<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>geschichte Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
	<atom:link href="https://presstige.org/tag/geschichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://presstige.org/tag/geschichte/</link>
	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 02 Sep 2024 13:55:46 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8.7</generator>

<image>
	<url>https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Logo-80x80.jpg</url>
	<title>geschichte Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
	<link>https://presstige.org/tag/geschichte/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">172887149</site>	<item>
		<title>Interview mit Martin Kaufhold, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Augsburg</title>
		<link>https://presstige.org/2024/08/interview-mit-martin-kaufhold-professor-fuer-mittelalterliche-geschichte-an-der-universitaet-augsburg/</link>
					<comments>https://presstige.org/2024/08/interview-mit-martin-kaufhold-professor-fuer-mittelalterliche-geschichte-an-der-universitaet-augsburg/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Max Lieber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Aug 2024 11:11:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[stadtnah]]></category>
		<category><![CDATA[augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Kaufhold]]></category>
		<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[uni augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[universität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://presstige.org/?p=27024</guid>

					<description><![CDATA[<p>  Martin Kaufhold hat Germanistik und Geschichte studiert und ist seit 2003 Professor für Geschichte des Mittelalters in Augsburg. Zusammen mit seinem Kollegen PD Dr. Mathias Kluge erstellte er den Podcast „Von Chlodwig bis Columbus“, der in jeder Folge ein...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2024/08/interview-mit-martin-kaufhold-professor-fuer-mittelalterliche-geschichte-an-der-universitaet-augsburg/">Interview mit Martin Kaufhold, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Augsburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="27024" class="elementor elementor-27024">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-5347b5fb elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="5347b5fb" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-53846e37" data-id="53846e37" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-404f7e5 elementor-widget elementor-widget-image" data-id="404f7e5" data-element_type="widget" data-widget_type="image.default">
				<div class="elementor-widget-container">
															<img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="853" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-768x1024.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-27032" alt="" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-225x300.jpg 225w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-1152x1536.jpg 1152w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-1536x2048.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/08/IMG_2503-1-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />															</div>
				</div>
				<div class="elementor-element elementor-element-eb89a2e elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="eb89a2e" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p></p>
<p>Martin Kaufhold hat Germanistik und Geschichte studiert und ist seit 2003 Professor für Geschichte des Mittelalters in Augsburg.</p>
<p></p>
<p>Zusammen mit seinem Kollegen PD Dr. Mathias Kluge erstellte er den Podcast „Von Chlodwig bis Columbus“, der in jeder Folge ein Ereignis des Mittelalters erklärt und auch auf Spotify zu finden ist. Dieses Semester hielt er eine Vorlesung über das Christentum im Mittelalter, die ich mit Freude besucht habe. Kurz nach Ende der Vorlesungszeit habe ich ihn getroffen und wir haben über die Arbeit als Dozent, historisches Denken und bayrische Studierende, die sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen, gesprochen.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Dann erstmal guten Tag, Herr Kaufhold, und vielen Dank, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben. Als erste Frage etwas Positives für den Einstieg:</p>
<p></p>
<p>Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Mein Beruf gefällt mir nach wie vor sehr gut, da er die Verbindung ist aus einem fachlichen Interesse und der Zusammenarbeit und dem Kontakt mit Studierenden, der ein Privileg ist. Das Arbeiten mit jungen Leuten ist für Älterwerdende eine Chance und auch in der Regel sehr belebend.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Sie haben mit Ihrem Kollegen Herrn Dr. Kluge einen Podcast über das Mittelalter gemacht. Da wollte ich Sie fragen, wo Sie die Stärken des Mediums Podcast sehen und ob ähnliche Projekte geplant sind? &nbsp;</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Ein Podcast, dessen muss man sich klar sein, ist sehr viel Arbeit. Aber der Versuch ist, dass man ein Publikum belehren und unterhalten möchte. Wir haben in jüngerer Zeit eine digitale Ausstellung über die Goldene Bulle gemacht, einen vierminütigen Animationsfilm für Lehrer und Schüler.</p>
<p></p>
<p><a href="https://www.die-goldene-bulle.de">https://www.die-goldene-bulle.de</a></p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Was sind die Vorteile von Historikerinnen und Historikern beim Betrachten des aktuellen politischen Geschehens?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Erstaunlich viel Raum nimmt immer der augenblickliche Befund ein, aber der augenblickliche Befund ist eine vorübergehende Erscheinung. Was ich wirklich beunruhigend finde, ist das Fehlen historischer Dimensionen bei der Betrachtung des aktuellen Geschehens. Das erkennt man an vielen Fällen der letzten Zeit, bei denen man von Anfang sehen konnte, dass das Vorhaben scheitern muss. Das gilt sowohl für das G8, das schlicht schlecht gemacht war, wie aber auch für Boris Johnson, der in einer Weise Politik betrieben hat die für 2 Jahre funktionieren kann, aber sicher nicht langfristiger. Die meisten von uns werden noch die Folgen mitbekommen. Da ist die historische Perspektive eine Hilfe. Bei der historischen Perspektive sollte man sich klarmachen, wo etwas herkommt und auch wo etwas hingeht.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Würden Sie sagen, es liegt an tatsächlichem Unwissen, Ignoranz oder fehlender Kompetenz, dass diese historische Perspektive ausgeblendet wird?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Zum einen gibt es eine ungeheure Fülle an Informationen über die Gegenwart, das ist geradezu erdrückend. Es gibt eigentlich kaum Politikerinnen oder Politiker, die eine historische Perspektive haben. Vor 30 Jahren waren politische Interviews anders. Jetzt hat man den Eindruck, dass Interviews ein Kommentar zur aktuellen Meinungsumfrage sind. Das größere Problem dabei ist, dass viele nicht weiter über den aktuellen Befund hinausdenken.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Eine Frage zum Nichtwissen: Gibt es Wissen oder Verständnisse, die sie Nicht-Historikerinnen und -Historikern mitgeben würden?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Wir müssen uns Gedanken machen, wo die Gesellschaft sich hin entwickelt oder wo wir möchten, dass sie sich hin entwickelt. Da sollte man mit Rezepten arbeiten, die zukunftsfähig sind. Wenn man im Augenblick zum Beispiel sieht, dass in bayrischen Schulen mit dem Arbeiten mit IPads angefangen wird, während man lesen kann, dass in den Ländern, die damit früher begonnen haben wieder zurückrudern. Da muss man nicht besonders vorausschauend sein, um zu sehen, wohin sich das entwickelt. Das finde ich erstaunlich. Ich fände gut, wir würden mal nachdenken, wo wir hinwollen. Das geschieht zu wenig.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Dann wollen wir mal weg von dem Allgemeinen und hin zur Uni und vielleicht zu einer etwas negativeren Frage: Welches Verhalten von Studierenden stört Sie oder können Sie überhaupt nicht nachvollziehen?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Mir fehlt Verständnis für Studierende, die sich für ihr Fach nicht interessieren. Da tut sich ein Graben auf, den ich für nicht überbrückbar halte. Wenn man dieses Fach (Geschichte) studiert, muss man ein eigenständiges Bild von Geschichte gewinnen. Wenn man das nicht schafft, vertut man hier seine oder ihre Zeit. Desinteresse am Fach ist etwas, das verstehe ich nicht, bin aber auch festgelegt, dass ich das nicht verstehen möchte.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Würden Sie sagen, es gibt Unterschiede von Lehramtstudierenden zu Bachelorstudierenden, auch bezogen auf das fehlende Interesse am Fach?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Das würde ich nicht so sehen. In meinen Seminaren habe ich eine sehr positive Erfahrung. In allen Fällen gibt es sehr engagierte und interessierte Studierende. Was mir hier in Bayern auffällt, ist eine Haltung, die ich woanders noch nicht so erlebt habe. Dieses „Ich sage lieber nichts, bevor ich was falsches sage“. Und das muss irgendwo im Gymnasium passiert sein. Wir haben mehrere Jahre die Kinderuni gemacht, das heißt, universitäre Themen für Kinder im Grundschulalter vorbereiten. Und da hat man ein ungeheuer lebendiges Interesse gehabt. Irgendwo muss das untergangen sein, das muss in der Schule passiert sein. Wenn ich jetzt in einem Seminar sitze, kann es vorkommen, dass keiner die Hand hebt, und wenn man sie direkt fragt, sagen sie auch lieber nichts. Und wenn ich frage: „Warum sagen Sie jetzt nichts?“, kommt zum Teil die Antwort: „Weil ich nicht weiß, was sie wissen wollen“. Das ist die falscheste Antwort die eine Studentin oder ein Student geben kann.</p>
<p></p>
<p>Weil es kann ja nicht darum gehen, was ich wissen will, sondern was die Auffassung zu einer historischen Frage ist. Und die kann nicht davon abhängen, was der Professor dazu zu sagen hat.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Sie sind ja seit 2003 an der Uni Augsburg, inwiefern hat sich das Klima an der Uni seitdem verändert? Anfang der 2000er stelle ich mir ein offeneres Diskussionsklima vor.</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Im Mittelalter sind die meisten Beteiligten bereits tot, deshalb spricht man jetzt auch nicht über lebende Gestalten und deren Perspektive. Da würde ich jetzt keine große Veränderung sehen. Man hat insgesamt eine Veränderung der Fachkultur mit diesem Sonderforschungsbereiche, ansonsten würde ich keine besonders große Veränderung sehen.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Dann vielen Dank und eine schöne Vorlesungsfreie Zeit wünsche ich Ihnen. Haben Sie in den Semesterferien etwas Schönes geplant oder müssen Sie viel arbeiten?</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Ich muss ein Buch überarbeiten, das im Februar erscheinen soll. Insofern ist noch ein bisschen zu tun.</p>
<p></p>
<p><strong>Presstige</strong>: Vielen Dank für das Interview!</p>
<p></p>
<p><strong>Kaufhold</strong>: Danke für Ihr Interesse.</p>
<p></p>
<p></p>								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2024/08/interview-mit-martin-kaufhold-professor-fuer-mittelalterliche-geschichte-an-der-universitaet-augsburg/">Interview mit Martin Kaufhold, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Augsburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2024/08/interview-mit-martin-kaufhold-professor-fuer-mittelalterliche-geschichte-an-der-universitaet-augsburg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">27024</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Großartiges Versagen</title>
		<link>https://presstige.org/2024/01/grossartiges-versagen/</link>
					<comments>https://presstige.org/2024/01/grossartiges-versagen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Kintzler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jan 2024 12:37:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[großartiges]]></category>
		<category><![CDATA[großartiges versagen]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[mensch]]></category>
		<category><![CDATA[versagen]]></category>
		<category><![CDATA[welt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://presstige.org/?p=26201</guid>

					<description><![CDATA[<p>© Unsplash Großartiges Versagen zwischen dem Chaos, so unerschütterlich tobend in der Welt, inmitten in der Luft schwebenden Neujahrsvorsätzen anderer, in der Luft, so eiskalt dringend in die Lunge, eingehüllt in die Kraft der winterlichen Sonnenstrahlen, habe ich so plump...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2024/01/grossartiges-versagen/">Großartiges Versagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="26201" class="elementor elementor-26201">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7e46c7e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="7e46c7e" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-e275732" data-id="e275732" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-912215a elementor-widget elementor-widget-image" data-id="912215a" data-element_type="widget" data-widget_type="image.default">
				<div class="elementor-widget-container">
												<figure class="wp-caption">
										<img decoding="async" width="640" height="427" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen-1024x683.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-26210" alt="" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen-1024x683.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen-300x200.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen-1536x1024.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2024/01/Foto_Grossartiges_Versagen.jpg 1770w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">© Unsplash</figcaption>
										</figure>
									</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-4501bad elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="4501bad" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2a27cc7" data-id="2a27cc7" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-c5c9c33 elementor-widget elementor-widget-heading" data-id="c5c9c33" data-element_type="widget" data-widget_type="heading.default">
				<div class="elementor-widget-container">
					<h4 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Großartiges Versagen</h4>				</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7d52d69 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="7d52d69" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-f1cb694" data-id="f1cb694" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-e8943fe elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="e8943fe" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p>zwischen dem Chaos, so unerschütterlich tobend in der Welt,<br>
inmitten in der Luft schwebenden Neujahrsvorsätzen anderer,<br>
in der Luft, so eiskalt dringend in die Lunge,<br>
eingehüllt in die Kraft der winterlichen Sonnenstrahlen,</p>
<p>habe ich so plump beschlossen,<br>
großartig zu sein.</p>
<p>Nicht großartig in Leistung,<br>
in Erfolg, ganz zu schweigen von gesellschaftlichen Ansprüchen.</p>
<p>Ich will großartig sein<br>
darin, meine Welt zu lieben,<br>
mir meine Welt zu kreieren, die ich dann anschließend lieben lerne.</p>
<p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">Ich habe beschlossen, all die Steine, die mir in den Weg gelegt werden,</span><br></p><p>
umzudrehen, ein ganzes Stück mit mir rumzutragen,<br>
schwer auf meinen Schultern liegend wie Raureif auf dünnem Gras<br>
und sie schlussendlich aber in etwas Großartiges zu verwandeln.</p>
<p>Ich will großartig sein, darin, das Beste aus allem zu machen, sofern es geht.</p>
<p>Großartig darin, anderen zu vergeben, wenn sie es nicht können,<br>
mir selbst zu vergeben, wenn meine Haut mal nicht robust genug ist, dieser Welt immer mit Leichtigkeit zu begegnen,</p>
<p>wenn ich anderen vergebe, auch wenn ich vielleicht hätte diesmal nicht vergeben sollen.</p>
<p>Meine Haut darf zart sein, weich und verwundbar<br>
&#8211; genau diese Kunst der Verwundbarkeit macht sie erst robust.</p>
<p>Ich will großartig darin sein, nicht großartig zu sein<br>
und genau das, was der Mensch am meisten zu hassen scheint, zu lieben,<br>
was das „versagen“ ist,<br>
in diesem wir denken, dass es bedeutet, nicht großartig zu sein,<br>
obgleich in der Kammer des Schreckens des sogenannten Versagens<br>
versteckt ist das großartige Wachsen,<br>
sowie du spüren wirst,<br>
dass du<br>
längst großartig bist.</p>								</div>
				</div>
				<div class="elementor-element elementor-element-ab44377 elementor-widget elementor-widget-spacer" data-id="ab44377" data-element_type="widget" data-widget_type="spacer.default">
				<div class="elementor-widget-container">
							<div class="elementor-spacer">
			<div class="elementor-spacer-inner"></div>
		</div>
						</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-dee51d5 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="dee51d5" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-b89a0b7" data-id="b89a0b7" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-9f9071b elementor-view-default elementor-widget elementor-widget-icon" data-id="9f9071b" data-element_type="widget" data-widget_type="icon.default">
				<div class="elementor-widget-container">
							<div class="elementor-icon-wrapper">
			<div class="elementor-icon">
			<i aria-hidden="true" class="fas fa-feather-alt"></i>			</div>
		</div>
						</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2024/01/grossartiges-versagen/">Großartiges Versagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2024/01/grossartiges-versagen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">26201</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Das Sohnbeet</title>
		<link>https://presstige.org/2023/12/das-sohnbeet/</link>
					<comments>https://presstige.org/2023/12/das-sohnbeet/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Schmid]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Dec 2023 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[beet]]></category>
		<category><![CDATA[garten]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[SOHN]]></category>
		<category><![CDATA[sohnbeet]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://presstige.org/?p=26145</guid>

