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	<title>wortwärts Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Mord am Feuerwachturm &#8211; eine Kurzgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Kovacevic]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2022 20:28:48 +0000</pubDate>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Ich dachte das hier wäre ein Männerjob, nur deshalb hatte ich mich freiwillig gemeldet. Ich dachte auch nie, dass sie mich wirklich den Feuerwachturm hochschicken würden, und dann noch als eine der Ersten. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Da das Ganze für mich doch so spontan war, hatte ich nicht einmal die Möglichkeit mir auszudenken, wie ich die nächsten fünf Stunden hier verbringen würde. Ich sollte Ausschau halten und melden, wenn ich Rauch sah oder ein Feuer ausbrach. So wie ich diese Stadt kannte, würde heute nichts Interessantes passieren. Das letzte Feuer ist über acht Jahre her und das heißt was. Wundert mich eigentlich, dass dieser Job nicht abgeschafft wurde.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">In weniger als zwei Stunden würde jemand vorbeikommen und mir mein Abendessen bringen. Wenigstens darum musste ich mir keine Gedanken machen. Sitzmöglichkeiten gab es nicht viele. Nur ein einziger kleiner Holzstuhl, der mich kaum halten konnte und ehrlich gesagt wollte ich mit meinem Gewicht lieber nichts riskieren. Also stand ich, seit ich hergekommen war daneben und sah in die Ferne.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Vor mir erstreckten sich nach einer kleinen Landstraße, die ins Tal führte, kilometerlang Felder und Wiesen und der Frühling verfärbte alles in ein erfrischendes Grün. Dahinter lagen Wälder und ich erkannte Tannen und weitere Nadelbäume, dessen Namen mir nicht bekannt waren. Sie waren aber auch zu weit, um sie eindeutig identifizieren zu können. Ganz am Rande war dann das Gebirge, dessen Namen ich immer vergaß, doch ich wusste es reimte sich auf das Wort &#8216;Strauch&#8217;. Dumme Eselsbrücke, ich weiß,  aber wenigstens brachte sie manchmal doch was. Heute eher nicht.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Eine weitere Stunde verging und die Sonne verließ langsam ihren Thron. Mein Magen knurrte und ich musste an mein Essen denken. Hoffentlich bringt der Junge mir Kartoffeln oder Brot, etwas das satt macht. Um mich von diesen Gedanken abzulenken, sah ich wieder in die Landschaft, doch dort regte sich den ganzen Tag schon nichts. Um die Zeit zu vertreiben, entfernte ich den Schmutz unter meinen Fingernägeln, die von der täglichen Feldarbeit sowieso kaum noch als Nägel durchgingen. </span></p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Von unten kam Gelächter. Zuerst ignorierte ich es, doch es wurde schnell lauter. Ein Pärchen, beide noch ziemlich jung, liefen Händchen haltend den Weg entlang und bemerkten mich gar nicht. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ich will nur ein schönes, einfaches Leben. Was ist daran falsch?“, sagte der Junge und ließ sich ins Gras fallen. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Sie stand weiterhin am Rande des Wegs und sah zu ihm runter. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ich meinte doch nur, du sollst mehr an deine Zukunft denken und nicht alles so gelassen sehen. Mehr sag ich doch gar nicht.&#8221; Das Mädchen ging in die Hocke. &#8220;Ich muss wissen, ob das mit uns so weitergeht“ </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Wie auch immer.“ Der Junge schnaufte aus und schloss seine Augen, ohne weiter auf das Gespräch einzugehen. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich konnte sogar von hier oben die angespannte Stimmung spüren. Wie schnell sich das ändert. Sie waren doch eben noch so glücklich verliebt unterwegs gewesen. Ich sollte eigentlich nicht mehr zuschauen, es ging mich schließlich nichts an. Ich wollte mich gerade zurückziehen als ich das Mädchen schreien hörte. Schnell war ich wieder am Geländer des Turms und sah wieder zu ihnen. Er hatte sie zu sich auf den Boden gezogen. Sie hatte es wohl nicht kommen sehen und ist ungeschickt hingefallen. Gut, nichts Schlimmes. Ich atme wieder auf und beobachte weiter. Mehr Entertainment würde es heute nicht mehr geben und jemand muss ja den Erwachsenen spielen und auf die Kinder aufpassen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Das Mädchen legte sich auf ihn und sie fingen an sich zu küssen. Ich unterdrückte meinen Ekel, konnte trotzdem den Blick nicht abwenden. Ich sollte nach Feuer Ausschau halten, nicht Teenagern beim Rumschmusen zuschauen. Er war nun über ihr und sie hörten nicht auf, bei dem was sie machten. Seine Hände glitten über ihren Körper und ich hörte sie stöhnen. Nun war mir das doch etwas peinlich, aber sie wussten ja nicht, dass sie beobachtet wurden. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Nein, nicht.