen versuchen, durch entsprechende Innovationen die CO2-Emissionen vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln. Wir haben Schwellenländer, wir haben Staaten in Afrika, die einfach mehr wollen. Die sehen im Internet, wie es den Leuten in Europa geht. Die wollen Wohlstand haben und wenn man denen sagt, das wäre zwar ganz nett, wenn es euch ganz gut gehen würde, aber wir können euch da nicht unterstützten, weil, wir müssen aufs Klima achten. Ich glaube, das wird da niemand verstehen und deswegen glaube ich, dass die einzige Möglichkeit ist, wirklich Anreize zu setzen für eben innovative Klimaschutztechnologie und entsprechende Innovationen.

In Augsburg sind wir da schon gut unterwegs, wenn man sich zum Beispiel die MAN anguckt. Die war früher dafür bekannt, dass sie Diesel-Schiffsmotoren gegossen hat. Das machen sie auch nach wie vor. Sie haben sich aber vor zwei Jahren umbenannt in „Energy Solutions“, weil sie dekarbonisierte, zukunftsfähige Energieversorgungssysteme anbieten. Sie wollen eben genau diesen Switch mitgestalten, wie man künftig ohne entsprechende CO2 Belastungen Energieversorgung leisten kann. Oder schauen Sie ins Technologiezentrum an der Universität. Da sind ein Haufen Unternehmen, die sich auch genau mit der Frage beschäftigen: Wie können wir weniger Ressourcen verbrauchen? Wie können wir damit unser Klima schützen? Das ist sozusagen die eine Säule, die umgesetzt werden muss.

Das Zweite ist, dass wir natürlich unsere Bürgerinnen und Bürger dazu auch animieren wollen, mitzumachen beim Klimaschutz. Das fängt bei kleinen Sachen an, dass man eben auch überlegt, wo kaufe ich ein oder auch wirklich zu sagen, hey, wir müssen den ÖPNV auch so attraktiv machen, dass man eben auch gerne mit Straßenbahn und Bus unterwegs ist und dafür auch einfach mal das Auto stehen lässt. Das Thema Lastenfahrrad-Förderung haben wir im letzten Jahr ja schon umgesetzt. Also da gibt es schon auch einige Möglichkeiten und Stellschrauben, wo wir eben die Augsburgerinnen und Augsburger wirklich auch gut motivieren können, selber einen Beitrag zu leisten. Und aus der Summe dieser kleinen Puzzlesteinchen wird ein großer Puzzlestein für Augsburg.

Also steht Blue City als Abgrenzung zur Green City, weil Technologie und Fortschritt miteinbezogen werden?

Weber: Ja.

Sie haben ja bekanntlich auch in Augsburg studiert. Wie ist Ihre persönliche Beziehung zur Uni Augsburg und wie blicken Sie auf Ihre Zeit dort zurück?

Weber: Naja, also wenn man da mal studiert hat, dann hat man natürlich eine persönliche Beziehung. Ich habe ja noch in der Eichleitnerstraße studiert. Im Vorlesungsraum über der alten Mensa war meine erste Vorlesung im ersten Semester. Ich habe Jura studiert und wir wurden damals willkommen geheißen mit dem wunderbaren Satz „50 Prozent von Ihnen werden das vierte Semester nicht sehen und von den restlichen 50 Prozent, die da sein werden, werden 35 Prozent durchs erste Examen fallen.“ Da dachte ich mir so „Ja vielen Dank auch.“ Da ist man schon mal so richtig motiviert ins erste Semester gestartet.

Für mich war die Zeit an der Uni Augsburg die schönste Zeit in meinem Leben. Einfach auch deswegen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich von zuhause weg war, und das erste Mal, wo ich alleine gewohnt habe. Aus der Zeit kommen meine engsten, besten, tiefsten Freundschaften. Alleine deswegen habe ich da eine enge Beziehung. Und wenn ich jetzt an der Uni unterwegs bin, finde ich es einfach toll, dass es eine Campus-Uni ist, die so ein ganz eigenes Flair hat. Ich finde, es ist wunderschön geworden, gerade mit der juristischen und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät – das hat schon was.

Inwiefern ist Augsburg für Sie eine Studentenstadt?

