Pekingentenparties und Crowdfunding – Der Liedermacher Lukas Meister

Interview: Cornelia Salz, Foto: (c) S. Pekartschik, Timmy Hargesheimer Photography
 

Mit sympathischer Grandezza tritt er auf die Bühne und singt von Gefühlen, die wir alle kennen, mit Worten, die uns so nicht eingefallen wären. Humor und Melancholie vereinigen sich und vermitteln eine erfrischend unorthodoxe Sicht auf die Dinge. Manchmal weiß man nicht, ob die Sprache mit dem Texter jongliert, oder umgekehrt: Der Wahlberliner Lukas Meister bereitet gerade die Veröffentlichung seines dritten Albums “Leuchten” per Crowdfunding vor. Wir haben uns mit ihm zu einem WhatsApp-Interview verabredet.

 
 
Hallo Lukas, schön, dass du dir auf Tour die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten! Wo und mit wem bist du gerade unterwegs?
Hallo, danke dass du mich Sachen fragst! Ich sitze gerade im Tourbus von Sarah Lesch, auf dem Weg nach Münster.
 
Du bist jetzt schon geraume Zeit mit Sarah als ihr Begleitmusiker unterwegs, tourst aber auch viel solo. Musikerleben. Warum machst du diesen Job, was hat dich bewegt, Musiker zu werden?
Das stimmt, ich glaube, ich habe schon als Teenager immer gewusst, dass ich auf Bühnen stehen will. Auf Tour gehen, in Studios Songs aufnehmen, das war einfach etwas, was ich mal erleben wollte. Und als ich mit dem Studium fertig war, dachte ich: jetzt muss ich das ausprobieren, sonst ärgere ich mich eines Tages!
 
Und, wie ist das? Wie du erwartet hast?
Ach, schon ein bisschen – ich dachte nur immer, ich werde Gitarrist in einer Rockband, jetzt bin ich Liedermacher, das ist der Unterschied. Aber das ist zu verkraften…
 
AnnenMayKantereit(Das Krokodil) und Nils Koppruch(Caruso) haben Songs über die Mistigkeit des Tourlebens geschrieben, wieviel Glamour ist da für dich dabei? Was war ein Highlight, was ein Fail des Touralltags?
Ich finde es sehr schön, wenn die Autofahrten nicht zu lang sind – man ist unterwegs, hat ein Ziel, das liegt mir. Glamourös ist es überhaupt nicht, aber das Reisen mag ich gern. Wenn ich alleine auf Tour gehe, kann ich Zug fahren und entspannen, oder etwas arbeiten. Wenn wir mit Band oder im Duo fahren, kann man Quatsch erzählen, oder das Konzert vom Vorabend besprechen, das ist dann manchmal echt inspirierend. Große Highlights oder Fails hatte ich glaub ich nicht (abgesehen von Verspätungen) – eigentlich ist es gerade die Eintönigkeit, die ich genieße.
 
Ich durfte ja schon mal ein bisschen in dein neues Album“Leuchten” reinhören. Ein Lied, in das ich mich sehr verliebt habe, ist“Das Lied vom Aufhören”. Wenn du mit dem Songschreiben aufhören müsstest, was würdest du machen? Wenn du nicht Musiker wärst, was wärst du dann?
Das Lied ist wahrscheinlich eines meiner persönlichsten. Es stammt aus einer Krise, in der ich das Gefühl hatte, es geht auf einmal nicht mehr voran mit der Musik. In dieser Zeit habe ich erkannt, dass Musik für mich kein Hobby ist, das ich auch nach Feierabend ausüben kann – entweder ich bin Musiker, oder kein Musiker. Wenn ich irgendwann aufhöre, dann mache ich vielleicht einfach einen kompletten Cut, und werde Werbetexter oder so. Irgendwas mit Sprache auf jeden Fall, das ist mein Steckenpferd.
 