					<description><![CDATA[<p>© Unsplash Als ich eines Morgens aufwachte, pflanze meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb. Ausgehöhlt und mit Erde befüllt war er schon, nur noch das Einpflanzen und das anschließende Eingießen fehlte. Müde rieb ich mir die Augen. Ich hatte...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2023/12/das-sohnbeet/">Das Sohnbeet</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="26145" class="elementor elementor-26145">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-d58e21e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="d58e21e" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-c0eea15" data-id="c0eea15" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-b78281b elementor-widget elementor-widget-image" data-id="b78281b" data-element_type="widget" data-widget_type="image.default">
				<div class="elementor-widget-container">
												<figure class="wp-caption">
										<img decoding="async" width="640" height="427" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-1024x683.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-26152" alt="" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-300x200.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2023/12/sandie-clarke-q13Zq1Jufks-unsplash-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">© Unsplash</figcaption>
										</figure>
									</div>
				</div>
				<div class="elementor-element elementor-element-78f423a elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="78f423a" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">Als ich eines Morgens aufwachte, pflanze meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb. Ausgehöhlt und mit Erde befüllt war er schon, nur noch das Einpflanzen und das anschließende Eingießen fehlte. Müde rieb ich mir die Augen. Ich hatte ja nichts dagegen, dass meine Mutter gerne gärtelte, aber das ging doch wirklich zu weit. Sie hatte bereits ein Kräuterbeet, ein Frühbeet, ein Gemüsebeet, ein Blumenbeet und ein Hochbeet. Wozu brauchte sie also noch ein Sohnbeet? Irgendwo musste einfach die Grenze gezogen werden.</span></p>
<p>Ob sie nicht finde, dass das etwas makaber wäre, fragte ich.</p>
<p>Nichts dergleichen, meinte sie. Ich solle mich nicht so haben. Immerhin würde ich so etwas Sinnvolles tun. Einen Beitrag zur Ernährung der Familie leisten.</p>
<p>Ich erschauderte, als meine Mutter – nun fertig mit dem Einpflanzen – das kalte Wasser aus der Gießkanne über mich goss.</p>
<p>Wie sie sich das vorstelle, fragte ich ratlos. So müsse ich ja den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.</p>
<p>Im Bett könne ich nicht bleiben, sagte sie. Die Pflanzen bräuchten Sonnenlicht, daher müsse ich raus in den Garten.</p>
<p>Die ganze Zeit?</p>
<p>Die ganze Zeit.</p>
<p>Und wenn es regne?</p>
<p>Dann würde ich gegossen werden.</p>
<p>Das könne sie doch nicht ernst meinen, rief ich empört. Wenn ich die ganze Zeit draußen sei, würde ich mich garantiert erkälten.</p>
<p>Meine Mutter lächelte nur traurig. Zusammen mit meinem Vater, der nun ebenfalls in der Tür stand und traurig lächelte, hievte sie mich auf eine Trage und trug mich in den Garten. Dort legte sie mich neben den Kirschbaum.</p>
<p>Ob ich zufrieden sei mit meinem Plätzchen, fragte sie.</p>
<p>Ich war tatsächlich sehr zufrieden mit meinem Plätzchen, war der Kirschbaum doch der Baum, den meine Mutter zur Feier meiner Geburt gepflanzt hatte. Allerdings hatte ich keine Lust zu antworten. Ich war immer noch zu wütend auf sie. Sie hätte mich ja zumindest fragen können, bevor sie mich in ein Beet verwandelt hatte.</p>
<p>Während ich so meinen trübseligen Gedanken nachging, streichelte meine Mutter sanft mein Haar.</p>
<p>Ich solle mir keine Sorgen machen, sagte sie. Das würde schon wieder werden.</p>
<p>Was würde schon wieder werden, fragte ich.</p>
<p>Ohne zu antworten, drehte sich meine Mutter um und ging.</p>
<p>Das war doch nicht auszuhalten! Gestern noch ein normaler Mensch, heute ein Paprikabeet. Was für eine Demütigung. Dazu noch von der eigenen Mutter aus dem Haus verbannt. Ich hätte am liebsten geweint oder geflucht oder wild um mich geschlagen, aber ich kontrollierte mich. Immerhin wuchs in meiner Brust etwas Lebendiges, für das ich Verantwortung trug. Ich seufzte und fügte mich meinem Schicksal.</p>
<p>Die Tage vergingen und es wurde langsam wärmer. Zu meiner Überraschung bekam ich keine Erkältung. Ich fühlte mich sogar sehr wohl draußen. Gelegentlich kam meine Mutter vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und mich zu gießen. Die Paprikapflanze gedieh großartig in meiner Brust. Leiser Stolz erfüllte mich. Endlich gab es etwas, das ich gut machte.</p>
<p>Als ich dann eines Nachts die erste Frucht an meiner Pflanze erkannte, brüllte ich – vor lauter Freude – so laut, dass ich meine Mutter aus dem Bett scheuchte.</p>
<p>Was denn los sei, fragte sie entsetzt.</p>
<p>Begeistert zeigte ich ihr die kleine grüne Paprikaschote. Meine Mutter kniff die Augen zusammen – ohne Brille sah sie nämlich nicht so gut – und suchte die Pflanze ab, aber schließlich entdeckte sie die Schote.</p>
<p>Sehr schön, sagte sie müde. Ob das der Grund für mein Gebrüll gewesen sei?</p>
<p>Natürlich, sagte ich.</p>
<p>Um Himmels Willen, stöhnte sie. Sie habe schon gedacht, ich sei überfallen worden.</p>
<p>Gähnend schlurfte sie zurück ins Bett, doch meine Freude war unvermindert. Eine Paprikaschote. Das hatte ich erschaffen. Die ganze Nacht durch tat ich kein Auge zu, sondern bewunderte strahlend die kleine grüne Frucht, die da an mir wuchs.</p>
<p>Weiter vergingen die Tage, zur ersten gesellten sich weitere Schoten und schließlich wurden sie rot. Als dann endlich die erste Paprika geerntet werden konnte, war es bereits Hochsommer, dem Stand der Sonne und der Hitze nach zu urteilen.</p>
<p>Ein Prachtexemplar, sagte meine Mutter, die Paprikaschote in ihrer Hand bewundernd. Ob ich immer noch wütend sei, in ein Paprikabeet umfunktioniert worden zu sein, fragte sie.</p>
<p>Überhaupt nicht, meinte ich. Es gebe nichts Schöneres, als die Früchte der Arbeit mit eigenen Augen zu sehen.</p>
<p>Meine Mutter nickte anerkennend.</p>
<p>Trotzdem, fuhr ich fort, wüsste ich gerne, warum sie es getan habe.</p>
<p>Wieder lächelte sie nur traurig. Ein anderes Mal, sagte sie.</p>
<p>Mit der Zeit wurden die Paprikaschoten auf meiner Pflanze weniger und schließlich begannen die Blätter zu welken. Es war ein anstrengender Sommer gewesen. Ich hätte nie geglaubt, wie anstrengend es war, eine Pflanze wachsen zu lassen. Fast schon war ich froh, dass nun der Herbst nahte, der Ruhe versprach.</p>
<p>Als meine Mutter die letzte Schote pflückte, trauriger, als ich sie jemals gesehen hatte, fragte ich wieder, warum sie mich zu einem Paprikabeet umfunktioniert hatte. Jetzt, wo ich meine Arbeit getan habe, könne sie es mir doch sagen.</p>
<p>Wieder schüttelte sie nur den Kopf.</p>
<p>Warum sie so traurig sei, wollte ich wissen.</p>
<p>Ein anderes Mal, sagte sie und verschwand.</p>
<p>Doch es gab kein anderes Mal. In der folgenden Nacht kam der erste schwere Herbststurm des Jahres und meine Pflanze starb. Und mit ihr ich. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf.</p>
<p>Als ich eines Morgens aufwachte, pflanzte meine Mutter eine Paprikapflanze in meinen Brustkorb.</p>
<p>Ausgeschlafen, fragte sie lächelnd ihren toten Sohn.</p>								</div>
				</div>
				<div class="elementor-element elementor-element-0c7353c elementor-view-default elementor-widget elementor-widget-icon" data-id="0c7353c" data-element_type="widget" data-widget_type="icon.default">
				<div class="elementor-widget-container">
							<div class="elementor-icon-wrapper">
			<div class="elementor-icon">
			<i aria-hidden="true" class="fas fa-feather-alt"></i>			</div>
		</div>
						</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2023/12/das-sohnbeet/">Das Sohnbeet</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2023/12/das-sohnbeet/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">26145</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Mord am Feuerwachturm &#8211; eine Kurzgeschichte</title>
		<link>https://presstige.org/2022/12/mord-am-feuerwachturm-eine-kurzgeschichte/</link>
					<comments>https://presstige.org/2022/12/mord-am-feuerwachturm-eine-kurzgeschichte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elena Kovacevic]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2022 20:28:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kreativ]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[presstigegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[short story]]></category>
		<category><![CDATA[wortwärts]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://presstige.org/?p=24916</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich dachte das hier wäre ein Männerjob, nur deshalb hatte ich mich freiwillig gemeldet. Ich dachte auch nie, dass sie mich wirklich den Feuerwachturm hochschicken würden, und dann noch als eine der Ersten.&#160; Da das Ganze für mich doch so...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/12/mord-am-feuerwachturm-eine-kurzgeschichte/">Mord am Feuerwachturm &#8211; eine Kurzgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="24916" class="elementor elementor-24916">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-f6fb6bc elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="f6fb6bc" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-no">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-1d011bb" data-id="1d011bb" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-336acfb elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="336acfb" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p><span style="font-weight: 400;">Ich dachte das hier wäre ein Männerjob, nur deshalb hatte ich mich freiwillig gemeldet. Ich dachte auch nie, dass sie mich wirklich den Feuerwachturm hochschicken würden, und dann noch als eine der Ersten. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Da das Ganze für mich doch so spontan war, hatte ich nicht einmal die Möglichkeit mir auszudenken, wie ich die nächsten fünf Stunden hier verbringen würde. Ich sollte Ausschau halten und melden, wenn ich Rauch sah oder ein Feuer ausbrach. So wie ich diese Stadt kannte, würde heute nichts Interessantes passieren. Das letzte Feuer ist über acht Jahre her und das heißt was. Wundert mich eigentlich, dass dieser Job nicht abgeschafft wurde.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">In weniger als zwei Stunden würde jemand vorbeikommen und mir mein Abendessen bringen. Wenigstens darum musste ich mir keine Gedanken machen. Sitzmöglichkeiten gab es nicht viele. Nur ein einziger kleiner Holzstuhl, der mich kaum halten konnte und ehrlich gesagt wollte ich mit meinem Gewicht lieber nichts riskieren. Also stand ich, seit ich hergekommen war daneben und sah in die Ferne.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Vor mir erstreckten sich nach einer kleinen Landstraße, die ins Tal führte, kilometerlang Felder und Wiesen und der Frühling verfärbte alles in ein erfrischendes Grün. Dahinter lagen Wälder und ich erkannte Tannen und weitere Nadelbäume, dessen Namen mir nicht bekannt waren. Sie waren aber auch zu weit, um sie eindeutig identifizieren zu können. Ganz am Rande war dann das Gebirge, dessen Namen ich immer vergaß, doch ich wusste es reimte sich auf das Wort &#8216;Strauch&#8217;. Dumme Eselsbrücke, ich weiß,  aber wenigstens brachte sie manchmal doch was. Heute eher nicht.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Eine weitere Stunde verging und die Sonne verließ langsam ihren Thron. Mein Magen knurrte und ich musste an mein Essen denken. Hoffentlich bringt der Junge mir Kartoffeln oder Brot, etwas das satt macht. Um mich von diesen Gedanken abzulenken, sah ich wieder in die Landschaft, doch dort regte sich den ganzen Tag schon nichts. Um die Zeit zu vertreiben, entfernte ich den Schmutz unter meinen Fingernägeln, die von der täglichen Feldarbeit sowieso kaum noch als Nägel durchgingen. </span></p>								</div>
				</div>
				<div class="elementor-element elementor-element-22214e7 elementor-widget elementor-widget-image" data-id="22214e7" data-element_type="widget" data-widget_type="image.default">
				<div class="elementor-widget-container">
												<figure class="wp-caption">
										<img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="359" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920-1024x575.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-24918" alt="" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920-1024x575.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920-300x168.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920-768x431.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920-1536x862.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2022/11/fire-lookout-tower-g1c180c92b_1920.jpg 1920w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">Andrey via Pixabay</figcaption>
										</figure>
									</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-9ccdda7 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="9ccdda7" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-4cdc3c2" data-id="4cdc3c2" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-4264fc6 elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="4264fc6" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p><span style="font-weight: 400;">Von unten kam Gelächter. Zuerst ignorierte ich es, doch es wurde schnell lauter. Ein Pärchen, beide noch ziemlich jung, liefen Händchen haltend den Weg entlang und bemerkten mich gar nicht. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ich will nur ein schönes, einfaches Leben. Was ist daran falsch?“, sagte der Junge und ließ sich ins Gras fallen. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Sie stand weiterhin am Rande des Wegs und sah zu ihm runter. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ich meinte doch nur, du sollst mehr an deine Zukunft denken und nicht alles so gelassen sehen. Mehr sag ich doch gar nicht.&#8221; Das Mädchen ging in die Hocke. &#8220;Ich muss wissen, ob das mit uns so weitergeht“ </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Wie auch immer.“ Der Junge schnaufte aus und schloss seine Augen, ohne weiter auf das Gespräch einzugehen. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich konnte sogar von hier oben die angespannte Stimmung spüren. Wie schnell sich das ändert. Sie waren doch eben noch so glücklich verliebt unterwegs gewesen. Ich sollte eigentlich nicht mehr zuschauen, es ging mich schließlich nichts an. Ich wollte mich gerade zurückziehen als ich das Mädchen schreien hörte. Schnell war ich wieder am Geländer des Turms und sah wieder zu ihnen. Er hatte sie zu sich auf den Boden gezogen. Sie hatte es wohl nicht kommen sehen und ist ungeschickt hingefallen. Gut, nichts Schlimmes. Ich atme wieder auf und beobachte weiter. Mehr Entertainment würde es heute nicht mehr geben und jemand muss ja den Erwachsenen spielen und auf die Kinder aufpassen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Das Mädchen legte sich auf ihn und sie fingen an sich zu küssen. Ich unterdrückte meinen Ekel, konnte trotzdem den Blick nicht abwenden. Ich sollte nach Feuer Ausschau halten, nicht Teenagern beim Rumschmusen zuschauen. Er war nun über ihr und sie hörten nicht auf, bei dem was sie machten. Seine Hände glitten über ihren Körper und ich hörte sie stöhnen. Nun war mir das doch etwas peinlich, aber sie wussten ja nicht, dass sie beobachtet wurden. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Nein, nicht.“, ächzte sie unter seinem Gewicht und versuchte ihn wegzudrücken, doch er war wohl zu schwer. Mit einer Hand stütze der Junge, sich im Gras ab, mit der Anderen hielt er ihren Körper fest an sich gepresst.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Was ist denn nun los, meine Süße?“, lachte er und sie versuchte weiterhin sich loszulösen, erfolglos. Ich konnte die Lage nicht mehr richtig einschätzen und wurde nervös.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Seine freie Hand wanderte wieder ihren Körper hinauf und blieb an ihrem Hals stehen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Ach komm, dir gefällt das doch.“ Sie schüttelte den Kopf und er erwidert nur: „Letzte Nacht hast du noch was Anderes gesagt.“, bevor er anfing ihr mit seiner Hand die Kehle zuzuschnüren. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Sie schüttelte ihren Kopf noch heftiger als vorher und durch ihren Mund kamen nur gedämpfte Schreie raus. Ich wusste nicht, was geschah und was ich tun sollte. Seine Hand war immer noch fest um ihren Hals und nun nahm er auch die andere und drückte noch fester. Ich sah noch nie ein so erschrecktes und panisches Gesicht wie das des Mädchens in diesem Moment.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Weißt du was? Ich hab es satt andauernd deine dummen Kommentare zu mir und wie ich leben soll anzuhören. Ich möchte-” Er wurde lauter. “doch nur-” Noch lauter. “einen Moment-” der Junge stemmte sein ganzes Gewicht gegen seine Freundin. “Ruhe!“, schrie er in ihr laut in das blasse Gesicht. Ich sah ihre Beine zappeln und ihre dünnen Arme versuchten ihn von sich zu reißen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Abrupt sanken ihre Gliedmaßen zu Boden und das Schreien hörte auf. Es wurde still und ich versuchte keinen Mucks zu machen und unbemerkt zu bleiben. Mit zugepresstem Mund ging ich langsam einen Schritt nach hinten und setzte mich auf den Hocker, der etwas knautschte und ich zuckte zusammen. Ich hatte einen Mord beobachtet. Ich konnte es kaum fassen und traute mich nicht zu atmen, mich zu bewegen oder nochmal nach unten zu sehen. Nach dem Mädchen zu sehen. Dem jetzt toten Mädchen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Laute Schritte rissen mich aus meiner Trance und auf einmal hatte ich das Gefühl der Angst in meiner Brust. Jemand kam die Turmtreppe hoch und es konnte nur der Junge sein. Ich sah mich nach etwas um, das ich im Notfall als Waffe benutzen könnte, doch ich war ihm ausgeliefert. Seine Schritte wurden lauter und der er kam näher. Ich versuchte mich zu beruhigen und blieb still auf dem Stuhl sitzen. Und wartete. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich tat so als hätte ich ihn nicht hochkommen gehört und beschäftigte mich wieder mit meinen Fingernägeln. Er war oben angekommen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Diane Chapman?“, fragte er laut und ich sah erschrocken auf. Er setzte ein Lächeln auf und erst jetzt erblickte ich den Korb, den er bei sich trug. Er hielt ihn mir entgegen und sprach: „Ihr Abendessen. Brot, Aufstrich und etwas Gemüse. Ich hoffe, das passt.“ </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich nahm den Korb entgegen und hielt seinen Blick, aber brachte kein Wort raus.. Ahnte er etwas? Ich war mir nicht sicher.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">„Na, dann. Schönen Tag noch.“, sagte er mit einem Lächeln und verschwand wieder.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Ich brauchte einen Moment, um mich zu sammeln. Schließlich stand ich auf und ging zum Geländer. Der Junge war schnell wieder unten, nahm das Mädchen an den Füßen und fing an ihren Körper Richtung Wald zu schleifen. Bevor ich unbemerkt wieder verschwinden konnte, begegnete der Junge meinem Blick und mir stockte der Atem.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Er hielt kurz an, winkte mir zu und lächelte wieder, bevor er und seine leblose Freundin im Wald verschwanden.</span></p>								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2022/12/mord-am-feuerwachturm-eine-kurzgeschichte/">Mord am Feuerwachturm &#8211; eine Kurzgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2022/12/mord-am-feuerwachturm-eine-kurzgeschichte/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">24916</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Der bucklige Balduin &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</title>
		<link>https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/</link>
					<comments>https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franziska Berktold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Dec 2021 10:27:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[balduin]]></category>
		<category><![CDATA[dorf]]></category>
		<category><![CDATA[feiertag]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[hütte]]></category>
		<category><![CDATA[kaminfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[schaukelstuhl]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[winter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://presstige.org/?p=22420</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es war wohl keiner Menschenseele zu verübeln, den buckligen Balduin als ein wenig sonderbar zu bezeichnen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/">Der bucklige Balduin &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="22420" class="elementor elementor-22420">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-571850c elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="571850c" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-1be4977" data-id="1be4977" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-db4e052 elementor-widget elementor-widget-image" data-id="db4e052" data-element_type="widget" data-widget_type="image.default">
				<div class="elementor-widget-container">
												<figure class="wp-caption">
											<a href="https://unsplash.com/photos/F2Q__mnv23A?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditShareLink">
							<img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="383" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-1024x612.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-22422" alt="Hütte in den verschneiten Bergen" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-1024x612.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-300x179.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-768x459.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-1536x918.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/12/neil-bates-F2Q__mnv23A-unsplash-2048x1224.jpg 2048w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />								</a>
											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">@Neil Bates</figcaption>
										</figure>
									</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-11b3406 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="11b3406" data-element_type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-ebf5dc6" data-id="ebf5dc6" data-element_type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-bd5b06e elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="bd5b06e" data-element_type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									<p><span style="font-weight: 400;">Es war wohl keiner Menschenseele zu verübeln, den buckligen Balduin als ein wenig sonderbar zu bezeichnen. Wie sein reizender Name schon verrät, war Balduin alt. Wie alt genau wusste niemand. Schon immer hatte er graue Haare und seinen ganz eigenen, gebeugten Gang. Es war aber ein Akt der Unfreundlichkeit, ihn als verrückt zu bezeichnen. So pflogen es allerdings die Erwachsenen des kleinen Dorfes in den Bergen zu tun. Sie erzählten sich gegenseitig die gemeinsten Geschichten und warnten ihre Kinder vor dem gruseligen Alten. Dabei war nichts davon wahr. Der bucklige Balduin sprach mit sich selbst, er beobachtete auch gerne Kinder beim Spielen, aber niemals würde er jemandem etwas zuleide tun, erst recht keinem Kinde! Die Menschen im Dorf hatten dennoch Angst vor ihm. Niemand wusste woher er kam und doch schien er schon immer da gewesen zu sein. Selbst die Ältesten im Dorfrat erinnerten sich nicht an eine Zeit ohne den buckligen Balduin. Aber der wahre Grund, weshalb sie Angst vor ihm hatten, war wohl kaum die Tatsache, dass er </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">aus unerklärlichen Gründen schon immer da war. Es war die Tatsache, dass er anders war, irgendwie in der Zeit stecken geblieben und immerzu übermäßig freundlich. Die Leute suchten nach Fehlern bei ihm und weil er nun mal keine großen Fehler machte, war diese Tatsache eben der Fehler.</span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Balduin wohnte in einer kleinen Hütte auf einem Berg, der fast das ganze Dorf überblickte. Im Winter musste er sich Schneeschuhe an die Füße schnallen, um seine Einkäufe zu erledigen. Während jeder im Dorf schon längst eine Heizung und fließend Wasser hatte, heizte Balduin noch immer mit selbst gehacktem Holz und schmolz im Winter den reichlichen Schnee für einen guten Tee ein. Dort oben fühlte sich Balduin am wohlsten. Selten bemühte sich jemand den steilen Weg hinauf und wenn doch waren es Kinder, die ihm am liebsten waren. Die Kinder beobachteten ihn auch, aber nicht um einen Fehler zu finden, den sie nächste Woche am Stammtisch verbreiten konnten. Sie beobachteten ihn aus reiner Neugierde. Balduin war so anders als all die Erwachsenen, als all die Eltern und Verwandten der Kinder. Die Kleinsten im Dorf kamen häufig zu Balduin. Er erzählte die besten Geschichten weit und breit. Im Sommer wartete der alte Mann bereits mit selbstgemachter Limonade auf die Kinder und im </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Winter saßen sie in der kleinen Hütte um den Ofen herum, dem Knistern des Feuers und Balduins sonderbaren Geschichten lauschend.</span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">An diesem Morgen machten sich alle Kinder des Dorfes auf den Weg, den alten Mann zu besuchen. Sie waren ganz aufgeregt. Zum einen hatten die Eltern doch verboten zu Balduin zu gehen. „Der ist gefährlich, der ist mir nicht geheuer“, hatten sie ihre Kleinen gewarnt. Die Kinder gingen trotzdem. Wie von einer unsichtbaren Macht angezogen spürten sie, dass sie fortmussten. Sie versteckten sich, schlichen davon oder formten ein großes Lügengerüst, indem das eine Kind das andere besuchte. Zum anderen waren die Kinder ganz kribbelig vor Erwartung: Es war der Nachmittag des vierundzwanzigsten Dezembers, Heilig Abend. Schon bald lägen reichlich Geschenke unter dem</span> <span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Christbaum, es würde das beste Essen im ganzen Jahr geben und endlich auch die Plätzchen, von denen sie schon zuvor heimlich genascht hatten.