Weber: Ich glaube, da haben wir noch ein bisschen Luft nach oben. Gerade durch den Campus – was ja für jemanden, der studiert, super ist, weil einfach alles an einem Platz ist – merkt man das studentische Leben in der Innenstadt relativ selten. Meine Schwester wohnt in Heidelberg, da sind sämtliche Institute etc. auf die gesamte Stadt verteilt. Das heißt, man hat auch überall immer Studierende vor der Nase, die die Räume und Gebäude wechseln – da ist es mehr greifbar. Ich finde, in Augsburg hat sich schon auch was getan. Es ist nicht so, dass man die fast 27.000, die an der Hochschule und an der Uni studieren, nicht merkt. Aber ich glaube, dass man für die Verankerung von Uni und Hochschule in die Stadt einfach noch mehr tun kann, angefangen mit der „Langen Nacht der Wissenschaft“ vor zwei Jahren oder der Ringvorlesung „Reden wir über Digitalisierung“ im letzten Jahr. Das waren alles so Themen, wo wir versucht haben, den Bürgerinnen und Bürgern ins Bewusstsein zu bringen, dass es eine Uni und eine Hochschule gibt, die echt einen coolen Job machen.

Haben Sie noch weitere konkrete Maßnahmen, wie das Uni-Leben noch weiter in der Innenstadt verankert werden soll?

Weber: Diese Veranstaltungen gemeinsam mit den beiden Hochschulen sollen verstetigt werden, das ist ganz wichtig. Ich glaube aber, dass man noch mehr machen kann. Eine meiner Ideen ist, dass es in der Stadtverwaltung auch jemanden geben muss, der sich ganz konkret um Hochschule und Universität kümmert. Das ist bisher immer so ein bisschen hin- und hergeswitcht: Wenn es um Bausachen ging, ist es im Baureferat gelandet, Bildungsfragen sind im Bildungsreferat gelandet, Fragen zum Thema Fachkräfte sind bei mir im Wirtschaftsreferat gelandet. Und ich finde, das tut nicht gut, weil Hochschule und Universität einfach ein Ansprechpartner fehlen, wo man hingehen und sagen kann, wir haben ein Thema – in welche Richtung auch immer. Ich glaube, dass wenn es eine Person gibt, die in der Stadt eine Verantwortung dafür hat, sich um Uni und Hochschule zu kümmern, dann wird auch eine andere Dynamik entfaltet in dem, was man tun kann und was zum Beispiel zum Thema Studentenleben noch mehr gemacht werden kann.

Sie möchten im Zuge Ihrer Stadtteilpolitik mehr Aufenthaltsqualität im Univiertel schaffen. Wie sieht Ihre Vision dafür aus?

Weber: Stichwort Europaplatz: Da geht es zum Beispiel um Begrünung. Da geht es auch um Bänke und darum, dass jetzt endlich wirklich mal der Autoverkehr nicht mehr drüberfährt. Es ist ja eigentlich gesperrt, aber es hält sich irgendwie keiner dran. Über diesen Europaplatz bin ich, ich weiß gar nicht wie viele tausend Mal schon in meinem Leben, gelaufen, weil ich auf der anderen Seite im Studentenwohnheim gewohnt habe. Und dieser Europaplatz ist halt einfach ein Riesenplatz, wo eigentlich nichts passiert – und das muss sich ändern.

„Es gab Freunde, die gesagt haben, das hätten sie schon immer gewusst. Die waren irgendwie schlauer als ich.“

Sie könnten bald die erste OberbürgermeisterIN werden, was heutzutage noch immer nicht wirklich alltäglich ist. Wie waren die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Weber: (überlegt) Also die haben eigentlich nichts damit zu tun gehabt, dass ich eine Frau bin. Es gab Freunde, die gesagt haben, das hätten sie schon immer gewusst. Die waren irgendwie schlauer als ich (lacht). Andere waren sehr überrascht. Die Überraschung war aber vor allem deswegen da, weil der Oberbürgermeister gesagt hat, dass er nicht mehr antritt und das für viele nicht absehbar war. Aber ansonsten waren es eigentlich wirklich sehr positive Reaktionen. Ich bekomme auch jetzt sehr positive Reaktionen, wobei ich da auch weiß, dass ich in einer Blase bin. Da wird mir niemand ins Gesicht sagen, dass er mich doof findet oder so – das funktioniert auf anderen Wegen, da bin ich auch realistisch genug.

Sie und Ihre Partei haben es beim Plakatieren in der Stadt eher gemächlich angehen lassen. Ist weniger bei Ihnen mehr, angesichts deutlich weniger Plakate als einige Mitbewerber?