“, ächzte sie unter seinem Gewicht und versuchte ihn wegzudrücken, doch er war wohl zu schwer. Mit einer Hand stütze der Junge, sich im Gras ab, mit der Anderen hielt er ihren Körper fest an sich gepresst.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Was ist denn nun los, meine Süße?“, lachte er und sie versuchte weiterhin sich loszulösen, erfolglos. Ich konnte die Lage nicht mehr richtig einschätzen und wurde nervös.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Seine freie Hand wanderte wieder ihren Körper hinauf und blieb an ihrem Hals stehen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ach komm, dir gefällt das doch.“ Sie schüttelte den Kopf und er erwidert nur: „Letzte Nacht hast du noch was Anderes gesagt.“, bevor er anfing ihr mit seiner Hand die Kehle zuzuschnüren. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Sie schüttelte ihren Kopf noch heftiger als vorher und durch ihren Mund kamen nur gedämpfte Schreie raus. Ich wusste nicht, was geschah und was ich tun sollte. Seine Hand war immer noch fest um ihren Hals und nun nahm er auch die andere und drückte noch fester. Ich sah noch nie ein so erschrecktes und panisches Gesicht wie das des Mädchens in diesem Moment.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Weißt du was? Ich hab es satt andauernd deine dummen Kommentare zu mir und wie ich leben soll anzuhören. Ich möchte-” Er wurde lauter. “doch nur-” Noch lauter. “einen Moment-” der Junge stemmte sein ganzes Gewicht gegen seine Freundin. “Ruhe!“, schrie er in ihr laut in das blasse Gesicht. Ich sah ihre Beine zappeln und ihre dünnen Arme versuchten ihn von sich zu reißen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Abrupt sanken ihre Gliedmaßen zu Boden und das Schreien hörte auf. Es wurde still und ich versuchte keinen Mucks zu machen und unbemerkt zu bleiben. Mit zugepresstem Mund ging ich langsam einen Schritt nach hinten und setzte mich auf den Hocker, der etwas knautschte und ich zuckte zusammen. Ich hatte einen Mord beobachtet. Ich konnte es kaum fassen und traute mich nicht zu atmen, mich zu bewegen oder nochmal nach unten zu sehen. Nach dem Mädchen zu sehen. Dem jetzt toten Mädchen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Laute Schritte rissen mich aus meiner Trance und auf einmal hatte ich das Gefühl der Angst in meiner Brust. Jemand kam die Turmtreppe hoch und es konnte nur der Junge sein. Ich sah mich nach etwas um, das ich im Notfall als Waffe benutzen könnte, doch ich war ihm ausgeliefert. Seine Schritte wurden lauter und der er kam näher. Ich versuchte mich zu beruhigen und blieb still auf dem Stuhl sitzen. Und wartete. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich tat so als hätte ich ihn nicht hochkommen gehört und beschäftigte mich wieder mit meinen Fingernägeln. Er war oben angekommen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Diane Chapman?“, fragte er laut und ich sah erschrocken auf. Er setzte ein Lächeln auf und erst jetzt erblickte ich den Korb, den er bei sich trug. Er hielt ihn mir entgegen und sprach: „Ihr Abendessen. Brot, Aufstrich und etwas Gemüse. Ich hoffe, das passt.“ </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich nahm den Korb entgegen und hielt seinen Blick, aber brachte kein Wort raus.. Ahnte er etwas? Ich war mir nicht sicher.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Na, dann. Schönen Tag noch.“, sagte er mit einem Lächeln und verschwand wieder.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich brauchte einen Moment, um mich zu sammeln. Schließlich stand ich auf und ging zum Geländer. Der Junge war schnell wieder unten, nahm das Mädchen an den Füßen und fing an ihren Körper Richtung Wald zu schleifen. Bevor ich unbemerkt wieder verschwinden konnte, begegnete der Junge meinem Blick und mir stockte der Atem.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Er hielt kurz an, winkte mir zu und lächelte wieder, bevor er und seine leblose Freundin im Wald verschwanden.</span></p>								</div>
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		<title>Unwiederbringlich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Lindig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 17:18:25 +0000</pubDate>
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									<p>Spätherbstsonne drängt mit Gewalt,<br />durch grauen Nebel, auf fahlen Asphalt. <br />Schwarzäugige Mareriten neigen sich in schlaffer Gestalt,<br />Wiegen sich, während Pfarrerwort verhallt,<br />Im von Tannen gesäumten Friedhof, eiskalt<br />Fallen Regentropfen geballt, <br />In die Gesichter der Trauernden, mischen sich alsbald,<br />Mit deren Tränen. </p>								</div>
