„Immer das gleiche alte Beuteschema“

Kinan Salameh findet, junge Menschen seien in der Politik zu wenig vertreten. Um das zu ändern, kandidiert der 19-jährige Management-Student für den Augsburger Stadtrat. Ein Interview
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presstige: Wie bist du zur Politik gekommen?

Kinan Salameh: Mein Vater ist sehr an Politik interessiert und hat mich manchmal zu verschiedenen Parteiveranstaltungen mitgenommen. Dort habe ich mich aber immer fremd gefühlt und mich gefragt, warum das so ist. Es liegt daran, dass es in der Politik keine jungen Menschen gibt. Ich dachte mir: Das müsste man ändern. Deshalb will ich ein Vertreter für junge Menschen sein.

Auf deiner Facebook-Seite bekommt man den Eindruck, dass du für junge Menschen erst mal den Politik-Erklärer gibst.

Ja, das muss ich machen. Viele wissen sehr wenig über Kommunalpolitik. Die sind einen Tag vor der Bundestagswahl zur mir gekommen und haben gesagt: Ich wähle dich morgen. Ich stehe dann mitten in der Disko und erkläre den Leuten, was der Stadtrat ist.

Woran liegt es, dass viele junge Menschen kein Interesse an der Politik haben?

Wenn man durch die Straßen geht, dann sieht man nur alte Gesichter auf den Wahlplakaten. Es sind immer dieselben Gesichter und das gleiche alte Beuteschema. Da braucht es erst mal einen jungen Menschen in der Politik, der die Jugendlichen mitzieht und einen Draht zu den Leuten schafft.

Wissen die Parteien, dass sie junge Menschen brauchen? Haben die versucht, dich anzuwerben?

Ich war bei der CSU, der SPD und bei anderen Parteien auf Veranstaltungen. Dort wurde ich immer als der Sohn von Herrn Salameh wahrgenommen. Für mich als Person hat sich niemand interessiert. Nur auf dem Presseempfang der CSM kam Herr Weber, der zweite Bürgermeister, zu mir und sagte: „Mich freut es sehr, dass ein Junger hier ist. Wie wär es, mach doch was?“

Kinan Salameh, 19, studiert Internationales Management an der Hochschule Augsburg und kandidiert auf der CSM-Liste für den Stadtrat.
Kinan Salameh, 19, studiert Internationales Management an der Hochschule Augsburg und kandidiert auf der CSM-Liste für den Stadtrat.

Woher nimmst du das Selbstbewusstsein, dich so in die Öffentlichkeit zu stellen?

Durch meine Behinderung habe ich ein sehr starkes Selbstbewusstsein. Schon im Kindergarten wurde ich immer gefragt: Wo ist Dein Arm? Wenn man damit aufwächst, lernt man sehr selbstbewusst damit umzugehen. Das hat mich auch als Mensch geprägt.

In den Kommentaren auf deiner Facebook-Seite schreiben viele, das eigene Alter sei nicht wichtig, um die Interessen der Jugendlichen zu vertreten.

Schwachsinn. Dem stimme ich überhaupt nicht zu. Wenn mir einer mit 60 Jahren erzählen möchte, dass er seinen Fokus auf die Jugend legt, glaube ich ihm das nicht. Jeder denkt aus seiner Perspektive und vertritt somit eher seine Interessen. Im Stadtrat sollte ein Querschnitt der Bevölkerung vertreten sein.

Du willst Vertreter aller junge Menschen sein und meinst, sie müssen zusammenhalten. Das ist für den Wahlkampf sicher gut. Aber wenn es um konkrete Politik geht, dann haben nicht unbedingt alle jungen Leute die gleichen Interessen.

Ja, klar. Es gibt es sogar unter Freunden verschiedene Meinungen. Deshalb möchte nicht etwas Spezifisches ändern, wovon nur eine kleine Gruppe profitiert, sondern Jugendförderung betreiben. Da denke ich an Aktivitäten, die jeden betreffen, zum Beispiel Sportplätze. Jugendliche gehen in den Park saufen oder machen Schwachsinn, weil es keine Alternativen gibt.

Was würdest Du als Erstes angehen?

Mir ist die Infrastruktur total wichtig, wie Sportplätze oder Radwege. Aber das Maxfest ist auch verdammt wichtig. Schwer zu sagen.

Alles was Du vorschlägst, kostet Geld. Hast Du auch Ideen, wo man sparen könnte?

Am besten bei Fehlern wie dem Umbau des Curt-Frenzel-Stadions. Sowas kostet am meisten Geld.

Wie reagieren die Leute darauf, dass du als Moslem in der CSM bist?

Es gibt leider viele Menschen, die sagen: „Wie heißt die Partei? Christlich-soziale Mitte? Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber bist du nicht Moslem?“ Ich antworte dann immer: Wofür steht das C? Das ist doch ein Menschenbild: Es geht um Werte, die jeder Mensch haben sollte und die in allen Religionen verankert sind.

Kommunalwahl 2014

Wer in Augsburg gemeldet ist, kann am Sonntag, 16. März, einen neuen Oberbürgermeister und Stadtrat wählen.

Wo ist das Unverständnis größer, bei den Christen in der CSM oder bei deinen muslimischen Freunden?

Einige Freunde fragen zwar: Hast du uns verraten? Aber meistens sind es Christen, die sagen: Das passt mir nicht. Dieses Schubladendenken finde ich schade. Es geht in einer Stadt darum, wie man am besten zusammen lebt, da sollte man niemanden ausgrenzen.

Wo gehst Du feiern?

Meine Lieblingslocation ist das Ostwerk, ansonsten bin ich relativ offen. Mich findet man auch im Yum oder im Tropi.

Findest du, dass Studenten in Augsburg gut aufgehoben sind?

Was die Uni und FH selber angeht, ja. In anderen Bereichen ist Augsburg nicht gerade die beste Studentenstadt. Auch zum Feiern und für Aktivitäten brauchen wir mehr Möglichkeiten. So wie es jetzt ist, braucht man sich nicht wundern, dass viele sagen: Ich will raus aus Augsburg.