Weber: Ich weiß nicht wie es Ihnen geht: Wenn ich durch die Stadt fahre und mir die ganzen Plakate anschaue, dann habe ich permanent ein Fremdschämgefühl, weil ich es einfach abartig finde, wie zugepflastert alles ist und ehrlich gesagt finde ich, dass die Plakate wichtig sind, um einfach auch der Bevölkerung zu zeigen, dass eine Wahl ansteht. Ob man so plakatieren muss, wie es jetzt bei der Kommunalwahl passiert, weiß ich nicht. Also klar, wir haben 15 Listen, jeder will sich irgendwie natürlich zu Wort melden und Plakate sind im Verhältnis immer noch eine gängige Geschichte.

Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, damit nicht in der ersten Minute nach der Plakatierungsverordnung rauszugehen, sondern wirklich auch zu sagen, dass die Plakate lang genug stehen. Und ich glaube, dass viele Bürgerinnen und Bürger auch nicht über ein Plakat eine Wahlentscheidung treffen werden, sondern viele wählen das, was sie schon immer gewählt haben und andere werden sich halt auch über andere Medien darüber informieren, wo sie denn ihr Kreuz machen sollen. Also Plakate sind glaube ich ein Hingucker, keine Frage. Deswegen sehen unsere Plakate auch anders aus als alle anderen Plakate. Auch da haben wir versucht, uns ein bisschen abzugrenzen, weil man es ansonsten gar nicht gecheckt hätte. Also stellen Sie sich mal vor, wir hätten auch noch irgendwelche Plakate, wo irgendwelche Fotos drauf sind von Kandidaten mit vielen Menschen und so weiter – das wäre glaube ich nicht gut.

Eva Weber mit dem scheidenden OB Kurt Gribl, dem Augsburger Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich und Ministerpräsident Markus Söder in der neu eröffneten Wahlkampfzentrale

Mal ein Blick in die Zukunft: Wenn alles nach Ihrem Plan läuft, wo steht Augsburg am Ende Ihrer Amtszeit 2026?

Weber: Am Ende meiner Amtszeit wird Augsburg einer der großen Player sein beim Thema Wandel in unserer Wirtschaftswelt, Digitalisierung und Transformation, wo wir es aber auch geschafft haben, diesen Wandel eben nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch in der Gesellschaft mitangeschoben zu haben. Das, was uns in den nächsten Jahren passieren wird, ist die größte Veränderung seit der Industriellen Revolution. Es steht nicht irgendwie vor der Tür, sondern da sind wir ja eigentlich schon drin. Und diese Veränderung wird nicht nur die Unternehmen, unseren Job oder Ähnliches betreffen, sondern wird uns in allen Bereichen der Gesellschaft betreffen.

Ich glaube, dass wir es schaffen müssen, die Augsburgerinnen und Augsburger wirklich mitzunehmen und eine Stadt der Chancen zu sein – so wie es bei uns im Wahlprogramm steht. Bildung steht da ganz, ganz weit oben und ich weiß, dass wir Bildung anders definieren müssen. Wir können nicht nur über Schulen und Schulsanierungen reden, sondern Bildung muss niederschwellig und ganzheitlich sein und das ganze Leben lang funktionieren. Dass das eine Daueraufgabe ist, muss in der Stadtgesellschaft implementiert werden. Wenn wir das bis 2026 so in ersten Schritten geschafft haben, dann sind wir meiner Meinung nach gut.

Einige Studenten stecken ja gerade noch in der Klausurenphase und empfinden vieles als stressig. Wie stressig ist Ihr Alltag eigentlich gerade?

Weber: Sehr (lacht). Mein Tag fängt in der Früh um halb sieben an und meistens sind beim Aufstehen schon die ersten WhatsApp-Nachrichten da. Danach geht es weiter mit Zeitunglesen und mich informieren, was gerade los ist. Die Termine gehen oft bis nachts um weiß der Geier was. Meine Tage haben momentan 15, 16, 17 Stunden – das ist gerade relativ viel.

Vielen Dank für dieses informative Gespräch!

Unsere Redakteure Lara Reile und Thomas Koristka beim Gespräch mit Eva Weber in der Wahlkampfzentrale „Camp Eva“ in der Maximilianstraße
© Balthasar Zehetmair