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin wartete bereits auf die Kinder. Er sah aus dem kleinen Fenster seiner Hütte und musste lächeln, als er dem Treiben zusah. Die Kinder konnten selbst beim Laufen ihre Aufregung nicht verbergen. Die Kleinsten rannten um die Älteren herum, tobten im Schnee und jauchzten fröhlich in die eisig kalte Winterluft. Der bucklige Balduin dachte nach. Wie viele Kinder kamen in all den Jahren schon zu ihm, um seinen Kakao zu schlürfen und den vielen Geschichten zu horchen? Fast alle, die jetzt das kleine Dorf bewohnten, waren selbst hier gewesen, als sie noch Kinder waren. Aber es gab immer einen Punkt, an dem die Menschen aufhörten ihn zu besuchen. Es fing damit an, dass sie urplötzlich am Nachmittag des Heiligen </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Abends nicht mehr in der alten Hütte auftauchten. Danach folgte, dass sie nicht mehr mit Balduin sprachen, wenn er den Wochenmarkt besuchte. Und zuletzt, und dies schmerzte Balduin am allermeisten, passierte, dass sie sich vor ihm fürchteten und aus jedem Wort, welches er aussprach, eine Lüge formten, die wie eine Flutwelle durch das ganze Dorf rollte.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin wurde ganz traurig, als er den Kindern länger beim Toben zusah. Nicht, weil er selbst gerne dort unten herumtoben würde. Das hatte er lange genug. Aber er spürte, dass er alt war. Die grauen Haare standen ihm schon ewig auf dem Kopfe und auch der bucklige Gang war für ihn kein Zeichen des Alters. Er spürte, dass es dem Ende zuging. Es fiel ihm von Tag zu Tag schwerer aufzustehen und er hatte immer weniger Freude an seinem Leben. Aber er konnte noch nicht sterben. Was würde mit den Kindern passieren? Dann ist niemand mehr da, der ihnen den wahren Zauber von Weihnachten zeigt. Sie werden nur noch auf die teuren Geschenke achten und dabei ganz geizig werden. Solange er hier noch eine Aufgabe hatte, konnte er nicht sterben, auch wenn er es zurzeit doch so gerne tun würde. Balduin </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">verdrängte den unangenehmen Gedanken an den Tod und legte noch einmal Holz in den Kachelofen nach, bevor die Kinder in die Hütte stürmten und die Ruhe mit ihrem Gelächter vertrieben. Eines nach dem anderen setzte sich auf der Eckbank nieder und sie warteten geduldig bis auch der bucklige Balduin sich in seinem Schaukelstuhl niederlassen würde. Nachdem er jedem eine dampfende Tasse heiße Schokolade hingestellt hatte, war es soweit. Er setzte sich in den knarrenden Stuhl, die schrumpeligen Hände gefaltet und für einen Moment nur die freudigen Kinder betrachtend. „Es war einmal vor langer langer Zeit&#8230;“, begann er zu sprechen und auch die letzten Kinder verstummten, um seinen wunderbaren Geschichten zu lauschen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Unten im Dorf sah es ganz anders aus. Den Stress konnte jeder deutlich spüren, der sich durch das kleine Dorf bewegen würde, auch wenn er versteckt in den kleinen Häusern lag. Der Schnee fiel sanft in tanzenden Flocken auf die Erde hinab. In den Häusern wurden Christbäume aufgestellt und üppig geschmückt. Niemand der Erwachsenen freute sich auf das bevorstehende Fest, vor lauter Stress spürten sie gar nichts anderes mehr. Dies hatten sie noch zu erledigen und bloß jenes nicht vergessen! Die lange Aufgabenliste schwirrte vor ihrem inneren Auge herum, so bemerkten sie auch gar nicht, wo eigentlich ihre Kinder abgeblieben waren. Ein Haus nach dem anderen erstrahlte hell die dunkle Nacht, die Lichter </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">der flackernden Kerzen spiegelten sich in den Schatten wieder und vertrieben einen Teil der Dunkelheit. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Nur in einem Haus war es dunkel. Es war keinerlei weihnachtliche Dekoration zu sehen, weder innen noch außen. Jeder der durch das Dorf laufen würde, müsste sich wundern. Diese Dunkelheit stach so hervor, dass man automatisch stehen blieb, um nachzudenken. Stand das Haus etwa leer? Ist der Bewohner verreist? Mochte er am Ende gar kein Weihnachten? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Das Haus stand nicht leer, der Bewohner war auch nicht verreist und er liebte Weihnachten, eigentlich. Zumindest tat er das früher. Das dunkle Haus bewohnte der traurige Tom. Und so saß er dort im Dunkeln an seinem Küchentisch und starrte gegen die kahle Wand. Er hatte keinen Christbaum. Keine Kerzen erhellten das Licht und auch sonst war da nichts, das auf den Heiligen Abend hindeuten konnte. Der traurige Tom mochte Weihnachten sehr gerne, es war genau seine Zeit. Er schlug immer den schönsten Christbaum aus dem Wald, schmückte nicht nur innen, sondern auch das ganze Dorf und sang den ganzen Tag die schönsten Weihnachtslieder. Aber jetzt gab es niemandem mehr, mit dem er Weihnachten feiern konnte. Seine Eltern waren tragisch verunglückt, und seine geliebte Ellie starb, zusammen mit dem Kind, dass sie bald bekommen sollte. Und was bringen einem der schönste Christbaum, die besten Plätzchen und die schönste Stimme, wenn es niemanden gibt, mit dem man es teilen kann? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Für Tom gab es nichts mehr in diesem Leben, er war einsam und immerzu traurig, was ihm im Dorf den Namen des traurigen Tom einbrachte. Die Menschen mieden auch ihn, aus Angst sie könnten von seiner Traurigkeit angesteckt werden. Dabei wollte er doch nur jemandem haben mit dem er zumindest an diesem Abend die schönsten Weihnachtslieder singen und die besten Plätzchen vernaschen konnte! Als er dort so saß wurde diese Sehnsucht immer größer. Und dann fiel ihm ein, was er stets als Kind getan hatte. Er sprang auf und rannte aus dem Haus ohne abzuschließen. ‚Was mögen die Nachbarn nur denken?‘, fragte er sich, während er wie von etwas verfolgt mitten durch das Dorf rannte. Sie würden ihn fortan nicht nur als traurig, sondern auch als grundlegend verrückt erklären. Aber Tom rannte weiter, es war ihm egal. </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">As Kind hatte er sich doch auch nie um die Gedanken der anderen gekümmert, warum sollte er es jetzt tun? Tom sprintete durch den hohen Schnee, sprang über Wurzeln und schlitterte über die glatte Straße. Er hatte das Gefühl, das erste Mal seit Ellies tragischem Tod wieder richtig atmen zu können. Nach einigen Metern stach ihm bereits die kalte Luft in den Lungen und er war ganz außer Atem, aber er rannte andauernd fort. Mit jedem Schritt, den er sich von seinem dunklen Haus entfernte, fühlte er sich besser. Vor lauter Freude fing er an zu summen. Ein Lied nach dem anderen, immer noch rennend. Es würde ihn wirklich nicht wundern, wenn die Leute ihn für verrückt erklären würden, genauso wie den alten Balduin. Aber das taten sie ja sowieso schon.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Balduin erzählte nun schon eine ganze Weile. Er liebte es, Geschichten zu erzählen. An Weihnachten tat</span> <span style="font-weight: 400;">er es am liebsten. Das Feuer knisterte und die Kinder waren ganz unruhig geworden, als Balduin so intensiv erzählte, dass sie die Spannung fast greifen konnten. Kurz bevor die Geschichte ihren Höhepunkt erreichte, stoppte Balduin zu erzählen. Es hatte an der schweren Holztüre geklopft. Die Kinder erschraken, so sehr hatten sie sich auf die Worte Balduins konzentriert. Dieser erhob sich schwerfällig aus seinem alten Schaukelstuhl, um die Türe zu öffnen. Was möge ihn wohl dahinter erwarten? Vermutlich Eltern der Kinder, die wutbrausend den ganzen Weg hierhergelaufen waren, um sie vor ihm zu beschützen. Dabei wollte er doch nur ein paar Geschichten erzählen! Langsam öffnete er die Türe. Erschrocken starrte er sein Gegenüber an. Dann wandelte sich die Erschrockenheit in Überraschung und schließlich in Freude. Er zog den Ankömmling in die gemütliche Stube. Es war der </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">traurige Tom, der geklopft hatte und jetzt in den kleinen Raum trat. Auch den Kindern stand die </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Überraschung in das Gesicht geschrieben. Was wollte der denn hier? </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Für einen kurzen Augenblick stand Tom einfach nur im Raum und sah den Kindern in die Augen. Dann setzte auch er sich hin und der bucklige Balduin fuhr mit seiner Geschichte fort. Und als Balduin so erzählte, wurde Tom etwas bewusst: Er hatte in all der Eile des Erwachsenwerdens </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">verlernt, was Weihnachten bedeutet. Er hatte vergessen, welche Freude man empfinden kann, wenn man nur willig ist, sie auch zu spüren. Er hatte sich von Stress überwältigen lassen, er ist in der Traurigkeit versunken. Aber es ist niemals zu spät, Freude zu empfinden. Es ist nie zu spät sich daran zu erinnern, welche Freude dieses Fest einem jedem bescheren kann. Es ist auch nie zu spät, sich aufzuraffen und seine Schatten zu überwinden. </span></p><p><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">Der traurige Tom wurde nicht ganz glücklich. Noch immer fühlte er sich von Zeit zu Zeit einsam. Aber sobald die Kinder, und manchmal sogar die Erwachsenen, ihn besuchen kamen, ging es ihm gut. Aus dem traurigen Tom wurde der trällernde Tom und aus den gestressten Erwachsenen nach und nach </span><span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; font-style: var( --e-global-typography-text-font-style );">wieder Menschen, mit einem Sinn für Freude. Von nun an wurden keine wunderbaren Geschichten erzählt, sondern Lieder und Balladen gesungen. Und auch wenn die Kinder Balduins Geschichten vermissten, die Lieder mit Tom zu singen war ein ehrwürdiger Ersatz.</span></p>								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/">Der bucklige Balduin &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2021/12/der-bucklige-balduin-eine-weihnachtsgeschichte/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22420</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Zeig mir Dein Stadtviertel &#8211; Textilviertel</title>
		<link>https://presstige.org/2020/10/zeig-mir-dein-stadtviertel-textilviertel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Isabelle Mader]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2020 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[stadtnah]]></category>
		<category><![CDATA[city-galerie]]></category>
		<category><![CDATA[fabrikschloss]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[glaspalast]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[kammgarnspinnerei]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[museum]]></category>
		<category><![CDATA[proviantbach]]></category>
		<category><![CDATA[schlachthof]]></category>
		<category><![CDATA[stadtviertel]]></category>
		<category><![CDATA[textilmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[textilviertel]]></category>
		<category><![CDATA[theater]]></category>
		<category><![CDATA[tim]]></category>
		<category><![CDATA[Zeig mir dein Viertel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=15640</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Rahmen unserer Artikelreihe „Zeig mir Dein Stadtviertel“ wurden bereits das Bismarckviertel, das Domviertel, Augsburg Oberhausen und das Universitätsviertel vorgestellt. Heute ist das Augsburger Textilviertel an der Reihe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/10/zeig-mir-dein-stadtviertel-textilviertel/">Zeig mir Dein Stadtviertel &#8211; Textilviertel</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15649" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00036-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Augsburger Kammgarnspinnerei <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<p>Im Rahmen unserer Artikelreihe „Zeig mir Dein Stadtviertel“ wurden bereits das <a href="http://presstige.org/2019/06/zeig-mir-dein-stadtviertel-bismarckviertel/" title="http://presstige.org/2019/06/zeig-mir-dein-stadtviertel-bismarckviertel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bismarckviertel</a>, das <a href="http://presstige.org/2019/09/zeig-mir-dein-stadtviertel-domviertel/" title="http://presstige.org/2019/09/zeig-mir-dein-stadtviertel-domviertel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Domviertel</a>, <a href="http://presstige.org/2019/11/zeig-mir-dein-stadtviertel-oberhausen/" title="http://presstige.org/2019/11/zeig-mir-dein-stadtviertel-oberhausen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oberhausen</a> und das <a href="http://presstige.org/2020/01/zeig-mir-dein-stadtviertel-univiertel/" title="http://presstige.org/2020/01/zeig-mir-dein-stadtviertel-univiertel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Universitätsviertel</a> vorgestellt. Heute ist das Augsburger Textilviertel an der Reihe. Genau genommen handelt es sich dabei eigentlich nicht um einen eigenen Stadtbezirk, trotzdem gibt es über das im Osten der Augsburger Innenstadt liegende Gelände viel Interessantes zu erzählen.</p>
<p>Grob einzugrenzen durch die Lechhauser Straße, den Lech, die Friedberger Straße und&nbsp; die Wallanlagen zwischen Rotem Tor, Vogeltor und Jakobertor erstreckt sich das Textilviertel über eine Fläche von etwa zwei Quadratkilometern. Ein Teil des Viertels kann zum Stadtbezirk „Am Schäfflerbach“ gezählt werden, der andere Teil zum „Wolfram- und Herrenbachviertel“. Durchzogen ist das Gebiet von vielen Bächen und Kanälen – mit einer Gesamtlänge von 4.400 Metern ist der Proviantbach der längste von ihnen. Diese Wasserwege waren in der Geschichte des Textilviertels von großer Bedeutung, wie nachfolgend beschrieben wird.</p>
<p><strong>Eine kurze Reise in die Geschichte des Textilviertels</strong></p>
<p>Anfang des 19. Jahrhunderts war das Textilviertel größtenteils noch unbewohnt und unbebaut. Aufgrund akuten Platzmangels im Stadtinneren siedelten sich Betriebe ab circa 1830 jedoch vermehrt außerhalb der Stadtmauern an. Der Bereich des heutigen Textilviertels erwies sich damals als besonders geeigneter Standort, denn durch die zahlreichen Lechkanäle, wie dem Herrenbach oder dem Schäfflerbach, konnte sich die Industrie die Wasserkraft als Energiequelle zu Nutze machen. Der dominierende Wirtschaftszweig war hierbei die Textilindustrie, der das Viertel seinen Namen zu verdanken hat. Zu dieser Zeit entstanden die mächtigen Fabrikbauten, zum Beispiel das Fabrikschloss oder der Glaspalast, welche bis heute das äußere Erscheinungsbild des Textilviertels prägen.</p>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15646" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00020-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Fabrikschloss <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15645" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00011-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Glaspalast <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<p>Nach vielen Jahren der florierenden Wirtschaft, in denen Augsburg auch „Manchester Deutschlands“ genannt wurde, begann in den 1970er Jahren der Niedergang des Textilviertels. Der Grund: Steigende Textilimporte aus Billiglohnländern auf der einen und sinkende deutsche Exporte auf der anderen Seite. Diese Entwicklung führte dazu, dass das Textilviertel schließlich als industrielles Brachland für die Bevölkerung und für die Stadt unattraktiv wurde. Es folgten viele Diskussionen zur Rolle des Textilviertels in Augsburg und wie es nun genutzt werden könnte. Die Stadtplanung stand vor der Herausforderung, das Gebiet wieder in eine nachhaltige Stadtentwicklung zu integrieren und ein lebenswertes Quartier zu schaffen – der Bereich Kultur nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.</p>
<p><strong>Kultur-Standort Textilviertel</strong></p>
<p>Mittlerweile ist das Textilviertel für Augsburg aus kultureller Sicht nämlich extrem wertvoll. Das Stadtgebiet beheimatet sieben verschiedene Museen und Galerien, darunter beispielsweise das <em><a href="http://www.timbayern.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" title="http://www.timbayern.de/">Staatliche Textil- und Industriemuseum</a></em> oder die <em><a href="https://www.galerienoah.com/galerie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" title="https://www.galerienoah.com/galerie/">Galerie Noah</a> </em>und das<em> <a href="http://www.kunstmuseumwalter.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" title="http://www.kunstmuseumwalter.com/">Kunstmuseum Walter</a></em> im Glaspalast. Im Jahr 2014 fanden auch Teile des Stadtarchivs und der Stadtarchäologie in der Nähe der ehemaligen Kammgarnspinnerei ein neues Zuhause. Theaterfans kommen im Textilviertel ebenfalls auf ihre Kosten, zum einen gibt es die experimentelle Bühne des Theatervereins <a href="https://www.sensemble.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" title="https://www.sensemble.de/"><em>s’ensemble Theater</em></a> und zum anderen fungieren während der Sanierung des Augsburger Staatstheaters zwei Hallen im Martini-Park als Interimsspielstätte, um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. In Sachen Kultur hat das Textilviertel also einiges zu bieten und der Besuch eines der Museen verbunden mit einem schönen Spaziergang entlang der kleinen Bäche und massiven Fabrikbauten lohnt sich in jedem Fall.</p>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15648" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00044-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15647" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00010-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Galerie Noah &amp; Kunstmuseum Walter <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15663" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00027-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<p>So viel zur Geschichte, dem kulturellen Wert und allgemeinen Informationen. Nun möchte ich aber noch eine subjektivere beziehungsweise persönlichere Sichtweise auf den Augsburger Stadtteil bekommen. Dafür habe ich mir drei Student*innen geschnappt und ihnen ein paar Fragen zu ihrem Heimatviertel – dem Textilviertel – gestellt. Rede und Antwort standen mir: Katharina (20) studiert <em>Medien und Kommunikation</em>, Elias (21) studiert <em>Vergleichende Literaturwissenschaft</em> und Robin (21) studiert <em>Wirtschaftsingenieurswesen</em>.</p>
<p><strong>Was magst/schätzt du am meisten am Textilviertel?</strong></p>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Am meisten mag ich die gute Lage. Man ist zu Fuß total schnell in der Stadt und der Weg durch die Altstadt ist auch echt schön! Es ist super, dass man für vieles nicht unbedingt auf die Tram angewiesen ist, sondern eigentlich überall zu Fuß oder mit dem Rad hinkommt. Und auch die Anbindung Richtung Uni ist gut. Und wer gerne shoppen geht, so wie ich, ist auch nicht weit weg von der City Galerie. Ob das jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, muss man selbst entscheiden.</em> <strong>&#8211; Katharina (20)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Die ruhige, entspannte Umgebung ohne eine fehlende Infrastruktur und die Nähe zur Innenstadt.</em> <strong>&#8211; Elias (21)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Am meisten schätze ich die für mich perfekte Lage des Viertels, gerade als Student. Man kann ohne Probleme mit dem Rad zur Uni fahren und mit der Tram dauert das auch nur knapp 20 Minuten. Auch die Nähe zur Innenstadt und zum Siebentischwald ist super. Jedoch hat auch das Viertel an sich viel zu bieten. Gute Einkaufsmöglichkeiten, vor allem in der City-Galerie und schöne Grünflächen.</em> <strong>&#8211; Robin (21)</strong></p>
</blockquote>
<p><strong>Hast du einen Lieblingsort im Textilviertel? Wenn ja, welcher ist das?</strong></p>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Ich mag die Gegend um mein Wohnheim ziemlich gerne. Man sieht immer viel grün, Wasser und schöne Häuser, wenn man einfach wahllos drauf losgeht. Aber einen direkten Lieblingsort habe ich eigentlich nicht – es macht eher Spaß neue Wege zum Spazierengehen zu entdecken.</em> <strong>&#8211; Katharina (20)</strong></p>
</blockquote>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15654" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00023-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15662" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00040-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Falls der Proviantbach noch dazugezählt werden darf, ganz klar dort, ansonsten ist es für mich wirklich viel mehr eine gute Ausgangsbasis, um schnell in die Altstadt oder den Siebentischwald zu gelangen.</em> <strong>&#8211; Elias (21)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Darüber habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht, aber spontan würde ich sagen es ist der Proviantbach. Auch wenn es da im Sommer schon immer sehr voll ist. Trotzdem kann man dort echt gut baden oder auf der Wiese ein bisschen kicken und das gute Wetter genießen.</em> <strong>&#8211; Robin (21)</strong></p>
</blockquote>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15652" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00014-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Proviantbach <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15653" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00016-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Sportplatz am Proviantbach <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
</p>
<p><strong>Wie sieht es in puncto Restaurants und Cafés aus im Textilviertel?</strong></p>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Das kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich eigentlich nur in der Innenstadt immer essen oder etwas trinken gehe. Es gibt auf jeden Fall einen Hans im Glück und da schmeckts auch sehr gut.</em> <strong>&#8211; Katharina (20)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Mager. Für mich im Sommer absolut erfüllend ist das Café Valeria an der Kammgarnspinnerei, das einen für den Moment nach Italien mit seiner wunderbaren Gastgeberkultur versetzt. Abgesehen davon mag ich es, den Biergarten des Rheingolds für Getränke aufzusuchen und auf der anderen Straßenseite kann man im Seoul Kitchen koreanische Küche in ordentlicher Qualität und einer guten Spur Authentizität genießen.</em> <strong>&#8211; Elias (21)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Dafür zieht es mich meistens schon in die Innenstadt, aber ein Espresso bei der Segafredo-Bar in der City-Galerie geht immer und auch ein leckerer Burger bei Hans im Glück hat gelegentlich etwas</em>. <strong>&#8211; Robin (21)</strong></p>
</blockquote>
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-15651" width="512" height="384" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-1024x768.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-768x576.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-1536x1152.jpeg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/10/image00001-2048x1536.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Hans im Glück Textilviertel Augsburg <br />© Isabelle Mader</figcaption></figure>
</p>
<p><strong>Was fehlt deiner Meinung nach noch im Textilviertel?</strong></p>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Gastronomie. Zwar ist auch in Hinblick auf alles weitere die Innenstadt derart schnell erreichbar, dass man sich nicht beschweren kann, doch ist auch die Augsburger Innenstadt mit keiner überbordenden gastronomischen Vielfalt gesegnet. In meinen Augen hätte man im Zentrum des Textilviertels rund um die Kammgarnspinnerei nach dem Vorbild inzwischen vieler Großstädte ein tolles Quartier schaffen können, um jungen Konzepten in industriell geprägtem Ambiente Raum zu bieten.</em> <strong>&#8211; Elias (21)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Ganz klar, Bars! Entweder ich hab noch keine gemütlichen Locations für ein Feierabendbier gefunden oder sie fehlen wirklich noch im Textilviertel… Ich bin mir auch sicher, dass genügend Zulauf da wäre, bei den vielen jungen Leuten, die hier leben.</em> <strong>&#8211; Robin (21)</strong></p>
</blockquote>
<p><strong>Gibt es etwas, was dir am Textilviertel gar nicht gefällt? Wenn ja, was denn?</strong><strong></strong></p>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Nein, da fällt mir nichts ein.</em> <strong>&#8211; Elias (21)</strong></p>
</blockquote>
<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Da fällt mir auf Anhieb nichts Konkretes ein, am ehesten vielleicht noch die angespannte Parksituation, aber die ist in Augsburg wahrscheinlich überall gleich. Und mit Tiefgaragenstellplatz klage ich schon auf hohem Niveau.</em><strong> &#8211; Robin (21)</strong></p>
</blockquote>
<p>Vielen Dank an meine drei Interviewpartner*innen, dass sie sich die Zeit genommen haben meine Fragen zu beantworten und mir einen Einblick zu geben, wie ihr Leben im Textilviertel aussieht, was sie daran besonders mögen beziehungsweise vermissen. Das Textilviertel hat sich in den letzten 200 Jahren enorm verändert. Aus dem Industriestandort ist mittlerweile ein beliebter Wohn- und Kulturraum geworden. Mal sehen, wie sich das Quartier rund um die Kammgarnspinnerei in der Zukunft noch weiter entwickelt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/10/zeig-mir-dein-stadtviertel-textilviertel/">Zeig mir Dein Stadtviertel &#8211; Textilviertel</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">15640</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Veränderung</title>
		<link>https://presstige.org/2019/07/veraenderung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jul 2019 14:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Blut]]></category>
		<category><![CDATA[entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[unheimlich]]></category>
		<category><![CDATA[veränderung]]></category>
		<category><![CDATA[zeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=11511</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zum wiederholten Mal an diesem Tag holte ich den, inzwischen abgegriffenen Brief hervor und dachte darüber nach, ob ich im Stande wäre dem Absender eine zufriedenstellende Antwort auf seine Frage zu geben. Ich blickte nach draußen. Ohne dass ich es...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/07/veraenderung/">Veränderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Zum wiederholten Mal an diesem Tag holte ich den, inzwischen
abgegriffenen Brief hervor und dachte darüber nach, ob ich im Stande wäre dem
Absender eine zufriedenstellende Antwort auf seine Frage zu geben. Ich blickte
nach draußen. Ohne dass ich es bemerkt hatte, war es Abend geworden und die
goldene Mittagssonne war bereits so gut wie komplett am Horizont verschwunden.
Wundern Sie sich nicht, denn wenn ich eins mit Bestimmtheit sagen kann, dann
dass selbst die Zeit alles andere als linear verläuft.</p>