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		<title>Knallbunt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lilli Riedmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Sep 2021 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>©Emilia Riedmann „Lustig, nicht wahr?“, sagt Leopold.&#160; „Spinnst du jetzt eigentlich total?“, erwidere ich. „Nein.“ „Ich weiß aber gar nicht, ob ich das kann.“ „Das ist ja der ganze Punkt. Du könntest dich einmal in deinem Leben auf etwas einlassen.“...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/09/knallbunt/">Knallbunt</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Lustig, nicht wahr?“, sagt Leopold. </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12pt; color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">„Spinnst du jetzt eigentlich total?“, erwidere ich.</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Nein.“ </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Ich weiß aber gar nicht, ob ich das kann.“</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Das ist ja der ganze Punkt. Du könntest dich einmal in deinem Leben auf etwas einlassen.“</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight ); font-size: 12pt; line-height: 150%;">Ich schlage meine Augen auf und starre ins Nichts. Als wäre ich langweilig oder so. Nur weil ich nicht ‚Hurra‘ schreie, bei jeder Idee, die er auf den Tisch legt. Und das sind viele. Ich habe selten jemanden erlebt, der so viele verrückte Ideen in seinem Kopf herumschwirren hat. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight ); font-size: 12pt;">Ich stütze mich auf meine Ellenbogen. Schaue Leopold an. Wir liegen unter der alten Eiche am Stadtrand. Die ausladenden Zweige lassen eine stattliche Vergangenheit erahnen. Heute sind an den Zweigen kaum mehr Blätter. Das Wort Schatten zu verwenden fühlt sich falsch an. Der Baum zeichnet einfach nur das löchrige Abbild seiner selbst auf unsere Haut.</span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Du sagst all das ohne auch nur die Augen zu öffnen?“, sage ich zu Leopold.</span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Bitte? Warum sollte ich?“</span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Weil das, was du mir gerade vorgeschlagen hast, nicht nur irgendwas ist.“ </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Na und? Außerdem hatte ich eben Lust, es auf diese Art und Weise zu tun. Fühlt sich dramatischer an.“</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Ich hingegen habe meist auf gar nichts und niemanden Lust. Außer vielleicht auf Leopold. Der ist okay. Meistens zumindest. Wenn er nicht nervt. Heute nervt er. Mit all seinen ‚lustigen‘ Ideen. </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Schau Petulia, manchmal muss man den Sprung ins Ungewisse einfach wagen“, ruft er und springt auf. Er rennt zu dem kleinen Kanal, der nur zur Hälfte mit dreckigem Wasser gefüllt ist. Auf dem Weg dorthin reißt er seine Hose von sich und macht dabei komische Hüpfer. Dann setzt er zu einem Kopfsprung an, besinnt sich aber eines Besseren und macht nur einen weiteren schiefen Hopser, um schlussendlich mit viel Gespritze im Wasser zu landen. </span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Du hast nie Lust auf irgendwas. Immer der gleiche Trott. Du musst mal rauskommen“, schreit er aus dem Kanal.</span></p>								</div>
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									<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Worauf soll ich denn Lust haben?“ </span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;"> </span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Ich muss mich aufrichten, um noch seinen Kopf zu sehen, der leicht aus dem Wasser ragt. Ich möchte schließlich nicht mit einem Kanal reden. </span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;"> </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Das ist ja schon total die falsche Frage. Du willst ja nicht mal Lust haben.“ </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Leopold ist eingeschnappt. Er findet seine Idee wie immer fantastisch. Um es mit seinen Worten zu sagen, unübertrumpfbar. Ich lehne mich mit dem Rücken an den Baum und seufze. „Also“, hallt es dumpf aus dem Kanal. Langgezogenes A. Lange Pause. „Ich denke wir müssen zuerst ein Problem lösen.“ <br />„Es gibt aber kein Problem.“ Jetzt werde auch ich lauter.</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12pt; color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">„Sehr wohl gibt es das.“ Mit diesen Worten klettert er hinaus. Tropfnass, wie ein Hund, läuft er auf mich zu und schüttelt die schulterlangen Haare direkt vor mir aus. Tropfen um Tropfen fällt auf mich. Ich sitze regungslos da und starre ihn an. Starre durch ihn hindurch. Warum muss er aus allem immer so ein Drama machen?