Studentenleben vs. Influencer Lifestyle

Mittlerweile haben wir schon viele Einblicke in das Leben einiger Influencer bekommen, die an der Uni Augsburg studieren. Da die Hochschule Augsburg aber natürlich auch nicht zu kurz kommen darf, gibt uns heute Christina einen Einblick in ihr Leben als Studentin an der HS Augsburg und ihre Leben als „Content Creator“ auf Instagram.

©christina.kli

Christina ist 24 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Augsburg, studiert BWL an der HS Augsburg und ist am Ende des zweiten Semesters angekommen. Neben ihrem Leben als Studentin betreibt auch sie einen Instagramaccount unter dem Namen christina.kli, mit dem sie 78,5 Tausend Abonnenten erreicht. Sie steckt, wie wir alle gerade, mitten in der Prüfungsphase. Trotz des Prüfungsstress hat sie sich Zeit genommen und uns einige Fragen zu ihrem Leben beantwortet.

Warum hast du dich für ein Studium an der Hochschule Augsburg entschieden?

Ich habe ewig überlegt was und wo ich studieren soll, jedoch ist schlussendlich mein Entschluss für die HS Augsburg gefallen, da ich von vielen schon gehört habe, dass diese einen sehr guten Ruf hat. Zudem habe ich vor ein paar Jahren dort schon mal angefangen E2D (Energieeffizientes Planen und Bauen) zu studieren, das ich dann im Endeffekt aber abgebrochen habe, da es mich nicht so interessiert hat. Und allgemein hat mir die Hochschule echt sehr gut gefallen! Tatsächlich kommt für mich die Uni auch nicht in Frage, da ich damals auf der FOS nur das Fachabitur gemacht habe.

Wurde die Wahl deines Studiengangs durch deine Arbeit als Influencer beeinflusst?

Nicht direkt. Durch meinen alten Job, bei dem ich als Social Media Manager gearbeitet habe, bin ich verstärkt in die Influencer Schiene gerutscht. Ich möchte nun wirtschaftliches Wissen auf meine bisherigen Kenntnisse drauf setzten, sodass ich später noch bessere Chancen habe einen guten Job in dem Social Media Bereich zu finden. Da passt das BWL Studium, bei dem ich Schwerpunkt Marketing wählen werde, natürlich perfekt.

Wie vereinbarst du den Unialltag mit deiner Arbeit?

Während des Semesters klappt das tatsächlich echt gut. Man hat beim Studium super viele Freiheiten, weshalb ich mich auch nochmal für ein Studium entschieden habe. Wenn ein Event ansteht oder ähnliches kann ich einfach mal nicht zur Vorlesung erscheinen. In der Klausurenphase wird’s teilweise echt schwierig, da ich meinen Fokus fast zu 100% aufs Studium und die Prüfungen lege und kaum Zeit für Instagram habe und kaum Stories mache und keine neuen Bilder produzieren kann.

Hast du ein Lieblingsessen in der Mensa?     

Gute Frage. Ich habe dort tatsächlich noch nicht sooo oft gegessen, aber ich muss sagen, dass die Auswahl echt verrückt ist. Ich hätte niemals gedacht, dass es so viele verschiedene Gerichte gibt, zudem so viel Bio. Ich war erstaunt, als ich auf dem Speiseplan gelesen habe, dass es Entenkeule mit Orangenjus und Spätzle gibt. So etwas gibt es bei uns zuhause, wenn überhaupt, zu Weihnachten. Also die Auswahl ist echt mega! Ich esse aber am liebsten einen Salat. Da gibt es ein riesiges Buffet mit super viel Auswahl.

©christina.kli

Seit wann betreibst du deinen Account und wie hat sich deine Community in der Zeit entwickelt?

Meinen Account betreibe ich effektiv seit Ende 2017. Angefangen habe ich ungefär im August. Damals hatte ich ca. 1000 Follower. Mittlerweile sind es fast 80 Tausend. Ich kann mich nicht beklagen. Bis jetzt ist es super gelaufen!

Wie kam es dazu, dass du Influencer geworden bist?

Das ist eine lange Geschichte (lacht). Kurz und knapp, zum einen hat mich eine Freundin in diese Schiene gebracht, da sie damals schon gerne Influencer Bilder nachgestellt hat. Zum anderen auch durch meine Arbeit als Social Media Manager, da ich dort auch viel Kontakt mit Influencern hatte und die Arbeit sehr spannend fande. Und seit kurzem gibt es ja einen neuen Begriff für Influencer, dieser nennt sich „Content Creator“ und passt meiner Meinung auch besser zu dem Beruf.

Wann hast du gemerkt, dass dein Account „funktioniert“? Wann kam die Idee, dass du damit Geld verdienen könntest?