<p>„Schön sie wiederzusehen, Herr Professor“. Der Fischhändler
schenkte mir ein breites Lächeln, wobei es ihm nichts auszumachen schien, dass
sich in seinem Mund nur noch ein einzelner, recht einsam wirkender Zahn befand.
„Was darf es denn heute sein?“ Ich warf einen Blick auf die Auslage. Keiner der
Fische sah heute besonders appetitlich aus und von einem ging sogar ein
unangenehmer Geruch aus. Der Händler schien meinen Blick bemerkt zu haben, denn
sein Lächeln schwand: „Leider ist das zur Zeit alles was wir haben und es kann
durchaus passieren, dass ich in den nächsten Wochen überhaupt nichts mehr
anzubieten habe, also vielleicht sollten Sie mit diesem hier vorliebnehmen“. Er
wies auf einen kleinen Fisch am Rande der Auslage. „Ich weiß nicht“, sagte ich,
„es gibt doch sicherlich noch mehr Fische im Teich“. Mein Gegenüber schüttelte
bedauernd den Kopf. „Tut mir leid, nein, Sie wissen schon die Überfischung“.
Ich beugte mich tiefer über die Fische und betrachtete die schillernden
Schuppen des Kleinen. „Nun gut, ich schätze, dann muss ich Ihnen wohl vertrauen
und nehme diesen kleinen, ähm, Barsch“.</p>



