Internationales Wohnen

Presstige-Redakteure erzählen von ihren Wohnerfahrungen im Ausland

Text: Petra Maier, Corinna Scherer & Katharina Pfadenhauer – Foto: Katharina Pfadenhauer
Text: Petra Maier, Corinna Scherer & Katharina Pfadenhauer – Foto: Katharina Pfadenhauer

„Wer am Ende der Welt wohnt, meint, er wohne an ihrem Anfang“, sagt man in der Schweiz. Was uns das Zitat sagen soll? Geht man in ein anderes Land, muss man sich darauf einlassen. Von heute auf morgen befindet man sich in einer neuen Stadt, neuen Umgebung, neuen Wohnung – und entdeckt die Vorteile und Vorzüge dabei manchmal erst auf den zweiten Blick.

Hostel-Leben in Neuseeland

Text: Petra Maier

Nach dem Abi verbrachte ich fünf Monate in Neuseeland. Die meiste Zeit davon wohnte ich in verschiedenen Hostels. Das Leben in der Jugendherberge erinnert oft an ein Ferienlager: Man teilt sich ein winziges Zimmer mit vielen Gleichgesinnten aus aller Welt, abends kocht man zusammen für die ganze Mannschaft und ab und zu unternimmt man gemeinsam Ausflüge zu den Attraktionen in der Nähe. Natürlich lernt man dabei viele interessante Leute kennen. Nachdem man bereits einige Wochen im selben Zimmer wohnt, jeden Tag gemeinsam zum Arbeiten aufs Feld fährt und alle Mahlzeiten zusammen einnimmt, werden aus Fremden schnell Freunde. Andererseits hat das Wohnen im Hostel auch seine Schattenseiten: Manchmal hat man Pech und teilt sich das Zimmer mit einer Horde schnarchender Typen, die nachts betrunken in den Raum torkeln und sehr viel Krach machen. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die nie abspülen, sodass man morgens erst mal ewig nach einer sauberen Tasse suchen muss. Im Großen und Ganzen ist das Leben im Hostel aber aufregend, weil man so viele verschiedene Menschen trifft. Dass mit Hostels oft schmutzige, überfüllte Schlafsäle assoziiert werden, ist übrigens nicht gerechtfertigt. In manchen Hostels gibt es sogar einen Pool, einen Billardtisch oder auch ein Badezimmer en-suite.

Wohnheim in Norwegen

Text: Corinna Scherer

Als ich meine Bewerbung für ein Erasmus-Semester in Norwegen abschickte, konnte ich zwischen zwei Wohnformen im Studentenwohnheim wählen: Zum einen ein möbliertes Einzelzimmer, bei dem man sich ein Badezimmer mit einer weiteren Person und die Küche mit etwa sechs weiteren Personen teilt, zum anderen ein möbliertes Einzelapartment mit eigenem Bad und Küche. Hauptsächlich wegen der erheblich günstigeren Miete entschied ich mich für das Zimmer mit geteiltem Bad und Gemeinschaftsküche. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Wollte ich mich zurückziehen, hatte ich mein eigenes Zimmer, fühlte ich mich mal allein oder wollte nur unter Menschen sein, traf ich fast immer jemanden in den Küchen an. Die Gemeinschaftsküchen waren das Herz unserer internationalen
Gemeinschaft. Oft kamen wir dort zusammen, um gemeinsam zu kochen, Tee zu trinken oder Partys zu feiern. Wäre meine Entscheidung auf ein Einzelapartment gefallen, hätte ich wahrscheinlich nur halb so viele
Freundschaften geknüpft und nichts von dem pulsierenden Wohnheimsleben mitbekommen.

Ausgabe 27: WohnenDieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 27 unseres gedruckten Magazins.

Über den Dächern Roms – abgeschottet und atemberaubend

Text: Katharina Pfadenhauer

Google Maps ist nur die halbe Wahrheit. Das ist die auf den Punkt gebrachte Bilanz meines „internationalen Wohnens“. Un’estate italiana mitten in Rom dachte ich, aber es wurde zu einem esercizio fisico gianicolese. Mein WG-Zimmer, welches auf Google Maps recht gut gelegen aussah, befand sich mitten auf dem Gianicolo, einem der sieben Hügel Roms. Eigentlich eine traumhafte Gegend – wenn man das nötige
Kleingeld fürs Taxi hat. Denn nachts mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen, war unmöglich. Und selbst das scheint mir in der Retrospektive noch untertrieben zu sein. Auch tagsüber war es eine Herausforderung, mit Bus oder Bahn vom Gipfel des Hügels zu seinem Fuße zu gelangen. Und so lief ich morgens meistens zu Fuß in die Arbeit. Heute, zurück in München, zurück an der Uni Augsburg, zurück in der Bibliothek, ist der tägliche Spaziergang über die Aussichtsplattform des Gianicolos, wenn die Bordsteine noch hochgeklappt sind und sich die Sonne etwas verschlafen und diesig über die ockerfarbenen Dächern legt, eines jener Dinge, die ich mitunter am meisten vermisse. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich dankbar war für meinen abgelegenen Wohnplatz. So konnte ich zumindest für Augenblicke der „ewigen Stadt“ und der vor allem ewig stressigen Stadt den Rücken kehren. Von oben auf sie herabblickend, umgab mich nichts außer dem Zirpen der Grillen, dem Rauschen in den Wipfeln der Pinienbäume und dem Gezwitscher der Vögel. Keine Touristenmassen! Keine Pilger! Ruhe! Durchatmen! Wohnung aufsperren!