Buchtipp: Ungarn im Umbruch

Manche Uni-Lektüre würde man sogar lesen, wenn man nicht muss. Und auch, wenn man etwas ganz anderes studieren würde. Solche Bücher wollen wir euch vorstellen. Den Auftakt macht ein Werk, das die aktuellen Entwicklungen in Ungarn thematisiert.

Cover_600x330

Meine Hausarbeit war längst abgegeben – und doch konnte ich ein Buch dafür noch nicht wieder zurückbringen. Ich wollte es noch ganz lesen, auch wenn eigentlich nur ein paar Kapitel für mich relevant waren. Jetzt, einige Zeit später, steht es sogar in meinem Bücherregal und wartet auf neue Leser wie euch.

Das Thema

Die aktuelle politische Entwicklung in Ungarn: Besetzung eines Roma-Dorfes, Sperrzonen für Obdachlose, Pressezensur, Entmachtung des Verfassungsgerichtes – und das ist längst nicht das Ende. Wer von euch einen regelmäßigen Blick in die Nachrichten wirft, wird von mindestens einem dieser Geschehnisse bereits gehört haben. Manche von euch werden sich dieselben Fragen wie ich stellen: Was ist da eigentlich los? Ist Ungarn nicht Demokratie und EU-Mitglied? Ein wenig umformuliert sollte das auch die Fragestellung für meine Hausarbeit werden. Leider musste ich dabei einen Aspekt ausklammern, um aus zwölf Seiten nicht 120 Seiten zu machen. Nämlich: Wie kam es dazu? Genau das versucht der Autor Paul Lendvai zu beantworten. Oder: „Was ist zwischen 1990 und 2010 in Ungarn geschehen? […] Wie und warum wurde Ungarn zum wirtschaftlichen Krisenherd und zugleich zum Hoffnungsträger einer starken rechtsradikalen Partei?“(S.9). Deshalb zeichnet er in seinem Buch „Mein verspieltes Land – Ungarn im Umbruch“ ungarische Staatsmänner und politische Entwicklungen nach. Er zeigt den Weg Ungarns ab dem Ende der kommunistischen Diktatur zu einer marktwirtschaftlichen Demokratie bis hin zum aktuellen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Der Autor

Paul Lendvai hat als Journalist die letzten zwanzig Jahre wichtige Staatsmänner Ungarns kennengelernt und studiert. Das Buch profitiert von seinen Analysen, die deren Wege zur Macht und charakterliche Schwächen nachzeichnen. Lendvai wurde 1929 in Budapest geboren, allerdings zwang ihn Ungarns kommunistische Regierung mit einem Berufsverbot dazu, seine Heimat mit 28 Jahren zu verlassen. Seitdem lebt er in Wien. Hier arbeitete er die letzten fünfzig Jahre als Journalist für Zeitung, Radio und Fernsehen. Zudem veröffentlichte er 16 Bücher, die von den Themen Politik und Gesellschaft in Europa, Ungarn und Österreich handeln.

Warum ihr dieses Buch unbedingt lesen müsst 

Das große Plus: Lendvai handelt die Ereignisse nicht einfach ab, wie eine gewöhnliche historische Rückschau. Er kann seinen Beschreibungen von Personen und Situationen Leben einhauchen, da er diese selbst getroffen und erlebt hat. Das verdeutlichen auch die Bilder im Buch, auf denen die thematisierten Politiker abgebildet sind – zum Teil direkt im Gespräch mit dem Autor. Denn auf der Innenseite des Buchdeckels und der Buchrückseite gibt es je eine Karte zu entdecken: eine zeigt die Grenzen Ungarns vor dem ersten Weltkrieg, eine das aktuelle Staatsgebiet. Ein nettes Detail bilden auch die Zitate, die den meisten Kapiteln vorangestellt sind. Außerdem gibt es ein Personenregister, was praktisch für Hausarbeiten ist.

Das Buch kostet neu 23,60 Euro. Es besteht aber auch die Möglichkeit, es via Fernleihe der Unibibliothek für mehrere Wochen mit nach Hause zu nehmen.

Habt ihr auch ein interessantes, lesenswertes Buch (oder einen Text) aus eurem Studienfach, das ihr uns vorstellen wollt? Dann schreibt uns bis zum 13. Januar an chefredaktion@presstige.com oder Alexandra.Kiefer@gmx.de