<p>Ich atmete tief ein und aus und genoss die Dunkelheit und
die Stille um mich herum. Kaum jemand war zu dieser späten Stunde noch
unterwegs und so konnte ich in Ruhe nachdenken. Eine Antwort würde schon sehr
bald vonnöten sein, doch ich war mir mehr als deutlich bewusst, dass ich diese
heute Nacht nicht mehr in mir finden würde. Es war ein fantastischer Abend
gewesen, das musste ich zugeben. Ich hatte die Handschellen bei ihr gelassen,
doch den Schlüssel hatte ich wieder mitgenommen. Ich seufzte. Noch nie hatte
ich diesen aus der Hand gegeben, doch wie immer im Leben würde irgendwann ein
Wendepunkt kommen, an dem man sich endgültig festlegen müsste.</p>



<p>Als ich sie das erste Mal erblickte, lösten sich meine
kompletten Überzeugungen in Luft auf. Helena war einfach umwerfend. Von der
ersten Sekunde an wusste ich, dass sie mehr war und nun, ich konnte mein Glück
kaum fassen, war es so weit, da stand sie, in einem wunderschönen, blutroten
Abendkleid, ihr schulterlanges goldenes Haar nach hinten gebunden und ihre
Augen von solcher Tiefe, dass es mich nicht gewundert hätte, hätte ich mich
darin verloren und wäre wie in einem schlechten Film gegen eine Laterne
gelaufen, als ich auf sie zuging. Zugegeben ihr BMI entsprach nicht komplett
dem niedrigen Wert, den ich mir gewünscht hätte, doch die meisten Frauen hätten
Helena um ihre Figur beneidet. Wir nahmen Platz und ein livrierter Kellner
reichte uns wortlos die Karte. Ich ballte die Hand unter dem Tisch zur Faust.
Gleich würde sie gestellt werden, die berühmte Grätchenfrage. Sie nahm Barsch,
ich Scholle. Das Feuer im Kamin uns gegenüber loderte auf. Helena lehnte sich
zurück: „Das Essen war wirklich vortrefflich und ich muss sagen, es war bisher
ein wundervoller Abend!“. Ich lächelte und betrachtete das wunderbare Schillern
in ihren Augen, gerade als ein ältlicher Mann neben unserem Tisch stehen blieb:
„Fräulein Moor, es muss ja eine Ewigkeit her sein, dass wir uns zuletzt gesehen
haben!“. Sie wischte sich mit ihrer Serviette über den Mund. „Dr. Eschenbach,
wie geht es Ihnen?“. Der Doktor lächelte nicht: „Mir geht es gut, ich muss aber
leider weiter, meine Verabredung wartet. Nur gebietet es der Anstand Sie als
ehemalige ähm Klientin zu grüßen“. Das Feuer loderte nun immer heller, während
langsam die Nacht hereinbrach. Ich wappnete mich. Diesmal würde es an mir sein
eine Frage zu stellen, eine Frage, auf die es nur eine zufriedenstellende
Antwort geben konnte. „Werden wir uns wiedersehen?“. Sie lehnte sich wieder
nach vorne und in ihren Augen spiegelte sich so viel mehr als das prasselnde Feuer.
Für den Bruchteil eines Herzschlags, meinte ich eine Welle von Zuneigung zu
spüren. In meinem Inneren pulsierte es und Glück strömte in jede Zelle meines
Körpers, als sie den Mund öffnete: „Nein!“.</p>



