Augsburg bei Nacht und Nebel

Es ist Mittwoch. Der Perlachturm schlägt 20 Uhr. Nebel liegt über dem Rathausplatz. Unsere heutige Mission: die Augsburger Barlandschaft zu erkunden. Einen Abend lang wollen wir durch die Innenstadt ziehen und sehen, was Augsburg an Bars und Kneipen zu bieten hat.

Von Ramona Anner & Rosina Obermayer

Der Plan ist einfach: Vom Rathaus an gehen wir in jede Bar entlang der Maximilianstraße, die wir nicht kennen und die uns gefällt. Zeit haben wir genau vier Stunden. Wir sind gespannt, wie weit wir kommen werden, in welche Bar es uns treiben wird und worüber wir später berichten können!

Gemütlich im Ratskeller

Die erste Entscheidung fällt auf den Ratskeller. Treppenstufenhinab geht es unter das Rathaus. Das hohe Kellergewölbe lässt den großen Raum gemütlich und alt wirken. Die urige Atmosphäre hat selbst unter der Woche viele Leute angezogen, so dass wir an der Bar Platz nehmen. Leider ist die Happy Hour gerade vorbei. Deshalb erst einmal ein unalkoholischer Einstieg: Cola und ein fruchtiger Apfel-Mango-Bananen-Smoothie. Nach einem Blick auf Flammkuchen und Cocktail am benachbarten Barhocker beschließen wir spontan: hier kommen wir ein anderes Mal vor 20 Uhr her! Ich mache mich auf die Suche nach der Toilette und lande in der Kinderecke. Doch Kinderfernsehen und Verkehrsteppich fesseln mich zu wenig, so dass wirnach einer guten halben Stunde dem Ratskellerden Rücken kehren und über den roten Teppich hinaus in die neblige Winternacht gehen.

Fußball und Cuba Libre im FlairCity

Weiter geht’s die Maxstraße entlang, vorbei an Cafés, Restaurants und Bars. Beim „Flair City“ bleiben wir stehen. Eine Bar, die ich normalerweise nicht in mein Abendprogramm aufnehmen würde. Von außen wirkt sie etwas komisch: Man sieht vor allem die glitzernden Spiegelvorhänge und rotes Licht. Ich bin etwas unschlüssig und auch Rosi wirkt etwas skeptisch. Doch dann drängen sich fünf Mädchen an uns vorbei und stürmen durch die Tür. Also beschließen wir auch mutig zu sein und folgen der Gruppe. Beim Betreten der Bar empfangen uns laute „Aaaahs“ und „Ooohs“. Das ist mal eine schöne Überraschung. Doch dann die Ernüchterung: Das überwiegend männliche Publikum starrt gebannt auf den Flachbildschirm hoch über ihren Köpfen. Es ist ein Länderspielabend, Deutschland gegen Italien.

Wir setzen uns in eine Ecke des Raums. Anders als von außen ist das Flair City von innen eigentlich ganz nett. Leider gibt es aber in der gemütlichen Sitzecke keinen Tisch mehr. Den hat sich die Gruppe am Nebentisch „ausgeliehen“. Unsere Cuba Libres balancieren wir daher einfach auf den Knien. Doch kaum sind zwanzig Minuten vergangen, bringt uns ein Kellner einen Tisch. Trotzdem ziehen wir eine halbeStunde später weiter, wir haben ja noch einiges vor.

Café Max in der Maximilianstraße

Die Tour geht weiter. Es ist mittlerweile beinahe 22 Uhr. Nur noch knapp zwei Stunden bis zur letzten Straßenbahn und erst auf halbem Wege zwischen Moritzplatz und Ulrich auf der linken Straßenseite. Vor Pantheon und Café Max stehend müssen wir uns zwischen beiden entscheiden. Schere, Stein, Papier! Die Schere fällt in den Brunnen und somit unsere Wahl auf Café Max. Heutiges Angebot ist Touch Down für 4,50 Euro. Sogleich macht sich der Barkeeper ans Cocktail mischen. Die kleine Bar ist schmal, lang und wesentlich leerer als im Flair City. Vielleicht weil elektronische Lounge-Musik den Fußball im Fernseher überdeckt. Am Wochenende finden im Keller Partys mit einer zweiten Bar statt.

„Alles prima. Du siehst toll aus!“ verkündet der Toilettenspiegel. Dankeschön, ich fühle mich geehrt. Dem Gefühl des Geschmeichelt Seins folgt auf dem Rückweg von der Toilette eine Überraschung. „Wir treffen uns wohl gerade überall“ begrüßt mich eine Bekannte, der ich bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche zufällig über den Weg laufe.

Eine Stunde, verschiedenste Gesprächsthemen, zwei leere Gläser und ein Erdnussschälchen später machen wir uns auf den Weg zur nächsten Bar.

Cuba Flair in CohibaBar

Ziemlich am Ende der Maxstraße angelangt beschließen wir auf der anderen Straßenseite weiter zu machen. Die erste Bar, die wir sehen, ist die Cohiba-Bar. Also nichts wie rein. Drinnen ist es leer, sehr leer. Ein Tisch ist besetzt und an der Bar stehen ein paar Leute. Wieder heben wir den Frauenschnitt enorm. Bis auf eine weitere Person, die wahrscheinlich weiblich ist, sind wir die einzigen Nicht-Bartträger.

Da wir den Alkohol bereits spüren, bestellen wir jeweils einen Maracujasaft. Die Getränkewahl inspiriert uns dann zu einem Gespräch über tropische Früchte. In leicht angeschickertem Zustand findet man die erstaunlichsten Themen interessant. Vielleicht liegt es aber auch an dem „Südseefeeling“, das die Bar verbreitet.

Aber da dies definitiv die letzte Station des Abends ist, genehmigen wir uns noch einen Absacker. Tequila Zimt soll es sein. Zum Glück weiß ich noch, in welcher Reihenfolge das Trinken funktioniert: Zimt, Tequila, Orange. War doch gar nicht so schwer!

Jetzt aber los, wir müssen beide die letzte Straßenbahn erwischen.

Vier Stunden, vier Bars

Am Königsplatz verabschieden wir uns. Rosis Bahn kommt zuerst. Dann fährt auch meine Bahn ein. Von 20 Uhr bis Mitternacht haben wir gerade einmal vier Bars geschafft. In jeder der Bars hätten wir ohne Probleme den ganzen Abend verbringen können. Denn ab einem gewissen Alkoholpegel, passenden Themen und natürlich der richtigen Person kann man in jeder Bar einen schönen Abend verbringen!

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