Hast du mal ‘ne Tüte?

Warum Deutsch nicht gleich Deutsch ist

Die deutsche Sprache ist für viele sehr schwer zu erlernen. Schuld daran ist nicht nur die relativ schwierige Grammatik, sondern auch, dass Begriffe je nach Standort eine andere Bedeutung haben. Welche Sprachbarrieren dadurch entstehen können, hat sich presstige für euch mal genauer überlegt.

Petra: Morgens halb zehn in Deutschland in einem anderen Bundesland: die erste Herausforderung schon so früh am Morgen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass ,Brötchen‘ hier als ,Semmel‘ bezeichnet werden und die Bayern zu ,Brezel‘ einfach nur ,Breze‘ sagen. Dass hier so ziemlich alles einen anderen Namen hat (,Krapfen‘ statt wie gewohnt ,Berliner‘, ,Laugenspitz‘ statt ,Laugenstange‘), macht es für mich nicht leichter. Manchmal behelfe ich mir einfach, indem ich auf das gewünschte Teil deute und „Das da!” sage – das versteht man selbst in Augs(ch)burg.

Christian: Richtig schwierig wird es in Österreich. Ich habe in Wien mal eine Badehose gekauft und an der Kasse gesagt, ich brauche keine Tüte. Die Verkäuferin war total verwirrt, die wusste absolut nicht, was ich von ihr will. Eine Tüte benutzt man da nur zum Rauchen, ,Sackerl‘ wäre das richtige Wort gewesen. Ist ja irgendwie niedlich, aber dass sie dich dann gar nicht verstehen, wenn du was anderes sagst? Schon komisch.

P: Ja, vor allem gibt es auch kein Richtig oder Falsch. Jeder verwendet eben die Wörter, die er kennt. Vielleicht ist es auch besser, dass du keine Tüte von ihr wolltest. Ich find’s beim Essen immer am schwierigsten, sich zu verständigen. Dass ,Pfannkuchen‘ auch als ,Eierkuchen‘ oder ,Palatschinken‘ bezeichnet werden, weiß ich zwar eigentlich – im Gespräch mit meinen Thüringer Freunden vergesse ich das aber immer mal wieder. Wenn ich also erzähle, dass es ,Pfannkuchen‘ gab, werde ich öfter gefragt, ob ich ,Eierkuchen‘ meine, denn dort sind meine ,Pfannkuchen‘ ja ,Berliner‘ – das macht die Verwirrung komplett.

C: Das ist doch verrückt, oder? Da reden immer alle von Globalisierung und dass die Welt zusammenwächst und so. Und dann fährst du in eine andere Ecke deines Landes und verstehst nicht, wovon die Leute reden.

P: Teilweise hat ja auch jedes Dorf einen anderen Dialekt – wie soll man sich da noch zurechtfinden? Ich bin zwar ursprünglich aus dem Schwabenländle und weiß, dass ,Gsälz‘ für Marmelade verwendet wird – jedes Wort würde aber selbst ich nicht verstehen.

Fleischpflanzerl vs. Bulette in Neuseeland

C: Ich war vor ein paar Jahren in Neuseeland und habe da auch viele Leute aus anderen Ecken Deutschlands getroffen. Als wir dann mal in einer Runde mit mehreren Deutschen zusammensaßen, habe ich erst gemerkt, wie viele Wörter es gibt, die gegenseitig nicht verstanden werden. Das war damals total absurd, schließlich bin ich ans Ende der Welt geflogen, um fremde Kulturen kennen zu lernen. Und musste erst mal sehen, wie ich mich mit den eigenen Landsleuten verständige.

P: Ja, das war bei mir ganz ähnlich, als ich in Neuseeland war. 18.000 Kilometer von zu Hause entfernt wurde es mir mehr als deutlich vor Augen geführt: Deutsch ist nicht gleich Deutsch. Bei einer Flasche Rotwein unterhielt ich mich mit anderen Deutschen über die deutschen Spracheigenheiten und die unterschiedlichen Begriffe. Das Wort ,Fleischpflanzerl‘ – ich würde wohl ,Fleischküchle‘ sagen – löste die wahrscheinlich größte Debatte aus. Während die ,Front‘ aus Mitteldeutschland darauf beharrte, dass es ,Frikadelle‘ heißt, meinte Anja aus Berlin, dass sie dazu ,Bulette‘ sagt. Einigen konnten wir uns an diesem Abend jedenfalls nicht.

C: Ich habe diese Diskussionen als sehr lustig in Erinnerung. Und auch beim Bäcker habe ich mir bisher keine schwereren Verletzungen zugezogen, als ich mein Frühstück mit den verkehrten Wörtern bestellt habe. Auch wenn die Verkäufer manchmal böse schauen.

Einige regionale Küchenbegriffe sind in diesem Wikipedia-Artikel zusammengestellt.