<p>Der Schlag traf ihn mit der Wucht eines herannahenden
Schnellzugs. Die Menge jubelte und johlte. Mit einem hässlichen Knirschen,
brach der Kiefer und der Boxer sackte in sich zusammen. „Was für ein Kampf
meine Damen und Herren, was für ein Kampf. Der Favorit geht zu Boden und ich
glaube nicht, dass er sich davon nochmal erholt“. Mein Blick wanderte vom Ring
zum Kommentatorenplatz und fiel dann auf Nele, die neben mir eingeschlafen war.
Ich seufzte, nahm meinen Mantel und ging nach draußen, ohne ihr hübsches
Gesicht noch einmal zu betrachten. Ich holte mein Handy hervor, doch ehe ich
dazu kam zu wählen, kam eine Frau auf mich zu gerannt: „Sie haben doch
sicherlich einen kleinen Moment Zeit?“. Ich kam nicht einmal dazu ja oder nein
zu sagen, denn schon fuhr sie fort: „Haben Sie davon gehört, dass in dieser
schönen Stadt ein Ring von Menschenhändlern aktiv ist? Sie können uns helfen
dagegen vorzugehen, ganz einfach in dem Sie hier unterschreiben…“.</p>



<p>Lea wischte sich über die Mundwinkel und wollte gerade gehen, als ihr plötzlich noch etwas einfiel: „Herr Professor, es tut mir schrecklich leid, ich habe vergessen ihnen zu sagen, dass gestern Atef Ben Ali angerufen und sich für heute Nachmittag angekündigt hat!“. Ich lächelte: „Danke Lea, das ist wirklich nicht schlimm. Du bist eine wundervolle Sekretärin!“ Sie verschwand und es klopfte. Atef kam grinsend in mein Büro und ließ sich in einen der Sessel gleiten. „Denkst du etwa immer noch über die Sache nach? Ich habe dir doch letzte Woche erst gesagt, dass du damit aufhören musst, überleg mal wie lange das ganze schon her ist.“ Ich blickte aus dem Fenster: „Du hast ja recht und ich bin dir wirklich dankbar, dass du immer für mich da bist, aber mich beschäftigt einfach nur die Frage nach dem Wieso. Und mal im Ernst, unkreativer als ein bloßes Nein geht es wohl nicht“. Atef lachte: „Den ersten Punkt kann ich ja verstehen, aber was stört dich denn an einem Nein? Wie hättest du dich denn ausgedrückt?“. „Ich weiß es nicht, vielleicht ‚Es tut mir leid, aber die Gefühle zwischen uns sind wie ein Würfel im R²: etwas einseitig‘“.</p>



<p>Ich beobachtete Helena durch das
Schaufenster und drehte den Ring zwischen meinen Fingern. Mein Herz klopfte.
Ich konnte nicht fassen, welche Gefühle sie in mir auslöste, wie sie da in
ihrem Kleid vor dem Spiegel stand und sich prüfend von links nach rechts
drehte. Es begann zu regnen und ich überlegte, ob ich einfach nach Hause gehen
sollte, doch das konnte ich nicht, nicht jetzt.</p>



<p>Atef hatte sich vor mir aufgebaut. „Was
tust du da eigentlich gerade?“. Ich sah ihn an. „Du warst immer jemand der
logisch gedacht hat, der sich nicht von seinen Gefühlen überrollen ließ. Du.
Als Physiker, solltest wissen, dass es nicht wichtig ist wie hell ein Stern leuchtet,
sondern wie nah uns dieser ist. Es gibt weitaus größere und beeindruckendere
Sterne dort draußen, als unsere Sonne, aber nur sie ist uns so nah, dass sie
uns wärmt und uns am Leben erhält. Auch wenn sie nicht das Zentrum unseres
Universums ist, so ist sie doch das wichtigste und der einzige Stern den wir
brauchen“. „Verdammt Atef!“, auch ich war jetzt aufgestanden, „du kannst nicht
alles mit Himmelskörpern vergleichen. Die Anziehungskraft die ein Planet auf
den anderen auswirkt ist immer gleich groß und niemals einseitig!“. Atef setzte
sich: „Bitte, du weißt nicht mehr was du tust, du bist krank, lass mich dir
doch helfen!“. Mein Körper verkrampfte sich und ich ging zur Tür: „Weißt du
noch damals Atef, was wir gesagt haben: ‚Ich glaube an dich und du glaubst an
mich.‘ Was ist davon noch übriggeblieben?“. Und ich verließ mein Büro.</p>



<p>Es war dunkel und Helena beschleunigte
ihre Schritte. Ich versuchte an ihr dranzubleiben, doch mit meinem schmerzenden
Knie war das leichter gesagt als getan. Ich keuchte, biss die Zähne zusammen
und passte mich ihrem Tempo an. Eine Straße weiter fuhr ein Auto mit offenem
Fenster vorbei. Dann war es wieder still. Endlich holte ich wieder auf. Ich
griff in meine Tasche und spürte wie sich das Metall an meine Hand schmiegte.</p>



<p>„Du?“, ich war so wütend. Ich konnte es
nicht fassen. „Wie konntest du mir das antun, nicht nur bei Helena, sondern
auch bei den anderen?“ Atef war ein wenig zusammengezuckt, ob meiner lauten
Stimme, stand jedoch kerzengerade vor mir: „Ich habe das für dich getan. Du
warst nicht bereit, warst es nie. Es hätte niemals geklappt“. „Das glaubst du
doch nicht wirklich, das ist so…“. Ich stockte. „Du, du, du bist auch in sie
verliebt, oder?“. Atef wich keinen Schritt zurück, als ich langsam auf ihn
zuging: „Siehst du es den immer noch nicht? Du bist zu klug um an mich zu
glauben, das weißt du. Ich bin nur eine Ausrede für diejenigen Menschen, die
sich ihre Schuld nicht selbst eingestehen können. Aber du weißt es besser, tief
in dir drinnen weißt du, was für ein jämmerlicher kleiner Versager du doch
bist. Ich, Du, Wir, egal, ein und dasselbe…“. Ich schlug ihm mitten ins Gesicht
und der Spiegel zerbrach. Scherben fielen zu Boden, bohrten sich in meine Hand
und Blut tropfte zu Boden.</p>



<p>Da war so viel Blut. Ich hielt Helena in
meinen Armen und strich ihr sanft über das goldene Haar. Sie hatte die Augen
geschlossen, atmete aber noch flach. Ich küsste sie auf den Mund und sie
öffnete ihre Augen: „Bitte,… bitte,…“. Ich packte sie fester, hob ihren Kopf
und zwang sie mir in die Augen zu sehen: „Das hier ist nicht das Ende, das ist
erst der Anfang“. Und während in der Ferne die Sirenen immer näher kamen,
glitten die beiden Schlüssel auf den schleimigen Boden.</p>



<p>„Kannst du endlich mal weiter gehen?“.
Mir war nicht bewusst gewesen, dass ich mitten in der Tür stehen geblieben war,
doch scheinbar hatte ich einen Moment gebraucht, um diesen letzten Schritt zu
gehen. Ich schloss die Augen und dachte noch einmal nach, dann griff ich in
meine Hosentasche und holte ihn hervor. Mit einem Schlag wusste ich es, das war
die Antwort, nach der ich so lange gesucht hatte. Ich öffnete meine Hand und
betrachtete für einen kurzen Moment den Schlüsselring, dann machte ich einen
Schritt nach vorne, im vollen Bewusstsein die Universität zu verlassen und nie
mehr zurückzublicken. Ich war angekommen, nun war es Zeit weiterzugehen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/07/veraenderung/">Veränderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">11511</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</title>
		<link>https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/</link>
					<comments>https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Schwetz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Dec 2018 11:20:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[schnee]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachtsspecial]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=10435</guid>

					<description><![CDATA[<p>Meine Zehen froren innerhalb der wollenen Socken, welche ich in meinen Lederschuhen trug. Es war kalt geworden die letzten Tage – extrem kalt. Von Osten her zog die gesamte letzte Zeit ein eisiger Schauer über das Land, doch die Kaltfront,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/">Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="560" height="315" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial.png" alt="" class="wp-image-10235" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial.png 560w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial-400x225.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2018/12/Presstige-Weihnachtspecial-300x170.png 300w" sizes="(max-width: 560px) 100vw, 560px" /><figcaption>Text: Laura Schwetz &#8211; Bild: (c) Pixabay &#8211; Illustration: Julia Brandl</figcaption></figure>



<p>Meine Zehen froren innerhalb
der wollenen Socken, welche ich in meinen Lederschuhen trug. Es war
kalt geworden die letzten Tage – extrem kalt.</p>



<p>Von Osten her zog die
gesamte letzte Zeit ein eisiger Schauer über das Land, doch die
Kaltfront, mit der wir es dieses Mal zu tun hatten, war besonders
hartnäckig.</p>



<p>Die Bäume wiegten sich in
einem Wind aus schneidender Kälte und kühlem Trotz und die dunklen
Wolken, die über unsere Häupter hinweg zogen, tilgten längst jeden
Sonnenschein.</p>



<p>Die Wasser froren langsam zu
und ein Winter zeichnete sich ab, der nicht so war, wie die vor ihm.</p>



<p>Wir schrieben das Jahr 1918
und ich war allein. <em>Wir alle waren allein.</em></p>



<p>Die letzte Zeit brachte
viele Veränderungen mit sich; wann immer mein altes Mütterchen in
der Küche stand und ihren schwarzen Lappen durch die Luft schwang,
murmelte sie:</p>



<p>&gt;&gt;Niemand hätte mit
einem solchen Ausgang gerechnet. Vieles, aber nicht das. Und jetzt?
Jetzt sind wir alle allein, sie haben uns alle zurück gelassen! Der
Kaiser weg, die Anarchie da. Was soll denn jetzt nur werden?&lt;&lt;</p>



<p>Es war der Übergang in ein
neues Jahr, von dem keiner wusste, was es mit sich bringen würde.</p>



<p>In der Tat war der Kaiser
seit Oktober nicht mehr an der Macht und wir standen in den Trümmern
unseres eigenen Ruins. Ach ja, und heute war Heiligabend.</p>



<p>Ein Weihnachten, das auf
einen verlorenen Weltkrieg folgte, ein Weihnachten, in dem viele
einsam unter dem Weihnachtsbaum saßen und ein Weihnachten, von dem
keiner von uns wusste, was darauf folgte. Das erste Weihnachten einer
blutjungen Republik.</p>



<p>Es waren in der Tat Tage, in
denen viele Dinge an Bedeutung verloren und in denen viele Menschen
auf der Suche nach ein wenig Halt in einer sehr unruhigen und
unsicheren Zeit waren, mich selbst eingeschlossen.</p>



<p>Ich war junge achtzehn Jahre
alt, meine Beine waren viel zu lang für mein Alter, meine
Handflächen und Kleider viel zu aufgerissen und zerschlissen von der
Arbeit, die vor keinem Halt machte, besonders, wenn die Männer
selbst nicht da waren, die sie sonst verrichteten.</p>



<p>Mein Glück war es, dass ich
damals, als der große Krieg begann, noch zu jung war, um eingezogen
zu werden und bis jetzt dem Schicksal – wie durch eine glückliche
Fügung – von der Schippe springen konnte.</p>



<p>Auf meine Familie traf das
nicht zu: viele waren aus dem Dorf gerissen worden, um auf
kaiserliches Geheiß gen Westen oder wohin auch immer zu ziehen&#8230;</p>



<p>Das betraf ebenfalls meinen
Vater und meine beiden größeren Brüder, Tristan und Jakob, wobei
von Papa und Tristan seit Monaten jede Spur fehlte&#8230; Kein Brief.
Kein Lebenszeichen. Gott allein wusste, wo sie waren.</p>



<p>Vor circa zwei Jahren dann
erreichte unseren Haushalt eine Eildepesche, worin stand, dass Jakob
an der Front in Verdun gefallen war. Meine Mutter war außer sich und
hatte tagelang nur vor dem Fenster gestanden, hinaus gesehen und
still geweint.</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, mein kleiner
Hannes&lt;&lt;, hatte sie dann immer gesagt. &gt;&gt;Wenn wir
wüssten, was da draußen alles passiert, dann kämen wir drüber
rein. Du bist da, wenigstens du bist da.&lt;&lt;</p>



<p>Sie hatte recht, ich war da
– im Gegensatz zu so vielen anderen, also versuchte wenigstens ich
einen Hauch von Normalität in unser kleines Leben zu bringen, sodass
sie und ich den Weltschmerz wenigstens für ein paar Augenblicke aus
dem Kopf bekamen.</p>



<p>Ich sah auf und betrachtete
den Himmel, der langsam immer dunkler wurde, weil allmählich die
Dämmerung hereinbrach.</p>



<p>Heute hatte es ohnehin nicht
viel Licht gegeben, doch auch das versank langsam in der Dunkelheit,
was für mich bedeutete, dass ich langsam zum Haus zurück laufen
sollte, also setzte ich gemächlich einen Fuß vor den anderen,
verlor mich im Knirschen meiner eigenen Schuhe im knöchelhohen
Schnee und schlenderte nach einer kurzen Runde über den Marktplatz
an der Kirche vorbei, die kleine Straße hinauf, die zu unserem etwas
abseits gelegenen Haus führte.</p>



<p>Sanfter, weißer Rauch stieg
aus dem Kamin empor und in der Ferne sah man das Licht in den
Fenstern brennen und ein kurzes Gefühl der Wärme stieg in mir auf.
Meine Mutter war zu Hause und damit der einzige Mensch, mit dem ich
auch schon die letzten Jahre mein Weihnachtsfest verbracht hatte&#8230;</p>



<p>Ich meine, es war nicht
viel, aber genug. Wir waren uns selbst genug, denn wir wussten,
irgendwo ging es immer weiter.</p>



<p>Als ich auf der Schwelle
angekommen war, zog ich den rostigen Schlüssel aus meiner Tasche,
drehte ihn im Schloss herum und zog die Schuhe im Flur aus. Meine
dicken Socken trennten meine kalten Füße von der Kälte des Bodens
und so betrat ich die warme Küche, in welcher es schon nach Essen
duftete.</p>