Hmm… also ab 3000 Followern ging es rasant zu den 10 000. Da dachte ich mir auf jeden Fall: „Cool, den Leuten gefällt wohl was ich mache!“ Am Anfang wusste ich tatsächlich noch gar nicht, dass man dort schon so früh Geld verdienen kann. Ich dachte immer, dass nur große Influencer Geld verdienen. Ich war damals im Kontakt mit vielen weiteren Personen aus der Branche, die auch fast alle schon mehr Abonnenten hatten als ich. Diese haben mir dann den Tipp gegeben, wann man wie viel verlangen kann.

Wie viel Zeit investierst Du täglich für deine Arbeit auf Instagram?

Puh! Das ist wirklich immer schwer zu sagen. Wenn ich mir die Instagram App Aktivität anschaue müsste ich natürlich noch meine „persönliche/private“ Nutzungszeit abziehen. Wenn ich aber im Durchschnitt sagen müsste, wie viel Zeit ich für meine Arbeit auf Instagram verbringe, würde ich sagen ca. 15 bis 20 Stunden in der Woche, also zwei bis drei Stunden am Tag. Dazu gehört zum Beispiel Fotos machen, Fotos sichten und auswählen, bearbeiten mit verschiedenen Programmen, E-Mails beantworten, Kooperationsanfragen verschicken, Rechnungen/ Mahnungen schreiben, Story Konzepte überlegen, Foto Ideen suchen und noch vieles mehr.

©christina.kli

Wie viel Arbeit steckt zwischen einer Idee und einem fertigen Post?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt teilweise echt super aufwendige Bilder, wie spezielle Flatlays oder Chalkboard Fotos die ich poste. Generell ist das so, ich suche Ideen heraus, meist auf Pinterest, und überlege mir wann und wie ich diese umsetzte. Gegebenenfalls muss ich dazu Deko/Materialien besorgen und dafür noch etwas basteln. Die Klamotten müssen ja meist auch zum Foto fitten, deswegen werden diese vorher ausgewählt. Das Setting wird vorbereitet und dann werden verschiedene Fotos gemacht. Teilweise auch mit verschiedenen Kamera Objektiven und aus verschiedenen Blickwinkeln. Wie bereits genannt, werden nach dem Shoot die Bilder gesichtet und selektiert. Am Ende gibts ja nur den einen perfekten Schuss. Das Foto wird dann noch bearbeitet und beim Hochladen des Posts kommt noch eine Caption dazu, sowie Tags von Accounts, Hashtags sowie Geo Tags.

Hättest du damals, als du mit Instagram angefangen hast, gedacht, dass es solche Ausmaße annimmt? Und dass es so viel Aufwand ist?

Tatsächlich habe ich damals echt nicht so weit gedacht und dass ich das mal so weit schaffe. Da freue ich mich natürlich sehr darüber und bin auch ein klein wenig stolz darauf. Und den Aufwand, muss ich gestehen, den macht man sich selber mit der Zeit. Man möchte immer professioneller und besser werden, weshalb die Arbeitszeit bei Posts und Stories und auch vielen Dingen immer höher wird. Damals habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht wie die Fotos aussehen müssen und habe oft nur ein Spiegel Selfie gepostet. Aber mittlerweile weiß ich genau, was gut ankommt bei meiner Community und das sind meist die aufwendigeren Bilder.


Du wirst von einem Management unterstützt. Seit wann arbeitet ihr zusammen?

Seit Anfang des Jahres. Ich habe schon öfters Anfragen von riesigen Managements bekommen, die in ihrer Kartei tausende Blogger haben…da bist du dann irgendwie nur eine „Zahl“ und gehst schnell unter. Das wollte ich nicht. Ich mag es eher persönlicher. Und dann habe ich eine Anfrage von einem Management bekommen, die sich erst vor kurzem selbstständig gemacht haben. Ich fand ihre persönliche Mail direkt ansprechend und dachte mir, das probiere ich jetzt einfach mal.

Nimmt dein Management Einfluss auf deine Inhalte?

Nein, das machen sie nicht (lacht). Sie schlagen mir Kampagnen vor, für die ich ausgewählt wurde und ich kann im Endeffekt die Zusammenarbeit annehmen oder ablehnen.

Was sind die Vor- und Nachteile mit einem Management zusammen zu arbeiten?

Die Nachteile sind, dass man natürlich von den Kooperationseinnahmen einen Teil abgeben muss, da das Management auf Provision arbeitet. Der Vorteil ist aber, dass man lästige Arbeiten einfach weg hat wie beispielweise Rechnungen schreiben, Zahlungseingang checken oder auch mal Mahnungen schreiben und sich ums Inkassoverfahren kümmern. I hate it!(lacht)
Sie kümmern sich dann quasi um den gesamten Kundenkontakt und vereinbaren alles wie das Budget in Absprache mit mir, sowie das Posting Datum und so weiter.