Dass du gern mit Sprache spielst, merkt man deinen Texten auf jeden Fall an! Ein weiteres Lieblingsstück auf„Leuchten“ ist„Bye bye Bad Oldesloe“, in dem du von einer PartnerPaybackPunktePekingentenParty singst. Wo nimmst du deine Inspirationen her?
Ach, das fühlt sich oft so an, als würden Ideen durch den Raum flattern und mit etwas Glück packt man eine und macht Musik daraus. In dem Fall hat mich aber ein Freund inspiriert, der mir von einer früheren Beziehung erzählt hat. Den Aufhänger mit den Enten habe ich dann fiktiv weiterentwickelt, und den Song daraus gebaut.
 
„Leuchten“ wird dein drittes über Crowdfunding finanziertes Album sein. Was reizt dich daran?
Im Endeffekt geht es natürlich um die Finanzierung der Produktion, die ich als freischaffender Künstler nicht ohne weiteres stemmen kann. Aber darüber hinaus zeigt mir das Crowdfunding, ob überhaupt Interesse besteht, ob jemand mein neues Album hören will. Wenn niemand mitmachen würde, könnte ich mir ja die Mühe sparen, das Album zu veröffentlichen. Und ich glaube, dass es auch ein schöner Aspekt des Internets ist. Auf diese Art ermöglichen Leute, die sich gar nicht kennen, gemeinsam die Realisierung eines Projektes. Das ist eine schöne Sache, finde ich!
 
Und, wie läuft es bisher? Das Crowdfunding ist ja schon in vollem Gange!
Ja, es läuft ganz ordentlich, würde ich sagen – wir haben die Hälfte des ersten Funding-Ziels überschritten. Es ist also wahrscheinlich, dass es wirklich klappt, denn es läuft ja noch ein paar Tage. Aber ein bisschen was fehlt auch noch, deshalb werde ich nochmal die Werbetrommel rühren.
 
Crowdfunding ist ja generell in der Musikerszene recht verbreitet. Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, solche Projekte zu unterstützen?
In unserer Zeit ist Musik ständig verfügbar, Streaming-Dienste haben physische Tonträger abgelöst, weil sie praktischer und viel billiger sind. Aber dadurch fehlt Künstlern natürlich eine ganz wichtige Einkommensquelle. Die Leute zahlen 10 Euro für ein Musik-Abo und denken nicht weiter darüber nach, was das für den einzelnen Musiker für Konsequenzen hat. 
Ein Crowdfunding schlüsselt die Kosten für eine professionelle Produktion auf, baut die Anonymität ab, und bietet den Hörern die Möglichkeit, ihren Lieblingskünstlern ganz direkt zu helfen. Dadurch können die auch nächstes Jahr noch ein paar Songs schreiben und aufnehmen. Damit tut man nicht nur was für sich, sondern sorgt auch dafür, dass die Musik vielfältig bleibt, weil sich dadurch auch kleinere Acts abseits des Mainstreams über Wasser halten können.
 
Letzte Frage: Inwiefern ist so ein Album Abbild einer Zeit in deiner Biographie?
Das ist schwer zu sagen – natürlich haben mich konkrete Erlebnisse inspiriert (siehe Pekingenten). Im Gegensatz zu früher singe ich allerdings weniger über konkret autobiografisches, sondern mehr über meine allgemeineren Gedanken und Beobachtungen zum Leben und zu unserer Zeit. Aber vielleicht ist so ein Perspektivwechsel ja Teil des Erwachsenwerdens, dann wäre es vielleicht doch irgendwie ein Abbild meines Lebens.
 
 
Besten Dank für das Gespräch, und viel Erfolg mit dem dritten Album, Lukas! Das Crowdfunding findet ihr unter https://www.startnext.com/lukasleuchtet und wir verlosen eine CD von “Leuchten” unter allen, die dieses Interview auf Facebook liken und kommentieren, warum die CD sie interessiert. Alle Teilnahmebedingungen findet ihr unter folgendem Link.