</span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Ich mag mein Leben. Es ist geordnet. Es ist strukturiert. Damit komme ich klar. Ich esse, ich arbeite, ich gehe spazieren. Was sollte ich mehr wollen. </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Ich stehe jeden Tag zur selben Zeit auf. Ich frühstücke immer dasselbe. Müsli mit Apfel und Milch. Ich setzte mich an den Schreibtisch, arbeite. Mittags gibt es belegte Brote. Dann arbeite ich wieder. Dann gehe ich spazieren. Immer dieselbe Runde. Dann gibt es Abendessen. Eine Woche im Voraus durchgeplant. Dann gehe ich pünktlich um zehn Uhr ins Bett. </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Das funktioniert. Das will ich nicht ändern. Nur damit komme ich klar. </span></p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Leopold stemmt die Hände in die Hüften. Durchbohrt mich mit seinem Blick. Sagt für eine ganze Weile nichts. Bis ich meinen Blick hebe und ihn anschaue. Trotzig. Ich verschränke die Arme. Ich sage nichts. Starre ihn an. Seine kleine Nase, die hoch in den Himmel schaut. Die schulterlangen braunen Locken, die schon wieder beginnen sich zu kräuseln. Seine Ohren, die weit abstehen und den feinen, leuchtend roten Strich auf seiner linken Wange. Eine Narbe, die sich quer über seine linke Backe zieht. </span></p><p> </p><p style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Er schaut mich weiterhin an. Schüttelt den Kopf und seufzt, als wäre ich ein quengelndes Kind. „Du musst aufhören in schwarz-weiß zu denken. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es nämlich noch ganz schön viele Grautöne&#8230;“</span></p><p> </p>								</div>
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									<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Was ist das denn jetzt für ein Blödsinn“, falle ich ihm ins Wort. Leopold liebt es, in Metaphern zu reden. Langsam schwindet meine Geduld. </span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„…von den bunten Farben ganz zu schweigen“, vollendet er seinen Vergleich. Jetzt endlich setzt er sich hin. Direkt vor mir, ins vertrocknete Gras. Versucht sich in einen Schneidersitz zu setzten, scheitert, weil er zu ungelenkig ist. Seine Beine landen irgendwo vor ihm und die Arme stützen sich am mit Rissen übersäten Stück Erde ab, das wir ‚Hier‘ nennen. Er greift nach dem ausgebleichten, schlammbraunen Schlapphut, und zieht in sich über die Ohren. Sein zerschlissenes Handtuch liegt weiterhin unberührt neben meinem. </span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Wir starten ein Experiment. Für den Rest des Tages, okay?“</span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Ich will das doch gar nicht.“</span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;"> Leopold lehnt sich nach vorne. Bis sein Gesicht wenige Zentimeter von meinem entfernt ist. Er ist zu nah. Aber ich bin gefangen in meinem Widerstand. „Doch, Petulia, du willst.“ Seine Augen funkeln: „Ab jetzt bist du lustig. Bist du lustvoll. Bist alles was du schon immer sein wolltest oder aber eben nichts davon. Sag mir worauf du Lust hast und wir machen es. Du wirst Spaß haben. Mehr Spaß als jemals zuvor.“</span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Ich schaue an mir herunter. Lange schwarze Haare fallen lustlos auf meine Schultern, reichen fast bis über den nachtschattenschwarzen Badeanzug. Schaue auf meine Füße und Hände. Weißer Nagellack. Blicke auf den Rest meines Körpers, Arme und Beine leicht gebräunt, trotzdem blass. Sehe Leopold an. In diesem Augenblick weiß ich, dass er Recht hat. Ich trage schwarz und weiß. Ich denke schwarz und weiß. </span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Leopold grinst. Sein breitestes Lächeln. Er sagt nichts aber seine Augen sagen alles. „Was machen wir als erstes?“, fragen sie mich herausfordernd. </span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Als allererstes …“, will ich anfangen, aber kann den Satz nicht vollenden, weil ich nicht weiß, wie ich fortfahren soll. „Als allererstes…“, ich setzte erneut an, aber die Worte bleiben in meinem Hals stecken. Meine Hände beginnen hektisch in der Luft zwischen uns zu gestikulieren. ‚Durchatmen, Petulia‘ sage ich mir selbst.</span></p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">Leopold nimmt meine Hände in seine. „Schließ deine Augen. Sprich mir nach. Als allerstes“, flüstert er. </span></p><p> </p><p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 12.0pt; line-height: 150%; mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">„Als allererstes“, flüstere ich, „will ich einen knallbunten Badeanzug.“</span></p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/09/knallbunt/">Knallbunt</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Trauer – Gedanken zu einem Thema, mit dem sich niemand beschäftigen will, aber muss!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paulina Eberhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2020 07:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[freiraum]]></category>
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<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" width="639" height="624" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/grafik.png" alt="" class="wp-image-14931" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/grafik.png 639w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/grafik-300x293.png 300w" sizes="(max-width: 639px) 100vw, 639px" /></figure></div>