<p>Ich schritt hinüber zum
Tisch, nahm die kleine Kerze in die Hand, die auf einem Ständer auf
einem großen Tannenzweig ruhte, entzündete ein Streichholz und
stellte sie mit zuckender Flamme wieder zurück.</p>



<p>In diesen Tagen war ein
Tannenbaum die letzte Sorge der Menschen: das Geld war knapp und
damit irgendeine Form von Weihnachtsgeist noch knapper.</p>



<p>Ich wollte das so nicht
stehen lassen und hatte beschlossen, wenigstens einen kleinen Hauch
von Weihnacht in unser Haus zu holen, also hatte ich mich vor einigen
Tagen auf den Weg in den Wald gemacht, einige Tannenzweige
geschnitten, sie im Hause aufgehängt und ein oder zwei Kerzen dazu
gestellt.</p>



<p>Viel mochte es nicht helfen,
doch meiner Mutter schien es zu gefallen; sie hatte einen
hoffnungsvollen Schimmer in den Augen, als sie mich darauf ansprach
und meinte nur wieder mal:</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, mein kleiner
Hannes. Du bist wie dein Vater, er wäre auch auf solche Ideen
gekommen&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Dann war ihr Blick wieder in
die Ferne geschweift, zu einem Ort, den nur sie kannte. Sie hatte
sich abgewendet und war gegangen, aber ich wusste, dass ich ihr
wenigstens für einen kurzen Augenblick ein Stückchen Hoffnung
zurück gebracht hatte und das war dies alles wert.</p>



<p>Ich saß am Tisch und ich
weiß wirklich nicht, wie lange ich nur dort verharrte und die
Maserung des Holzes auswendig lernte, aber irgendwann waren meine
Augen der Musterung so lange gefolgt, bis ich meinte, eine Art System
in ihr wiederzuerkennen.</p>



<p>Eine Art Monotonie überkam
mich und meine Finger fingen an, in einem seltsamen Takt zu wippen,
der irgendwann zu einem Rhythmus verkam, den ich sicher einige
Minuten gedankenlos vor mich hin klopfte, als ich plötzlich aufsah
und mich eine seltsame Stille überkam.</p>



<p>Ich drehte den Kopf und
wurde ganz leise. Das Klopfen, das ich langsam aufgehört hatte, war
immer noch da.</p>



<p>Wie konnte das sein?</p>



<p>Meine Finger bewegten sich
nicht.</p>



<p>Ich sah Richtung Flur. Es
war wirklich noch da. Ein leises Klopfen. Und es kam von der Tür.</p>



<p>Konnte das denn sein?</p>



<p>Es war dunkel und kalt
draußen, wer hatte sich um diese Zeit, an diesem Abend, auf den Weg
zu uns gemacht?</p>



<p>Von einer seltsamen Neugier
gepackt, machte ich mich auf und schlurfte bedächtig in den Flur,
nur um mir meinen Rock überzustreifen und die Tür einen Spalt weit
aufzuziehen.</p>



<p>Als sie sich immer mehr
öffnete, stieß mir kalte Luft entgegen und ich merkte, dass es noch
kühler geworden war, seitdem ich nach Hause zurück gekehrt war.</p>



<p>Meine Hand wand sich immer
stärker um die Klinke und ich musste im ersten Augenblick blinzeln,
weil ich für einen Moment gar nicht klar einordnen konnte, wem die
Silhouette gehörte, die ich da im Schein der Eingangslaterne sah.</p>



<p>Das Gesicht kam mir bekannt
vor, aber es stimmte nicht mit dem überein, dem ich es zuerst
zugeordnet hätte: die Wangenknochen standen deutlich hervor und die
Gesichtszüge waren allgemein hager, über dem Bart an der Oberlippe
klaffte eine Narbe, die ich noch nicht kannte und die Haare waren
zerzaust und sahen aus, als ob sie seit Wochen keinen einheitlichen
Schnitt mehr gesehen hätten.</p>



<p>Nur die Augen waren immer
noch die gleichen, sie erkannte ich auf Anhieb und ihre grünliche
Färbung versetzte mich für einen Moment in eine Art Trance. In mir
stieg schlagartig ein Gefühl der Verbundenheit auf, so als ob ich
diesen Menschen nicht vor Jahren das letzte Mal gesehen hätte.</p>



<p>Es war, als ob er uns
gestern verlassen hätte.</p>



<p>Genau diese Augen umgab nun
ein Ausdruck, der nicht mehr der derselbe war, wie der, als ich sie
zuletzt gesehen hatte.</p>



<p>Auch sie mussten so vieles
gesehen haben, was man an einem Abend nicht erzählen konnte, so
vieles gesehen haben, das man nicht in Worte fassen konnte, so vieles
gesehen haben, das diesen Menschen so verändert hatte.</p>



<p>Einem spontanen Impuls
folgend, streckte ich meine Hand aus, ich wusste nicht genau nach
was, oder was ich genau erwartete, doch irgendwie wollte ich die
Entfernung überbrücken, die zwischen uns entstand.</p>



<p>Die metaphorisch all die
Jahre zwischen uns entstanden war und nun innerhalb weniger
Augenblicke wie nichts in sich zusammen fiel. Die all die Jahre wie
ein grauer Schleier über dieser Familie gelastet hatte und nun auf
einmal heruntergerissen wurde.</p>



<p>Und so standen wir nun da.
Getrennt nur durch die Türschwelle zwischen unseren Fußspitzen.</p>



<p>Keiner von uns bewegte sich.</p>



<p>Nicht mal ein Finger rührte
sich.</p>



<p>Niemand verzog eine Miene.</p>



<p>Wir standen bloß da.</p>



<p>Stille kehrte ein. Abermals.</p>



<p>Die kalte Luft biss uns in
die Gesichter und in der Ferne fegte dieser eisige Wind über die
Felder, doch wir rührten uns nicht.</p>



<p>Wir standen nur da, wie
angewurzelt und sahen uns tief in die Augen. Sogen die Gesichtszüge
des anderen ein, glichen sie mit dem ab, was über all die lange Zeit
zu einer verschwommenen Erinnerung geworden war.</p>



<p>Plötzlich wurde ich von
einem starken Arm nach vorne gezogen und gegen einen rauen Feldrock
gedrückt. Ich fand mich in dieser energischen, bestimmten Umarmung
wieder und konnte zunächst nicht fassen, was geschah, da das alles
so surreal für mich war, bis ich begriff, dass das alles hier
wirklich sein musste, weil ich warme Tränen auf meiner kalten Haut
spürte und das Schluchzen unüberhörbar wurde.</p>



<p>Auch ich bemerkte nun den
Knoten in meinem Hals und musste schlucken, um wieder einen klaren
Gedanken zu fassen.</p>



<p>Erst, als ich mich nach
einiger Zeit wieder löste, räusperte ich mich etwas und sprach mit
erstickter Stimme:</p>



<p>&gt;&gt;Tristan, wir sollten
hinein gehen&#8230; Mama hat das Essen schon aufgesetzt&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Mir war gar nicht klar, mit
welch einer Gelassenheit ich so etwas alltägliches aussprach, obwohl
es mehr als alltäglich war, dass mein Bruder jemals wieder mit uns
am Tisch sitzen würde.</p>



<p>Wortlos lösten wir uns aus
der Umarmung und erst jetzt bemerkte ich, dass er mit einem Arm eine
großzügige Ledertasche über die Schulter hievte und mit den
schneebedeckten Schuhen über die Schwelle in unseren weiß gekalkten
Flur trat.</p>



<p>Da, wo der andere Arm sein
sollte, war die Jacke umgeschlagen und an die Front gepinnt.
Anscheinend hatte der Krieg seine Spuren hinterlassen.</p>



<p>Ich blinzelte nur ein paar
Mal, wischte mir selbst die Tränen aus den Augen und deutete wortlos
zur Küche hinüber, von wo man Mama leise eine Melodie summen hörte.</p>



<p>Tristan nickte mir nur zu,
ließ die Tasche auf den Boden sinken und ging langsam zur Tür. Ich
blieb im Gang zurück und bekam mit, wie die Melodie schlagartig
erstarb, ein unterdrückter Schluchzer zu hören war und unsere
Mutter meinem Bruder um den Hals fiel.</p>



<p>Ich ging nicht hinein, ich
wollte ihnen diesen Moment nicht klauen.</p>



<p>Ich stand einfach nur da,
wie vorher schon und spürte nur, wie auch mir die Tränen die Wangen
hinunter liefen.</p>



<p>Das war das erste Mal seit
Monaten, dass diese künstliche Mauer aus Abgeklärtheit und Trotz in
sich zusammen brach und wahrer Freude wich.</p>



<p>Mit einem zarten Grinsen auf
meinen Lippen, wendete ich mich zur Tür, ließ sie ins Schloss
schnappen und lehnte mich dagegen.</p>



<p>Eine ganze Zeit lang stand
ich noch so da und ließ diesen überwältigenden Moment erst einmal
zur Gewissheit werden. Tristan war wieder da. Er lebte. Und war nach
Hause zurück gekehrt.</p>



<p>Erst jetzt wurde mir klar,
dass dies ein ganz besonderes Weihnachten war: wir würden nicht zu
zweit am Tisch sitzen und leise unsere Lieder singen, dieses Mal
waren wir zu dritt und würden mehr eine Familie sein, als wir es die
letzten Male jemals waren.</p>



<p>Auch ich machte mich nun auf
den Weg in die Küche und musste noch einmal die aufkeimenden Tränen
unterdrücken, als ich meinen Bruder, die zitternden Hände meiner
Mutter in seiner haltend, mit ihr am Tisch sitzen sah.</p>



<p>Zwischen ihnen lag nur der
Tannenzweig, mit der Kerze darauf, deren Flamme aufgeregt hin und her
flackerte.</p>



<p>Keiner sagte etwas, nur ich
setzte mich mit einem Stuhl dazu und sah beide an.</p>



<p>Die Stille wurde erst
unterbrochen, als mein Bruder sich mir zuwandte, einen alten,
heimeligen Schimmer in den Augen.</p>



<p>&gt;&gt;Hannes, wie ich
sehe, hast du dich gut um Mama gekümmert. Ich bin stolz auf dich.&lt;&lt;</p>



<p>Ich lächelte ihn an und
erwiderte nur:</p>



<p>&gt;&gt;Ich tat mein
Bestes.&lt;&lt;</p>



<p>Tristans Augen leuchteten
und er atmete hörbar aus: &gt;&gt;Ich denke, das taten wir alle,
nicht war? Über all die Zeit taten wir unser Bestes und manchmal
reicht es eben, aber manchmal auch nicht.&lt;&lt;</p>



<p>Ich sagte nichts. Er fuhr
fort.</p>



<p>&gt;&gt;Ich bin erleichtert
zu sehen, dass es dieses eine Mal wohl gereicht hat. Euch hier sitzen
zu sehen, war alles, was ich für vier Jahre wollte.&lt;&lt;</p>



<p>Mutter fing an zu weinen und
drückte seine Hand nun fest in ihren.</p>



<p>Ich sah auf den leeren Ärmel
seiner Uniform und fragte nur leise: &gt;&gt;Doch zu welchem Preis?&lt;&lt;</p>



<p>Sein Blick folgte dem meinen
und er schwieg kurz, dann erwiderte er: &gt;&gt;Weißt du,
Bruderherz, was beobachtest du, sobald du aus dem Fenster siehst?&lt;&lt;</p>



<p>Ich stockte, nicht wissend,
in welchem Kontext ich diese Frage zu verorten hatte.</p>



<p>&gt;&gt;Lichter in der
Ferne, es ist dunkel draußen.&lt;&lt;</p>



<p>&gt;&gt;Und wenn du hinauf
zum Himmel schaust? Was siehst du dann?&lt;&lt;</p>



<p>Ich überlegte.</p>



<p>&gt;&gt;Wolken? Sterne sieht
man keine, es ist bewölkt&#8230;&lt;&lt;</p>



<p>Er bedachte mich nur mit
seinem warmen Blick, wie er es früher öfter getan hatte und
lächelte mich an.</p>



<p>&gt;&gt;Genau. Die Wolken
sind zwar da, aber sie fallen uns nicht auf, weil es dunkel ist und
wir im Finstern öfter mal stolpern. Aber weißt du was? Das ist
nicht schlimm, denn wir fallen weich.&lt;&lt;</p>



<p>Ich war unschlüssig, was er
mir sagen wollte.</p>



<p>Begriffsstutzig entgegnete
ich nur: &gt;&gt;Aber wir fallen hart, draußen ist alles gefroren.&lt;&lt;</p>



<p>Mein Bruder lachte nur und
schüttelte den Kopf.</p>



<p>&gt;&gt;Es ist gefroren
draußen, weil es kalt geworden ist in letzter Zeit. Und mit der
Kälte kommt der Schnee.&lt;&lt;</p>



<p>Er legte die verbliebene
Hand auf meine Schulter und sah mich tief an.</p>



<p>&gt;&gt;Der Schnee kommt
immer in der Nacht.&lt;&lt;</p>



<p>Die Landschaft lag an jenem
Abend im Schnee und alles, was in dieser Nacht Helligkeit bot, waren
die vereinzelten Lichter in den Häusern der Dörfer.</p>



<p>Sterne waren keine zu sehen,
aber weiße Flocken brachen aus der Wolkenschale und glitten langsam
aber stetig zum Boden auf uns alle herab.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/">Kurzgeschichte: Der Schnee kommt immer in der Nacht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2018/12/kurzgeschichte-der-schnee-kommt-immer-in-der-nacht/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">10435</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Faszination Hautstich &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</title>
		<link>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil2/</link>
					<comments>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil2/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Krauss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2015 15:44:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[hautstich]]></category>
		<category><![CDATA[körper]]></category>
		<category><![CDATA[presstige #28]]></category>
		<category><![CDATA[stil]]></category>
		<category><![CDATA[tattoo]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=7934</guid>

