Online-Bewerbung: Die große Unbekannte

Im vergangenen Heft informierten wir euch an dieser Stelle über die Tücken und Fallstricke einer „normalen“ Bewerbung. Mittlerweile ist es aber Usus, dass Unternehmen ihre Bewerbungen auf elektronischem Wege erhalten. Deshalb gibt es heute Aufklärung in puncto Online-Bewerbung.

Von Tamara Bianco / Tamara Specht

Die persönliche Visitenkarte

Eine Sache als Warnung vorweg: Die allgemeinen Regeln der Rechtschreibung, der Sorgfalt und der Mühe gelten auch in der Welt von Bits und Bytes. Wer denkt, mit einer Standardbewerbung an 20 Adressaten im Copy-und-Paste- Stil hätte er den Vorstandsposten bereits in der Tasche, täuscht sich. Bereits vor dem Bewerbungsprozess ist es wichtig, sich eine seriöse Email-Adresse anzuschaffen. Mit sexy_häschen@presstige.org kann man vielleicht den neuen Lover beeindrucken, den Personalchef sicherlich nicht. Ein aussagekräftiger Account wie etwa Vorname.Nachname@provider.de ist nicht verfänglich und wirkt glaubwürdig.

Wie wird’s gewünscht?

Der nächste Schritt ist, sich über die Bewerbungsmodalitäte des Unternehmens zu erkundigen. Einige Firmen, wie beispielsweise Siemens, akzeptieren Bewerbungen nur noch über ihr Online-Tool. Hans-Christoph Kuern, Mitarbeiter der Personalabteilung bei Siemens, meint: „Siemens ist ein High-Tech-Unternehmen und zeigt dies auch im Recruiting. Papier ist hier schlicht out!“ Bei der RENK AG in Augsburg ist man weniger streng: Ronald Heck von der Personalbeschaffung sagt zwar, dass der Trend klar zu Online-Bewerbungen geht – derzeit erhält das Unternehmen etwa 60 Prozent aller Bewerbungen online – ein eigenes eRecruiting-Tool ist aber nicht vorhanden. Im Gegensatz zu Siemens, wo man das Online-Formular nicht umgehen kann: „Alle Papier- und Mailbewerbungen gehen zurück mit einem netten Brief, in dem wir unsere potenziellen Mitarbeiter bitten, sich doch online zu bewerben – wie es geht, steht auch gleich dabei!“

Formalia

Eigentlich ist das Ausfüllen ganz simpel, denn der Bewerber wird von Seite zu Seite geführt und muss nur die geforderten Angaben machen. Kuern sieht hier nur eine Schwierigkeit: „Es wird zu schnell und oft zu schlampig gearbeitet – es gilt mein Lieblingssatz: Das Internet ist ein flüchtiges Medium – nur: Onlinebewerbungen vertragen keine Flüchtigkeit!“ Genau wie bei einer Bewerbung per E-Mail wird der Lebenslauf und ein Anschreiben gefordert. Außerdem gibt es oft die Möglichkeit, weitere Anlagen elektronisch zu übermitteln. „Der Anhang muss wie bei einer normalen Bewerbung sämtliche Zeugnisse und sonstige Unterlagen enthalten und er sollte aus einer einzigen Datei bestehen, in der alle Unterlagen eingebunden sind“, ergänzt Heck. Das Zauberwort heißt hier PDF. Mit diesem Dateiformat kann man erstens sicherstellen, dass die Dateien nicht gigantische Größen annehmen (fünf Megabyte gilt als allgemeiner Maximalwert für Anlagen), zweitens sind sie in der Regel von jedermann lesbar und zudem virenfrei. Die meisten Organisationen sind mit Firewalls geschützt, die beispielsweise Makros in Dokumenten gar nicht zulassen. Um zu vermeiden, dass die eigeneBewerbung im Online-Nirvana verendet, sollte man also auf gängige und sichere Formate zurückgreifen.

Hat’s geklappt?

Üblicherweise wird das Unternehmen den Eingang der Bewerbung ohnehin bestätigen. Bei Siemens wird das pragmatischgelöst: „Onlinebewerbungen ‚schlagen’ im System exaktdort auf, wo die Stelle ausgeschrieben wurde – nämlich beim verantwortlichen Recruiter vor Ort“, erklärt Kuern.Zusätzlich wird bei Siemens der Betreuer per Mail auf einen neuen Bewerbungseingang hingewiesen. Ein letzter Tipp: Es sollte unbedingt immer die Referenznummer oder die Fundstelle der Stellenanzeige angegebenwerden. Bei großen Unternehmen kann so schnell derVerantwortliche gefunden werden, falls die Bewerbung doch
mal fehlgeleitet wird. Im Grunde ist die Online-Bewerbung also kein Hexenwerk. Wer mit demselben Engagement an die Erstellung seiner Online-Unterlagen geht wie in der Offline-Welt, wird auch auf elektronischem Wege keine Schwierigkeiten haben, einen guten Eindruck zu hinterlassen.

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