Wenn du eine Kooperation mit einem Unternehmen eingehst, wie schaut da die Zusammenarbeit aus?

Ich schaue natürlich erst, ob das Produkt oder die Marke zu mir passt und teste gegebenenfalls Produkte vorher. Zum Beispiel wenn es ein Nahrungsmittel ist oder ähnliches. Wenn mich das Produkt überzeugt, geht es in die Verhandlung mit dem Unternehmen bezüglich dem Budget. Wenn es dann zu einem Deal kommt, schickt das Unternehmen ein Briefing an den Influencer. Dort steht beispielsweise drin, welche Bildsprache das Foto haben soll, wann die Freigabe erfolgt, welche Hashtags benutzt werden und was in etwa in der Caption steht. Manche Unternehmen lassen einem auch völlig freien Lauf und es gibt dann überhaupt keine Vorgaben. Nach der Kooperation werden Insights an den Kunden geschickt. Dieser wertet diese intern aus und entscheidet anhand der Zahlen wie erfolgreich die Kooperation war und ob es erneut zu einer kommen wird.

©christina.kli

Die aktuelle Corona-Situation wirkt sich unter anderem auf den Arbeitsmarkt aus. Es haben auch viele Studenten ihren Job verloren. Wie schaut deine Arbeit gerade jetzt zu Zeiten von Corona aus, was hat sich verändert?

Ganz am Anfang der Corona Zeit war ich schon sehr erstaunt, dass so viele Zusammenarbeiten abgesagt wurden. Damit hätte ich nicht gerechnet. Mir wurden innerhalb ein paar Tagen fünf Kooperationen für die nächsten zwei Monate abgesagt, was natürlich schade ist, ich aber natürlich auf Grund der Lage verstehen konnte.

Gibt es ein starkes Influencer-Netzwerk in Augsburg, oder vielleicht sogar an der Uni/ Hochschule Augsburg Augsburg?

Ich kenne schon einige aus Augsburg, die auch auf Instagram aktiv sind. Die meisten kenne ich sogar persönlich. Sind alles nette Mädels und Jungs. An der HS Augsburg kenne ich bisher noch keinen gleichgesinnten (lacht). Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Arbeitest du sonst noch mit anderen Influencern zusammen? Inwieweit ist das für dich wichtig?

Zusammenarbeiten direkt nicht. Ich kenne einige Influencer aus Augsburg. Insofern „arbeite“ ich auch mit ein paar zusammen um Content zu produzieren. Das ist z.B. @vanessa_frr und @antoniatilch. Beide sind übrigens auch auf der Uni. Wir treffen uns normal alle zwei Wochen und machen Fotos in Augsburg oder fahren an schöne Orte, die in der Gegend sind.

©christina.kli

Hast du zusätzlich noch andere Jobs?

Bisher noch nicht. Aber wahrscheinlich ab den Semesterferien. Das klärt sich nach den Prüfungen, da ich momentan so viel zu tun habe, dass ich mir über einen Job kaum Gedanken machen kann. Ich hätte auch super gerne in den Semesterferien in einem Start- up in München gearbeitet. Dies ist aber leider aufgrund von Corona dieses Jahr nicht möglich. Super schade! Dann nächstes Jahr…


Wie viel verdienst du als Influencer? Welcher deiner Jobs macht im Moment den größten Anteil deiner Einnahmen aus?

Ja das ist jetzt natürlich eine Frage die ich so nicht direkt beantworten werde! (lacht) Ich sag mal so, ich würde es nicht Vollzeit machen, da mir das Ganze zu unsicher ist und man nie genau abschätzen kann ob es im kommenden Monat gut läuft oder nicht so gut. So ist das eben mit der Selbstständigkeit. Aber ich kann sagen, dass es ein ganz netter Nebenverdienst ist und ich nicht während dem Semester, so wie viele andere, nebenbei noch jobben muss.

Hast du einen Lieblingsort in Augsburg?

Schwer zu sagen. Es gibt so viele tolle Orte in Augsburg. Das Schaetzlerpalais finde ich aber echt toll. Da ist man meist auch fast alleine und kann super entspannen.


Wo gibt es den besten Kaffee oder Tee?

Den besten Kaffee gibts natürlich bei mir zu Hause. Das ist keine Frage (lacht). Aber ich kann dir gerne sagen wo ich am liebsten Frühstücken gehe. Ich liebe das Picknick und Bricks. Da gibts echt gutes Zeug und auch guten Kaffee! (lacht)

Danke für das Interview, die ausführlichen Antworten und die Einblicke in dein Leben.