					<description><![CDATA[<p>Teil 2: Von Protest, Stilfragen und Jugendsünden Nachdem wir uns bereits mit den dunkleren Kapiteln in der Geschichte der Tätowierung auseinandergesetzt haben, geht es im zweiten Teil unseres Überblicks um die Freiheit. Hier erfahrt ihr, wie sich der Hautstich von...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil2/">Faszination Hautstich &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: justify;">Teil 2: Von Protest, Stilfragen und Jugendsünden</h2>
<div id="pageContainer1" class="page" data-loaded="true">
<div class="textLayer" style="text-align: justify;">
<p><figure id="attachment_7936" aria-describedby="caption-attachment-7936" style="width: 600px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/Xni7Hz2yB9tBfFl6EKiKSVau2NhU8FvfGH861ue_lGw.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-7936" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/Xni7Hz2yB9tBfFl6EKiKSVau2NhU8FvfGH861ue_lGw-1024x649.jpg" alt="Julia Krauss &amp; Michael Müller – Illustration: Isabell Beck" width="600" height="380" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/Xni7Hz2yB9tBfFl6EKiKSVau2NhU8FvfGH861ue_lGw.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/Xni7Hz2yB9tBfFl6EKiKSVau2NhU8FvfGH861ue_lGw-400x254.jpg 400w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7936" class="wp-caption-text">Text: Julia Krauss &amp; Michael Müller – Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure></p>
<p><strong>Nachdem wir uns bereits mit den <a title="Faszination Hautsicht – Die Tätowierung als globales Phänomen" href="http://presstige.org/2015/07/taetowierung-als-globales-phaenomen-teil1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dunkleren Kapiteln in der Geschichte</a> der Tätowierung auseinandergesetzt haben, geht es im zweiten Teil unseres Überblicks um die Freiheit. Hier erfahrt ihr, wie sich der Hautstich von der Protestkultur zu dem vielfältigen </strong><strong>Massenphänomen aufgeschwungen hat, das wir aus unserem Alltag kennen.</strong></p>
<div data-canvas-width="124.89859361435295">
<hr />
</div>
<div data-canvas-width="97.92478657171768"></div>
<div data-canvas-width="179.71854790298826">Die 1960er Jahre schlugen nach dem dritten Reich ein wie eine Bombe! Ausgehend von den USA kam eine Jugendprotestbewegung auf, die neben LSD, sphärischer Musik und Woodstock auch das Tattoo wieder in Mode brachte. So entstand bei Hippies und Punks gleichermaßen eine Protestkultur, die von einer bewussten und kritischen Haltung gegen die „spießige“ bürgerliche Welt der Eltern und Großeltern geprägt war. Die Tätowierung wurde so zum Massenphänomen und zum Ausdruck eines Verbundenheitsgefühls.</div>
<div data-canvas-width="97.45066475908237">Die radikalen Punks im Großbritannien der 70er Jahre machten den Hautstich zum Teil ihrer Rebellion. Mit szenetypischen Motiven zeigten sie Flagge gegen die schlechte wirtschaftliche und politische Lage des Landes: grinsende Totenschädel mit gekreuzten Knochen, Ratten, Spinnen und Spinnennetzte, Pin-Ups mit Irokesen-Frisur oder Namen und Logos von bekannten Bands dienten als konstante Ausdrucksform des nicht gesellschaftsfähigen Individuums. Dieses schlechte Image von Rauheit und Verwegenheit wurde später maßgeblich durch den Ruf von Rockern und Bikern verbreitet, als sich in den späten Siebzigern Hardrock- und Heavy-Metal-Strömungen der Tätowierkunst anschlossen. Andererseits wurde der Hautstich über die ausgestrahlten Musikvideos auch endgültig in der westlichen Welt gesellschaftsfähig gemacht.</div>
<h3 data-canvas-width="97.45066475908237"></h3>
<h3 data-canvas-width="97.45066475908237">Die Stichart verändert sich</h3>
</div>
<div class="textLayer" data-canvas-width="724.9465022727534">
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="544.3053314436002">Die ersten Hautstiche der Steinzeit waren eher ungewollt. Um die Blutgerinnung zu beschleunigen oder durch die Reizung der Haut für mehr Narbengewebe zu sorgen, wurde Pflanzensaft in eine Wunde gerieben. Das konnte eine Verfärbung der Narbe nach sich ziehen, was schlussendlich doch gewollt genutzt wurde. So entstanden als erste Tätowierungen Linien und später durch die individuelle Abschottung der Kulturen verschiedene Tätowiertechniken und Motive.</div>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="229.84875576691772">Zum großen Wandel und endgültigen Triumphzug der Tätowierungstechnik kam es erst 1891. Samuel O ́Reilley wandelte den von Thomas Edison erfundenen Elektrostift (ebenso Erfinder der Glühbirne und des Grammophons) in eine elektronische Tätowiermaschiene um. Der größte Vorteil gegenüber den alten Stichtechniken war, dass man nun viel schneller, hygienischer und vor allem präziser tätowieren konnte. Heute gibt es für Tattoomotive eine Vielfalt verschiedener. Unter „Old Port/School“ fallen zum Beispiel Seemotive mit eigenständiger Bedeutung.</div>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="333.4109455632">So steht die Schildkröte als Symbol für die Überquerung des Äquators. Der „Neue Tribalismus“ steht für kraftvolle schwarze Linien und nicht-figurative Designs, unter anderem basierend auf der visuellen Sprache der Polynesiern. Der illustrative Stil des Westens ist dagegen auf technische und stilistische Perfektion ausgerichtet. Zudem gibt es die Stilart „New School“ der etliche Unterstile unterfallen, wie Lettering, Grafitti, Celtic, Kanji/Oriental, Fantasy/Feen und Engel, Biomechanik, Cartoons &amp; Pinups, Porträts und Religion/Mythologie.</div>
<h3 style="text-align: justify;" data-canvas-width="333.4109455632"></h3>
<h3 style="text-align: justify;" data-canvas-width="333.4109455632">Der Hautstich wird zum Massenphänomen</h3>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="184.91820648882359">Heutzutage ist das Tragen eines Tattoos Mainstream geworden. Viele lassen sich aus einem persönlichen Gefallen am Motiv tätowieren, ohne seine ursprüngliche Bedeutung genau zu kennen. So kann es die Identität des Trägers unterstreichen, kann aber genauso ohne tiefere Bedeutung bleiben und lediglich für das ästhetische Empfinden des Trägers stehen. Es ist chic, Tattoos zu tragen, die in den vergangenen Jahren zur Modeerscheinung, fast schon zum Must-have geworden sind. Das solche Schönheit vergänglich ist, zeigen sogenannte „Tattoo-Jugendsünden“.</div>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="79.006753626">Vielen älteren Trägern werden Steißbeintattoos, oder der einst stolze Adler, der zu einem hässlichen faltigen Vogel geschrumpft ist, unangenehm peinlich. Folglich verwundert die hohe Nachfrage nach Tattoo-Weglaserungen oder Cover-Ups kaum. Deshalb sollte sich jeder „Glatte“ vor dem ersten Nadelstich seines Wunschmotives sicher sein und es besser mehrfach hinterfragen. Reichen vielleicht schon Trikot und Fanschal oder geht die Liebe zum FCA wirklich unter die Haut? Zuletzt sollte aber jeder nach seinem eigenen Schönheitsempfinden urteilen, denn seien wir einmal ehrlich: Manche Tattoos sind große Meisterwerke, formvollendet und wirklich schön anzuschauen! Kompliment also an die Träger und vor allem an die Künstler, die dahinter stehen!</div>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil2/">Faszination Hautstich &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil2/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">7934</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Faszination Hautsicht &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</title>
		<link>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil1/</link>
					<comments>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil1/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Krauss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2015 14:29:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[hautstich]]></category>
		<category><![CDATA[körper]]></category>
		<category><![CDATA[presstige #28]]></category>
		<category><![CDATA[stil]]></category>
		<category><![CDATA[tattoo]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=7931</guid>

					<description><![CDATA[<p>Teil 1: Von Ausgrenzung, Zusammenhalt und Südseeträumen Die Tätowierung hat einen langen Weg hinter sich. Nicht nur in der Tattooszene war es ein gutes Stück von „Old Port“ bis zur „New School“, sondern vor allem auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil1/">Faszination Hautsicht &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: justify;">Teil 1: Von Ausgrenzung, Zusammenhalt und Südseeträumen</h2>
<div id="pageContainer1" class="page" style="text-align: justify;" data-loaded="true">
<div class="textLayer" data-canvas-width="724.9465022727534">
<p><figure id="attachment_7937" aria-describedby="caption-attachment-7937" style="width: 600px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/GhUSwKBQyMwLv0dhSLyzokXYUmj5iKbhHa1LqpzCZJM.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-7937" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/GhUSwKBQyMwLv0dhSLyzokXYUmj5iKbhHa1LqpzCZJM-1024x613.jpg" alt="Text: Julia Krauss &amp; Michael Müller – Illustration: Isabell Beck" width="600" height="359" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/GhUSwKBQyMwLv0dhSLyzokXYUmj5iKbhHa1LqpzCZJM.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/GhUSwKBQyMwLv0dhSLyzokXYUmj5iKbhHa1LqpzCZJM-400x239.jpg 400w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7937" class="wp-caption-text">Text: Julia Krauss &amp; Michael Müller – Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure></p>
</div>
<div class="textLayer" data-canvas-width="724.9465022727534">
<p><strong>Die Tätowierung hat einen langen Weg hinter sich. Nicht nur in der Tattooszene war es ein gutes Stück von „Old Port“ bis zur „New School“, sondern vor allem auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz. Unsere Redakteure haben hierzu einen kleinen Überblick zusammengestellt.</strong></p>
<hr />
<p>Die Geschichte des Tattoos reicht bis in die Steinzeit. Egal ob Ästhetik, Identität, Identifikation, religiöse Verbundenheit, Mode oder eine politische Gesinnung – seit jeher lassen sich Menschen tätowieren. Die 59 genauestens platzierten Kreuz- und Linientätowierungen in der Haut der ca. 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi hatten vermutlich medizinische Gründe. Der Hautstich wurde jedoch genauso zur Grenzziehung zwischen sozialen Schichten oder Glaubensvorstellungen eingesetzt, wie die schmerzhafte psychosoziale Brandmarkung Krimineller oder unerwünschter Personen zeigt.</p>
<h3 data-canvas-width="407.21626567877644">Das Tattoo als Brandmarkung</h3>
<div data-canvas-width="181.6173846780001">Die Römer und Griechen zeichneten um 100 v. Chr. gezielt Soldaten, Sklaven, Kriminelle und die in ihren Augen ketzerischen Christen. Ihre Tätowierung brandmarkte sie als böse, ungerecht, minderwertig und ungläubig. Unter den frühen Christen wandelten sich die gewaltsam aufgedrückten „Out-Group-Stigmata“ so allerdings schnell zu gruppenstärkenden und sogar freiwillig erworbenen „In-Group-Erkennungszeichen“. Bereits hier zeigt sich der ambivalente Charakter der Tätowierung, den sie bis heute nicht verloren hat. Einerseits diffarmierende Brandmarkung, andererseits positives Gruppenzeichen.</div>
<div data-canvas-width="235.9973394957177">Besonders grausam wurden Menschen bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern des dritten Reichs gebrandmarkt. Die Zahl auf dem linken Unterarm sollte nicht auf der Haut halt machen, sondern bis ins Hirn wirken. Vom Körper in die Seele sollte sie das Individuum zu einer Nummer unter vielen reduzieren. Von einem Menschen zum Nichts. Auf andere Weise wirken diese Zahlen bis in die Gegenwart fort. Viele junge Erwachsene veranlasst das Gedenken an den Holocaust dazu, sich diese KZ-Matrikelnummer ihrer Vorfahren ebenfalls tätowieren zu lassen. So zeigen sie, dass die geliebten Großeltern weit mehr als eine Nummer waren. Damit wird eine Brandmarkung zum Versuch, das Vergangene aufzuarbeiten und die Geschichte des jüdischen Volkes und der eigenen Familie weiterzutragen.</div>
<h3 data-canvas-width="235.9973394957177"></h3>
<h3 data-canvas-width="235.9973394957177">Tätowierungen als Importschlager aus der Südsee<strong><br />
</strong></h3>
</div>
</div>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="422.31456999712935">Im 18. Jahrhundert wandelte sich das Tattoo zum Symbol für den Traum vom Leben auf einer Südseeinsel. Matrosen brachten wilde Abenteuergeschichten und den Begriff tattow von ihren Reisen mit nach Europa. Dieser ist eine Abwandlung des polynesischen tatau, einer Kulturtechnik, bei der die Tahitianer ihre Tätowierung erhalten. Auf diesem Wege wurde die „bodymodification“ in Europa weitläufig wiederbelebt. In der Folge entwickelte sie ihre eigene Dynamik in der Körperkunst und löste geradezu eine Tätowierungswut aus.</div>
<div style="text-align: justify;" data-canvas-width="422.31456999712935"></div>
<blockquote>
<table style="background-color: transparent;" width="100%">
<colgroup>
<col width="30%" />
<col width="70%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td style="text-align: justify;"><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/07/ab28.jpg" alt="" /></td>
<td><strong>Ausgabe 28: Körper </strong>Dieser Artikel erscheint exklusiv als Onlinebeitrag zur Ausgabe 28 unseres gedruckten Magazins.</p>
<ul>
<li><a href="http://presstige.org/2015/07/ausgabe-28-koerper/">Die digitale Version durchblättern</a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/presstige28/">Alle Artikel der Ausgabe </a></li>
<li><a href="http://presstige.org/tag/koerper/">Der Schwerpunkt Körper</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil1/">Faszination Hautsicht &#8211; Die Tätowierung als globales Phänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2015/07/taetowierung-globales-phaenomen-teil1/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">7931</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