<p></p>



<p></p>



<p>Letztes Wochenende war ich in Hamburg. Die Stadt fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Sie bietet vor allem kulturell wahnsinnig viel. Nachdem man, dank Corona, die letzten Monate keine Ausstellungen besuchen konnte, musste ich das natürlich dringend nachholen. Also bahnte ich mir meinen Weg durch die verschiedenen Museen in Hamburg. Aber eine Ausstellung hat mich besonders zum Nachdenken angeregt. Und das nicht nur, weil ich allein durch die Ausstellung gelaufen bin und von allen BesucherInnen sehr mitleidig angeschaut wurde. Der Titel der Ausstellung war nämlich <a href="https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/trauern" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„TRAUERN – Von Verlust und Veränderung“</a>. Und irgendwie scheint jeder das Schlimmste zu erwarten, wenn man allein durch eine Trauer-Ausstellung läuft.</p>



<p>Die Ausstellung umfasst rund 30 zeitgenössische künstlerische Arbeiten aus knapp 15 Ländern, die sich mit dem Thema Verlust, Abschied, Trauer und dem darauf folgenden Wandel beschäftigen. Sowohl auf kollektiver und politischer als auch auf privater Ebene. Vor allem ein Satz aus der Ausstellungsbeschreibung von Brigitte Kölle drückt genau das aus, was ich immer schon versucht habe in Worte zu fassen, wenn ich meine Gefühle bezüglich Trauer ausdrücken möchte:</p>



<p>„Wenn wir bestimmte Menschen verlieren oder wenn uns ein Ort oder eine Gemeinschaft genommen wird, so enthüllt die Trauer, die wir durchleben, etwas von dem, wer wir sind. Sie beschreibt die Bindungen, die uns ausmachen. Wir spüren, dass wir durch den Verlust verändert werden – möglicherweise für immer. Wir nehmen uns selbst und andere als verletzliche Wesen wahr.“ – Brigitte Kölle</p>



<p>Menschen erleben mehr oder weniger Bullshit in ihrem Leben. Manche haben mehr Glück, andere weniger. Aber wir alle müssen an gewissen Punkten in unserem Leben Abschied von Jemandem oder Etwas nehmen. Ob Trennung oder Tod, Verlust von Idealen, Visionen, Heimat, persönlicher Freiheit. Jeder muss sich damit auseinandersetzen.</p>



<p></p>



<p>TRAUER</p>



<p>das gefühl das gefühl es verreist einem das herz</p>



<p>einfach so, ohne kontrolle</p>



<p>wie ein tiefer tiefer schmerz</p>



<p>der einem die luft nehmen wolle</p>



<p>ich habe gehört psychischer schmerz</p>



<p>ist nicht weit entfernt von physischem schmerz</p>



<p>wenn ich also sage</p>



<p>in meiner aktuellen lage</p>



<p>das Gefühl &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>wie eine welle die mich überrollt</p>



<p>wie feuer das in mir herumtollt</p>



<p>und langsam alles verbrennt</p>



<p>nach und nach</p>



<p>wenn man eigentlich wegrennt</p>



<p>doch irgendwie stillsteht</p>



<p>und sich dennoch alles in mir bewegt</p>



<p>ob psychisch oder physisch</p>



<p>ob wasserflut oder messerstich</p>



<p>es wäre dasselbe sterben:</p>



<p>übrig bleiben scherben über scherben</p>



<p>die flut die alles mit sich reist</p>



<p>und ich drohe mich selbst darin zu verlieren</p>



<p>für immer</p>



<p>doch es geht schlimmer</p>



<p>dann kommt auch wieder ein tag</p>



<p>an dem ich zu lachen vermag</p>



<p>an dem ich mich erinnere</p>



<p>an die wunderschöne zeit</p>



<p>die einmal war</p>



<p>an das glück als bleibe es bis in alle unendlichkeit</p>
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		<title>t.f.f. &#8211; tempus fucking fugit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Cornelia Salz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jan 2020 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[tempus fugit]]></category>
		<category><![CDATA[wortwärts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zu den Dingen, vor denen wir nicht gewarnt wurden (oder zumindest ich nicht), gehört vor allem die Abstumpfung. Geburtstage. Jahrestage. Todestage. Weihnachten, Silvester. Who gives a shit. Es ist der letzte Tag des Jahres und ich bin auf dem Weg...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/01/t-f-f-tempus-fucking-fugit/">t.f.f. &#8211; tempus fucking fugit</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-12498" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920-1024x682.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920-400x266.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920-1536x1023.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/woman-1759758_1920.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>© Pixabay</figcaption></figure>



<p>Zu den Dingen, vor denen wir nicht gewarnt wurden (oder zumindest ich nicht), gehört vor allem die Abstumpfung. Geburtstage. Jahrestage. Todestage. Weihnachten, Silvester. <em>Who gives a shit.</em></p>



<p>Es ist der letzte Tag des Jahres und ich bin auf dem Weg in die Hauptstadt, weil sich Silvester in Berlin nach ein bisschen mehr anfühlt als Silvester in der Provinzstadt im Süden. Vielleicht auch deshalb ausgerechnet Berlin, weil dort alle so gelangweilt von allem sind, und es dann nicht so weh tut, wenn man selbst nichts empfindet.</p>



<p>Vielleicht kommt daher auch das Ding mit den Drogen. Künstliche Gefühle für alle oder zumindest Erlebnisse, sorgsam nachcoloriert im Gedächtnis, in der Erzählung. Wilde Jugend.</p>



<p><em>Andere ernähren in deinem Alter schon eine Familie.</em></p>



<p>Und im Sommer vielleicht wieder ein Festival, vielleicht wieder eine neue Liebe, und jetzt schon Angst vor der mangelnden Immersion, dem Gefühl, dass die besten Jahre leise weggeschlichen sind, ohne sich zu verabschieden. Die ersten Falten im Spiegel, der Verlust von Naivität, und das dumpfe Gefühl, dass der nächste Mensch, dem man sagt, dass man ihn liebt, auch wieder nur ein paar Jahre bleiben wird, und nicht für immer.</p>



<p>Wenn es dann irgendwann unweigerlich den Gang aller Dinge gegangen ist, das Beziehungskistchen: Das eiternde Herz, auf dem man herumdrücken kann und sich fragen, ob das jetzt echter Schmerz ist oder eher verletzter Stolz, und ob es einen Unterschied macht.</p>



<p>Der nächste Sommer, die nächste Liebe oder Freundschaft oder Affäre.</p>



<p>Das nächste Scheitern, und die nächste Abstumpfung, bis man irgendwann durch eine Katastrophe aus dem alten Trott gerissen wird. Ein Todesfall vielleicht, und da, endlich: Das ist also echter Schmerz. Wie ungewohnt.</p>



<p>Und selbst dann! Diese verfluchte Abgeklärtheit, das Beobachten des eigenen Leids, die pseudoreflektierte Art, in der man darüber spricht, vor Freunden oder vor dem Therapeuten, den man sich irgendwann dann doch gesucht hat.</p>



<p>Wieder sitze ich im Zug, diesmal nach Budapest, um das Grab meiner Großmutter zu besuchen. Jahrestage und Todestage, Schuldgefühle und Einsamkeit.</p>



<p>Um mich herum heiraten in letzter Zeit die Bekannten, oder bekommen Kinder, und ich frage mich, was ich falsch mache. Haben die eine Fähigkeit zur großen Liebe, die mir fehlt, oder haben sie sich wenigstens die Naivität bewahrt, die ich so schmerzlich vermisse?</p>



<p>Wer wird mich lieben, wenn ich alt bin? Wer wird mich lieben, desillusioniert und allein und kinderlos, wenn niemand es muss? Wer wird Narzissen auf mein Grab legen, weil ich Narzissen geliebt habe? Ich weiß es nicht.</p>



<p>Ich weiß es wirklich nicht.<br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/01/t-f-f-tempus-fucking-fugit/">t.f.f. &#8211; tempus fucking fugit</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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